Ausgabe 
1.12.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Parlament nicht zur Berathung zuließ. Unter furchtbare» Lärm verließen die Deotsch-Ltberalea und Deutsch-Nationalen korporativ den Sitzungssaal. Unter den liberalen Reichs- rathS-Äbgeordneten herrscht große Erregung, weil der Vice- Präsident Dr Kramarcz im Abgeordnetenhause mittheilte, daS Präsidium werde nicht zurückrreten. Der jungtschechische Dr. Stranzky äußerte sich diesbezüglich folgeudermaßeu: Der Pöbel kann ein Ministerium stürzen, aber ein Präsidium nicht. Diese Haltung der polnischen Majorität dürfte dem neuen Ministerpräsidenten seine Position wesentlich erschweren und auch die EabinetSbildung schwierig gestalten. Alle Minister- Eombinationen find daher al» verfrüht zu bezeichnen. Rach Informationen aus den dem neuen Mioifterpräfidente» nahe stehenden Kreisen verlautet, daß der Letztere vor Allem von der ungarischen Regierung eine Verlegung des Termins für da» Ao»gleich»'Provtsorium bi» zum 15. December verlangen werde. Ec hofft bi» dahin da» Provisorium vom Abgeord­netenhause bewilligt zu erhalten. Sollte diese Bewilligung nicht zu erlangen sein, daun werde er seine Zuflucht zu § 14 nehmen. Freiherr v. Gautsch wird auch versuchen, durch Berm ttelung der deutschen Großgrondbefitzer eine Verständi­gung zwischen der parlamentarischen Majorität und Minorität anznbahnen. Za diesem Behufe soll eine Persönlichkeit der deutschen Großgruodbefitzer entweder im Labiuet eintreten oder die erste vtcrpräfidentenstelle im Abgeordueteuhause erhalten.

Budapest, 2S. November. Die Nachricht über die Ver­tagung de» ReichSrathS erregt hier überall Aufsehen, ebenso die Demisfiou BadentS.

Prag, 29. November. Infolge der Nachricht von dem Rücktritt des Grafeu Badeni hatten gestern Abend zahlreiche deutsche Städte Böhmens, darunter Reichenberg, Asch, Eger u. s. w. tllumtntrt.

Prag, 29. November.Naroduh Listi" sagt bet Be­sprechung de» EabtnetSwechselS, falls Freiherr v. Gautsch die Spracheo-Verorduungeo zurückoehme, werde fich da» tschechische Volk gegen ihn wie ein Mann erheben.

Lüttich, 29. November. Heute früh hat ein blutiger Zusammenstoß zwischen den Strikenden und den deutschen Grubenarbeitern stattgefunden. Erstere versuchten die Deutschen in den Strike mit einzuziehe», letztere jedoch weigerten sich, die Arbeit ntederzulegrn, weshalb e» zu einer hestigen Schlägerei kam. Die Strikendeu feuerten Revolverschüffe ab. Zwei Deutsche wurden tödtlich verwundet.

Madrid, 29. November. Zur Ankunft des Generals Wehler find in Mhorka große Vorbereitungen getroffen worden. Drei Dampfschiffe und eine große Menge kleiner Fahrzeuge sind ihm entgegengefahreu.

Barcelona, 29. November. General Wehler hat fich gestern Abend auf dem Dampfer Belver eingeschtfft. Einige Freunde begleiteten ihn an Bord und brachten Hochrufe auf ihn au».

Berlin, 30. November. Der Entwurf zur Entschä­digung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochruen Per­sonen, sowie derjenige über die Angelegenheit der freiwilligen GerichtSbarktit find bereit» vom Plenum des Buode»rath» angenommen worden und werden dem Reichstage voraus­sichtlich bald nach der Eröffnung zugehen.

Wien, 30. November. Kaiser Franz Joseph soll gestern zu einem StaatSmaone geäußert haben:Wenn ich die Sprachenverorduung aufhebe, so würde ich nicht Kaiser, sondern Präsident einer Republik sein."

Wie», 30. November. Gestern Abend fanden in sämmt- ltchen Bezirken Arbeiter-Versammlungen statt, in welchen der Sturz BadeniS als ein Steg der socialtsttscheu Abgeordneten gefeiert wurde. Nach den Versammlungen er­folgten Umzüge mit Lampion» durch die Bezirke. Eine große Anzahl Professoren aller Facultäteo beschloß eine Kundgebung au beide Häuser de» ReichSrathS, worin energisch Protest erhoben wird gegen die Vergewaltigung deS Deutschthum» und der Parlamentsrechte. Wien war gestern Abend theil- weise tllumtntrt. Die innere Stadt hatte fich wenig daran bethetltgt, dagegen waren die Straßen tu den Vororten stark beleuchtet. In Eger war gestern große Jllumtoatton. Die Fruster, welche dunkel gebltebeu waren, wurden thetlwetse erogeworseu. In Ltnz wurden dem Adgeordneteo Ebenhoch die Fruster etageworfeo, worauf dieser au» dem Fenster herausschoß.

Wien, 30. November. Der Bildung de» Mi niste- rtuw» standen große Schwierigkeiten entgegen, die jedoch schon überwunden find. Da» neue Ministerium soll wie folgt zusammengesetzt seiu: Präsidium und Innere»: Freiherr ö. Gautsch, Finanzen: der srühere Ftnanzmtutster Boehm- Bawerk, Justiz: SectionSchef Ruber, Unterricht: Sectiov»- ches Gros Latour, Eisenbahnen: SectionSchef W'.ttek, Handel: SectionSchef Körber. Der LandeSvertheidtguogSmtuister WelferShrtm bleibt. Offen find noch die Posten de» Acker- bauwtnister» und de» galizische» LandmaunSmtntsterS.

Prag, 30. November. Gestern Nachmittag kam e» zu heftigen Sxcessen zwischen deutschen uud czechi- scheu Studenten. Gegen 2 Uhr zogen einige Hundert deutsche Studenten vor da» Gebäude derSchlaraffia". Alsbald kamen jedoch eine große Anzahl czechische Studenten, welche die Deutschen erst verhöhnten und dann zu brutalen Thätlichkeiteu übergingen. Em Deutscher wurde blutig ge- schlagen, em zweiter erhielt einen Mefferstich, ein dritter konnte nur mit Hilfe einiger Herbetgeeilter Polizisten tu einen Wagen flüchten. Die Stimmung in der Stadt ist äußerst erregt. Da» Thor de» deutschen Casino» ist verrammelt.

WB. Berlin, 30. November. Die Thronrede wurde vom Kaiser persönlich im Weißen Saale de» königlichen Schlöffe» verlesen Die Prinzen und Prtnzesfinuru de» königlichen Hanse» wohnten der Feier bei, darunter Prtoz Heinrich, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold.

WB. Spandau, 30. November. Heute vormittag hat sich hier ein Eisenbahn uns all eretgoet, wobei mehrere

Personen getödtet uud eine größere Anzahl verwundet wurden. Einzelheiten sehleu noch.

Zweite Kammer der Laudstäude.

Die Tagesordnung der 15. Sitzung am DieuStag, den 7. December 1897, vormittag» 10 Uhr, weist solgeude BerathungSgegenstäude auf: 1. Neue Etoläuse,- 2 B'.richt». anzeigen- 3. Wahl eine» Mitgliedes de» erstell Ausschusses - 4. Vorlage Großh. Ministerien de» Innern und der Finanzen, da» Dienftgebäude de» BerwaltungSgerichtShof» zu Darmstadt betreffend. 5. Vorlage Großh. Ministeriums de» Innern, dringliche bauliche Herstellungen betreffend- 6. Vorlage Groß^- Ministerium» de» Juoeru, den Gesetzentwurf, da» Radfahreu auf öffentltcheu Wegen, Straßen uud Plätzen betreffend- 7. Vorlage Großh. Ministerium» deS Jauern, den Gesetz­entwurf, die Ergänzung des Gesetze» vom 1. I ni 1895, den Ersatz de» Wildschaden» betreffend- 8. Vorlage Großh. MiuisteriumS de» Innern, den Gesetzentwurf, die Bildung der Stadtverordneten-Versammlung der Stadt WormS be­treffend- 9. Vorlage Großh. Ministerium» der Ftoanzeu, die Verlängerung der Ladestraße bet Nierstein betreffend; 10. Vor­lage Großh. Ministerium» der Finanzen, die für da» Hof­bauwesen erforderlichen Mittel unter Cap. 118 Tit. 1 u. 2 und Cap. 148 Tit 1 und 2 betreffend - 11. Vorlage Großh. MiuisteriumS der Finanzen, dringliche bauliche Herstellungen und laufende Unterhaltungen betriffeod- 12. Vorlage Großh. MiuisteriumS der Finanzen, den Gesetzentwurf, die Ein- richtuug eines StaatSschuldduchS betreffend- 13. Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, ergänzender Nachtrag zum Hauptvoranschlag für 1897/1900, Cap. 107, Staat»« schuldeuverwaltullg betreffend.

CotaUs unb protHnjielU».

Bietzen, 30. November 1897.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 2. December 189 7, Nachmittags ,/a4 Uhr pünktlich: 1. Vorlage der Rech­nung des Realgymnasium» und der Realschule pro 1896/97. 2. DeSgl. der Rechnung deS GaS- und Wasserwerks pro 1896/97. 3. Wafferabgabe an den Etsveretn- hier Gesuch desselben um anderweite Verrechnung de» Wafferverbrauche». 4. Deu am Fuße deS HardtbergeS in nordöstlicher Richtung ziehenden Feldweg. 5. Gesuch des BierbraueretbefitzerS Georg Bichler um pachtweise Ueberlaffung von städtischem Gelände an der Hardt. 6. Verkauf eines Bauplatzes au» der früher v. Rabenau'scheu Besitzung. 7. Ausbau der Schanzeustraße. 8. Erhöhung städtischer Trottoir». 9. Die Anlage eine» neuen Biehmarkte» nächst der Rodhetmerftraße. 10. Gesuch de» August Lang zu Gießen um Erlaubntß zum WirthschaftSbetried im Hause Riegelpfad 38 (früher Busch). 11. Gesuch de» Wilhelm Busch zu Gießen um Erlaubniß zum Wirthschafsbetrieb im Hause Grünbergerstraße 47 (früher Sommerlad).

**H. Stadttheater. Wenn auch an hiesiger Bühne der Novitäten viele aufgeführt werden, so ist eine Premiere hier zu erleben eine große Seltenheit und doch ist e» schon geschehen und hätte bereit» öfter geschehen können, denn auch in Gießen finden fich talentvolle Dramatiker- allein Schwierig- ketten feiten» de» Dichter» oder der Theaterlettung vereiteln zumeist die Erstaufführung eine» Werke». Die» wird wohl auch zutreffend sein, daß da» gestern hier zur Darstellung gelangte SchauspielDer Ghmnasialdirector", da» die Herren E. Zabel und Alfred Bock zu Dersaffern hat, seinen Umzug über die Bühnen von hier au» nicht begonnen, und besonder» au» dem Grunde zu der Annahme einer hier stattfindenden Erstaufführung berechtigte, weil der eine Mit- verfaffer, Herr Bock, angesehener Gießener Bürger und über Gießen» Mauern noch weit hinaus al» fruchtbarer Schrift­steller und Dichter bekannt ist. Sein Werk durfte deshalb hier besondere» Interesse erwecken, wa» erfreulicherweise auch gestern zu coustatiren war und wir nehmen au, daß eS nicht Neugierde allem war, die das Publikum gestern so zahlreich in den Theatersaal führte. Da» Drama zählt nicht zu den SensationSstücken, ist nicht modern gesucht aber wahr - die Handlung führt in da» Getriebe de» täglich wogenden Leben», bietet interessante Episoden, kleinstädtische An­schauungen und Verhältnisse characterifirend. ES offenbart sich darin psychologische Beobachtung und fesselt, obgleich besondere dramatische Effecte nicht angewandt find. Kurz skizzirt ist der Inhalt folgender: Gymnafialdirector Dr. Schmidt, ein in seinem Beruf aufgehrnder Gelehrter, lernt Frau Tillmann kennen, die ihn besucht, um für ihren einzigen Sohu seine erzieherische Mithülfe zu erbitten. Die noch junge, schöne Frau steht allein- ihr Gatte hatte fich eine Veruntreuung zu Schulden kommen laffen und mußte diese im Gefängntffe büßen. Ihre einzige Sorge ist ihr Kiud Robert, deffen fich eine gewisse Scheu und Verschloffeuheit vor den Mtnschen bemächtigt hat, da ihm von seinen Mit­schülern in gesühlsrohtr Weile die Sünde feines Vater» vor­geworfen wurde. Sein auffällig scheue» Wesen macht die Mutter ängstlich und fie neigt zu der Annahme, daß sich in Robert die verbrecherische Neigung vererbt hätte. Sie ver­traut sich dem Director an uud dieser verspricht ihr, sein Mög­lichste» für die seelische und geistige Ausbildung desselben zu thun, ja er will ihn genau kennen lernen und beobachten. Aus diesem Grunde kommt er iu die Wohnung Frau Till­manns und, dem Zug de» Herzen» und de» Schicksal» Stimme folgend, verliebt fich in nicht zu bezwingender Leiden­schaft in die ihm vom ersten Augenblick an sympathisch erschienene, edle Frau. Doch kleinstädtischer Klatsch und die sogenannteöffentliche Meinung" sprechen darüber in mora­lischer Entrüstung, ein Theil seiner Collegen spricht gleich­fall» verdammungswürdig darüber und die Folge ist, daß er genöthigt wird, sein Amt al» Gymnafialdirector nieder­zulegen, da seinverhältniß" mit dieser Frau schädigend die von ihm geleitete Anstalt beeinflusse. Doch der Manu erstarkt in seiner Liebe - er bietet Frau Tillmann

j seine Hand zum Bund für» ganze Leben, damit zugleich ihrem Sohn Robert der sichere Leiter seiner Zukunft werdend. Zwei Epiwden iw Gang der Handlung sind von be­sonderer Bedeutung zur Erkenntwß de» Tendenz deS Stücke». Die eine, Eingang» der Handlung, wo der Director genöthigt ist einen ihm unterstellten Oberlehrer die Versetzung auzu- kündigen, weil dieser eine verheirathete Frau über alle Maßen liebt und dessen Ruf al» Lehrer durch la», wa» die Lene darüber sagten, gerichtet und vernichtet wurde. ES ist eine coutrastirende Parallele diese»verhältniß" de» Oberlehrer» verglichen mit dem de» später fich findenden und entwickelnden dr» Director». Die zweite Episode kurz vor Schluß de» Stücke», wo Frau Tillmann» Sohn durch die schlechte Gesell­schaft eine» Mitschüler» fich bestimmen läßt, zum Mithelfer eine» Diebstahl- zu werden, und dadurch die unglückliche Mutter erst recht ihre Stütze in dem Director Schmidt finden läßt^ diesen aber zum Entschluß bringt, daß er seine Stellung seiner Liebe getrost opfern könne. Die Darstellung war eine sorg- fällig vorbereitete und gute. Herr Fritz schier al» Gymnasial Direktor bot eine gute Leistung. Ihm glückte die Erfassung und Durchführung diese» Character» nach unserer Annahme ganz im Sinne de» Dichter». Fräulein Würdig al» Frau Tillmann führte ihre Rolle unge­mein sympathisch durch. Al» deren Sohn Robert war Herr Janson vortrefflich, dergleichen Herr Albrecht al» durch- trtebener Junge de» Händler» Sonnenberg, er führte seine Rolle mit derber Realistik durch. Die Herreu Helm (Händler Sonnenberg), Forsch (Gastwirth Brinkmann), Boehm (Oberlehrer Fuch»), Liebscher (Pedell Friedel), sowie die Damen Frl. Marl off (Frau Braud) und Frl. Nathusiu» (Dienstmädchen Auguste) griffen wirksam in da» Ensemble ein und verdienen vollste Anerkennung. Die im Schlußact fich abspielende Scene der Lehrer im Conferenzzimmer war wirkungsvoll. Das Drama fand eine sehr beifällige Auf­nahme und konnte Herr Director Helm nach de« stürmischen Applau», der fich nach dem zweiten Acte schon kund gab, Namen» de» nicht anwesenden Autor» danken. Wie wir hören, findet nächsten Donnerstag eine Wiederholung de» Stückes statt, auf welche wir da» Interesse hiermit lenken wollen.

Stadttheater. Am Mittwoch, den 1. December ge­langt Schiller»SD o n 6 arloS" zur Aufführung. Donnerstag erfolgt eine Wiederholung de»Ghmnasialdirector" von gabel uud Bock, zu welcher AbounemeotSbillet» Gültig, kett haben.

* Der Philosophenwald und mit ihm die Leib sche Wirth schäft bildeten von jeher für alle Schichten unserer Bevölkerung eine gern besuchte Erholungsstätte. Der Be- fitzer de» Etabliffemeut» am Philosophenwald hat im Laufe de» Sommer» sein Restaurant umbauen laffen, so daß e» in seiner jetzigen Gestalt den verwöhntesten Ansprüchen ge­nügen wird. Durch die neue Aufführung eine» geräumigen Restauration» Hallenbaue» ist einschließlich der alten Räum­lichkeiten bequem Platz geschaffen für 1200 Personen. SDer ganze Eindruck de» Leib'schen Etabliffemeut» ist äußerlich zwar einfach, doch aber hat dasselbe durch die Vergrößerung einen großstädtischen Anstrich erhalten, der durch eine noch anznlegeode gärtnerische Anlage wesentlich gehoben werden dürfte. Da» Etabliffement wird mit dem neuen Acceihlen- Ga» durch 80 Flammen beleuchtet. Die RestaurationShalle ist selbstverständlich für den Winter auskömmlich mit Heiz- Vorrichtungen versehen, wohingegen für schöne Frühling»- und Sommertage Einrichtungen getroffen sind, die würzige Luft de» Walde» den in der Halle Weilenden znzuführen. Wir hören, daß am Sonntag in der neuen Halle ein EröffnungS-Concert stattfiadet.

* * Sport. Herr Wilh. Hornberger, Vorsitzender der Wanderer", G. R. G., ist vom Deutschen Radfahrer-Bund zum OrtSvertreter für Gießen ernannt.

* * Wetterbericht. Ueber Dänemark liegt heute da» tieft Centrum einer auSgedehnteu Depression, da» ganze Gebiet von den britischen Inseln bi» nach Ostdeutschland und vom mitleren Tcandinavien bi» zu den Alpen herab stand heute Morgen unter feinem Einfluß. Hoher Druck dürfte von Westen her nachrücken, sodaß Süddeutschland heute auf der Rückseite der Depression fich befinden wird. Heute Nacht haben ausgedehnte Schneefälle stattgefundeu, welche auch am Morgen noch anhielteu. Au» der Pfalz werden Gewitter gemeldet. Die Temperaturen waren am Morgen in Deutsch­land gegen gestern wenig verändert, während fie im Nord­westen Europa» bereit» zurückgegangeu waren. voraus­sichtliche Witterung: Zunächst noch unruhige» Wetter, mit zeitweisen Niederschlägen zum Theil in fester Form und nachfolgender Abkühlung.

Darmstadt, 29. November. Seine diesmalige ku^st- geschichtliche Vortragsreihe, die fich wiederum der regsten Antheilnahme unsere» gebildeten Publikum» erfreuen konnte, beendete Herr Prioatdocent Dr. Noack heute mit einer Be­handlung des Thema»Die griechische Kunst wird $3 eit tun ft". Er kennzeichnete iu großen Zügen die kulturelle Entwickelung der Zeit, in der die Stege»göttin de» Demetno», auf Samothrake f. Zt. gefunden, hineingehört. Hier findet mau schon da», waS für die hellenistische Kunst nen und characteristisch ist. Dann gibt e» eine von Kunstwerken, deren Urheber fich au die alten Traditionen de» 4. Jahr­hunderts v. Chr. anzuschließeu suchen (Stadtgöttiu von Anttopeia, Themis von RhameoS usw.) In Pergamon studirt mau noch einmal die alte Kunst der PhidiaS'fcheu Zett und schafft unter Attalo» I. und EumeneS II. hervor­ragende Werke- ersterer stiftet auch ein Weihgeschenk mit bedeutenden Skulptur-Darstellungen auf die Burg von Athen, vom sog. Altar de» Satan» find noch ca. zwei Drittel der Reliefs erhalten (jetzt in BerUu)- insbesondere schön find die Zeu»- und die Atheuagruppe- aber da»Zuviel" ist hier schon tadelnd zu vermerken. Selbstständiger al» PolykleS u. A. erscheint in seinen Schöpfungen Damophon von Meffene mit drei Colossalköpfen. Da» bedeutendste Werk der Kunst von