Ausgabe 
31.3.1895 Erstes Blatt
 
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vermischtes.

(Ernannt nmrben: Am 14. März der Amtsgericht«' diener am Amtsgericht Ulrichstein Ludwig Dubberke zum AmtSgerichtSdiener am Amtsgericht Langen, an demselben Tage der Gefangenwärter am Haftlocal Grünberg Georg Lohnes zum AmtSgerichtSdiener am Amtsgericht Ulrichstein.

* RegenSbnrg, 25. März. Kürzlich hat sich ein angeb. licher Ingenieur v. Pöllnitz mit einer hiesigen Dame ver­lobt. Gr benutzte die BerlobungSkarten, um in einer Reihe von Geschäften größere Einkäufe aus Pump zu machen. Mit den Gegenständen (Schmuck, Wäsche und Ausstattungs­gegenständen re.) ist der nette Bräutigam verschwunden.

* Hannover. 26 März. Die Geschworenen der letzten SchwurgerichtSperiode haben sämmtlich eine an den Kaiser gerichtete Eingabe unterzeichnet, in der unter eingehender Darlegung der Derbältnisie gebeten wird, der vor^Kurzem zu 9 Monaten Gesängniß verurtheilten Frau Dr. Sch nutz btt Strafe im Wege der Gnade zu erlaßen.

Braunschweig. 27. März. In einem hiesigen Blatte findet fich folgendes Inserat:Ich fordere sämmlliche Familienmitglieder auf, jede verwandtschaftliche Rücksicht mit dem Reichstags-Abgeordneten v. Strombeck abzubrechrn, der der alten lutherischen Familie schon durch seinen Ueber- tritt zum KatholtziSmuS einen Schlag ins Gesicht gab und nun durch diese erbärmliche undeutsche Abstimmung im Reichs­tage unsere Achtung verloren haben muß. Blankenburg a H., 25. März 1895. Freiherr von Strombeck, General- major z. D."

Reisende Flaschen. Ueber die merkwürdige Reise zweier Flaschen schreibt die MonatsschriftHimmel und Erde": Zur Erforschung deS Weges, welchen die MeereS- strömungen machen, werden von Schiffen aus bisweilen leere Flaschen in die See geworfen, welche Zettel mit der Angabe des OrteS und der Zeit enthalten, wo die Ueberbordsetzung erfolgte. Jene Flaschenzettel, die von deutschen Schiffen auSgesetzt werden, sollen nach der Auffindung derselben mit dem Vermerk der AusfindungSzeit und deS KüstenorteS durch irgend welche Vermittelung der deutschen Seewarte ein« geliefert werden. Ein deutscher Schooner setzte im Atlantischen Ocean, nahe dem Aequator, bei St. Pauls Rocks am 24. Februar 1893 zehn Flaschen über Bord. Eine derselben trieb mit dem Aequatorialstrom westwärts in das Karibische Meer und landete nach einer Reise von 377 Tagen an der Küste von Nicaragua, eine andere wurde vom östlichen Gegen« ström an die Westküste von Afrika getrieben und kam nach 196 Tagen an der Küste von Sierra Leone an» Land. Die erstere hat durchschnittlich 9,1 Seemeilen täglich, die andere 5 Seemeilen per Tag zurückgelegt. ES dürfte daS erste Mal beobachtet sein, daß zwei Gegenstände, die gleichzeitig am selben Orte dem Meere übergeben wurden, an ganz entgegen« gesetzten Küsten landeten.

Falsche Reichskasseuscheiue und Ziusscheiue.

A. ReichSkassenschetne.

Seit längerer Zeil kommen forlgeietzt falsche ReichSkassen­schetne von 1882 zu 50 Mk. und 5 Mk. zum Vorschein.

Um die Feststellung derartiger Fälschungen zu erleichtern, wird im Nachstehenden zunächst auf die wesentlichsten, in der Beschaffenheit deS Papiers liegenden Kennzeichen der Aechtheit von Neichskassm» scheinen wiederholt aufmerksam gemacht.

Zu den sämmlltchen ReichSkassenschetnen wird ein guted, kräftiges Papier von besonderer Festigkeit verwendet, welche« auf einer Seile einen Streifen von blauen, in die Paptermasse einge­betteten stärkeren Fasern trägt. Der Faserstretfen zeigt eine blaue Fäibung durch bte ganze Paptermasse. Die blauen Fässern lassen mit einer Nadel auS der Papiermasse auslösen, rote durch eine Probe ohne Beeinträchtigung der Gülitgketi M Schein« festgestellt werden kann. L'egen die Fasern ihrer ganzen Länge nach auf der Oberfläche, so kann man sicher sein, ein Falschstück vor sich zu haben. Der aletche Verdacht ist gerechtfertigt, wenn die Fasern zwischen zwei Papterschtchten liegen. Ist die« der Fall, so lassen sich Entweder

beide Schichten leicht durch Waffer trenn«, oder die obere Schicht kann durch Reiben mit einem stumpfen Messer entfernt werden, sodaß die zweite Paprcrschicht mit den darauf liegenden Fasern zu Tage tritt.

Das äch'e Papier muß eine einheitliche feste Schicht mit gut- geglitteter, wider glänzend noch wollig auSsehender Ob.rfläche bilden.

Jm Ueb'tgen zetaen die gegenwärtig haupfläcd ich vorkommenden Sorten von Jallchstücken folgende besondere Merkmale.

I. falsche RetchSkaffenschetne zu 50 Mk. Erste Sorte.

Der Querstrich de« H im Namen Hering ragt nicht wie bei den ächten Scheinen aus beiden Seiten etwas hervor. AnfangSzug de« II und Endzug des g in demselben Namen zeigen Lücken, bei den ächten Schemen nicht.

Hmter dem Namen Merleker befindet fich ein Punkt, bei den ächten Scheinen nicht.

Das f de« Wort« .verfälschte* in der zweiten Zelle der Sttaf- androbung ist einem t ähnlich.

Die R'ffillinien haben nicht die gleichen Abstände von eMander wie bet den ächten Schemen.

Der Stralanfatz ist ziemlich unleserlich; da« Feld, in welchem fich derselbe befindet, ist ohne Schra'fi ung.

Der Controistempel, die Nummer und die ZeileFünfzig Mark* auf der Rückfeite sind mit menntgerother anstatt mit zinnoderrother Farbe gedruckt.

Der braune Farbenton ist im Ganzen matter, als bei den ächten Scheinen.

Zweite Sorte.

Die Werlhzahl50" ist nicht fchrasfirt, sondern vollgezeichnet. Bei einem Theile der Falschstücke eifcbetnt die Zeichnung beider Seilen verschwommen (unscharf). Der Straifatz tst käuflich unleserlich. Der braune Farbenton ist bedeutend matter al« bet den ächten Scheinen. Bet anderen Falschstücken tritt die Zeichnung kräftiger hervor, auch ist der Strasfatz deutlich lesbar.

Zur Zeichnung der Werth,eile .Fünfzig Mark", de« Control- stempel« und der Nummer tst bet einzelnen Scheinen zMnobersarbene Tusche, bet anderen dagegen eine der Farbe de« KarmMzinnober« ähnliche Tusche verwendet worden.

Ein augenfällige« Kennzeichm der Fälschung ist die Verwasch- barkeit der Farben, welche besonder« beim Roth deutlich erkennbar hervortritt.

Dritte Sorte.

Bei einzelnen Scheinen ist die Wilcox Faser schwarz anstatt blau gefärbt. Während bei dem echten Papier derjenige Thell, welcher die Faser enihält, in der ganzen Masse blau gesärbt ist, be­merkt man nur bei einzelnen Scheinen aus der einen Seite eine matte blaue Färbung. t .

Die Paptergiöße der Scheine ist M der Hohe den lchten Scheinen gleich, M der Breite um 5 mm geringer. Die Zeichnung der Schausette ist in der Breite 7 mm, in der Höhe 4 mm, diejenige der Rückseite in beiden Richtungen 2 mm kleiner, als bei den echten Scheinen , . ., m

Die Zeile .Fünfzig Mark", der Controistempel und die Nummer stimmen tn der Färbung nicht überetn. Die Farbe der Zelle »Fünfzig Mark* nähert sich im Ton derjenigen der echten Scheine, Nummer und Controistempel sind tn mattrother Farbe her gestellt.

Die Zeichnung sieht auf beiden Seiten unscharf und theilweise verfchroommen au«. Der braune Farbenton ist matter al« bei den echten Scheinen.

An der linken Seite de«fN in dem WorteFünfzig" findet man einen kleinen schrägen Strich, der bet den echten Stücken fehlt; ferner tn dem spiralig gewundenen Schnörkel am ersten Grundstrich de« .StR* inMark" eine Unterbrechung, und außerdem Unter­brechungen imtz" und in der3* der oberen Schrtstzetle.

II. Falsche ReichSkassenschetne zu 5 JL Erste Sorte.

Die Zeichnung ist ungenau und unsauber. Die Felder mit dem WorteReichSkassenscheM" und mit dem Strafsatz sind nicht durch senkrechte, sondern durch wagerecht verlausende Linien schraf­fiert. Die Zahl 5 im Mittelfelde zeigt nicht fchräge, fondern senkrechte SchrasfierungSlinien. Das AnfangSwortWer" de« Slraffatze« fehlt ganz. Die Schrift de« Mittelfeldes sowie de« Strafsatz.s ist schlecht gezeichnet, der letztere fast unleserlich. DaS langes" in dem Worte .Reichsschuldenverwaltung" erscheint a «f .

Die Krone Über demReichsadler" im Schilde de« Lands­knecht« steht nicht in der Mitte, sondern ist nach link« verschoben. Die drei stylisierten Schwanzfedern des Reichsadlers auf dem Schilde des Landsknechts laufen unter sich und mit den Klauen de« Adlers zusammen, während auf den echten Scheinen hier deutliche Zwischen­räume vorhanden find.

Die Zeichnung der Blattfiguren im Rechteck der Rückseite weicht von derjenigen der echten scheine wesentlich ab, außerdem ist an Stelle deS guillochirten Linienmusters bet den echten Scheinen eine einfache Linienschrasfirung angewendet.

Die Riffelung fehlt ganz.

Der blaue Druck beider Seilen ei scheint in dem Uarbenton matter al« bei den echten Scheinen und ist theilweise verwischt.

Die Werthzeile, der Controistempel und die Nummer find nicht in carminrother, sondern in einer stumpfen, rothen Farbe aufgedruckt.

Zweite Sorte.

Die Schnittzröße der Scheine tst richtig, dagegen ist die Zeich­nung der Schaufelte tn der Breite um 2 mm, in der Höhe um 1 mm kleiner al« bei den echten Scheinen.

Die beiden Felder, welche da« Wort .ReichSkaflenschein" und den Straflatz enthalten, find nicht schraffirt, sondern mit einem blauen Ton versehen. Die Unterdruckzaifl .5* tst nicht in Linien- schraifirung hergestellt, sondern voll gezeichnet. Die Zeichnung der Adlerkitte, welche fich um den preußischen Adler im Btustschilde de« Reichsadler» schlingt, fehlt ganz, der hierfür vorhandene Raum ist blau abgetönt.

Aus der Rückseite weicht die Zeichnung de« Blattmuster« von derjenigen der echten Scheine ad, vollständig verunglückt ist die Nachbildung de« Guillochenmusters.

Die Wertbzeile .Fünf Ma'k*, der Controistempel und die Nummer find tn fchmuyigrother Farbe hergestellt. Tie Zistern und Buchstaben der Nummernreihe halten nicht Linie

Der Druck erscheint matter al» bei den echten Scheinen.

Ein leichte« Erkennungszeichen für die Feststellung der Fälschung tst die Verwaschbarkeit der blauen Farbe auf der Rückseite der Schewe.

tDritte Sorte

" ; Da« Papier fällt durch eigenartige Glätte auf.

pF Die Scheine find in der Schntttgröße. sowie in der Zeichnung kleiner als die echten Scheine.

Die Zeichnungen find mangelhaft, der Druck ist verschwommen und unscharf. . _ . _,

Das WortReichSkasienschein* in der Kopfleiste der -schau« fette ist nur theilweise lesbar der Strafsatz ist vollständig unleserlich. Die schrasfirte Zahl .5* im Mittelfelde liegt bei den echten Scheinen unter der Schrift, bet den Falschstücken unterbricht dieselbe die Schrtftzetien, so daß z. B. der Buchstabe .e* in .Verwaltung* voll- ständig fehlt und die erste Silbe der UnterschriftMerleker41 ver­schmiert ist. Die Stile .Fünf Mark" hebt fich von den übrigen Schrtftzellen nicht wie bei den echten Scheinen kräftig ab, sondern sie erscheint ebenso wie die übrige Zeichnung nur halb gedeckt und matt im Farbenton

Da« Blattmuster auf der Rückseite stimmt nur tn den äußeren Umrifl en der Zeichnung mit derjenigen der echten Scheine überein; die Nachbildung de« Guillochenmusters ist ganz willkürlich. Die Zeile5 Mark', die Nummer und der Controistempel sind den echten Scheinen wenig ähnlich, zu ihrem Druck tst ein schmutzige« Braun anstatt Roth verwendet.

An Stelle de» saftig-blauen Farbenton« der echten Scheine zeigen die Falschstücke eine blaugrüne matte Tönung.

Die Riffelung ist in mangelhafter Weise nachgebildet.

Bei einzelnen Falschstücken ist die Druckausführung namentlich der Schauseite eine bessere, die Unterbrechung der Schristzeilm durch die Unterarimbiabl 5 ist durch Nacharbeit beseitigt wo-den.

Citeratar un&

.Fürst BiSmarck al« Gutsherr* gibt berHobtrnen Koilst* (Verlag von Rich. Bong, Berlin, L Heft 60 Ptg.) tn ihrem neuesten Hefte Gelegenheit zu einem interessanten Bilde, da« den Altreichskanzler in Begleitung der Gräfin Rantzau, feine Feldmark abreitenb, darstellt. Die ganze Nummer erscheint al« eine Huldigung zur Feier de« 80. Geburtstage» be« Wieberhersteiler« de« Deutschen Reiche«. Ein großer Tbeil ber Illustrationen entstammt ber Meister- banb Professor Fritz Werner«.

Verkehr, Ca«6. ttttb

Stuttgart, 27. März. (Allgemeiner Deutscher versicherung«- Deretn.) Im Monat Fed, uar 1895 würben 605 Schabenfälle ;iegultrt Davon entfielen auf bie Haftpflichtversicherung 67 Fälle wegen Körper­verletzung unb 59 wegen Sachbeschäbigung; aus bie Unfalloerficherung dagegen 429 Fälle, von denen 2 den sofortigen Tod und 9 eine gänzliche ober theilweise Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Von den Mitgliedern ber Sterbekafle starben in biesem Monat 50. Neu abgeschlossen würben im Monat Februar 4680 Versicherungen. Alle vor bem l.Dccemder 1894 ber Unfall Versicherung angemeldeten Schab niälle incl. ber Tobe«, und Invaliditäts-Fälle sind bi« auf bie von 67 noch nicht gereenen Personen erledigt.

8. Klein r4 Bankgeschäft ______V4»

Feuilleton.

Franksarter Lheslerbries.

(Originalbericht für den .Gießener Anzeiger*.)

(Nachdruck verboten.)

Konigsleid", baß neue Stück be« Jntenbanten.

Dr. M. Daß Emil Claar, der Intendant beS Frank« futter StadttheaterS, ein Dichter tst und zwar ein echter, rechter Dichter, der nicht nur so von Gelegenheit- wegen den Pegasus besteigt, reiften wir längst unb zwar durch die zwei BändchenGedichte", in welchen eine tiefe lyrische Empsin« dungSkrast und ein auSgereifter Formensinn Herz und Ohr gleichermaßen gefangen nehmen.

In gewissem Abstande hierzu hielt fich baß Schauspiel Die Schwestern", baß tn dem engen Rahmen de« modernen Salonstück« eine mit schmackhaften Episoden gewürzte Familien« geschichte entwickelte. Wenn hier der Theaterschrift- steiler da« erste Wort führte, fo tst solche« tn König«leid" an den Dichter übergegangen, auf dessen Rechnung die stärkste Wirkung de« neuen Stück« geschrieben werden muß.

Ob Emil Llaar der Mann der starken, straft gespannten Eonfltcte ist, kann man au«Köntg « leid" noch nicht mit völliger Sicherheit entnehmen, aber soviel steht fest, daß er seinen Gestalten wahre« innere« Leben einzuflößen vermag und daß kein Zug ihre« activen oder passiven Thunß in die Theaterschablone ctnbtegt.

Wahr rote nur irgend ein moderner Eharacter tst der König Omru, welcher in heiligem IugendenthusiaSmu« mit dem alten morschen StaatSsyftem brechen und für sein Volk eine neue Aeta heraufführen will, tn welcher die Begriffe Menschenthum" undMenschenwürde" zu ihrem Recht ge« langen.

Unb ebenso wahr und klar gezeichnet ist die Opposition, an deren Spitze ein schlauer, herrschsüchtiger Verwandter de« jungen König«, Prinz Abba«, steht, welcher die Macht der Gewohnheit und de« Althergebrachten siegreich tn« Treffen schickt.

Der erste Zusammenstoß erfolgt, alß König Omru die Abgesandten einer durch Hunger und Seuche heimgesuchten Gegend ferne« Lande« empfängt und umfassende Hilfe ver­spricht. Prinz Abba« ist der Meinung, man solle diese Menschen ihrem Schicksal überlassen, aber Omru« warm­herzige« Fühlen trägt diesmal den Sieg davon, und al« sich der Vorhang über dem ersten Acte schließt, könnte man glauben, der junge König müßte durchdringen und seine Widersacher in den Staub schleudern. Da« würde vielleicht auch der Fall sein, wenn Omru nur Volksbeglücker sein und nicht auch da« Seine suchen wollte.

Da« Privatglück, daS er sich erkoren, besteht in der Heimführung einer einfachen Gärtnerstochter Gita al« Gattin und Königin. Mag da« Mädchen auch noch so zart und edel empfinden, mag der junge König seine Wahl vor Mutter und StaatSrath noch so hochherzig beuten diesen Bruch mit der Tradition vergibt man ihm nicht, unb die (Begengrünbe, bte man geltend macht, entbehren der StaatSraison durchaus nicht. Da« Volk will nicht seine« Gleichen zum König haben - da« erschüttert den Respekt vor ber KöaigSwürde. Abbott« kann hier mit seinem Gegenspiel getrost einfetzen, ohne noch einer besonderen Jntrtgue zu bedürfen. Absichtlich vielleicht hat Claar unß tn ein despotisch regierte« Land geführt. VolSbewegungen, die fich auß Ideen erzeugen, gibt je« tn diesem nicht, wohl aber Palastrevolutionen, und einer solchen fällt auch der junge König -um Opfer. Daß Äbbaß, der Gegner, von nicht« weniger alß reinen Motiven geleitet wirb, daß Ihm um kein Princlp, fondern um den Besitz der Macht zu thun ist, den er mit allen nur möglichen Mitteln anstrebt, ändert an dem Schicksal beß unglücklichen König« ! wenig.Denn wenn ein Schurke Recht hat, tst e« doppelt schlimm!* ruft die alte Stömgßmutter Walide. Unb Äbbaß hat Recht nach gewöhnlicher Menscheniatzung. Die ©ärtnerß« tochter taugt auf feinen Königsthron, und bie ©ebingungen : für diesen wurzeln eben in alten Gewohnheitsvorstellungen.

Vielleicht hätte ber Dichter bcn Gegensatz zwischen Omru unb Äbbaß noch stärker auf« Sociale unb Politische hinaus« führen, ein humane« Regierung«ptincip einem despotischen

gegenüberstellen können, anstatt daß er der Liebe, weiche beim König die Stimme der Klugheit besiegt, bie enticheidende, bie Katastrophe herbeiziehende Rolle übertrug. Aber Claar mochte sich wohl erinnern, daß zu viel Haupt- und Staatßaction der Poesie nie förderlich ist unb gar leicht baß concrete Leben töbtet. Und fo blieb denn bas tragische Schicksal des jungen Röntg« hauptsächlich verknüpft mit der Neigung be« Menschen, unb mit politischen Programmen unb großen StaatSibeen wird bas Ohr be« Zuschauer« verschont, von Anfang bi» zum önbe hält sich ba« Ganze im Bereich einer bunten, idealen Märchenwelt, bie insofern aber doch den Maßstab der Wirklichkeit -uläßt, al« ber Sturz von bet sonnigen Höhe unumschränkter Machtvollkommenheit in bte Dunkelheit be« Kerker« so recht die Ohnmacht unb Armselig­keit eine« jeden Menschenbasetn« veranschaulicht.

Im Leiden entfaltet der junge König jenen Zug wahr­hafter Größe, ber unß biß zum Schluß mit ihm sympathisiren läßt. Er verschmäht, sich durch bie Hanb ber Schwester feineß Wibersacherß zu retten, bte ihm mit ihrer Liede bie Freiheit anbietet, er tröstet Mutter und Braut unb stirbt einen heldendaften Tod. Daß wenige Minuten darauf in bte Palast die Kunde bringt, baß der ältere Bruder be« ver­storbenen alß Racher unb Meter nabe, kann, nachbem Alle« vollenbet unb baß Königsleid sich erschöpfend ausgelebt hat, keinen besonderen Eindruck mehr auf unß machen.

Äm höchsten stand unsere Antheilnahme in der Scene, in welcher bie Mutter, bie Königin Walide, bem Feinde ihre« Zohne«, bem dämonischen Abba«, mit der Kraft einer Schiller'schen Martha (f. Demetriu«) ihren Fluch und Haß zuschleudert.

Sowohl stimmlich al« inhaltlich bot Frl. Frank in dieser Scene Große«. Herr Barthel war al« König Omru" voll Zartheit und elegischer Melancholie. Die weichen lyrischen Töne der Gita Partie schlug Frl. Land ort mit viel Glück an. Die leidenschaftliche Prinzessin Zodtra , und deren Bruder, ber gewaltthätige, finstere Abbaß hatten an Frl. Günbei und Herrn Diegelmann vorzügliche Vertreter. ____________