Ausgabe 
31.3.1895 Drittes Blatt
 
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1893

Sonntag den 3L März

Drittes Blatt

Nr. 77

Amts- und Anzeigeblutt für den Tiveis Giefzen.

Hratisbeitage: Gießener Aamitienbkätter.

Amtlichem Theil

Gefunden: 1 goldener Ring, 1 Taschenmesser, 1 Umhüngetuch, 1 Paar Schuhe und 1 weißer Strohhut.

Gießen, den 30. März 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.. Wolff, Regierungs-Assessor.

Depeschen de8 BureauHerold".

verli», 29. März. Infolge eines BeschluffeS des Senioren» LouventS wird die Vertagung deSReichstages morgen SamStag beginnen und bis zum 23. April dauern. Auf die Tagesordnung der ersten Sitzung nach den Ferien wird daS Zollgesetz gestellt werden.

Berti», 29. März. Im Herrenhause wurde heute der Antrag Pfuel, im Sitzungssaale eine Büste des Fürsten BiSmarck aufzustellen, einstimmig angenommen. Sodann wurde die Berathung des LandwirthschaftS-EtatS fortgesetzt. Die Debatte dreht sich wiederum ausschließlich um den Antrag Kanitz. Landwirthschaftsminister v. Hammerstein erklärte, weder der Antrag Kanitz noch irgend eine aridere Monopols» firnugsart sei annehmbar und ausführbar. Hierauf wurde auf Antrag des Grafen Schlieben mit 71 gegen 34 Stimmen beschlossen, den Landwirthschafts Etat von der Tagesordnung «bzusetzeo, da Minister v. Hammerstetn erklärt hatte, er müsse

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Dorm. 10 Uhr.

vierteljähriger Avouacwentspretar 2 Mark 20 Pfg. wir Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pf,.

Rcdaction, (Sfpebttior und Druckerei: Schntstraße Kr.7.

Fernsprecher 51.

Localer rrnd provinrieller.

Gießen, den 30. März 1895.

Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 27. März den Prtvatdocenten vr. Robert Sommer zu Würzburg zum außerordentlichen Professor bet der medicintschen Facultät und zum Director der psychiatrischen Klinik an der Landes» Universität mit Wirkung vom 1. April 1895 an zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu berufen.

lieber die neue Agrarpolitik" war das Thema, welches in einer auf gestern Abend vom Freisinnigen Verein einberusenen Versammlung Herr Bankdirector Thorwart von Frankfurt a. M. behandelte. Nach emleitender Be- Handlung der Bestrebungen des Bundes der Landwirthe, so­wie des Programms des Herrn v. Plötz ging der Vortragende auf die niedrigen Getreldepreise der Gegenwart über- er schrieb die Ursache derselben den guten Ernten der letzten Jahre im In- und AuSlande zu und bezeichnete es für ver» fehlt, wenn auf eine Erhöhung der Getreidepreise hingewirkt werde, ohne daß der Grund dieses niedrigen Preisstandes berücksichtigt werde. Wenn der Roggen- und Weizenpreis, wie dies die Agrarier forderten, auf den Durchschnitt der letzten vierzig Jahre erhöht werde, so würde dies einer Bertheuerung von 64 Mk. für Weizen und 40 Mk. für Roggen pro Tonne ausschließlich Zoll gleichkommen. Dem gegenüber hob Redner den PreiSunterfchted des Getreides in Süd- und Norddeutschland hervor, demzufolge mit Annahme des Antrages Kanitz der Weizen in Berlin 75, in Mannheim 54 Mk. steigen würde, der Roggen in Berlin 50, dagegen in Mannheim nichts. Der Antrag Kanitz rechne mit 155 Millionen Mark Ueberfchuß, aber diese Mehrbelastung würde auf die Schultern der deutschen Consumenten gelegt. ES würden seitens der Agrarier Berechnungen über die Pro- ductiouskosten des Getreides vorgelegt, dabei sei aber nicht

Der Hletzeuer Anzeiger erscheint täglich, Wit Ausnahme bei Montag«.

Die Gießener yemUie»6(ätter werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kennlmß , daß in den Gemeinden Himbach, Rommelhausen und Düdelsh^m, Kreis Büdingen, die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen »nd Gehöft» und Gemarkungssperre angeordnet worden ist.

Gießen, am 29. März 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

gesagt, daß nach Berechnungen der statistischen Bureau» d.e Elnteerae.bnisic eine Steigerung von 22 pCt. innerhalb zeh Jahren nachwtes-n- die gleiche Menge Ackerland tiefen ctn größere Menge Getreide als früher, sie sei in "hn Jahren gestiegen um 7 Millionen Centner Getreide und 33 Millionen Eentncr Kartoffeln- dabet ging Hand in Hand mit de« höheren Ertrag der Ernte der Ertrag der Viehzucht, er oe» deute für Deutschland eine Steigung um 30 pCt. an Pro- ductcn und an Fleisch um 20 pCt. Wenn die Anhänger des Antrages Kanitz das Sinken der Getreidepreise zu Gunsten ihrer Forderungen geltend machten, so könne dem entgegengehalten werden, daß der Procentsatz im Sinken der Jndustrieproducte ein ebenso hoher, in einzelnen sogar noch ein höherer sei, als im Getreide. Hinter den hohen Getreidepreisen lägen nur wenige Jahre, den Landwirthen, die über die niedrigen Getreidepreise klagten, stünden kleine Rentner und Handwerker gegenüber, von denen die ersteren durch stetigen Herabgang des Zinsfußes, letztere durch Ver- Minderung der Werth-- Ihrer Erzeugnisse sich 9«i*ab*9 fühlten, ohne daß sie zu so einschneidenden Maßregeln, wie sie im Antrag Kanitz liegen, die Hülse deS Staates anrtefen. UebrigenS sei die Zahl der Getreide verkaufenden Landwirthe recht klein, wer von diesen kleinen Landwirthen verkaufe, thue es nur deS SaatwechsclS wegen- 76% der deutschen Landwirthe bewirthschaften nicht je 5 Hectar, 10% dewirth» schäften mehr wie 5 Hectar, 14% haben große Güter, und nur die letzteren hätten Nutzen von erhöhten Getreideprei^n. Die kleinen Landwirthe hätten keinen Nutzen von hohen Ge- treidepreisen, sie würden sie aber spüren durch Pre-Ssteigen der Producte für ihre Lebensbedürfnisse. Redner bezeichnete den Antrag Kanitz als zum Sozialismus führend, und tritt der Annahme entgegen, daß die Jntereffen der kleinen Land­wirthe durch den Bund der Landwirthe gewahrt würden, dies sei vielfach durch Thaten und Bestrebungen der Groß­grundbesitzer widerlegt. Der nationalliberale Abgeordnete Bennigsen habe den Antrag Kanitz als gemeingefährltch be­zeichnet; der Antrag hätte Sinn, wenn der Staat nicht nur das ausländische, sondern auch das inländische Getreide auf kaufte, aber daS wollten die Agrarier nicht. Wenn Deutsch­land sich gegen den Import deS Getreides abschließe, könne es nicht erwarten, daß ihm das Ausland andere Producte abnehme. Auf die so viel angefewbete Getreidebörse über­gehend, bezeichnet Redner dieselbe als nothwendig, denn die Sp:culation verhindere, daß in einem Theile eines Landes das Getreide wegen Ueberfluß verfaule, während in einem andern Theile Hungersnoth herrsche- die Preise richteten sich nach Angebot und Nachfrage, und wenn so heftig gegen die Börse gearbeitet werde, so käme es mit daher, daß viele Großgrundbesitzer s. Z. auch speculirten, aber dabei hinein» gefallen seien. Würde der Antrag Kanitz zum Gesetz er» hoben, so würden die deutschen Consumenten 800 Mill. Mk. mehr aufbringen müssen, das deutsche Volk aber habe ein In­teresse daran, daß der Brod Eonsum nicht vermindert, sondern vermehrt werde zur Erhaltung der Volkskraft. Den Kampf der Agrarier gegen die Margarine behandelnd, weist Redner darauf hin, daß dieses Nahrungsmittel von Leuten genoffen würde, die keine Naturbutter kaufen könnten- die deutsche Margarinefabrikation verarbeite jährlich 255,000 Centner der Landwirthschast entnommene Rohproducte im Werthe von 10 Millionen Mark. Auch In der Branntwein» befteuerung trete die Begehrlichkeit der Agrarier, die schon eine Liebesgabe von 40 Millionen Mark genössen, markant hervor- die Freisinnigen seien es gewesen, welche diese Liebes­gabe den Brennern zur Bestreitung der durch die HeereS- vorlage nothwendig gewordenen Ausgaben hätten entziehen wollen- angesichts des geringen Procentsatzes der zur SpiritnS- bereltung verwendeten Kartoffelmenge (sie betrage 7 % gegen» über 93 °/0 der zur Nahrung dienenden) könne man nicht behaupten, daß im Jntereffe der Landwirthschast eine Noth» Wendigkeit vorliege, die Brennereien zu begünstigen, auch hier seien, wie beim Antrag Kanitz, die Kleinen im Nachtheil gegenüber den Großen. Angesichts der geforderten Export» Prämie von 3 Millionen Mark bei einem Export von 80,000 Hectoliter im Werthe von 1,520,000 Mark sei besser, den zum Export bestimmten Branntwein in die Elbe zu schütten. Zu der Forderung der Erhöhung der Zuckerausf uhrprämie weist Redner auf die Vermehrung der Fabriken, die Zunahme der bepflanzten Flächen und der Production hin- es seien eine Million Tonnen Zucker mehr pro- ducirt worden, als auf dem Weltmarkt gebraucht worden und dies drücke selbstverständlich auf den Preis - die Forderung der Agrarier nach Prämienerhöhung sei ungerechtfertigt, denn diese käme nur dem AuSlande zu gute, auch sucht Redner an der Hand von Beispielen nachzuweisen, daß jede weitere

! Prämienerhöhung undurchführbar und schädlich sei- die Land»

Meßmer Anzeiger

Aeneras-Anzeiger.

1 Alle Annoncen-Bureaux deS In» und AuSlande« nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Neueste Nachrichten.

Wolff» telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 29. März. Der Empfang des Reich stags- prästdiumS durch den Kaiser am 1. April erfolgt bei Gelegenheit der zur Feier des 80. Geburtstage» de» Fürsten BiSmarck im Weißen Saale des Schlosses stattfindenden Fest»

Berlin, 29. März. Wie dieVoss. Ztg." hört, legen sämmtliche Herren deS PreßbureauS und deS Statistischen Bureaus des Bundes der Landwirthe ihre Aemter nteber.

Karlsruhe, 29. März. Die hiesige Handelskammer sprach sich für die Aufrechterhaltung der Goldwährung und gegen den Antrag Kanitz auS.

Wien, 29. März. DieNeue Fr. Pr." bestätigt die Nachricht aus Petersburg, daß 90 hervorragende Jour» naliften und Schriftsteller durch eine Commission an den Lzaren ein Gesuch gerichtet haben, in welchem sie um Re» », sion der derzeit bestehenden Preßgesetze bitten.

Pari«, 29. März. Eine Vereinigung der Arbeiter der Zündholzfabriken hat gestern beschloffen, alle Manufactur- Arbeiter des Lande» aufzufordern, jedenfalls die Arbeit einznstellen. Der Beschluß ist durch Telegramme den verschiedenen Genoffenschaften zugestellt worden.

London, 30. März. Die Blätter besprechen die Rede Grays in der Nachtsitzung deS Unterhauses bezüglich deS Vordringens Frankreichs gegen das Nilthal. DieTimes" findet die Erklärung, daß das Nilthal ausschließlich in der englischen Einflußsphäre liege, vollständig gerechtfertigt. Frankreich habe keinen Widerspruch erhoben, so oft England mit Italien und dem Congostaat diesbezügliche Verträge abschloß.

Charleroi, 29. März. Die Directoren der GlaS» Hütten sind zu einer Unterredung mit den Arbeiter» Syndicaten aufgeforbert worden, haben aber dieser Auf­forderung keine Folge geleistet. Dieselben wollen einzeln mit ihren Arbeitern die verschiedenen Schwierigkeiten bei­legen.

No«, 29. März. In vaticanischen Kreisen wird bet» sichert, daß der Papst seine Absicht, dem Fürsten Bis» marck keine Glückwünsche zum 80. Geburtstage zu über» feubee, wegen der feindlichen Haltung des Centrums auf» gegeben habe und wahrscheinlich den Erzbischof von BreSlau, Cardinal Fürstbischof I)r. Kopp, beauftragen wird, dem Fürsten BiSmarck die Glückwünsche des Papstes zu über» bringen.

in den Reichstag gehen und könne sich an den serneren Be rathungen nicht mehr betheiligen. rtrh,

Berlin, 29. März. Im pr-ustUch°° Abgeord.

netenDaufe werden die Osterserien erst in nächsterW°ch-, Donnerstag ober Freitag beginnen. Man will bis dahin noch die zweite und dritte Berathung de« Gerichtskosten, gesetzes und der Gebührenordnung für Notare erledigen.

Berlin, 29. März. Hinsichtlich der Neubesetzung des preußischen Gesandtschaftspostens am bayeri­schen Hose, der durch die Ernennung deS Fretherrn von Thielmann zum deutschen Botschafter in Washington freigeworden ist, wird derPost" zufolge die Entscheidung noch heute getroffen werden.

Berlin, 29.Marz. Freiherr von Buol, der Präsident des Reichstages, ist alter Tradition entsprechend au» der CentrumSfraction auSgefchteden und gehört keiner ^art®erli'n, 29. März. Nachdem der Reichstagspräsident die Einbringung der s o c t a l d e m o k r a tische nReso lut ton über die Depesche deS Kaisers an den Fürsten BiSmarck durch seinen Einspruch verhindert hat, wird diese Resolution nich mehr zur Sprache kommen, vielmehr von den Socialdemokraten rurückgezogen werden. , . , ,

Frtedrtchsrnh, 29. März. Fürst Bismarck fuhr heute Nachmittag 6 Uhr auf die Anhöhe gegenüber dem Schloß, wo die Mitglieder der Anhaltischen Bürgerschaft eine coloffale Hirschgruppe aus Bronce auf einem herrlichen Aussichtspunkte ausgestellt hatten und demselben übergab. Der Fürst saß leichter Schmerzen wegen im Wagen, dankte wiederholt, ließ sich Meister, Monteure und Arbeiter vorstellen. Die Gesichts» schmerzen sind infolge deS schlechten Wetters stärker, daS All- gemeinbefinden ist andauernd sehr gut. Bis letzt sind über 500 Geschenke etngetaufen.

Graz, 29. März. Der Statthalter siftirte den jüngsten Beschluß desGemeinderatheS in Graz, etneBism at tf* eiche zu pflanzen und den Bismarckcommers osficiell zu be» grüßen. Der Gemeinderath beschloß heute, telegraphisch beim Ministerium Beschwerde zu erheben.

Brüffel, 29. März. Die conservativm Blatter fordern die Soc.alisten auf, offen und frei zu bekennen, ob sie die Verantwort ng für daS bei dem allgemeinen Ausstand unaußblübliche Blutvergießen in den Straßen auf sich nehmen wollen.

Petersburg. 29. März. Nach Mittheilung der russischen Telegraphenagentur soll der Mikado entrüstet über das Attentat gegen Li Hung Tschang sein und die lapantschen Bevollmächtigten in Simonsekt angewiesen haben, Li Hung Tschang zu erklären, daß Japan in die provisorische Einstellung der Feindseligkeiten einwillige.