Ausgabe 
31.1.1895
 
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diplomatische Corps nicht daS Bedürfnis fühle, sich denselben mrzuschließeu. Der NuntiuS schloß, indem er die Wünsche und Sympathien aller Souveräne zum Ausdruck brachte. Der Präsident Faure sprach seinen Dank aus und bemerkte in seiner Erwiderung, daß er in der hohen Stellung, zu der ihn eine arbeitsame und friedliebende Nation berufen, sich bestreben werde, die guten Beziehungen, welche Frankreich zu den anderen Mächten unterhält, aufrecht zu halten und zu entwickeln. Hierauf wurde das diplomatische Corps dem Präfidenten vorgestellt, der sich mit jedem Mitgliede desselben aufs Freundlichste unterhielt. Auch beim Verlassen des ElhseeS wurden den Botschaftern und Gesandten die milt» tärtschen Ehren erwiesen. Nach der Vorstellung trugen sich die fremden Militär-Attach^S in die Beileids liste für Marschall Canrobert ein und defilirten vor seiner Bahre.

Paris. 29. Januar. Der Miuisterrath beschloß, die Leichenfeier für den Marschall Canrobert aus Staats­kosten zu veranstalten und zu diesem Zwecke bet der Kammer einen Credit von 20,000 Frcs. zu beantragen. Die Bei­setzung wird am SamStag tm Jnvaltdendome statlfinden.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 29. Januar. Wie verlautet, beauftragte der Kaiser den Botschafter General von Werder, am Sarge des verstorbenen Ministers von GierS einen Kranz nieder­zulegen.

Berlin. 29. Januar. Nach derNat.-Ztg." hat der Reichskanzler den Ankauf der von Helmholtz hinter­lassenen B i b l i o t h e k für die physikalisch-technischen ReichS- anstalten angeordnet.

Berlin, 29. Januar. Die ReichstagS-Commission zur Berathung der Novelle zum Gerichtsverfassungs­gesetz und zur Strafproceß Ordnung berieth heule zunächst über die neu vorgeschlagene Fassung der §§ 27, 28 und 75 deS Gerichlsverfasiungsgesetzes, in welcher eine Erweiterung der Competenz der Schöffengerichte vorgeschlagen wird. Im Wesentlichen waren die Redner aller Parteien mit den Vor­schlägen deS Entwurfs einverstanden.

Berlin, 29. Januar. Der Landwirthschafts-Minister v. Hammerstein-Loxten hat sich zur Aufnahme in den hiesigen Club der Landwirthe gemeldet.

Köln, 29. Januar. DieKöln. Ztg." bezeichnet die in derKreuzztg." wiedergegebenen Aeußerungcn des Mr. RhodeS über die deutsch-afrikanischen Colonien als durchaus unzutreffend namentlich bezüglich der Legung des Telegraphen­kabels. England habe eine bedeutende Gegenleistung verlangt, speciell die Abtretung großer Länder zu beiden Setten des Kabels, sowohl am Tanganhika-See als am Victoria-See, sowie das Recht der Anlegung von Stationen, deren Er­weiterung zu wirklichen Forts mit militärischen Besatzungen in Anbetracht der Lage des Landes die natürliche Folge gewesen wäre. Zu dieser Gründung des Staates im eigenen Staat versagte Deutschland seine Einwilligung. Ob Swakop- mund nicht in einen großen Hafen umzuwandeln sei, solle demnächst ein von der deutschen Regierung entsandter Sach­verständiger, ein Ingenieur, untersuchen.

Kiel, 29. Januar. In einer Verjammlung von Ver­tretern von 20 Städten Schleswig Holsteins wurde beschlossen, tm Jahre 1896 in Kiel eine Provinzialausstellung, verbunden mit einer internationalen Schifffahrtsausstellung, zu veranstalten.

Karlsruhe, 20. Januar. DemBadischen Beobachter" zufolge hat eine hier stattgehabte Versammlung von Vertretern der größeren badischen Städte mit Ausnahme von Pforzheim beschlossen, für den 8 0. Geburtstag des Fürsten Bismarck eine Ehrung in der Weise zu veranstalten, daß die größten Städte Badens denselben zum Ehrenbürger ernennen und ihm ein auf gemeinschaftliche Kosten hergeslellteö Ehrenbürger-Diplom überreichen lassen wollen. Die Bürger- Ausschüsse der beteiligten Städte werden sich demnächst mit dieser Sache beschäftigen. Die Centrums- und Fortschritts­partei verhält sich gegen jede derartige Ehrung ablehnend.

Wien, 29. Januar. In Rekawinkcl bei Wien wurde gestern Abend 10 Uhr ein starkes Erdbeben verspürt. Der Stoß ging in einer Breite von 10 Metern mitten durch die Ortschaft, sodaß die außerhalb dieses Streifens wohnenden Personen von der Erschütterung nichts merkten.

Budapest, 29. Januar. Das Amtsblatt publicirt eine kaiserliche Verordnung, welche den Landtag für Istrien auflöft. Die Neuwahlen werden ausgeschrieben.

Fiume, 29. Januar. Seit gestern Abend wüthet ein furchtbarer Orkan, die gesammte Schifffahrt ist ein­gestellt. Viele sich unterwegs befindliche Schiffe dürften ver­loren sein. DaS Meer hat einen furchtbaren Anblick. Alle Eisenbahnzüge find auSgeblieben.

Rom, 29. Januar. Die aus der Schweiz auSgewiesenen talienischen Anarchisten hatten eine Flugschrift ver­breitet, in welcher daö italienische Volk aufgefordert wurde, gegen die Regierung mit Gewalt vorzugehen.

Pari«, 29. Januar. AuS allen Theilen des Landes wird starker Schneefall gemeldet. Die Verbindung der Eisen­bahn ist sehr erschwert, die Kälte ist sehr groß. An ver­schiedenen Stellen betrug dieselbe 20 bis 22 Grad. Man befürchtet viele Unglücksfälle.

London, 29. Januar. Man glaubt sicher, daß Spa al zum Nachfolger des Herrn von GierS auSersehen sei. Nelidow geht bestimmt nach Wien und General Richter nach Constanttnopel.

Loudou, 29. Januar. Die auS Mexiko eingetroffenen Nachrichten besagen, daß sich die Bevölkerung in großer Auf­regung befinde, da die Kriegserklärung von Guatemala demnächst erfolgen solle. Der mexikanische Gesandte ist bereits abgeretft.

Loudon, 29. Januar. DieTimes" meldet aus Shanghai, daß die Japaner am 26. Januar zweimal erfolglos den Hafen von Wei-hai-wet angegriffen haben.

Odessa, 29. Januar. In den Kaufhallen zu Charkow wurden durch einen Brand große Waarenvorräthe

vernichtet. Der Schaden beträgt über eine Million Rubel.

Cocalts und jp*ot>ht$telUs,

Gieße», den 30. Januar 1895

** RuhestaudL-Berfetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 20. Januar den Kreisafststenzarzr bei dem KreiSgefundheitSamt Alsfeld, Medizinalrath Dr. Karl Stammler in Alsfeld, auf sein Nachfuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. Februar l. I., in den Ruhe­stand zu versetzen.

** Theater Verein. Her schs Anna- Lise, welches morgen Donnerstag durch das Frankfurter Ensemble dargestellt werden wird, gehört mit zu den dankbarsten Bühnenstücken, die wohl je geschrieben worden sind und ist heute noch aus dem Repertoire jeder größeren Bühne zu finden. Diese- prächtige Schauspiel hat aber nicht nur seinen Dichter zu einem bekannten Schriftsteller gemacht, sondern auch mit dazu beigetragen, einem beliebten Componisten seinen Ruhm, seine Popularität mit begründen zu helfen. Das reizende Liedchen (eine Hersch'sche Dichtung): Flieg auf, flieg auf, Frau Schwalbe mein, welches die A n n a - L i s e so quafi als E nlage singt, ist eines der herzigsten Lieder deS ungemein fruchtbaren Componisten Franz Abt. Es mag ja sein, daß daS LiedGute Nacht, du mein herziges Kind", welches durch Theodor Wachtel eine Weltberühmtheit als Einlage in AubersPostillon von Lonjumeau" erlangte, m-^hr Auflagen erlebt hat,- an Innigkeit steht es derFrau Schwalbe" nach. Abt hat überhaupt sein Glück den Schwalben zu verdanken, sein erstes LiedWenn die Schwallen heimwärts ziehn" hat ihn zu Amt und Titel gebracht. Beide Schwalbenlieder werden sicherlich, wenn Abts Name längst vergessen ist, so lange man noch singt, als Volkslieder dann vaterlos ihre Wege wandeln!

H. Neues Theater. Der gestrige Abend gab der Kritik wie schon so oft in den vergangenen Monaten Gelegenheit, ihren Beruf mehr am Publikum, als an der Vorstellung zu üben- da wir aber im Laufe der Zeil ein­gesehen haben, daß der Kampf nutzlos ist, geben wir ihn auf. Nur soviel fei bemerkt, daß daS kunstsinnige Publikum der Provinzialhaupt-, Universitäts- und Garnisonstadt Gießen durch seine Abwesenheit Herrn Häcker eher einen Malefiz- alS einen B enefizabend bereitet hat. Die Aufführung des sehr hübschen LustspielsGoldfische" von Schönthan und Kadelburg war trotz der im Saale herrschenden Kälte fast einwandfrei. Wir wunderten uns ein über das andere Mal, daß die Laune der Darsteller nicht unter den Gefrierpunkt gesunken war, daß so fr'schweg gespielt wurde, als ob statt der gähnenden Leere ein volles Haus der Bühne entgegen­starrte, wie unser verehrter College Wippchen sagen würde. Ohne den übrigen Damen und Herren zu nahe treten zu wollen, nennen wir den Bcneficiauten honoris causa zuerst. Zunächst danken wir Herrn Häcker für die Wahl des Stückes, dte wohl jedem der Anwesenden einen behaglichen Genuß verschafft hat. Dann wollen wir lobend anerkennen, daß er seiner Parthie in allen Stücken gerecht wurde, daS bischen Uebermuth stand ihm recht gut. Herr Otto als Lieutenant v. Felsen warein ganz verfluchter Kerl"; seine Leistung wäre eine vollendete gewesen, wenn die Schneidigkeit auch im Tone der Stimme etwas mehr hervorgetreten wäre. Nach sehr langer Pause hatten wir gestern das Vergnügen, Herrn Reiners wieder auf den Brettern zu sehen. Sein Benzberg war von drastischer Komik und fand ungeteilten Beifall. Herrn Heynes Oberst, Herrn Niemeiers Wlnter und Herrn Geisels Stettendorf verdienen Aner­kennung. Don den Damen nennen wir Frau ReinerS, Fräulein Egger und Fräulein Ronneberg. Erstere war wie immer naiv, Fräulein Ronneberg temperament­voll, aber öfters zu hastig- letzteres gilt auch von Fräulein Egger. In der leichten Conoersatiou etwas mehr Ruhe, etwas weniger hohe Töne und es geht! Zum Schlüsse Herrn Otto ein Wort des Dankes für die geschickte Jnscenirnng.

* * Bon der Eisbahn. Wegen des heute herrschenden heftigen und rauhen Windes ist das Concert auf der Eisbahn des Eisvereins ausgefallen.

* * Todt aufgesnnden. Der kurz vor der Station Lang- Göns statiouirte Bahnwärter Helfenbein wurde heute früh tobt auf dem Bahnkörper gefunden. Wahrscheinlich wurde Helfendem beim Begehen der Strecke von einem tödtlichen Schlaganfall betroffen.

* * Befitzwechsel. Verkauft wurde das Haus Westanlage 17 an Herrn I. Dem.

* Die Erinnerungen an Moritz Geniere in Nro. 23 dss. Bl. rufen dem Einsender dieses eine Episode auS dem Parteileben unserer Stadt im Jahre 1848 lebhaft in Erin­nerung, durch welche bestätigt wird, daß Moritz (Saniere anfänglich sich entschieden zur demokratischen Partei bekannte, was Friedrich Dernburg in einem Nachruf an (Saniere im Berl. Tagedl." in Abrede stellt. Der weitaus stärkeren demokra­tischen Partei gegenüber stand oer Daterlandsverein, dessen Mit­glieder kurzer Handdie Dunkelmänner" genannt wurden, obwohl recht helle Köpfe von bewährter liberaler Gesinnung sich in der Leitung befanden. Beide Parteien machten von cem Recht, nach Belieben Volksversammlungen abzuhalten, ausgiebigen Gebrauch. So beriefen eines Tags die Demokraten eine solche nach Garbenteich, das mit Watzenborn und Steinberg den Ersteren zuneigte. Nachdem einige demokratische Reden gehalten worden, betrat Professor Köllner, mit Credner und HofgerichtSrath Kraft im Vorstand deS Vaterlands Vereins, die Rednerbühne. Sofort hieß eSherunter, herunter" und als Köllner dennoch versuchte zum Won zu kommen, gingen die Stöcke hoch. Da sich bei dieser neuen Art der Abstim­mung zeigte, daß die Dunkelmänner sehr in der Minderzahl waren, zogen diese vor, den Heimweg anzutreten. Einige Tage darauf hielten die Dunkelmänner eme Volksversamm­lung auf den LückebachSwiesen in der Nähe von GroßenLinden ab. Zuerst redeten ßraft und Köllner. Dann bestieg Car«

| riere die ziemlich hohe Rednerbühne. Seine ersten Wone bekundeten seine Angehörigkeit zur demokratischen Partei. Da rtef ein Bauer:Wer iS dann der LäuSbub da drobe?" Der Angerufene antwortete verbindlich lächelnd:Moritz (Saniere aus Griedel bei Butzbach."Herabber mit ihm, herabber," rtef es von allen Seiten. Vergeblich versuchte Carriöre weiter zu sprechen. Er mußte herunter. Da gingen die Stöcke der Demokraten wieder hoch. ES zeigte sich aber, daß sie diesmal bedeutend in der Minorität waren. Die Großlindner waren entschieden Dunkelmänner, und eS

! blieb den Demokraten nichts übrig, als mit Carriöre in der Mitte abzuziehen. Zur Revanche brachte die demokratische i Jugend Abends den hervorragenderen Dunkelmännern, vor- nehmlich Credner und Kraft, riesige Katzenmusiken. Soweit die Fenster des Kraft'schen HauseS nicht durch Läden geschützt waren, wurden sie eingeworfen und dabei ein Lärm vollführt, wie wenn die Indianer in Gießen eingefallen wären. DieS dauerte so lange, bis von oben herab einige Schüsseln voll Wasser auf die Tumultuanten herabgeschüttet wurden, worauf dieselben abzogen. Die Stadt aber mußte den entstandenen Schaden ersetzen. ... t

Neue SchießauSjeichuuugeo. Zum weiteren Ansporn : für die Förderung des Schießdienstes hat der Kaiser be­stimmt, daß von der Infanterie jeden ArmeecorpS auS- j schließlich Jäger und Schützen, von sämmtlichen Jäger- und Schützen-Bataillonen, von der gesammten Feldartillerie, von der gesammten Fußartillerie alljährlich diejenige Com­pagnie beziehungsweise Batterie, welche in ihrer Gesammt- leiftung im Schießen, bei der Artillerie mit Geschützen, als die beste befunden wird, ein auf dem rechten Oderarm von i sämmtlichen Mannschaften der Compagnie beziehungsweise j Batterte zu tragendes Kaiserabzeichen erhält. Ferner soll der betreffenden Compagnie beziehungsweise Batterie ein i dauernd in ihren Besitz Übergehender Kaiserpreis, sowie auch 1 dem Compagnie- beziehungsweise Batterie-Chef ein bleibendes i Erinnerungszeichen verliehen werden.

** Militärdienst der VolkSschullehrer. Die militärische Ausbildung der Volksschullehrer und Candidaten deS Volks- schulamtes, welche ihre Befähigung für daS Schulamt in vor­schriftsmäßiger Prüfung nachgewiesen Haden, wirb nach einer eben veröffentlichten kaiferlichen Ordre durch die seit­herige Heranziehung zu einer nur zehnwvchigen aciiven Dienst­zeit für nicht ausreichend erachtet, indem die Genannten hier­durch von späterer nutzbringender Verwendung als Unter» ; Offiziere des BeurlaubtenftandeS zur Zeit gänzlich aus­geschlossen seien. Der Kaiser hat daher bestimmt, daß die Ein­übung mit den Waffen auf einen vollen JahreSkurfuS aus­gedehnt und so gestaltet werde, daß die Heranbildung der VolkSschullehrer und Candidaten deS VolkSschulamteS fo weit I als thunlich zu brauchbaren Unteroffizieren erfolgt.

+ Lang GöuS, 28. Januar. Auch in unserer Gemeinde blieb der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers ! nicht vergeffen. Der Kriegerverein hatte eine Festlichkeit mit ' Ball imGasthaus zum Schwanen" abgehalten, wo Alle* i in schönster Weise verlies. Der Wunsch, daß Gott unser«

Kaiser lang dem deutschen Volke erhalten werde, damit noch

öfters sein Geburtstag gefeiert werben kann, hat gestern

Abenb manch guten Patrioten bewegt.

Laubach, 26. Januar. Heute hatte Förster Mönnig das seltene Glück, in der Nähe desJägerhauses" (zwischen ! Laubach und Schotten) eine gewaltige Wildkatze (Männ- ! chen, etwa 5 Jahre alt, 15 Pfund schwer) zu schießen.

An8 dem Ohmthal, 28. Januar.Wenn die Tage langen, kommt erst der Winter gegangen". Diese bekannte Regel erweist sich sehr zutreffend für unseren jetzigen Winter. Die verflossene Nacht brachte die bis jetzt größte Kälte- das Thermometer zeigte noch Morgens acht Uhr 13 Grad nach R. Die Ohm ist zugefroren, eine Erscheinung, die nur bei sehr starker Kälte eintritt. Für die Wintersaat ist eS sehr heilsam, daß sie durch eine so hohe Schneedecke geschützt ist. Im oberen Gedirg, wo der Sturm auf den Plateaus in feiner ganzen Gewalt gehaust, sind doch ganz granbiofe Schneewehen zusammengefegt worben. Selbst am gestrigen Sonntage wurde eine starke Anzahl von Mann­schaften zum Schneeschippen aufgeboten. WaS an den Tage» vorher auf den Straßen und Wegen aufgeschippt worben war, hatte der Sturm alflbalb wieder zugeweht. Derselbe war oft fo heftig, daß Hunderte von Schneeschippern die ! Arbeit einftellen mußten. Diese gewaltige Schneemasse im i Verein mit einer sehr strengen Kälte bringt Wild und Vögel ! in die größte Noth. War letztere wohl auch schon beim vorausgegangenen heftigen Schneefall eingetreten, so ist ! selbige doch jetzt durch die viel größere Kälte noch größer ! geworden. Alle Vögel im Felde sind in die Nähe der Ort- ! schäften ober in diese selbst gekommen. Wie zutraulich sie ; der Hunger gemacht, daS zeigt ihr Kommen auf die Futter- , Plätze, wo solche errichtet, und ihr Aufhalten in nächster > Nähe der Menschen. ES berührt wohlthuenb, wenn man jetzt eine größere Anzahl von Fütterungsstellen für die armen Vöglein erblickt, als früher- verräth doch ein solches Interesse eine bessere Einsicht und Erkenntniß.

Darmstadt, 29. Januar. Der VerwaltungSrath der Hessischen LudwigSbahn erhielt heute seitens der i hessischen Regierung eine Einladung zu commissarischen Ser« ! Handlungen Über die Verstaatlichung.

A Mainz, 29. Januar. Der als berühmter Kanzel« 1 redner in weiteren Kreisen bekannte Guardian deS hiesigen ! CapuzinerklosterS Paier AlphonS ist heute Mittag in Folge eines Schlaganfalls plötzlich verschieden. Verflossene Nacht war hier die größte Kälte in diesem Winter. Am > Rhein zeigte das Thermometer 15 Grad Reaumur unter 1 Null. Während der Rhein gestern nur ganz wenig dÜnneS Treibeis mit sich führte, geht derselbe von heute Morgen au in seiner ganzen Breite mit dichten Eismassen. In Folge hiervon ist die Schifffahrt plötzlich wieder ganz eingestellt, und beeilten sich die Schiffe, in schützende Häfen zu kommen. Die Schiffbrücke in Worms, wie auch die fliegenden Brücken in Gernsheim und Oppenheim, wurden gestern bereits ab-