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Der -letzener A«zeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de- Montags.
Die Gießmcr A«mitten d kälter »erden dem Anzeiger rvSchmtlich dreimal beigelegt.
_____________________Donnerstag den 31. Januar
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
1895
vierteljähriger s, Avonncmcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit
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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Anrtlrcher Theil.
Gießen, den 26. Januar 1895.
Betr.: Die Revision des Servistarifs und der Klaffen- eintheilung der Orte.
DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen
iM die «rotz-. Bürgermeiftereie« des «reifes.
Rach § 2 des Ges. vom 28. Mai 1887 (Reichsgesetzblatt S. 159) unterliegen der Servistarif und die Klassen- Eintheilung der Orte vom Jahre 1887 ab einer allgemeinen von 10 zu 10 Jahren zu wiederholenden Revision. Die erste nach Maßgabe dieser Bestimmung vorzunehmende Revision hat hiernach am 1. April 1897 in Kraft zu treten.
Für den Fall von Ihnen hiernach Anträge auf Versetzung in eine höhere Servisklaffe zu stellen sind, sehen wir Ihrer Vorlage unter Angabe der Gründe bis zum 1. Mai ds. Jrs. spätestens entgegen.
v. Gagern.
Herr Obstbautechniker Metz aus Friedberg wird an den bezeichneten Tagen folgende Orte besuchen, um daselbst Vorträge über Obstbau zu halten:
Samstag, 2. Februar, Lollar, Abends 8 Uhr;
Sonntag, 3. „ Staufenberg, Nachmittags 3 Uhr;
Montag, 4. „ Ruttershausen, Abends 8 Uhr.
Alle Mitglieder des Obstbauvereins und sonstige Freunde des Obstbaues werden zu zahlreicher Betheiligung eingeladen.
Gießen, den 30. Januar 1895.
Der Vorsitzende des Bezirksvereins Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins.
Dr. Wallau.
Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.
nn. Darmstadt, 29. Januar.
Die Verhandlungen beginnen heule um 1/2 10 Uhr.
Am Ministertische Staatsminister Finger, Finanz- Minister Weber, Oberbaurath v. Welzten, Mintstertal- räthe Schäffer und Mtchel, Oberbauralh Wetz. Zur Tagesordnung steht zunächst die Interpellation des Abg. Westeruacher wegen dem Stand der Vorarbeiten bei der Frankfurt-Stockheimer Eisenbahn.
Finanzmintster Weber erklärt, daß die Vorarbeiten auf hessischer Seite seit Frühjahr 1894 beendigt seien. Die preußischen Vorarbeiten seien ebenfalls beendigt und an das Staatsministerium nach Berlin gegangen. Dieses habe diese an das Eisenbahnamt Frankfurt zurückgegeben. Bevor der Abschluß der Vorarbeiten mit Preußen noch nicht geregelt sei, beabsichtige die Regierung nicht oorzugeheu.
Die zweite Interpellation betrifft die Neuorganisation der Hochbauämter in Hessen, gestellt durch die Abgg. Osann und Hechler. Finanzmintster Weber erwidert, durch die von der Kammer erfolgte Streichung von zwei Kreisbauämtern hätte naturgemäß eine Erweiterung der Baubezirke etntreten müssen und nach genauen Erwägungen sei die Regierung dahin gekommen, den Hochbau vom Straßenbau zu trennen. Die von der Regierung festgesetzte Neuorganisation werde ihre wohlthätigen Folgen zeigen, wenn sie einige Zeit bestanden habe. Die Befürchtung, daß dies nicht der Fall sei, theile die Regierung nicht. Bei der nun beantragten Besprechung bringen die Abgg. Hechler, Lautz, Schroeder, Erk eine Reihe von Klagen über diese Neuorganisation der Baubehörde aus ihren betreffenden Wahlkreisen. — Abg. Erk findet es nicht am Platz, daß die Regierung über die Köpfe der Kammer hinweg eine Organisation geschaffen, mit der weder der Handwerker noch das Publikum zufrieden sei. Hoffentlich werde die Regierung hier noch ändern, ehe es zu spät ist.
Eine Vorlage der Regierung auf Bewilligung von 1164 Mk. für 4 Offiziersburschen der Armee für die 4 Gendarmerie-Offiziere wird ohne Debatte genehmigt.
Eine Vorstellung der Gemeinden Langwaden und Hahnheim auf Errichtung einer Haltestelle an der Main- Neckarbahn wird, da sich die Direction dieser Bahn mit Entschiedenheit gegen die Anlage erklärt hat, abgelehnt.
Die Regierung fordert ferner für die innere Ausstattung des Dienstgebäudes der Großh. Central- stelle für die Gewerbe 58,000 Mk. Der Ausschuß beantragt Bewilligung unter Streichung von 1684 Mk. Hierbei bringt der Abg. Dr. Schröder eine Reihe Defiderien über
das hessische Submisfionswesen zur Sprache. In erster Linie werde das einheimische Gewerbe zu wenig berücksichtigt. Die Koftenvoranschläge seien unklar und die Zeichnungen dazu unverständlich. Die Zeit zur Ablieferung der Arbeiten sei zu kurz bemeffen und damit dem Kleinhandwerk unmöglich, sich an der Submission zu betheiligen. Er bittet die Regierung, die ja stets den guten Willen zeige, hier um Abhilfe. Vieles liege an den Kreisbaumeiftern und ihren Aufsehern, welche sehr oft „Wind und Wetter machten". — Abg. Lautz führt die gleiche Klage, ebenso der Abg. Breimer, welcher darauf hinweist, daß zum Neubau der Centralstelle z. B. Steine aus dem Bayerischen verwendet wurden, während man doch gutes Material im Odenwald habe. — Oberbau- rath v. Welzten bemerkt, mit den Odenwälder Steinen habe die Regierung schlechte Erfahrungen gemacht, so daß sie jetzt dieselben mit Oelfarbe streichen lasse. Zu den Auslassungen des Abg. Schröder bemerke er, daß die Regierung genau auf demselben principiellen Standpunkt stehe wie der Herr Abgeordnete, Thatsache sei aber, daß die Submittenten, denen die Regierung trotz Mehrforderung die Arbeit zugewiesen habe, diese Arbeit in Frankfurt a. M. machen ließen und die Preisdifferenz in die Tasche steckten. (Hört! Hört!) Das seien doch Dinge, die zur Vorsicht mahnten. — Die Abgg. Jöst und Ullrich stehen auf dem Standpunkte der Regierung und wünschen nur Übertragung der Arbeiten an den Mindestfordernden. — Hierauf wird die Forderung genehmigt. Ebenso eine solche im Betrage von 166,900 Mk. für Errichtung einer electrischen Centrale für die Technische Hochschule. — Abg. Schröder und 14 Abgeordnete beantragen die Erhöhung des Schulgeldes an der Technischen Hochschule, Abg. Haas u. Gen. Errichtung eines Amtsgerichts in Heppenheim. Damit ist die Sitzung geschlossen. Morgen ist Schluß der Verhandlungen.
Deutscher Reichstag.
25. Sitzung. Dienstag, den 29. Januar 1895.
Zweite Berathung der allerhöchsten Verordnung, betr. Zoll- zuschläge aus spanische Importen in Höhe bis zu 50 pCt.
Hierzu liegt eine Resolution Salisch u. Gen. (cons.) vor, wonach auch zollfreie Maaren mit Zöllen belegt werden sollen. Ferner ein Antrag Hammacher auf Zollzuschläge bis zu 100 pCt.
Abg. Bar th (irs. Vg) bittet, beide Anträge abzulehnen und es bei der allerhöchsten Verordnung belassen zu wollen.
Abg. Hammacher (ntl.) begründet seinen Antrag und empfiehlt diesen nebst der Salisch'schen Resolution,'zur Vorberathung in die Zolltariscommilfion.
Abg. Salisch (cons.) äußert sich im Sinne deS Vorredners.
Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Stumm, Salisch, Barth und Hammacher wird die allerhöchste Verordnung genehmigt, die gestellten zwei Anträge der Zolltarif-Commission überwiesen. Berathung der Gewerbenovelle (Bestimmung über Wandergewerbe). Die Initiativanträge Gröber u. Gen. werden mit zur Beiathung gestellt.
Abg. Schädler (Centr.): Wir begrüßen die Vorlage mit großer Freude und bitten, unsere Anträge an eine besondere Com-- Mission zu überweisen. Bezüglich der Unterstellung des Drogenhandels unter den S 35 der Gewerbeordnung hält es Redner für empsehlenswerth, in der Commission zu erwägen, ob nicht die Apotheker ein zu großes Interesse an der völligen Ntederdrückung des Drogenhandels haben.
Abg. Krüger (ntl.) hält die Vorlage in mancher Beziehung für nicht ausreichend und ist für die Verweisung des Antrages Gröber an eine Commission.
Abg- Schneider-Nordhausen (frs. Vp.) ist gegen den Antrag Gröber, überhaupt gegen jede zu straffe Handhabung der Gewerbetreibenden.
Abg. Holleusser (cons.) erklärt, seine Partei stehe der Vorlage im großen Ganzen sympathisch gegenüber.
Nächste Sitzung: Morgen 1 Uhr. Priorität der Initiativanträge, Anträge Auer, betr. Aufhebung des Dictaturparagraphm in Elsaß-Lothringen, Abänderung der Eintheilung der Wahlkreise.
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Januar. Der Landesausschuß von Elsaß-Lothringen ist am Montag Nachmittag 3 Uhr vom Statthalter Fürsten Hohenlohe-Langenburg eröffnet worden. Die Eröffnungsrede beschäftigt sich in ihrem ersten Theile mit der Finanzlage der Retchslande und giebt hierbei der Befürchtung Ausdruck, daß trotz der gegenwärtigen günstigen Gestaltung der reichsländischen Finanzen das Etatsjahr 1895/96 mit einem Fehlbetrag abschließen würde, falls inzwischen nicht ein befriedigender Ausgleich tu den finanziellen Beziehungen zwischen dem Reiche und den Einzelstaaren ftatt- finden sollte. Der zweite Theil der Rede des Statthalters stellt den Wegfall der veralteten Thür- und Fensterfteuer in Aussicht, hebt die Vortheile deS neuen Steuersystems hervor, und kündigt die erneute Einbringung des Sparkassengesetzes, sowie zweier Gesetzentwürfe zur Ergänzung der Gesetze über das Grundeigenthum und über die Grundbücher an. Die Rede schließt mit einem Hoch auf den Kaiser. Bet der alsdann folgenden Präsidentenwahl wurden die Herren
Jean Schlumberger und Jamez zum Präsidenten, resp. ersten Vicepräfidenten durch Zuruf wiedergewählt, während zum zweiten Viceprästdenten StaatSralh Julius Klein neugewählt wurde.
Ausland.
Paris, 28. Januar. Marschall Frangois Certain Can robert ist gestorben. Canrobert, 1809 geboren, erhielt- am 18. März 1856 die Würde eines Marschalls in Frankreich. Im italienischen Feldzug von 1859 war er CorpS- commandeur. Beim Ausbruch des Krieges von 1870 wurde er an die Spitze der nach dem Lager von Chalons berufenen Mobilgarden gestellt,- er übernahm dann später ddS Commando des 6. ArmeecorpS, kämpfte unter Bazaiue bet St. Privat und Gravelotte, wurde mit Bazaine in Metz eingeschlossen und nach der Capitulation der Festung kriegsgefangen nach Deutschland geführt. Im Proceß Bazaine trat Canrobert als Belastungszeuge gegen den Angeklagten auf. Bis zu seinem Tode gehörte Canrobert dem französischen Senat an, doch machte er sich dort wenig und in den letzten Jahren gar nicht mehr bemerklich. Canrobert war der letzte Marschall von Frankreich- diese monarchische Würde geht mit ihm ins Grab.
Nerrefte Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 29. Januar. Die officiöse „Berl. Corresp." meldet: Der Minister des Innern beftimmre im Einver- ständniß mit dem Landwirthschaftsminister, daß Strafgefangene aus den dem Ministerium des Innern unterstehenden Strafanstalten und Gefängnissen zu von Behörden und Privatpersonen unternommenen landwirthschaftlichen Meliorationen zu verwenden seien und der Arbeitslohn pro Kopf und Arbeitstag 40 Pfg. betragen solle. Um eine ungerechtfertigte Concurrenz mit den freien Arbeitern zu vermeiden, ist bestimmt, daß nur Gefangene verwendet werden sollen, wenn sonst die Ausführung der Arbeiten unterbliebe. Nur Gefangene, die sich gut geführt haben und nicht flucht- verdächtig sind, dürfen zu diesen Arbeiten genommen werden, sie find von den freien Arbeitern fernzuhalten.
Berlin, 29. Januar. Das „Militär - Wochenblatt" meldet: Dem Grafen Herbert Bismarck, Oberstlieutenant ä la suite der Armee, wurde der Charactcr als Oberst verliehen.
Berlin, 29. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Bundesrathsbeschluß, betreffend die Ausnahmen von demVerbot d er .B eschäftigung vonArbeirern in gewerblichen Anlagen an Sonn- und Festtagen vom 1. April 1895, ferner den dem Bundesrath zur Beschluß- nähme vorliegenden Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung desGesetzes über dieErwerbs- undWirth- schafts-Genossenschaften vom 1. April 1889.
Köln, 29. Januar. Infolge ungemein starken Eisganges werden im Ruhrgebiet Kohlensendungen nach den Kipptrichtern von der Bahn nicht mehr angenommen, desgleichen wurde die Verladung in den Häfen eingestellt. Dickes Eis bedeckt die ganze StromeSbreite. Der Wasserstand ist rapide fallend, die Schleppschifffahrt ruht vollständig.
Bern, 29. Januar. Der Bundesrath beschloß heute die Ausweisung von 17 im Tessin wohnenden Anarchisten,- die Namen derselben werden erst nach vollzogener Maßregel veröffentlicht werden.
Neapel, 29. Januar. In Folge von Unruhen unter den hiesigen Studenten wurde die Universität g eschlossen.
Lüttich, 29. Januar. Die Beamten des Gerichtshofes, vor dem der Anarchistenproceß anhängig ist, erhielten Drohbriefe von den Anarchisten.
Paris, 29. Januar. Der Präsident der Republik, Faure, empfing heute Nachmittag die Mitglieder des diplomatischen Corps. Jedem Botschafter und jedem Gesandten wurden die militärischen Ehren erwiesen. Der Präsident war von dem Ctvil- und Militärstaote umgeben. Auch der Minister des Auswärtigen, Hanotaux, wohnte dem Empfange bei. Der Nuntius Monsignore Ferrata stellte dem Präsidenten die Gesandten vor und hielt eine Ansprache, worin er den Präsidenten zu seiner Wahl beglückwünscht und hinzufügte, in des Präsidenten Namen, welcher Frankreich an ein Leben voll Ehre und Arbeit erinnere, erblicke er ein Versprechen und die Garantie einer langen Zukunft voll Sicherheit, Wohlergehen und Frieden. Diese Hoffnungen stimmten zu sehr überein mit den Bestrebungen aller Regierungen, mit den allgemeinen Interessen der Civilisation, als daß das


