1894
Mittwoch den 30. Oktober
Erstes Blatt
Nr. 255
Gratisbeilage: Gießener Kamilienölätter.
ungenttgenbet Marken,ahl Jnvalibenrenie nicht bewilligt
jU bringen.
v. Gagern.
afrika behandelt.
Velvet
it bei m,
Die Betheiligten werden zu ihrem Nutzen auf diese Bestimmungen aufmerksam gemacht.
Gießen, den 26. October 1895.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Rcboction, Lxpediti-U und Druckerei:
AchulftratzeVr.7.
Fernsprecher 51.
Bekanntmachung.
Betr.: Invalidität», und Altersversicherung.
Die Anträge auf Bewilligung von Invaliden- und Altersrente müsien häufig deshalb zurückgewiesen werden, weil die gesetzlich vorgeschriebene Mindestzahl von Beitrags- Wochen — die Wartezeit — nicht nachgewtesen werden kann.
Besonders tritt dieser Mangel bet Anträgen solcher Arbeiter hervor, welche im Winter selten oder überhaupt nicht gegen Lohn beschäftigt sind (wie im Baugewerbe, in । ter Landwirthschaft), für welche dann also Beitrage von eucem Arbeitgeber nicht entrichtet werden.
Nach dem Gesetz ist eS aber möglich, auch wahrend facher ArbeitSunterbrechuugeu für die Verehrung der Beitragsmarken, also auch für die allmähliche Erfüllung der Wartezeit und für die Erhöhung der Rente zu sorgen.
ES gelten die folgenden Bestimmungen:
1 Versicherte können beim Aufhören der Lohnarbeit die Versicherung freiwillig fortsetzen, indem sie für jede Woche der arbeitslosen Zett eine Doppelmarke in die Quittungskarte einkleben.
2 Die Doppelmarken sind bet allen Postanstalten zu haben.' Da« Glück kostet 28 Pfennig.
3 Fs tft nicht erforderlich, daß die Doppelmarke in derjenigen Woche, für welche sie gelten soll, verwendet wird. Vielmehr kann die- anch für eine Mehrzahl von Wochen nachträglich gefchehen, 8- B. nachdem der Versicherte et Wiederbeginn der Lohnarbeit In Besitz der nöthigen Selb- mittel gelangt ist. Die, Doppelmarken müffen ,eb°ch eingeklebt fein, bevor wegen wieberbegonnener Lohnarbeit bet Arbeitgeber von neuem Beiträge entrichtet.
4 Mit bem Einkleben bet Doppelmarken bars überbie« Mion beShalb nicht lange gezögert werden, weil nach ein- getretener Erwerbsunfähigkeit die spätere Beibringung von Doppelmarken nicht als glltlg anzusehen ist, so daß dann bet
Der chiehener -«teiger erscheint täglich, »it Ausnahme be» MontagS.
Die Gießener
werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal ßeigrlegt.
Nerieste Nsrcherchten.
WolffS telegraphisches Correspondmz-Bureau.
Berlin, 28. October. Der „Poft" zufolge erklärte der Arbeitsmmtster Thielen gegenüber einer Abordnung der Rheinischen Kohlenindustriellen wegen des Wagen- mangels keine positive Versprechungen betreffs Abhülse machen zu können, weil bie Verhandlungen mit dem Ftnanzmtnister noch schwebten. Soweit dies aber ohne neue Ausgaben möglich sei, werde er bemüht sein, dem Wunsche der Kohlen- industriellen nachzukommen. Nachmittags wurde die Abordnung vom Ftiianzminister empfangen.
'Breslau, 28. October. Der „Schlesischen Zeitung zufolge erkcärte der Landwirthschaftsminister Freiherr von Hammerstein vorgestern bei einem Besuche der Zuckerfabrik in Guorau in Beantwortung einer Ansprache, daß Dank dem lebhaften Jntereffe des Kaisers für alle Zweige der landwirthschastlichen Production und Dank den Maßnahmen der Staatsregierung eine beffere Zukunft auch I sür die Zuckerindustrie zu hoffen fei. Bei Besichtigung der Molkerei zu Guhrau wies der Minister auf die bevorstehende Margarine-Gesetzvorlage und die verschärften Veterinär- Maßregeln gegen die Schweineseuche hin.
Dresden, 28. October. In DreSden-Albertstadt sand beute Mmag die feierliche Grundsteinlegung zum Thurme der Garnisonkirche statt. Der König, dle Prinzen deS Königlichen HauseS, die Generalität, der Kriegs- Minister General-Lieutenant Edler von der Planitz, der CultuSminister von Seydewitz, der Minister des Innern v Metzsch und die Spitzen der Behörden wohnten dem Festacte bei. Der Kriegsminister hielt eine Ansprache, der Stadt- commandant verlas die Urkunde. Vorher hatten getrennte Weihefeiern für den katholischen und evangelischen Theil der Kirche stattgefunden. r m
Pari», 28. October. Der russische Botschafter, Baron Mohrenheim, überreichte heute Vormittag dem Minister I deS Aeußeren H a nolaux den Groß-Cordon des St. Alexan-
der-Newsky Ordens.
Toulon, 28. October. Ein Rettungsboot deS Panzer- schiffe- «Devastation- stützte, al- es -mfgehißt wutbe, ins Meer. Zwei Matrosen wurden von dem Boote er- schlagen, ein dritter ertrank. •
Kopenhagen, 28. October. Die Verlobung der Prinzessin Maud von Wales mit dem Prinzen Karl von Dänemark, dem zweiten Sohn des Kronprinzen, ist heute Abend erfolgt. „r . . .
Petersburg, 28. October. Am SamStag Abend fand In bem voll besetzten Saale bet Abelsoetsarnrnlung ein von deutschen Gesangvetelnen mit Symphonie ■ Orchester auS- gesührteS Eo ne ett statt, welchem bet beutsche Botschafter an,ft Rabolin beiwohnte. Zum Bortrage gelangte auch ber „Sang an Hegir"; berselbe fanb stürmischen Bet,all.
»onstantinopel, 28. tüctober. Nach hier ein getroffenen Privatmelbungen hat in Raiburt an ber Straße von
werden kann.
5 Die Doppelmarken muffen der anaedören, in deren Bezirk der Versicherte sich aufhalt, und müffen von der örtlichen Invalidität-- und AlterSverfiche- »u einem bestimmten Arbeitgeber aus irgend welchen Gründen derart unterbrechen, daß sie aus der Versicherung, - pflicht vorübergehend ausscheiden, spater aber zur Arbeit bei dem aleicheu Arbeitgeber zurückkehren, bedürfen der D°ppelrna?ken überhaupt nicht. Für sie genügt e-,daß sinder ber Arbeitgeber bie bisherigen Beitrage fottenttitb , vorausgesetzt, baß bie Arbeitsunterbrechung wahreub eines Kalenber aht - nicht länger al- 4 Monate bauert. Bei mehr als biermonatlicher Dauer ber Arbe'»un-rbrechung bütsen sür bie überschießeube Zeit auch ständige Arbeiter nur mit ErwetbSunsähigkeit verbunbener
Krankheit ober milttärischer Dienstleistung (nach näherer Bestimmung bes § 17 Snoallbität«. unb AlierS-BersicherungS- SefetseS)0 ist sreiwillige Fortietzuvg bet Versicherung nicht angebracht, weil ble|e Zeiten al« Beitragszeiten in Anrechnung
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auf Scheiterhaufen tebenblg verbrannt. 8iele Stauen würben mißhandelt unb zerstückelt, bie Dörfer geplünbett unb bie Mäbchen gefchänbet. Die Zahl bet Tobten fall 150 aber ti.inen Die Dörfer hatten beim Ausbruch bet Unruhen den Schutz be« Gouverneur« von Baiburt erbeten. Dieser aber ®nbte nut 3 Gendarmen ab, bie Überbie« etft anhxng en al« baS Morben unb Plünbern vorüber war. Nach einet Meldung au« T t ap ezunt wurde da« Dors Gumusch-Dagh kurch Türken überfallen. Die Zahl der Tobten ist unbekannt, wird aber al« beträchtlich bezeichnet.
Depeschen deS Bureau »Herold*.
Berlin, 28. October. Der Jagdbesuch deS Kaiser» beim $>au8miniftet v. Wedel auf W'«‘»’f “le bie Post" hört, auf den 7. und 8. November festgesetzt. Dft Ankunft de« K-ifer. erfolgt am 7., die Jagd findet am
Gieren, den 24. October 1895.
Betreffend: Wie oben.
DaS Grotzherzogliche Kreisamt Gieße« au Grosth. Polizeiamt Gießen und dre Grosth. Bürgermeistereien derLaudgemeiudeu desKrerses.
Unter Bezugnahme auf die vorstehend abgedruckte Bekanntmachung beauftragen wir Sie, die Befolgung biefer Bestimmungen strengstens zu überwachen und das Poltzei- personal anzuweisen, etwaige Zuwiderhandlungen zur Anzeige
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8 ^Btrlim28. October. Der Kaiser hat gestern anläßlich deS Gedenktages der 25jährigen Wiederkehr der^C°p tulatiou von Metz den Prinzen Friedrich Leopold ä la suite deS 1. Leib-HusareN'RegimentS gestellt.
Berlin, 28. October. Der „RetchSanzeiger veröffent- licht die A b b e r u f u n g des bisherigen Gesandten am dänischen Hose, Freiherrn von den Brincken von diesem Posten behusS anderweitiger dienstlicher Verwendung.
Berlin, 28. October. König Karl von Portugal wird, wie die „Post" hört, Freitag den 1. November Vor- mittags in Köln eintreffen, wo militärischer Empfang statt- findet. Der portugiesische Gesandte, Vicomte de Pindella, reist seinem Souverän bis zur Grenze entgegen. In Köln sind die diplomatischen Consuln zur Begrüßung versammelt. Der König fährt mitielst Extrazug bis zur Wildpark-Station, wo großer Empfang durch den Kaiser statifindet. Der König nimmt im Neuen Palais Wohnung. Am Samstag ist Gala- Diner und Theater-Vorstellung im Neuen Palais, am Sonntag Frühstück bet dem Prinzen Friedrich Leopold und Familien- Diner im Neuen Palais und Gala-Dorstellung in der Oper geplant, Montag wird eine Hirschjagd 'm Wildpark abgehalten, dann wird der König der Rekruten-Vereidigung beiwohnen und hierauf der Einladung des 1. Garde Regiments zu Fuß zum Frühstück Folge leisten. Abends erfolgt die Abreise über Spandau nach Vlissingen.
Berlin, 28. October. Im Reichsamt deö Innern ist heute Vormittag auf Veranlaffung des Reichskanzlers eine Conferenz zusammengetreten, um über den Terminhandel in Kammzügen zu berathen. Vertreter von Landwirth- schast, Handel und Industrie hatten den an sic ergangenen Einladungen Folge geleistet.
Berlin, 28. October. Bei dem gestrigen Festmahle zum Andenken an den Prinzen Friedrich Karl überreichte der Kaiser dem General Grafen Häseler als Achten besonderer Huld eine große photo graphische Aufnahme des Kaiserpaares nebst Gefo l g e, d'e am 17. October d. I. in Colombey hergestellt worden ist. Ueber das Bild hatte der Kaiser eigenhändig geschrieben: „Zur Erinnerung an Colombey." ...
Berlin, 28. October. Der Colonialrath trat heute Vormittag 10 Uhr im Auswärtigen Amt zu seiner Herbsttagung zusammen. Der Vorsitzende, Director der Berliner Abthetlung Dr. Kayser eröffnete die Sitzung, indem er zunächst in ehrenden Worten des verstorbenen Mitgliedes des Colontalraths, Commerzienrath Langen, gedachte. Sodann gab der Vorsitzende eine allgemeine Uebersicht über die Entwickelung der Schutzgebiete, welche im Ganzen als eine zufriedenstellende zu bezeichnen fei. ES wurde fodann zur Berathung deS Etat Entwurfs geschritten, nachdem der Vorsitzende eine allgemeine Erläuterung zu dem Entwurf gegeben hatte, wurde in die General-Discussion eingetreten, wobei unter Anderem die Frage der Unterdrückung deS Sclavenhandels in Sansibar vom Domherrn Dr. HeSpers zur Sprache gebracht wurde. Allseitig wurde anerkannt, daß die deutschen Behörden mit besonderer Gewiffenhaftigkeit und besonderem Erfolge bestrebt seien, die Vorschriften der BrÜffeler General Acte zur Durchführung zu bringen. Hierauf wurde die Specialberathung des Etats vorgenommen und zunächst der Etatentwurf für Ost-
Annahm« v°n Anzeigen ju ber Nachmittag- für ba totgenben Tag erscheinenden Nummer br- Darm. 10 Ufr.
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Amtlicher Theil.
LekaMtmachung.
betreffend: Das Auffetzen von Stroh, Heu und dergleichen leicht entzündlichen Gegenständen auf Haufen m I allzu großer Nähe von Gebäuden. I
Nach den neuerdings gemachten Wahrnehmungen sind in öfteren Fällen Brandschäden dadurch entstanden, daß, m Brand gerathene Haufen Stroh, Heu und dergleichen leuh entzündliche Gegenstände, die entgegen der Vorschrift des Art. 147 des Polizeistrafgesetzes m zu großer Nähe Scheuern und sonstigen Oeconomiegebauden aufgesetzt waren, das Feuer auf die benachbarten Gebäulichkeiten übertragen ^Qbenäßir sehen uns deßhalb veranlaßt, die nachstehend abgedruckten Bestimmungen des Art. 147 des |
mit dem Anfügen in Erinnerung zu bringen, daß das Aufsichtspersonal angewiesen worden ist, jede wahrgenommene Zuwiderhandlung zur Anzeige zu bringen.
Gießen, den 24. October 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Att. 147
Stroh, unausgedroschenes Getreide, Heu, Grummet, butter unbereiteter Hanf unb Flach«, dürre ^eumiltel unb dergleichen leicht enftünbliche Gegenstanbe bürf. unter freiem Simmel »um Zwecke längerer Aufbewahrung m gröberer Menae, bei Vermeidung einer Strafe von 1 biS 5 fl-, mcht anders als in einer Entfernung von hundert Fuß von ledem nicht feuersicher gedeckten, fünfzig Fuß von ^dem feuersicher gedeckten und mit einer Feuerung versehenen, dreißig Fuß von jedem andern feuersicher gedeckten Gebäude, aus- geschichtet werden.
«ll: «nnoncen-Bureaux be» In- und «u»lanbe» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
—~ Ä viertelfährlger
Gießener Anzeigerss
Kemrat-Mzeiger.
Amts- unb Anzeigeblntt für ben Areis Gi-fzen.


