Dienstag den 30. Juli
189$
Erstes Blatt
M 176
Aintr- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen
Hratisöeitage: Gießener Kamikienökätter.
Amtlicher Theil
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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» lolgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.
Ausland.
Brüssel, 27. Juli. Infolge des gestern hier niedergegangenen Gewitters sind sämmtliche Telephon-und Telegraphen-Ver- bindungen nach Paris unterbrochen.
Saiut-Brieuc (Bretagne), 27. Juli. Zu dem bereits kurz gemeldeten Eisenbahnunglück werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Zug 148, welcher von St. Anne bet Aurah kam, enthielt 24 mit Pilgern überladene Waggons und wurde von zwei Locomotiven gezogen. Der Zug hatte den Bahnhof Quintin verlassen und befand sich 3 Kilometer vom Bahnhofe Plaintel, als die erste Locomotive entgleiste und den übrigen Zug mit sich riß, ehe noch die Maschinisten Zett hatten, Contredampf zu geben und zu bremsen. Die meisten Waggons stürzten übereinander und wurden zerbrochen. Sechs bis acht Wagen wurden vollständig zertrümmert, zwei wie die Röhren eines Fernrohrs ineinandergeschoben. AuS den Trümmern drang schreckliches Geschrei hervor. Eine Anzahl Reisende sprang wie wahnsinnig aus den unversehrt gebliebenen Wagen heraus und floh querfeldein. Als der erste Schrecken vorüber war, machte man sich an die Rettung. Zwölf Leichen lagen unter den Trüm- mern, -darunter die der beiden Locomotivführer und der beiden Hetzer. Gegen 50 Personen sind verwundet, von denen etwa 20 Schwerverundete ins Hospital gebracht wurden. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht ermittelt. Der- muthlich gab das durch den Regen aufgeweichte Erdreich unter dem Gewicht der Maschinen nach.
Loudon, 26. Juli. Der 6. internationale Geograp he n-Congreß wurde heute Abend im Kaiserlichen Institut eröffnet. Dte Delegtrten der fremden Länder wurden von dem Herzog von York empfangen- der Vertreter eines jeden Landes wurde von dem betreffenden Botschafter, resp: Gesandten dem Herzog vorgestellt. Darauf eröffnete der Herzog feierlich den Congreß und verlas eine Begrüßungs- Adresse an die vielen hervorragenden auswärtigen Delegirlen. Er sprach die Hoffnung auS, daß die Arbeiten des CongresseS dauernde Erfolge haben, würden. Der Präsident, Elements Markham, begrüßte ebenfalls die fremden Besucher. Charles Daly, der Vertreter der Vereinigten Staaten von Nord- amertka, antwortete als Doyen der Deleginen und sprach seine Anerkennung aus über den herzlichen Empfang. Die Versammlung wurde sodann vertagt.
Sofia. 27. Juli. Heute werden anläßlich des Todestages der durch den Strang Hingerichteten Mörder Beltschews auf dem Friedhöfe Demonstrationen befürchtet. Da auch Demonstrationen für Stambulow zu erwarten sind, trifft die Regierung umfassende Sicherheitsmaßregeln.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juli. Gegen die seit dem 1. Juni wegen Maj estälsbeleidigung verhafteten bulgarischen Studenten Revnow und Iwanow findet die Verhandlung am 6. August statt.
Berlin. 27. Juli. Zu den Vermuthungen, welche verschiedene Blätter über den Inhalt des vom Kaiser Wilhelm an den Zaren gerichteten Handschreibens laut werden lassen, wird der „National-Zeitung" von zuverlässiger Seite rmtgetheilt, daß nur zutreffend ist, daß ein solches Handschreiben abgegangen ist. Alles über den Inhalt des Schreibens Gesagte beruhe nur auf Combinationen.
Berlin, 27. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Bekanntlich ist in dem Etat des Auswärtigen Amtes io diesem Jahre erstmalig ein Poften von 75,000 Mk. zur versuchsweisen Zutheilung landwirthschaftlicher Sachverständiger an die größeren kaiserlichen Missionen eingestellt. In Aus» -Mung dieser Absicht ist Hauptmann a. D. Cletnow nach 6i. Petersburg und der Landwtrth U. Scheidemann nach SBttit entsandt worden, während der frühere Generalconsul Dr. Gerlich sich nach England begibt und der königlich »irrttembergische Forstreferendar Freiherr v. Hermann in Mn der Botschaft in Washington zugetheilt ist. Diese Herren haben sich theils bereits an ihren Bestimmungsort begeben, theils werden sie in den nächsten Tagen dorthin ab- reisen. Der Privatdocent der hiesigen königlichen Land- wirthschaftlichen Hochschule, Dr. Karger, begibt sich im August jn gleichem Zwecke nach Buenos-AyreS.
Berlin, 27. Juli. Die „Berl. N. Nachr." melden: Heule ist hier die „Landbank" mit einem Capital von .fünf Millionen Mark constituirt worden. In den AufsichtS- rarh wurden folgende Herren gewählt: Landschaftsdirector Albrecht. Rittergutsbesitzer v. Bieler-Melno, Graf Douglas, Freiherr v. Eckardstein, Geh. Com.-Rath v. Hansemann, -Dr. v. Hansemann-Pemflowa, R. v. Hardt, Exc. Präsident o. Köller, Präsident Kltngemann, Geh. Com.-Rath Schwabach, d. Tiedemann Kranz, v. Tiedemann-Seeheim. Die Gesellschaft hat als ersten Director den Specialcommissar bei der Leneral-Commisfion in Bromberg, Regierungsrarh Stobbe, -gewählt, welcher am 1. k. M. ans dem Staatsdienste aus- scheiden wird. Die Hauptthätigkeit der Bank wird in der 'Beförderung der Rentengüter-Bildung in den Provinzen mit borwaltendem Großgrundbesitz bestehen, wobei auf größeren Zuzug von Käufern aus dem stärker bevölkerten Westen des Staates gerechnet ist. Das Bureau der Bank befindet sich
compromittirende Papiere confiScirt worden, von welchen die Pforte Abschriften an die Mächte zu senden gedenkt.
WB. Hamburg, 29. Juli. Seit Nachts 12V2 Uhr stehen sämmtliche Gebäude der Export-Spritlager-Actien- Gesellschaft vormals Nagel auf dem Steinwärder in hellen Flammen. Die Gebäude sind wahrscheinlich völlig verloren, der Schaden beziffert sich aus Millionen.
Vierteljähriger ^Bonnemenbpreb: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Slüutstraße "5EU.1. Fernsprecher 51.
Der $<4e«et Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener P«mikie«vlL1ter «erden dem Anzeiger «dchmtttch dreimal beigelegt.
-flehen.
vochu«, 27. Juli. Wie der „Bochumer Anzeiger" meldet, find bet dem Grubenunglück auf der Zeche .Prinz von Preußen" 32 Tobte geborgen. Vier Arbeiter fnb noch verschüttet. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Saßnitz, 27. Juli. Seiner Majestät Yacht „Hohen- zollern" ist heute Nachmittag 2 Uhr vor Saßnitz vor Inter gegangen. An Bord ist alles wohl. Die Ankunft hatte sich wegen starken Nebels verspätet, der NachtS 1 Uhr «uf der Höhe von Oeland eintrat und etwa fünf Stunden anhielt.
Bekanntmachung.
Die Brücke über den Kreisstraßenzug Beuern—Geils- Hansen wird wegen Umbaues derselben vom 1. August l. Js. tkj auf Weiteres für den Verkehr gesperrt.
Gießen, den 27. Juli 1895.
Großheitzogliches Kreis amt Gießen.
I. V.: Dr. Melior.
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Gießener Anzeiger
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.kehrenstraße 43/44.
Berlin, 27. Juli. In der heutigen Sitzung der städti- ^fchen Verkehrs-Deputation erstattete Baurath Hob- ttcht Bericht über die Reise, welche er im Auftrage des Magistrats mit den Stadträthen Maubrink und Marggraff loch deutschen und ausländischen Städten behufs Studiums itr Verkehrsmittel unternommen hat. Die drei Magistrats- rltflUeber sind deS Lobes voll über die zuvorkommende Auf- ichme, welche sie in den bereisten Städten (Dresden, Dessau, >rgen t. W., Frankfurt a. M., Straßburg i. E.) und dem laslande gefunden haben. DaS Resume der von den Herren .erfaßten Denkschrift geht dahin, daß die Berliner VerkehrS- % -Verhältnisse, abgesehen von den noch zu erprobenden electrischen -< tz-raßenbahnen, denen anderer Großstädte in nichts nach-
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Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Sigmaringen, 28. Juli. Die Kaiserlichen Prinzen besuchten heute unter Führung des Fürsten von Hohenzollern die Stammburg Hohenzollern.
Konstantinopel, 28. Juli. Meldung der „Agenzia Srefani". Der hiesige italienische Botschafter T. C atalani ist heute Vormittag infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. _____________
Depeschen deS Bureau „Herold".
Brüffel, 28. Juli. Für die heute Nachmittag bevorstehende Massendemonstration gegen das Schulgesetz find die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln seitens der Regierung getroffen worden. Von 1 Uhr Nachmittags ab ist die gesammte Polizei, Gensdarmerie und Bürgergarde, desgleichen die Brüsseler Garnison confignirt. Man hat berechnet, daß sich etwa 100000 Menschen an der Demonstration betheiligen werden.
Paris, 28. Juli. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat die Börsensteuer sechs Millionen Francs ergeben. Der Umsatz an der Börse betrug 115 Milliarden 320 Millionen, was -araus hervorgeht, daß bekanntlich fünf Centimes pro tausend Francs Steuer erhoben werden.
Loudon, 28. Juli. Mehrere Blätter behaupten, Frankreich werde mit Rußland noch vor Ende dieses Jahres die Frage der RäumungEgYPtenS aufs neue aufwerfen und die energische Lösung dieser Frage definitiv fordern.
Bukarest, 28. Juli. Der Köni g tritt noch in dieser Woche eine Reise ins Ausland an; er wird in Ischl dem Kaiser Franz Josef einen Besuch abstatten, welchem in politischen Kreisen große Bedeutung beigelegt wird.
Bukarest, 28. Juli. Laut einem Bericht des rumänischen Gesandten in Constantinopel besteht der größte Theil der gefangenen aufständischen Macedonier aus russischen Offizieren. Bei denselben find äußerst
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weite
Der Krieg von 1870|71, geschlldert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.)
80. Juli.
Aus französischen Blättern:
„France": „Die deutschen Soldaten müssen durch GenSdarmen ins Treffen geführt werden. Bet der Landwehr ist diese Maßregel fast immer notwendig. Die Landwehr, der Mechrzahl nach Familienväter und Feiglinge, haben sehr oft Luft, ihre Gewehre wegzuwerfen und davonzulaufen." , • r
„Figar o" : „Die Preußen haben Furcht, große Furcht, denn wir sehen aus den Berliner Blättern, daß allein in der letzten Woche 211 Berliner am Durchfall ge storben sind.blatt Paris: „Schlacht bei Thionville. Großer Sieg der Franzosen. Chassepot hat Wunder gewirkt. Ehe die Preußen einen Schuß abfeuern konnten, lagen sie schon hingestreckt wie die Aehren durch die Sense des Schnitters. Die Preußen verloren 7000 Tobte und 15,000 Verwundete."
Gieße», den 29. Juli 1395.
** Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen». A. am 27. Juli den Amtsrichter Neuenhagen von Gießen, den Großh. Steuercommissariatsassistent Steuerassessor Abrie aus Gießen.
** Uuiverfiiätsseier. Unsere Hochschule wird die 25jähr. Wiederkehr der glorreichen Tage von 1870/71 erst im Januar, anläßlich des Gedenktages der Errichtung des deutschen Reiches, feiern.
»* Laudwirthschaftliche Ausstellung in Gießen. Die Arbeiten für die große landwirthschaftliche Ausstellung sind jetzt soweit gediehen, daß bereits die Ankaufscommtssion für die Gewinne zusammengesetzt werden konnte. Vor- fitzender derselben ist Herr Friedrich Helfrich, Stell- Vertreter Herr Metzgermeister L. Pirr. Für den Ankauf zur Verloosung find bereits bestimmt: ein erster Preis tm Werthe von 5000 Mk., bestehend aus einem Erntewagen mit vier belgischen Zuchtstuten nebst Geschirr; ein zweiter Preis im Werthe von 2000 Mk., bestehend aus einer Sammlung von Vogelsberger Rindvieh; ein dritter Preis im Werthe von 1000 Mk., bestehend in einer Drillmaschine und zwei Kühen oder Ochsen Simmenthaler Rasse oder Kreuzung. Die folgenden 100 Gewinne bestehen in Ackergeräthen, Rindern und Zuchtschweinen im Werthe von durchschnittlich je 100 Mk., vorausgesetzt, daß sämmtliche 60,000 Loose abgesetzt werden, im andern Falle findet eine entsprechende Reduction statt. Sämmtliche größere Gewinne, mit Ausnahme des ersten, sollen thunlichst auf dem Ausstellungsplatze angekauft werden. In der Ankaufscommtssion für die Gewinne unter 100 Mark Werth fungiren die Herren Fr Georgi als 1., Oeconom Puth als 2. Vorsitzender.
*♦ Strafkammerfitzuug. Seit heute Vormittag 81/* Uljt verhandelt die Strafkammer gegen die Wittwe Schultheis von Wisselsheim wegen versuchter Verleitung zum Meineid. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr Güngerich. Die Verteidigung führen bte Rechts- anwälte Grünewald-Gießen und Jöckel-Friedberg. ES sind 45 Zeugen zu vernehmen und dürfte die Verhandlung erst Abends ihr Ende erreichen.
** Die 5. Ruder-Regatta, welche am gestrigen Sonntag hier stattfand, stand, obwohl das Wetter dazu günstig, unter dem Zeichen der FesteSmüdigkeit, wie so manche andere Veranstaltung auch. Der Besuch hätte im Vergleich zu früheren Regatten ein stärkerer sein können. WaS die Rennen selbst betrifft, so wurde und mitgetheilt, daß die Vorrennen am Vormittag entschieden mehr Interesse boten als die Haupt- rennen, denn die Abstände, unter denen bte Boote das Ziel durchfuhren, waren in den Vorrennen recht minimal. Zu scharfen Endkämpfen kam es beim Hauptrennen überhaupt nicht. Nachstehend theilen wir den Verlauf der Regatta mit, wobei bemerkt sei, daß die im Hauptrennen nickt verzeichneten Boote


