Ausgabe 
30.6.1895 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

189®

Erstes Blatt.

Nr 151

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen

Hrattsöeitage: Gießener Kamilienötätter.

Sonntag den 30. Jwi

Lvnsthmt von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr.

Lazareth geschafft.

tzamborg. 28. Juni. In dem gestern zu Ende ge­gangenen Prozeß gegen die Banknotenfälscher wurden die Angeklagten Thies und Cronemeyer zu 8, Nestler zu 4, Dechow zu 3 Jahren Zuchthaus und Weber zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Gentsch wurde freigesprochen.

Pari-, 28. Juni. In der heutigen Sitzung der H e e r e S - commisston sprach sich der Kriegsminister gegen die zweijährige Dienstzeit aus, weil man bei einer solchen nicht wie in Deutschland ausreichende Effectivbestande haben würde und dieselbe die Bildung eines Artillerie- und EavaüeriecordonS verhindern würde.

Konstantinopel, 28. Juni. Der deutsche Botschafter Freiherr von Saurma-Jeltsch wird morgen in feier­licher Audienz sein Accreditive überreichen. Der Marschall Schakir Pascha ist zum Jnstructeur ernannt worden.

Mtem, 28. Juni. Bei dem gestrigen Empfang der Tivil- und Militärbehörden und der Vertreter der Stände durch den Gouverneur anläßlich der hundertjährigen Der-

daß er durch die Umstände gezwungen sei, im Auslande mehrere Schiffe zur Ueberwachuug der Küsten von Cuba anzukaufen, hat große Erregung hervorgerufeu.

Petersburg, 28. Juni. Trotz der englischen Meldungen glaubt man hier nicht, daß die russisch-chinesische An­leihe gescheitert sei. Eine definitive Meldung deS russischen Gesandten in Peking über den Gang seiner Verhandlungen mit der chinesischen Regierung wird in den nächsten Tagen erwartet. __ .

vierteljähriger ^»nemteUrtetot 2 Mart 20 Psg. mit Bringerlohn.

Durch bie Post bezog« 2 Mart 50 Psg.

Äebection, Lxpeditiol und Druckerei:

Kch»lstr«tzeKr.,.

Fernsprecher 51.

ick Elsaß zuzubringen.

Berlin, 28. Juni. Der ..Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung der etatSmäßigen Stelle des AbtheilungSchefS für die Ftnanzverwaltung bei dem kaiserlichen Gouvernement von Deutsch-Ostaftika unter Beilegung deS Titels als Finanz­director an den Landrath Rudolf v. Bennigsen, ferner des Titels als kaiserlicher Regierungsrath an den Hilf»- arbeiter bei dem Gouvernement von Deutsch - Ostafrtka Or. Theodor Bumtller. t n .

ptei 28. Juni. Das im großen Belt festgelaufene italienische PanzerschiffSandenga" ist heute früh wieder flott geworden. DaS Schiff ist unbeschädigt.

Brussel, 28. Juni. Der Senat har heute mit bl argen 11 Stimmen das Gesetz angenommen, nach welchem derCongo-Eisenbahn-Gesellschaft weitere5Millionen geliehen werden. Ebenso wurde das Gesetz über die Bor- schußleiftung von 5 Millionen zur Tilgung der Congoschuld angenommen. m _ ...

Paris, 28. Juni. Der Redacteur desPetit Journal iuterwievte den Admiral Menard über den Aufenthalt in Kiel. Menard drückte seine Befriedigung über die Ho - lichkeit der Deutschen aus und dementirt sodann alle chauvi­nistischen Nachrichten, welche vou der Boulevardpreffe über mißliebige Zwischenfälle in Kiel verbreitet worden find. Wenn man in Kiel gegen die französische Flotte unhöflich I gewesen wäre, so hätte der Admiral energischen und lauten Protest dagegen eingelegt.

Part», 28. Juni. Der Kieler Correspoudent deS Gaulois" schreibt vom Bord deS russischen AdmiralschiffeS tu Kiel, daß das russische Geschwader, »eld)e8 Den Canalsesteo beiwohnte, unter dem Befehl deS Admirals Skrydlow im nächsten Jahre nach Brest kommen und der französischen Marine reiche Geschenke mitbringen werde.

Paris, 28. Juni. Die Blätter veröffentlichen die Nach­richt von dem Empsang deS französischen Botschafters, Grafen Montebello, in Petersburg durch den Czaren und heben hervor, daß dies ein hochpolitisches Eretgntß sei. ES liefere wiederum den Beweis für das französisch-russische Bündniß. Einige Blätter glauben zu wiffen, daß dem- nächst ein Document veröffentlicht werden wird, in welchem dargethan ist, daß das Bündniß unter Carnot vollzogen

I wurde. .

PiriS, 28. Juni. DaS französische Geschwader ist, von Kiel zurückkehrend, gestern in Cherbourg eingetwffen. Die Reise deS Geschwaders wurde durch schlechtes Zetter sehr erschwert. DaS Geschwader traf deßhalb mit großer Verspätung ein. t .

Part«, 28. Juni. Nach Meldungen auS Ma da- gaScar gehen täglich zahlreiche Eingeborene «" ihren Waffen zu den Franzosen über. Die französischen Truppen haben viele Lebensmittel angesammelt und beab- sichtigen, weiter nach dem Innern deS Landes zu marschtren. I Madrid, 28. Juni. Die Erklärung des MariueministerS,

Drr tUfte»« Aazeiger erscheint täglich, MN Ausnahme de« Montag«.

Dir Gießener

werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal drigrlrgt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Gießen, den 29. Juni 1895.

DasHotel Einhorn", welches einer durchgehenden Renovirung unterzogen und den modernen Ansprüchen ge­mäß eingerichtet wurde, wird heute Abend neu eröffnet.

"*» Der Berkehr auf dem Festplatze des Mittelrheinischen Turnfestes ist schon jetzt ein recht reger. Nachdem TagS über viele -fleißige Hände sich geregt, um die Gesammt- auSstattung des Platzes ihrer Vollendung entgegenzubringen, versammeln sich Abends Diejenigen, denen lediglich die Rolle des ZuschauenS zugetheilt ist, und an den letzten Abenden be- sonders war der Besuch des Oswalds Garten stark- wer sich genügend umgesehen, da« electtische Licht eingehend ge- schaut, ließ sich schließlich noch ein Stündchen in oder an der Cantine nieder zu einem SchoppenFörtsch. DieAkustik der Fest Halle scheint gut zu sein, denn gestern Abend konnte man, und zwar mehrere Male, in dem entferntesten Winkel hören, wenn frischangestochen" wurde. Gut Heil!

M» Z« «orgigeu Vorfeier des 22. Mittelrheinischen KreiSturnfesteS hat die O m n t b u S g e s e l l s ch a f t bis Nachts 12 Uhr Extrafahrten von dem Festplatz nach allen Stadt- theilen eingelegt und machen wir auf die Bettiebseinthetlung im Jnseratentheil besonders aufmerksam.

* Zeugenvernehmung. Die bereits gemeldete Zeugen­vernehmung des Untersuchungsrichters von Darmstadt dauerte gestern bis spät Abends. Der der verschiedenen hier vor- gekommenen Einbruchsdiebstähle Beschuldigte verweigert näm- lich jede Auskunft und spielt im UntersuchungSgefangniß den wilden Mann. Der Verbrecher ist in einer sogenannten schweren Zelle untergebracht und mit Ketten gefeffelt, um damit jeden etwaigen AuSbruchversuch deffelben unmöglich zu mad)e** Einsturz. Vorgestern stürzte ein Theil deS auf dem SelterSberg belegenen WafferreservoirS der Kliniken zu­sammen. In Folge des diesjährigen WafferreichthumS der Quellen, welche den Behälter speisen, ist der Druck deS WafferS ein gewaltiger und ist dieses wohl die Ursache des Einstürze« gewesen.

Ertrunken. Ein hiesiger Kutscher, welcher gestern Abend beim Baden am sogen. Confirmandensprung in die Lahn sprang, kam lebend nicht wieder zum Vorschein. Der Ertrunkene soll vorher vor der lieft jener Stelle gewarnt worden sei, worauf er geantwortet, er könne schwimmen.

Selbstmord. Gestern Nachmittag gegen 6 Uhr wurde der in Marburg aus dem UntersuchungSgefäogntß ent­sprungene Kaminfeger Karl Gelbke hier am Bahnhofe durch einen Schutzmann wieder verhaftet. Auf dem Trans­porte riß der Arrestant dem Schutzmanne in der Bahnhof- straße aus und ergriff die Flucht auf dem am Felseukeller vorbei zum Biaduct führenden Fußweg nach dem sogenannten GerberhäuSchen zu. Dort kam dem Ausreißer ein Feldschütze entgegen und vertrat ihm von vorn den Weg, während der Schutzmann ihm im Rücken war. So in die Enge getrieben, nahm der Verfolgte seinen Weg durch den Stadtfluthgrabeo, lief den Bahndamm hinauf, warf fich vor eine Rangier- maschine und ließ sich überfahren. Der Tod war sofort ein- getreten. aRlttofl cambolirte in der

Marktstraße ein Omnibus mit einem Frachtfuhrwerk infolge ungenügenden AuSweichenS von Seiten des letzteren- hierbei brach von dem Omnibus ein Scheerbaum. Trotz eingetretener empfindlicher Bestrafung der Schuldigen kommt es doch immer noch häufig vor, daß Fuhrknechte den zum Ausweichen abgegebenen Signalen wenig oder gar kem Gehör schenken, sondern in ihrem gewohnten Schlendrian vor den Pferden hergehen und so gar häufig den Zusammenstoß mit anderen Fuhrwerken herbetsühren. ,

Gelehrte Originale schildert ein alter Gießener Student, der Erinnerungen an unsere trauliche Universität aus den 40er Jahren in einem den Manen Moritz CariöreS und Karl BogtS gewidmeten Aussatze in derFr. Ztg. mtt- theilt: Profeffor Umpfenbach, ein Überaus gelehrter

Alle Annoncen-Bureaux d«S In- und AuSlande« nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

einigung Kurlands mit Rußland wurde folgendes Tele- . »ramm des Ministers deS Innern verlesen:Ich hatte die Ehre, dem Kaiser Mittheilung machen zu dürfen von dem Wunsche der Bevölkerung, die hundertjährige Vereinigung KurlanbS mit Rußland festlich zu begehen. Der Kaiser har mit herzlicher Freude die Versicherung der Dankbarkeit und Ergebenheit für die russischen Herrscher, unter deren Scepter Kurland fich im Laufe des Jahrhunderts einer weisen und gerechten Regierung erfreute, ausgenommen. Der Kaiser ist überzeugt, daß die Bevölkerung deS Gouvernements ihrem selbstherrschenden Kaiser stets in Treue und Wahrheit dienen werde." DaS Telegramm wurde mit anhaltenden Hurrah- rufen begrüßt. ,

Sau Francisco, 28. Juni. Gestern Abend brach in dem Geschäftsviertel des südlichen Stadttheils Feuer aus. Durch den herrschenden Sturm wurden die Flammen rasch über zahlreiche Fabriken, Waarenhäuser, Ställe und Wirthschaftsgebäude ausgeüreitet, die zerstört wurden. Hundert Familien sind obdachlos. Eine Frau wurde getödtet, mehrere Personen verletzt. Der angerichtete Schaden wird auf zwei Millionen Dollar geschätzt.

Depeschen de« Bureau .Herold".

Berlin, 28. Juni. DaS Befinden der Kaiserin ist nach Meldungen auS Kiel auch heute gm. Ueber die Rückreise nach dem Neuen PalaiS ist jedoch noch keine feste Bestimmung getroffen. _ ___

Berlin 28. Juni. Der Minister deS Innern, Herr von Köller, hat seinen die-Mrigen Sommerurlaub an- getreten. Wie dasBerliner Tageblatt" hört, gedenkt Herr von Köller zunächst einige Zett aut leinen B-fitzung-n

AnMichr* Theil.

Bekanntmachnng,

betreffend den Umbau der Bieberbrücke im Ort Heuchelheim.

Die im Ort Heuchelheim befindliche Brücke über die Bieber wird von Dienstag den 2. Juli l. Js. ab bis auf Weiteres für den Verkehr gesperrt.

Gießen, den 28. Juni 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. |

Gefunden: 1 gold. Medaillon. 2 Spazierstöcke, 1 Reife-Tragriemen, 1 Regenschirm, 1 Kinderschuh. 2 ein­zelne Handschuhe. 1 Taschentuch. 1 Traggurt, 1 ZntungS- Halter, 1 Gummisack, 1 Senkblei. 1 Gießkanne, 1 Pfeifen- köpf, 1 Feuerzeugbüchse, 1 Hundehalsband, 1 Knops einer Fahnenstange und 1 Kollegheft.

Zugeflogeu. 2 Kanarienvogel.

Gießen, den 29. Juni 1895.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Wolff, Regierungs - Affeffor._________

Neueste Nuchrkhtett.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. |

Berlin, 28. Juni. Ueber die Eröffnung be« 5. intet» I nationalen CongresseS für Gefängnißwesen in Paris sind folgende Bestimmungen getroffen worden: Am Sonnabend den 29. Abends ist Empsang im Elysve, die feierliche Eröffnung erfolgt in der Sorbonne am Sonntag den 30. Juni 4 Uhr Nachmittags in Gegenwart des Prä­sidenten der Republik. Abends gibt das Cornitv den Dele- gtrten ein Bankett. Montag den l.Juli, Vormittags 9 Uhr beginnen die Arbeiten des CongreffeS.

Siel, 28. Juni. Bei dem Minenlegen vor Fried- »ichSort durch Mannschaften des PanzersKurfürst Fried­rich Wilhelm", welche in einer Pinaffe fuhren, wurden durch eine Explosion sieben Mann getödtet. Der Unterlieutenant Starcke wurde verletzt.

Kiel, 28. Juni. Nach amtlicher Meldung wurden bei der heute Nachmittag auf dem SchiffKurfürst Friedrich | Wilhelm" abgehaltenen Sprengdienstübung durch v o r - zeitiges Entzünden einer Spreu gpatrone folgende Personen getödtet bezw. verwundet: 1. Getödtet Seecadett Bahlen, TorpedobootsmannSmaat Neumann und die Torpedomatrosen Buhlmann, Elster und Fischlack von der zweiten Torpedo-Abtheilung. 2. Schwer verwundet find bie Heizer Ludwig und Schulz von der zweiten Werstdivifion. 3. Leicht verwundet: Lieutenant zur See Starcke, Torpedo - Obermaschinenmaat GloyStein und Torpebomatrose Betain von ber zweiten Torpebo-Abthei- lung. Die im Hafen liegenden Kriegsschiffe einschließlich ber amerikanischen flaggten auf Halbmast.

Giel, 28. Juni. DaS gemeldete SchifsSungluck ereignete sich um 3 Uhr in der Strauber Bucht. Das Gxplobiren ber Sprengpatrone erfolgte infolge vorzeitiger tzntzünbung an Borb ber Pinaffe, beren Borberbeck fortgeriffen würbe. Die Pinaffe würbe von bem DampferSteinmann", nachbem bie Aerzte von ben SchiffenStein" undMoltke", sowie von FriebrichSort an Borb gegangen waren, nach bem in btt Wiker Bucht liegenben PanzerKurfürst Friebrich Wilhelm" geschleppt. Die Tobten unb bie Berwunbeten würben von dem DampferSteinmann" nach ber Acabemiebrücke gebracht n«b von hier aus nach ber Leichenhalle bezw. nach bem