Ausgabe 
29.10.1895 Erstes Blatt
 
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heute Mittag tm Salonwagen, von Schloß Schauenburg kommend, unsere Stadt und nahmru in den Füistenzlmmern deS Bahnboses das Mittagessen ein.

* Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordueten- Versammlung Donnerstag den 3 1. Oktober 1895, Nachmittags 4 Uhr: 1. Die Prüfung der Plock scheu StistSrechnung pro 1894/95. 2. Voranschlag derselben

Stiftung pro 1896/97. 3. Die Rechnung der Stadt Götzen für 1894/95; hier Creditübertragung. 4. Regulirung der Löhne der städtischen TagelohwArbe'ter; hier Derwilligung von Remunerationen. 5. Gesuch des G. Bichler um Er- laubniß zum Belassen der Halle aus der Westanlage. 6. An- kaus der vormal- v. Rabenau'schen Besitzung; hier Gelände­verpachtung. 7. Bildung und Verwaltung eine- Stadt- erweiterung-sond- für die Stadt Gießen. 8. Gesuch deS Ludwig Krömmelbein um Erlaubntß zum Betrieb einer Schank- wirthschast im Hause Wolsftraße 21.

Neber die vedentong de» Luxus. Die morgen Dien-taq, Vormittags 10 Uhr, im Konfirmandensaal der Johanneskirche stattfindende Verhandlung ÜberDie Be­deutung deS Luxus" darf auf da- lebhafteste Interesse Anspruch machen. ES ist Thatsache, daß sich gegenwärtig in allen Ständen eine Erhöhung der Lebenshaltung vollzieht. DaS hat feine erfreulichen und auch feine bedenklichen Seiten. Erfreulich ist e- namentlich, soweit eS den unbemittelteren Klassen deS Volkes zu Gute kommt. Bedenklich wird eS u. A. z. B. dadurch, daß vielfach die Fähigkeit und Willigkeit, seine BedÜrfnisie seinen Verhältnissen anzupasien, sich nach feinet Decke zu strecken, schwindet, und daß Überhaupt der Lebensgenuß als eigentlicher Lebenszweck an die Stelle gött- licher Arbeit und der PflichtersÜllung tritt. Die Person des Referenten, des Herrn Profesior Dr. Max Weber ouS Freiburg, ein bedeutender Vertreter unserer jüngeren volkswirthschastlichen Schulen, bürgt dafür, daß beide Seiten zu ihrem Rechte kommen werden, und steht eine lebhafte DiScnssion zu erwarten.

* Die vierte Versammlung der hessischen Metzger- ZnnungS-Borställde sand gestern Nachmittag imHotel Ein­horn" unter zahlreicher Betheiligung hiesiger und oberhessischer Fachgenosien, unter Vorsitz deS Obermeisters der Gießener Innung, Herrn Pirr, statt. Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung:Die hessische Steuergesetzgebung, insbesondere die Selbftdeclarati'on" wurde ein Beschluß nicht gefaßt. Der Referent, Lau tz-Darmstadt, beschränkte sich lediglich darauf, einige Fingerzeige über das­jenige zu geben, was an Unkosten im Betriebe deS Metzger- gewerbeS bei Angabe deS Einkommens auSzuscheiden sei. Im Allgemeinen müsie man wohl auSscheiden: Lohn für Gesellen und Dienstmädchen einschließlich deren Beköstigung und Wohnung, Ladenmiethe, Fuhrwerk, Gebühren für Kühl­anlagen, Stallung und Futtergeld in den Schlachthäusern, Trinkgelder und NeujahrSgeschenke, die Wäsche für Geschäft, Beleuchtung der Läden und Arbeitsräume, Telephongebühren, EiS in den Sommermonaten, Einschlagpapier, Wasier und Feuerungsmaterial, Alters- und Invaliditäts-Versicherung, Kundenspesen, Inserate usw. Die Besprechung deS folgenden Gegenstandes:Agitation gegen die Margarine- Fabrikation" wurde von dem Obermeister der Mainzer Innung, Herrn Falk, eingeleitet. Derselbe betonte, daß die von den Landwirthen und Agrariern entfaltete Agitation gegen die Margarme-Fabrikation eine schwere Schädigung der Metzger sowohl wie einer Reihe von Nebengewerben zur Folge haben werde, weil die Verwerthung des Materials, des Rinderfettes, welches die Metzger doch den Landwirthen theuer bezahlen müßten, dann unmöglich werde. Eine Ein­gabe von Talgschmelzern an den BundeSrath weise nach, daß die Margarine ohne Einfluß aus den ButterpreiS sei, letzterer richte sich nach der Jahreszeit; in 28 größeren Städten wurden 255,000 Gentner Rohsett aufgekauft, der Erlös hierfür sei größer, als wenn das Fett nur zu technischen Zwecken würde verarbeitet werden können. Herr Lautz empfahl schließlich, sallS die Metzger nicht selbstständig vorzugehen beabsichtigten, Unterstützung der Petition der Talgschmelzer. Seitens des Herrn Gold mann-WormS wurde eS als selbstverständlich bezeichnet, daß auch die Schweinemetzger I die Bestrebungen der Ochsenmetzger unterstützen müßten, denn sie litten mit unter der Concurrenz deS amerikanischen Schmalze». Herr Lautz-Darmstadt bemerkt weiter, daß daß ohnehin aus einer niederen Preisstufe stehende Fett noch mehr sinke, wenn eS nicht mehr zu Margarine verarbeitet werden könne. Herr Falk betont die Nothwendigkeit, die Concurrenz der ausländischen Margarine unschädlich zu machen. Herr Lautz weist schließlich noch darauf hin, daß die Naturbutter KranthettSerreger besitze, die in der Mar­garine nicht zu finden seien und empfiehlt im Uebrigen An­schluß an die Agitation der Talgschmelzer und Erschwerung der Einsührung amerikanischer Margarine. Herr Schlacht- hauSthierarzt Dr. Liede van hier bestätigte daß Vorhanden­sein von Krankheitserregern und »Uebertragern in der Butter, die auch in auSgelasienem Zustande gefährlich fei; er empfiehlt den Metzgern, sich mit Nahrungsmittelchemikern, vielleicht Herrn Profesior Dr. v. Pettenkofer, in» Einvernehmen zu setzen, um daß Nähere über daß Vorhandensein von Keimen und Krankheitserregern in der Butter zu erfahren. Der Nährwerth der Margarine sei gleichwerthig mit dem der Butter; die Zufuhr ausländischer Margarine über Hamburg habe sich bis jetzt auf 10,000.000 Kilogramm belaufen, e» sei zu empfehlen, Front gegen die Einfuhr ausländischen Fabrikates zu machen. Eine von Herrn Falk hierauf emgebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen; dieselbe lautet:

Die am 27. Oktober in Gießen vrrsammelten Metzger- meister deS GroßherzoglhumS Hesien sprechen sich nach eingehender Berathung einstimmig gegen jegliche Berlchärsung de- bestehenden Margarinegesetzes auß, soweit eS die Fa­brikation von Margarine bezw. bie Verarbeitung von Rohsett betrifft, welche» von zuverlässig controllirteu iulän' bischen Schlach'thieren herrührt, weil dadurch der ohnehin sehr niedere Preis deS RohfetteS noch weiter sinken und

naturgemäß der Preis deS Fleisches steigen würde. Sie i sprechen sich gleichzeitig gegen die Einfuhr amerikanischer Margarine, von uncontrollirtem amertkanischen Schlachtvieh herrührend, entschieden auß."

Herr Schlachtdaußthierarzt Dr. Liebe sprach hierauf über die TuberculimJmprung. W r haben gelegentlich ctneß Reserateß über die Versammlung deß landwirthschaftlichen Bezirkßvereinß Gießen bereits naher über die Tuberculm- Impfung des Rindviehs berichtet. Die Annahme, daß die Tuberkulose vererbbar sei, bezeichnet Referent im Gegensatz zu anderen Referenten alß nicht zutreffend, nur die Disposition dazu sei vererbbar; brauche deshalb die Nachzucht von als tuberculoS befundenen Thieren nicht beseitigt zu werden, genüge, wenn die Kälber zwei Tage nach der Geburt entwöhnt und dann mit gekochter Milch gefüttert würden, Ansteckung erfolge nur durch direkte Berührung kranker Thiere mit gesunden, deshalb sei möglichste Jfolirung zur Verhütung der Ansteckung zu empfehlen. Die Vornahme der Impfung deS VieheS mit Tuberculin durch die Viehbefitzer selbst empfiehlt Redner nicht, weil sie schwer controüirbar sei. Es folgte eine längere Besprechung deS Themas, an welcher sich die Herren MöHl-Gießen, Lautz-Darmstadt und Dr. Liebe-Gießen beteiligten; letzterer hob besonders hervor, daß die Raffen­mischung die Disposition zu Tuberkulose besonders begünstige, denn da, wo Reinzucht getrieben werde, trete Tuberkulose seltener auf und auch da, wo daS Vieh sich mehr im Freien bewege, wogegen allzu große gleichzeitige Ausnutzung des VieheS zum Zuge und zur Milchproduction das D eh krank mache. Der folgende Gegenstand der Tages Ordnung betraf die in Metzgerkreisen seit langem eingehend bekämpfte hessische Fleischbeschau. Der Referent, Kröker- Offenbach, empfiehlt, energische Schritte zu thun, damit die Regierung den Wünschen der Metzger Gehör schenke, denn die Schädigung derselben durch die jetzige Fleischbeschau fei zu groß, lieber die bereits seitens der Metzger gemachten Schritte zur Milderung der Fleischbeschau berichtete ein­gehend Herr Lautz-Darmstadt und zählt derselbe eine Reihe van Nachtheilen auf, in denen sich die hessischen Metzger gegenüber ihren Collegen der Nachbarstaaten befinden, besonders erwähnt derselbe daß Freiba kwesen und die Erschwerung deß Dieheinkaufß; anderwärtß sei, wie auß hen Verhandlungen der internationalen Vereinigung von Thierärzten hervorgehe, die Auffaffung erheblich milder, er erklärte weiter, daß der Staat mit Entschädigung etntreten, auch die Untersuchung deß Vieheß und Fleisches auf Staatskosten geschehen müsie, wie dies bei anderen Nahrungsmitteln auch geschehe; was aber vor allem anzustreben sei, sei Gleichheit im ganzen Reiche, bisher seien die Hessen im Nachtheil. An die Darlegungen deß Herrn Lautz schloß sich eine längere sachliche Berathung, an der sich die Herren Dr. Liebe, Falk, Lautz, Möhl, Pirr betheiligten und fand nach derselben folgende, von Herrn Falk-Mainz eingebrachte Resolution einstimmige Annahme:

Die heutige Versammlung drückt ihr Befremden auß, daß die hessische Staatßregierung einerseitß bei der Unter­suchung außgeschlachteten Fleischeß schärfere Bestimmungen beibehält alß unsere benachbarten Bundesstaaten Preußen und Bayern auf Grund jahrelanger wissenschaftlicher und praktischer Versuche neuerbingß erlassen haben, andererseits so lange zögert, geeignete ebenso gut ausführbare Bestim­mungen über die Untersuchung der Milch und der lebenden Thiere, daß einzig wirksame Mittel zur erfolgreichen Auß- rottung der Tuberkulose, zu erlassen."

Herr Pirr verbreitete sich hierauf eingehend über die Ziele und Zwecke der M e tz g e r - I n n u n g e n, die Errichtung solcher besonderß den Collegen in Oberhessen empfehlend. Schließlich wurde die Organisation deß Handwerks besprochen und mit Bezug auf die Versammlung deß Landes- geroerbbereinß, in welcher besonders durch Rechtsanwalt C a 11 m a n n - Alzey der Werth der gewerblichen Vereinigungen im Gegensatz zu den Innungen hervorgehoben wurde, seitens der Herren Lautz und Falk die Nothwendigkeit bargelegt, Stellung gegen Bestrebungen zu nehmen, die den Bestand der Innungen, speciell der Metzger-Jnnungen, gefährden könnten; Herr Lautz gab den anwesenden Vertretern der Innungen anheim, sich mit ihren Mitgliedern ins Einver- nehmen zu fetzen, gegen die Callmann'schen Anträge Stellung zu nehmen und vor allem bte Selbstständigkeit der Metzger- Innungen zu wahren. Herr Pirr schloß hierauf mit dem Danke für da» Interesse an den Verhandlungen, wie für daß zahlreiche Erscheinen der Fachgenossen die Versammlung.

Schlägereien. In der Nacht vom Samßtag auf Sonntag fanden zwei Schlägereien zwischen jungen Leuten statt. Bei der einen in der Kaplanßgasse wurde einem Installateur Übel mitgespielt; außer einer Anzahl Wunden am Kopf wurde ihm auch die Nase aufgeschlitzt. Der Verletzte mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Bei der zweiten, die sich in der Bahnhofstraße abspielte, gab nur Beulen an den Köpfen. Die Untersuchung ist in beiden Fällen eingeleitet.

* * Hauptgewinne der Friedberger Pserdemarktlotterte: 1. Preiß Nr. 11839 1 Fohlen, 2. Pr. Nr. 3752 do., 3. Pr. Nr. 8849 do., 4. Pr. Nr. 6861 do., 5. Pr. Nr. 7099 do., 6. Pr. Nr. 5932 do., 7. Pr. Nr. 10 565 do., 8. Pr. Nr. 9771 do., 9 Pr. Nr. 8 do., 10. Pr. Nr. 6102 do., 11. Pr. Nr. 679 do., 12. Pr. 9hr. 4415 do., 13. Pr. I Nr. 5462 do., 14. Pr. Nr. 8345 do., 15. Pr. Nr. 1056 do., 16. Pr. 7773 do., 17. Pr. Nr. 1663 do., 18. Pr. Nr. 3493 do., 19. Pr. Nr. 5249 do, 20. Pr. Nr. 9934 do.

§ Gedern. 24. Oktober. Vom 1. November ab erscheint hier unter dem Titel:Vogelsberger Bote" ein Bla't. Buchdruckereibefitzer August Von alt hat die Redaktion I und den Verlag übernommen.

nn Darmstadt. 26. Oktober. Die festlichen Beran- Haltungen zur Einweihung der neuen Gebäude der I Technischen Hochschule nahmen heute Abend mit einem großartigen Fackelzuge der gelammten Studenienlchast ihren | Anfang Punkr 8 Uhr setzte sich derselbe vom Marlenplatze

aus in Bewegung, nm zunächst durch die Hügelftraße zu Palai» Ihrer ttönigltchen Hoheiten deS GroßherzogS un der Großherzogin zu rnarlchiren. Beim Durchmarsch durch den Großh. PalaiSgarten erschienen die Allerhöchsten Herr­schaften am Fenster und besichtigten den farbenprächtigen Zug, in welchem, voran die Chargirten in vollem Wich» mit blitzenden Schlagern, die CorpsRhenania",Haifia" und Francouia", die BurschenschaftenGermania",Frisia", Rheno-Gueftphalia" mit ihren Bannern und MufikcorpS, sowie die studentischen VereineFidelitaS",Ehattia", Alemannia" und der Akademische Verein, sowie sämmlliche nicht corporirte Sludirende der Technischen Hochschule ver­treten waren. Don der Studentenschaft mit nicht enden wollenden Hochs begrüßt, zeigte sich der Großherzog und seine Gemahlin sichtlich erfreut über diese Ovation und drückte seinen Dank dem Studiosus Geiger von der Rhenania" hierüber auß. Vom Großh. Palais au» be­wegte sich der Zug durch die Hügelstraße nach dem Gebäude der alten Hochschule, woselbst sich auf der Freitreppe der­selben daß Professoren Collegium versammelt hatte. Der Vor­sitzende deß Studenten-Außsctuffeß, etud. arcb. DarapSky, nahm hier Veranlassung, Abschledßworte an die Studenten­schaft, sowie an die Professoren zu richten, dem Wunsche Aus­druck gebend, daß auch in den nunmehr fertig gewordeverr neuen Räumen der Technischen Hochschule derselbe Schaffen»- geift und Fleiß wie im alten Hause herrschen möge, zur Freude der Professoren und zum Segen und Blühen der Hochschule und deß HeffenlandeS. Sein Hoch galt der alma mater und den an derselben wirkenden Professoren und wurde von den Studenten begeistert aufgencmmrn. Pro­fessor Henneberg, stellvertretender Rector der Hochschule, sprach NamenS des Collegiums den Studirenden Dank für die Ovaiion auß, die Kommilitonen an ihre, an sie im Leben herantretenden Pflichten mahnend und sie auffordernd, mit frischem Muth und ohne Zagen zum ernsten Studium za schreiten. Er brachte ein Hoch auf die gesammte Studenten­schaft au». Nunmehr erfolgte der Abmarsch durch die Schul- ftroße, Ludwigstraße, Markt, Paradeplatz und Hochschulstroße nach der neuen Techniken Hochschule, welche in hellste» Lichte erstrahlte und woselbst bereitß die Erbauer derselben, die Herren Geh. Baurath Professor Wugner und Prosesior Marx, sowie der Vertreter der Großh. Regierung Geh. Baurath v. Wclzien sich eingesunden hatten. Nachdem der Zug sich um die neuen Gebäude ausgestellt hatte, ergriff Studiosuß Darap ßky wiederum daß Wort, um Namen» der gesammten Studentenschaft den Erbauern innigsten Dank zu sagen für die von denselben in so kurzer Zett geschaffenen herrlichen Räume. Er forderte die Studirenden aus, ein dreisacheß Hoch den tresflichen Baumeistern von der Hochschule auszubringen und begeistert stimmten diese in dasselbe ein. Professor Wagner dankte im Namen seiner Collegen für diese großartige Ovation, der Versicherung Ausdruck gebend, daß daß Gebäude, welche» jetzt von den Studirenden in Be­nutzung genommen werde, nach bestem Wissen und Können der Bauleitung erstanden fei und daß aber auch zur Bildungsstätte einer schaffenSfreudigen akademischen Jugend werden möge. Auf das Blühen und Gedeihen der Hochschule und ihrer Studirenden brachte Herr Geh. Baurath Wagner ein Hoch au». Auch Herr Professor Marx sprach noch seinen herzlichen Dank auß für die ihm zu Theil gewordene Ehrung. Hieraus wurden die Chargirten der einzelnen Kor­porationen in daß Vestibül der neuen Hochschule geladen, wo ihnen von den Erbauern Sect credenzt und nowmalß per­sönlich Dank für die Ovation ausgesprochen wurde. Von hier aus ging der Zug durch die Magdalenenstraße, Alexander- strahe, Rheinstraße nach dem Stadthaufe, wolelbft Ober­bürgermeister Morneweg begrüßt wurde, sodann nach der Neckarstraße zum Minifterhotel de» StaatSminister» Finger, dem die Chargirten ebensallS ihre Auswartung machten. Da­mit hatten die Begrüßungen ihr Ende erreicht und mar- fdjlrten die Thellnehmer deS Fackelzuge» nunmehr zum Marienplatze, woselbst unter Abfingen von Gaudeamus igitur die Fackeln zusammengeworfen wurden. Nach dem Fackel­zuge versammelten sich die Theilnehmer in ihren resp. Localen bei Musik und Gesang.

Main,. 27. Oktober. Ein Straßenattentat, da» der vorigjährige Präsident dec großen Karneval-Gesell- schäftNarrhalla" gegen den Redakteur derNeuesten Mainzer Nachrichten" gestern Abend bei Einbruch der Dunkel­heit verübte, bildet hier daS Tagesgespräch. In einem Preßconflict hatte der Redakteur teß obengenannten Blatte», Herr Hirsch, dem vorigjährigen CarnevalSpräfidenten, Herrn Gölleimann, unter verschiedenen Liebenswürdigkeiten die karnevalistischen Eigenschaften abgesprochen, was erwähnten Präsidenten veranlaßte, dem Redacteur gestern Abend an seinem Bureau auszupassen und bemfelben rücklings einen Schlag zu versetzen, welch letzteren indeß der Redakteur mit einem noch heftigeren Hieb über den Kops de» Angreifer» erwiderte. Nach dem Angriff verschwand der Karneval»- Präsident in der Dunkelhe.t, begleitet von nicht höflichen Spithete» der Zeugen der häßlichen Scene.

/\ Aus Rheinhessen, 27. October. Bl» auf einzelne Orte ist jetzt In ganz Rheinhessen der Herbst tn vollem Gange. Nach sachverständigem Urtheil übertrifft der Most im Durchschnitt die 1893er Qualität und stellt einen recht gesunden Wein in Aussicht. Nach den j tzt beraußgebilbeten Pressen stellen sich die Moste in Rheinhessen auf 480550 Mk. per Stück (1200 Liter) in gewöhnlichen und von 600 Mk. an in M'ttrllagen. In den hervorragenden Orten und Lagen sind die Presse natürlicher Weise weit höher. Der Einkauf von Most ist biß jetzt noch nicht sehr rege, » daraus zurückgesührt wirb, daß man beim Beginn der Lese allgemein zu hohe Preise ansetzte. ____________________

Universität» - Nachrichten.

Ben«. 25. Oktober. Der em. 1. Oktober d. I. in Rnbeston» getretene UnioerRtät» Kurator Geh. Oderregierrurgßrath Dr. _t» I Gandtrrer ist heute Morgen gestorben.

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