Ausgabe 
29.10.1895 Erstes Blatt
 
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1898

Denstag den 29. Oktober

Wt. 254

Gratisbeilage: Gießener JamikienMätter.

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Jaget» Hosen, Händ­lern, TtriL- 8842

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tiefte«, den 28. October Wb

Furpttcher Besuch. Ihre Durchlauchten Fürst und Fürstin zu Waldeck-Pyrmont nebst Gefolge pasfirtea

Nerrefte Nttcheichte«.

H. Darmstadt, 28. October. In Gegenwart deS Großherzogs und der Großherzogin fand die Einweihung der neuen, über 2*/8 Millionen Mark rostenden, tech­nischen Hochschulbauten statt. Die Festrede hielt der Rector LepsiuS. Nachmittags findet allgemeines Festesten, Abends FestcommerS der Studirenden statt, zu letzterem haben der Großherzog und Prinz Wilhelm ihr Erscheinen zugesagt.

Deutsche» Reich.

Berti«, 26. October. Der gegen die Redacteure Dterl und Pfundt für den nächsten DienStag vor der zweiten Strafkammer deS Landgerichts I °nber°umte Termin wegen MajestätSbeleidigung, bei welchem auch dieRameel inschrift" zur Erörterung gelangen wird, dürfte längere Zett in Anspruch nehmen. Als Zeugen sind u. A. der Ober­hofmeister der Kaiserin, Freiherr von Mirbach und Baurath Schw^chten^ ge o Einer Meldung derDost. Ztg."

zufolge überreichte der Reichskanzler Fürst r» Hohen­lohe anläßlich der S ch l u ß st e i n l e g u n g zum ReichSgerich S- oebäude Sr. Majestät dem Kaiser daS erste Druckexemplar der zweiten Lesung deS Bürgerlichen Gesetzbuches.

Leivtia, 26. October. Durch den Andrang deS Publi- ckumS am Dresdener Bahnhofe brach ein daselbst angebrachter Staketenzaun ein, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Ferner wurde durch eine einstürzende Säule ein 12 jähriger Knabe getödtet und einige Personen verletzt.

Der Gießener A»»ei,er erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.

Die Gießener yemine*Bt61ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Hie Schlutzsteinlegung des Reichsgerichts- Gebäudes.

S. Leipzig. 26. October 1895.

Die Schlußsteinlegung des monumentalen ReichsgerichtS- «eubaueS durch die Hand deS Kaisers, gleichzeitig ^e Schluß' steinlegung einer 25jährigen Geschichte des Reichsgerichts gestaltete sich zu einer der hohen Bedeutung deS nationalen ActeS würdigen, außerordentlich glanzvollen Feier.

Schon gestern Abend und in den Morgenstunden des heutigen Tages waren die Chefs der: RetchSamter und zahl- | reifte Reichstagsabgeordnete eingetroffen, man sah den Reichs (ander, den P.äsibenten und die beiden Vlc-präsib-nl-n bei Reichstag«, die Minister Bötticher, Schönstedl, Thielen, die 6taal6lectetäre PosabowSkl-W-hn-r, r>. Senden-B bran, Hollwann und Nieberding, den bayerischen S'°°t«ntinift°r ..anrod den bayerischen Bunbe«rath«bev°llm°chtigten Gras Lerchenseld, b-nst-ll°ertretenb-n Bevollmächtigten für Württem­berg Oberst Freiherrn b. Walten, den badischen G-I-nbt-n Jaa-mann, den sächsischen Gesandten Grasen Hahenthal, die ElaatSminister Petersen - Sondershausen, Strenge- Gotha, Starck Rudolstadt, Oberregterungirath Meding Reust L., b-nollm Minister Dr. Krüger Lübeck und andere hohe Reichs, und S"°°--«U'de°.räger. Ihnen ,»losten sich zur B-grüßnng der höchsten Herrschaften auf dem Dresdener Bahnhof an . ReichSgerichtSpräfident v. Oehlschläger, Oberreichsanwalt Teffendorf, Oberbürgermeister Dr. Georgi, der Rector der Universität, sowie die Spitzen der städtischen und der Militär­behörden, der Geistlichkeit und der Schulverwaltung.

Zehn Minuten vor dem Kaiser langte König Albert mit Brimen Georg von Sachsen und dem Prinzen Albert von Attenburg an. Dem Königlichen Zug folgte V,12 Uhr der aus fünf Salonwagen bestehende Sonderzug des Kaiser«. Zur Begrüßung auf den reichgeschmückten Perron traten nur König Albert und die beiden Prinzen vor. Der Kaiser, der gleich dem König Albert große Generalsuniform trug, eilte sofort, als der Wagen hielt, auf den König zu und beide Monarchen umarmten einander dreimal auf das Herzlichste, worauf die Vorstellung des beiderseitigen Gefolges stattfand. Nachdem die übliche Parade der Ehrencompagnie abgenommen war, bestiegen die Monarchen, welche schon beim HerauS- tretcn aus den Fürstenzimmern mit begeisterten Hochrufen bearüßt worden waren, unter erneutem brausenden Hurrah der vieltausendköpfigen Volksmenge die berestgehaltenen Wagen und es begann bei prächtigem Wetter der Einzug in die Stadt durch die in großartigem Fahnen- und Guirlandenschmuck prangende Fchftraß^nschenm^ff^n ^(e(ten dieselbe zu beiden Seiten besetzt, alle Fenster und Balkone, die Mauervorsprünge, die Dächer, die Laternenpfähle, die Promenadenbaume Alle- wurde benutzt, um einen Blick auf die einziehenden Monarchen zu erhaschen. Der Kaiser, zur Rechten König AlbertS fahrend, erwiderte, unaufhörlich die Hand an den Helm führend, durch huldvolle Grüße der kein Ende nehmenden spontanen Ovationen der Bevölkerung. Die Freude über

Gießener Anzeig er Gemrat-Mzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gissten.

Sllr Annoncm-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen

Gießener Anzeiger" entgegen.

^Nun folgte der Rundgang durch die Überall mit purpur­nen Läufern belegten Haupträume des Gebäudes, über dessen Anlage und Ausführung der Kaiser sich sehr befriedigt£ sprach, die Vorstellung der Beamten deS höchsten Gerichts Hofes und in dem kostbaren Prunksaal, der Wohnung des ReichsgerichtSpräfidenten das solenne Festmahl. Die Maje­stäten, von der Kaiserfanfare begrüßt, nahmen nebeneinander auf hohen spanischen Seffeln Platz, deren rothlederne Rück' lehnen goldne Kronen trugen. Eine Ansprache wurde wah- rend der Tafel nicht gehalten, auch vom basier nicht, wohl aber pflegte derselbe ein ungemein regeS, lebhaftes Gespräch mit dem König Albert und dem Prinzen Georg und zog auch den Reichskanzler und den ReichSgerichtSprasidenten wieder­holt in die Unterhaltung.

Dreiviertel drei Uhr verließen die Herrschaften das Reichsgericht und fuhren, abermals von einer riesigen Menschen- menge, welche trotz deS inzwischen eingetretenen Regens standhaft auShielt, lebhaft begrüßt, nach dem bayerischen Bahnhof, von wo Extrazüge kurz nach drei Uhr erst den Kaiser und dann den König Albert von Leipzig wcgführten. Die Verabschiedung der beiden Monarchen war eine sehr herzliche, sie umarmten sich und der Kaiser küßte den König auf beide Wangen und den Mund.

Hnsa«n°.7°rtt/wäh«ub zwei ßüqe beJ Rarabinier. Wi»nlinpnt8 folaten. Im zweiten Wagen schloffen sich die Prinzen, in den weiteren daS Gefolge an. Preisgericht, bis zu welchem die Garnison, die Schulen, die Studenten, schäft, die Vereine rc. Spalier bilderen, angelangt, und auch dort von einer gewaltigen Menschenmenge mit Hoch- und Hurrahrusen begrüßt, hielten die Monarchen eine Rundfahrt , $ das herrliche, absichtlich nur mit Flaggen geschmückte tung

Wit unverkennbarem Wohlgefallen ruh.-^b°r Blick ®tabte in bem neu er

*Vb« nörbltch-n Längsseite bet Halle war auf einem breiten, mit rothem Plüich beflogenen unb mit einem kost- baten alten, echten Mekkateppich belegten Podium ein thron- himmelartiger Baldachin von rothem, mit schwerer, reicher Goldbordüre besetztem Sammet errichte: worden, deren Spitzen in mächtige weiße Straußenbüschel endeten. Die Rückfront des Zeltes zierte das goldgestickte heraldische Bild deS deutschen Reichsadlers auf cremesarbtgem Seidengrund. Unter dem von eroHfm Pflanzen flanktrlen Balbachin stanben zw- rei»gel»mllck - Wartburgstühle. In bet Mitte der Halle selbst, zehn Schritte vom Baldachin entfernt, erhob fick der aus weißem Sandstein gearbeitete, einen Meter hohe Schluß­stein, welcher später eine Statue tragen soll.

Kurz vor 11 Uhr versammelten sich um den Kaiser­baldachin die schon genannten hohen und höchsten Würdenträger. Der Vorsitzende des sächsischen Staatsminister umS v.Metzsch, die Mitglieder deS BundeSrathSauSschuffeS für Justizwesen, die Mitglieder deS Reichsgerichts und der Reichsanwaltschaft mit den Rechtsanwälten beim Reichsgericht, alle in Amtstracht, die Spitzen der Militär- und Civilbehörden, die Bau- commiffion, ber leltenbe Bauführer Baurath Hoffmann unb die Meister des Maurer- und Steinmetzgewerbes. Auch die Damen der Mitglieder des Reichsgerichts waren in großer Toilette vertreten. Kurz nach 12 Uhr verkündete brausender ^ubel das Nahen der Majestäten,- kräftigen, elastischen Schritte- betrat der Kaiser mit König Albert und dem Prinzen Georg die Feststätte- währenddeffen schmetternde Fanfarenmufik, Motiv auS Lohengrin, weihevoll durch dte Halle tönte. Kaiser Wilhelm begrüßte mit freundlichem Händedruck den Staatsminister v. Bötticher und ließ sich sodann unter dem Purpurbaldachin nieder. Dem Kaiser zur Linken hatte König Albert Platz genommen, daneben trat Prinz Georg mit den ersten RetchSbearnten. Nachdem der Kaiser dem Reichskanzler die Erlaubniß ertheilt hatte, die Feier beginnen zu laffen, verlas Fürst Hohenlohe die in den Schlußstein zu legende Urkunde, legte dieselbe nebst einigen anderen Gegenständen, darunter dte gegenwärtigen Münzen des Reichs, in die bereitgehaltene Metallkapsel, welche sofort verlöthet und in den Schlußstein gesenkt wurde. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:

Wir Wilhelm rc. thun kund und fügen hiermit zu wiffen.

Da- HauS, zu welchem wir am 31. October des JabreS 1888 in Gegenwart unseres erhabenen Verbündeten, bee Röntg« von Sachsen, ben Grunbstein haben, istst Gottes Hülse vollenbet. Dem obersten Gericht-Hofe dkS Reiche- ist damit für seine Thatigkest ein- bleibenbe unb würdige Stätte bereitet. An dieser Stätte wird, wie wir erwarten da- Reich-g-rtcht al« g-wiff-nh-st-r Hüter der brutschen Recht-einheit auch s-rn-r für die Wohlfahrt unb für den Ruhm der Reich- zu wirken bemüht ein.

Die von un- bet ber Feier der Grmtdst-inl-gung kunb> I gegebene Hoffnung, baß dem Berlangen de, deutschen Bolk-

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nach gröberer Einheit seine- Recht« durch -in g-m-msamr, büraerltche« Gesetzbuch in nicht zu feiner Zeit entsprochen werde, geht ihrer E.fÜllung entgegen. ES zur

Genugthuung, baß zugleich mit dem Einzug-,in 6 dem obersten Gerichte die bestimmte Aussicht erwächst aus eine weitere Entfaltung feine- Wirken« im Sinne der großen, ihm bei seiner Begrünbung burch bie verbündeten Regierungen den Reichstag g-ft-llien Ausgaben.

Durchdrungen von der Bedeutung, welche der energ

scheu und gerechten Handhabung der Gesetze sür die Stb«1, tung de« inneren Stieben« unb sür bie Hebung der Wohü

UM das yerruogk, uv|iu#mu, . ftflnbe8 der Nation zukommt, haben wir beschlossen, im Name

Gebäude. Mit unverkennbarem Wohlgefallen ruhte de st verbündeten Fürsten und freien Städte in dem neu er-

des Kaisers vornehmlich auf der letzt f^°n zu einer Berüh^ ^IEen Bau gemeinsam mit dem König von Sachsen, als

heit gewordenen Front und dem mächtigen, hochragenden, Gebietsherrn und unter Mitwirkung von Vertretern de«

Rampe am H-uPtporlal empor, die »te sich hier vollziehen wird, dazu helfen, daß Recht

große, unmittelbar unter der^Kuppel gelegen^Ssttt^ine« und Gerechtigkeit überall zur Geltung gelange, unb daß die zum zweiten Male stand Kaiser Wilhelm an e Iteue in allen deutschen Landen wachse!

ÄrU «l ver.

zu geben. Erhebend unb mächtig -rgreis-nd umwogt- .. bU ctnt Au-s-rtigung in b-n Schlußstein

Ln°B°u^d« be« Gebäude« ni-L-rzul.g-n, die andere in unserem Archive

! majestätische Ruhe beherrschten den "lt «roßartiger deco l) Fürst zu Hohenlohe.

' " ' ' "" mn*tiaen ' Inzwischen ertönte in feierlichen weihevollen Accorden

derAmbrosianische Lobgesang". Nun überreichte der bay­rische BundeSrathSbevollmächtigte dem Kaiser unter einer Ansprache die Kelle, und der Kaiser warf den berettgehaltenen Mörtel in die Vertiefung für den Schlußstein, welchen die Meister des Maurer- und Steinmetzgewerbes alsbald ver­setzten. Unmittelbar darauf überreichte der ReichStagSprasi' deut Frhr. v. Buol ebenfalls unter einer Ansprache dem Kaiser den silbernen Hammer, der Kaiser trat wteder an den Schlußstein heran und sprach bei dreimaligern kräftigen Hammerschlag mit lauter ernster Stimme:Im Namen des dreieinigen Gottes. Recht muß Recht bleiben! Dann ergriff auch König Albert den Hammer und vollzog ebenso den Hammerschlag, nach dem Monarchen Prinz Georg sowie die genannten Würdenträger, die Baucommisfion, zuletzt Baurath Hoffmann, der geniale Schöpfer deS Retchsgerichts- baueS, und Bauinipector Scharenberg. Nach ^en Hammer Wägen spielte die Musik in erhebender, weihevoller Weise Beethovens herrlichesDie Himmel rühmen de- Ewigen Ehre". AIS die Hymne verklungen war, hielt der Präsident deS Reichsgerichts eine Ansprache, welch- in -'nem dreifachen Hoch auf die Majestäten auSklang. Rachtig brauste das Hoch durch die gewaltige Halle dahin, freundttch verneigten sich die Majestäten, während die MusikHeil Dir im Sieger-