da die einzelnen Rechnungen, trotzdem bereit- ein Monat seit der Feier verflossen ist. noch nicht alle etngelaufen waren- an einem der letzten Tage noch veröffentlichte der Finanz- Ausschuß eine geharnischte Aufforderung zur Einlieferung der immer noch ausstehenden Rechnungen mit der Drohung, Rücksicht auf die jetzt noch Säumigen nicht nehmen zu wollen. Sobald eine ofsicielle Uebersicht über das Verhältniß von Einnahmen und Ausgaben Seitens des zustäudigeu LomitöS erschienen ist, wird Ihren Lesern darüber Bericht zugehen.
Theorie und Praxis.
_ SRoDtUeltc von Paul Bliß.
(Schluß.)
„Aber wenn Du sie liebst — —"
„Liebe! — immer dies schöne Wort!" rief ich erregt. „Liebe ist ein imaginärer Begriff, ein Wort, das nur ein Zehntel so viel bedeutet, als daraus gemacht wird. Und mit dieser schöoen Theorie wirst Du in eine arge Sackgasse gerathen, lieber Freund! Kein praktischer Mann braucht diese- Wort heute in dem Sinne mehr. Das Leben ist viel zu ernst geworden durch die ewigen Kämpfe, die wir durch- machen müffeu, und wir modernen Männer sind viel zu nüchtern geworden, wir denken praktisch."
Er war nicht zu überzeugen.
„Weßhalb aber diese kleine Bitte nicht erfüllen, die doch ganz gewiß harmlos war?" fragte er noch einmal.
„Einfach darum nicht, weil ich mich nicht in Schulden stürzen will. Man muß sich nach der Decke strecken. In jeder jungen hübschen Frau steckt ein GesellschastSteusel, und wehe dem Manne, der zu schwach ist! Um seine Ruhe ist eS geschehen und in seiner Kaffe wird ewige Ebbe sein."
Jetzt schwieg er und dachte nach. Ich freute mich schon, ihn überzeugt zu haben. Da aber stand er auf, trat ent- schloffen zu mir heran und sagte mit voller Stimme:
„Und trotz alledem bleibe ich bei meiner Theorie: wer
seine Frau lieb hat, darf sie nicht so behandeln, wie Da eS eben Deiner Frau angethan hast."
Nun wurde ich beinahe grob.
„Glaubst Du deon, daß ich mein Weibchen nicht gern habe? — Erst recht? Ich hätte sie küffen können vorhin, als sie so erregt dastand. Aber ich habe eS nicht gethan, weil ich mir keine Blöße geben darf! Wie alles im Leben ist auch die Ehe ein Kampf. Der Stärkere siegt. Der Stärkere aber muß der Mann sein. Und glaub mir nur, eine Ehe, in der der Mann regiert, ist noch immer die beste."
„Nun," sagte er lächelnd, „wir wollen unS sprechen, wenn ich Ehemann sein werde, dann sollst Du sehen, wie ich mir daS Leben gemüthlich machen werde."
Damit verabschiedete er sich von mir.
Ich ließ ihn gehen. Ueberzeugeu konnte ich ihn nicht, mochte es die Wirklichkeit thun. Aber innerlich freute ich mich doch, wenn er den ersten Krach haben würde in seiner Ehe und dann zu mir kommen und sich Rath holen würde. Man möge nur gar nicht glauben, daß ich ein schlechter Mensch sei — bewahre! Nur ein wenig schadenfroh bin ich geworden, seit ich verheirathet bin.
♦ ♦
•
Ein halbes Jahr später.
Meine Frau und ich find längst auSgesöhnt. Inzwischen haben wir unS wohl hundertmal noch gezankt und uns natürlich ebenso schnell wieder vertragen. Meine Frau, die ein ganz entzückendes kleines Weibchen geworden ist, hat nach und nach eingesehen, daß ich der Stärkere doch bin, und darum hat sie gelernt, sich zu fügen. Und seit wir nun den ersten strammen Jungen haben, kann ich sie — wie man so sagt — rein um den Finger wickeln.
Einige Wochen später traf ich meinen Freund. Er war bereits seit vier Wochen Ehemann.
„Nun, wie lebt sichS in der Ehe?" fragte ich mit leiser Bosheit.
„O, wir sind sehr glücklich!" entgegnete er stolz, wurde aber roth und suchte seine Unruhe zu verbergen.
Halb prüfend, halb mitleidig sah ich ihn an.
„Hör mal, Du, kann ich Dir irgendwie mit einem Rathe dienen?" fragte ich lächelnd.
Doch er überhörte es und sagte schnell: „Wir kommen in den nächsten Tagen zu Euch." Dann war er fort.
Aha, dachte ich, der arme Junge hat sich schon fest- gefahreu. Er that mir leid. Doch ließ ich ihn gehen.
Nach einigen Tagen stellte er unS seine Frau vor. O, sie war sehr hübsch, sehr geistvoll, aber auch unheimlich energisch. Ich wußte genug. Alles, was ich ihm voraus- gesagt, war genau eingetroffen. Sie war der Stärkere und er that alles, was sie haben wollte.
„Aber Mensch," sagte ich und nahm ihn bei Seite, „wie konntest Du Dir so alle Rechte nehmen lassen!?"
Er zuckte resignirt die Schultern und antwortete sehr kleinlaut:
„Du hattest Recht, ich war ein Narr damals, aber nun ist es zu spät."
„Nein, noch ist rs Zeit."
Doch er fiel mir ins Wort: „Laß nur," sagte er, „ich erwarte alles von dem ersten Jungen."
Ich muhte lächeln, schwieg aber und dachte : unverbeffer- lieber Idealist!
Als fie dann gingen, wagte mein Weibchen, kühn geworden durch die energische junge Frau, noch einen letzten Ausfall: „Siehst Du, das ,ft eine glückliche Ehe- da thut der Mann alle», was die Frau haben will."
Ich aber nahm fie in meinen Arm und fragte ganz leise: „Sag doch mal ganz ehrlich, ist Euch Frauen denn ein ächter Mann nicht lieber, als solch ein Schwächling?"
Darauf antwortete mein kluges Frauchen nicht», aber ganz unversehens bekam ich einen heißen Kuß.
Bekannnnachrmg.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß für den ersten Wildschadensbezirk, welchem die Gemarkung Gießen zugetheilt ist, al- Sachverständige gewählt sind die Herren:
Gutsbesitzer Sch lenke zu Hardthof (zugleich Vorsitzender der
Sachverständigen- Commission),
Forstmeister Amendt zu Treis a. d. Lda.,
Pachter Rudolf Güngerich zu Heibertshausen und als Ersatzmänner die Herren:
Friedrich Helfrich zu Gießen (zugleich Stellvertreter des
Vorsitzenden der Sachverständigen-Commission),
Forstwart Schlag zu Baumgarten, Louis Flett zu Gießen.
Ansprüche wegen Wildschadens in der Gemarkung Gießen sind zum Zwecke der Einleitung de- Sühneversahrens bei uns anzumelden.
Gießen, den 24. September 1895.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
_______________________Gnauth.__________8000
Hospital zum heiligen Geist»
In dem Hospital zum heiligen Geist dahier ist die Stelle der
Oberwärterin
der chirurgischen Abtheilung neu zu besetzen.
Gehalt Mk. 500 bei freier Station und Wäsche.
Anmeldungen bis zum 10. nächsten Monats.
Gute Zeugniffe erforderlich. Bewerberinnen, die bereits in ähnlicher Stellung waren, erhalten den Vorzug.
Frankfurt a. M., den 24. September 1895.
Pfleg - Amt
7958 ___________des Hospitals zum heiligen Geist.
VrG. Milche Stsatskjsenbllhnkll Großh. tzcsßlche ätaatstisellbahlleu.
Verdingung der Lieferung von Sementröhren für die -tenvaulinte Friedberg—Hungen.
Die Lieferung von circa:
20 Ifbm. Cemrntröhren 0,25 m weit nebst
4 Kopfstücken 200 „ „ 0,30 m weit nebst
50 Kopfstücken 70 „ * 0,40 m wett nebst
18 Kopfstücken 150 „ „ 0,50 m weit nebst
22 Kopfstücken auf den Babnhos Friedberg oder ans die Lagerplätze bei Dorheim und bei Melbach, sowie von ca
70 Ifbm- Cementröhren 0,25 m weit nebst
20 KopPück n 170 , „ 0,80 m wei' nebst
62 Kopfstücken 90 „ , 0,40 m wett nebst
26 Kopfstücken 120 „ „ 0,60 m wett nebst
28 Kopfstücken auf den Bahnbof Hungen oder auf die Lagerplätze bei Berstadt und bei Inheiden soll öffentlich verdungen werden-
Die Bedingungen sammt Zeichnung der Kopsstücke stnd im Bureauzimmer Nr- 3 der unterzeichneten Behörde tn Gießen (Frankfurterstraße 64) etnzusehen, können auch von da inSgesammt gegen postfrete Einsendung von 1 JT 30 oder tbeilweise gegen Entrichtung von 10 H für jeden Actenbogen, dezw. für jedes Actenblatt, und von 60 H für die Zeichnung der Kopfstücke bezogen werden.
Angebote sind postsret und unter entsprechender Aufschrift an die unterzetch nete Behörde bi- zum Eröffnungstermin Samvtag den 6. October d. I., Lor- mittaa« 11 Uhr einzuretchen-
ZuschlagSfrift drei Wochen-
Großh- Baubehörde für Nebenbahnen tn Oderheffen. 7783
Verdingung der Lieferung von gußeisernen vr«stenrShre« für die «eubaultnie Friedberg - Hungen.
Die Lieferung von
92,0 Ifbm. gußeisernen Muffenröhren,
0,15 m weit
33,5 „ „ Musflnröhren,
0,o0 m weit
6,0 „ „ Muffenröhren,
0,40 in weit
94,0 „ , Muffe, röhren,
0 50 m ro;it, auf ben Bahnhof Frtebberg, sowie von 141,0 Ifbm. gußeisernen Muffenröhren, 0,16 m wett, 18,0 „ „ Muffenröhren,
(',30 m weit,
27,0 „ „ Muffenröhren,
0,40 m weit,
6,0 „ . Muffenröhren,
0,50 m weit, auf ben Bahnhof Hungen, soll öffentlich verdungen werden.
Die Bedingungen sind im Bureauzimmer Nr 3 der unterzeichneten Behörde tn (Steßen (Frankfurterftiaße Nr. 64) rinzusehen, können auch von da inSgesammt gegen postfreie Einsendung von 9' H oder theilweise gegen Entrichtung von 10 für jeden Actenbogen, bezw. für jedes Actenblatt, bezogen werden
Angebote sind postfrei und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bt« zum EröffnungSiermin SamStag den 6. October dS- IS.. Dor- mittaaS 10 Uhr einzuretchen-
Zuschlagsfrist drei Wochen.
Großh- Baubehörde für Sieben bahnen in Oderhessen. 77ö4
Gebrauchter Herds!
billig zu verkaufen. Krerrzplatz 8.
Großh. HMche Staatskiltubahuell. Verdingung der Bauausführung der Rampenmaner« auf de« Bahn- Häfen Lumda, Geilshausen und Londorf.
Die nachgenannte Arbeiten umfassende Bauausführung soll im Ganzen ober nach Bahnhöfen getrennt öffentlich verdungen werden:
Für Lumda Q®’ Londorf cbm cbm cbm
Erdarbetten 14 12 —
Maurerarbeiten 45 38 54
Steinhauerarbeiten 11 9,5 17
Die Bedingungen nebst Zeichnungen sind im Büreauztmmer Nr. 3 der unterzeichneten Behörde tn Güßen (Frank, surterstraße Nr. 64) ober im Büreau der Neubau - Ablheiluna HI in Grünberg (Gasthaus zum englischen Hos) etnzusehen, zu beziehen jeboch nur von der erstgenannten Stelle tnSgesammt gegen postfrete Einsendung von 2 JL 60 & oder theil- wetse gegen Entrichtung von 10 H für jeden Actenbogen, bezw. für jede« Acten blatt, und von 60 4 für jede Zeichnung-
Angebote stnd poftfret und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde biS zum Eröffnungstermin Montag den 7. Oktober b. I, Dor» mittags 10 Uhr, einzuretchen.
Zuschlagsfrist bret Wochen.
Großh. Baubehörbe für Nebenbahnen _____________in Oberhessen. 7786 Grokh. tzesstsche Staatseiskllüahueu Verdingung der Lieferung von Porttand Cement für die Reubaulinie Friedberg-Hungen.
Die Lieferung von circa
90 000 kg Portlanb-Cement aus ben Bahnhof Frtebberg, sowie von circa
40 000 kg Portlanb-Cement auf ben Bahnhof Hungen, soll öffentlich oerbungen werden.
Die Bedingungen sind im Büreau zimmer Nr 3 der unterzeichneten Behörde in Gießen (Frankfurterstrabe 64) einzu- sehen, können auch von da inSgesammt gegen postfrete Einsendung von 80 4 oder theilweise gegen Entrichtung von 10 H für jeden Actenbogen, bezw. für jedes Actenblatt, bezogen werden.
Angebote sind postfrei und unter entsprechender Aufschrift an die unterzeichnete Behörde bis zum EröffnungSlermin Montag den 7. October b I., Vormittags 11 Uhr, einzuretchen.
ZuschlagSfrift bret Wochen
Großh. Baubehörbe für Nebenbahnen in Oderheffen._________7785
Submission.
Für die Großh. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung nachbenannter Products auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden und zwar:
20 Etc. Aepfeln,
600 M gute Speisekartoffeln (500 Ctr. magnum-bonum, 100 Ctr. Spätrosa),
20 Ctr. Kartoffeln, sogenannte Mäuschen,
10 „ untererdigeKohlraben,
2 „ obererdige Kohlraben,
8 „ Zwiebeln,
2 „ rothe Rüben,
2 „ Meerrettig,
10 „ Gelberüden,
40 Ctr. Weißkraut,
150 Stück Rothkraut,
400 „ Wirsing,
200 „ Lauch,
350 „ Sellerie.
Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungebüreau der neuen Kliniken an den Wochentagen, Nachmittags von 3—5 Uhr, eingesehen werden.
Offerten sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum
Samstag, 5. Oktober 1895, Mittags 12 Uhr, auf dem oben erwähnten Büreau einzureichen.
Zuschlag erfolgt am 11. October 1895.
Gießen, den 18. September 1895. Gr. VerwaltungS'Direction der neuen
Kliniken. 7771
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