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Der Vorstand.
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Zweites Blatt. Sonntag den 29. September
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2lmtlid?er Theil.
Nachrichten über den Saatenstand im Grostherzogthum Hetzen
UM die Mitte deS Monats September 1895.
Zusammen gestellt bet der Großherzogltchen Oberen landwirthschaft- lichen Behörde.
Provinzen
i
ErhebungSbezirke.
Saatenstand.
Note 1 — sehr guter, 2 — guter, 3 — mittlerer, 4 — geringer, 5 — sehr geringer Stand
Ernteausfall in 100 Kilo per Hectar bet Wtnterroggen
Kartoffeln
Klee (auch Luzerne)
Wiesen
Weinberge
Provinz Starkenburg.
16
1 KreiS Bensheim ....
2,5
3
2
—
2 „ Darmstadt. . . .
3
4
4
—
16
3 „ Dieburg ....
2,5
4
—
—
24
4 „ Erbach.....
2
2
—
12
5 „ Groß-Gerau . . .
3,5
4
4
——
20
6 „ Heppenheim . . .
7 „ Offenbach ....
2
—
—
14
3
3,5
—
16
Durchschnitt für Starkenburg
2,6
3,4
33
—
17
Provinz Oberhessen.
16
8 Kreis Alsfeld.....
3
3
—
—
9 „ Büdingen ....
2
2,5
—
—
16,5
10 „ Friedberg ....
3
4
—
—
18
11 „ Gießen.....
2
2
—
—
17
12 „ Lauterbach....
2
—
3
—
15
13 „ Schotten ....
25
3
3
—
18
Durchschnitt für Oberhessen
2,4
2,9
3
—
17
Provinz Rheinhessen.
32
14 Landw. Vereinsbezirk Alzey
3,5
5
—
3,5
15 „ Bingen. .
3,5
5
4
3,5
20
16 „ Flonheim .
3
5
4
3,5
31
17 _ „ Ingelheim.
3
3,5
3,5
2,5
25
18 „ „ Mainz . .
3
5
5
2
28
19 „ „ Nteder-Olm
2,5
4,5
4
4
26
20 „ „ Oppenheim
2
5
5
2
29,5 25
21 , „ Osthofen .
—
4
—
2,5
22 ,, „ Pfeddersheim
2,5
5
4
2
30
23 „ „ Wöllstein .
2
5
—
3,5
22
24 „ „ Wörrstadt.
3
4
—
4
24
25 „ „ WormS .
2,5
3
3
3
26
Durchschnitt für Rheinhessen
2,8
45
1 4
3
26
Durchschnitt f. d. Großherzogth.
2,6
3.6
1 3,4
3
20
Bemerkungen: Äartof
ein und Wurzelfrüchte haben unter
der anhaltenden Dürre sehr gelitten, ebenso Klee und sonstige
Futter-
»stanzen. In einigen Erhebungsbeztrken Rheinheffens (Flonheim,
Wöllstein und Wörrstadt) dau-rt der Mäusesraß fort,
in einem Er-
Hebungsbezirke (Pfeddersheim) wird außerdem über Beschädigung der
Klee-, Kartoffel- und Rübenfelder durch den Hamster geklagt. Der
Stand der Weinberge ist unverändert;
eS gibt wenig, aber voraus-
sichtlich guten Wein.
Der durchschnittliche Ertrag des Roggens wird auf 20,Doppel-
centner per Hectar geschätzt, liebet diesem Durchschnitt steht die Provinz Rheinhessen mit 26,5 Doppelcentnern; unter demselben bleiben di« Provinzen Starkenburg und Oberhesien mit 17 Doppelcentnern. Das Maximum mit 32 Doppelcentnern erzielte der Erhebuno.sbezirk Alzey, während der Bezirk Erbach das Minimum mit 12 Doppel- centnern zu verzeichnen hat. __ ____
verarschte».
♦Ms. Bo» der Rhön, 26. September. In dem Städtchen Tann an der Rhön hat fich unter Borsitz des Herrn Stadt- Vorstehers Wagner ein Eomitö gebildet, welches vorbereitende Schritte zur Errichtung eines Denkmals für den aus dem Kriege 1870/71 rühmlichst bekannten General Ludwig von der Tann-Rathfamhausen thun will.
* liebet die Personenbeförderung mittelst Omnibus, Pferde-, Stadt- und Ringbahn und Dampfbahnen in Berlin im Jahre 1894 bringt die Fachzeitschrift des Fuhrgewerbes, der „Fuhr- Halter", nach amtlichen Quellen recht interessante Statistiken, welche ein genaues Bild von dem gesammten Verkehr der Reichshauptstadt entrollen. Es wurden befördert: durch die „Allgemeine Omnibus - Actien- Gesellschaft" 23,212,032 Personen gegen 22,458,705 im orjahre- durch die „Große Berliner Omnibus-Gesellschaft" 9,652,019 Personen- durch daS „Dampsftraßenbahn-Consortium" mittelst dessen Omntbus- linien 1,905,203 Personen- durch die „Grunderwerb- und Rau-Gesellschaft" 137,950 Personen- durch daS Fuhrwesen Thten 1,060,000 Personen. Die Gesammtsumme der durch obige Gesellschaften beförderten Personen betrug 35,967,204, was ein Mehr gegen daS Vorjahr von 2,717,277 Personen bedeutet. Welter wurden besördert: durch die Große Der- lmer Pserde-EisenbahN'Aetien-Gesellschaft 131,800,000 Personen, gegen das Vorjahr ein Mehr von 1,700,000 Personen, durch die Berliner Straßenbahn 6,749,007 Personen, durch die Neue Berliner Pferdeeisenbahn 17,100,000 Personen- durch die Stadt und Ringbahnen incl. Grünewald wurden 68,727,069 Personen gegen 60,295,517 Personen im Vor» jahre befördert, durch die Dampfstraßenbahnen 2,838,314 Personen, dieselben haben gegen das Vorjahr 171,745 Personen weniger befördert, was wohl daher kommt, daß im Winter der Verkehr nach den Vororten geringer ist als im Sommer. Im Uebrigen scheint fich der größte Verkehr doch innerhalb der Stadt abzuwickeln, wovon die ungeheuren Zahlen der „Großen Berliner Pferde - Eisenbahn - Actien - Gesellschaft" beredtes Zeugntß ablegen. Die Zahl der benutzten Droschken ist im Abnehmen begriffen, denn inSgefammt wurden auf den Bahnhöfen 541,218 Droschken gegen 550,048 im Vorjahre benutzt.
♦ AuS Potsdam wird der „Nordd. Allgem. Ztg." ge« schriebeu: Sämmtliche Kriegshunde des Garde-Jäger- bataillons find an einem Augenleiden erkrankt- die Hunde, die inS Kaisermanöoer mitgenommen worden waren, erkrankten in Pommern an den Augen und nach Rückkehr der Thiere nach PorSdam sind auch die hier zurückgebliebenen Kriegs- Hunde von der Krankheit befallen. Unter allen Hunden leidet am meisten der werlhvolle Hund Franz, der zu Dresden in der Prüfung deutscher Kriegshunde den 2. Preis errang- er wird wohl an einer Lungenentzündung etngehen.
* Reichenbach (im Boigtland), 24. September. Eine furchtbare Thar hat dieser Tage der bisher in einet hiesigen Schneidemühle angestellte Hausmann Lenk begangen. Er tödiete feine beiden Kinder, zwei Mädchen tm Alter von fünf Jahren, bezw. neun Monaten, durch Erwürgen und schnitt fich darauf selbst die Kehle durch. Er wurde zwar noch lebend inS Krankenhaus gebracht, doch dürste er kaum am Leben bleiben. Lenk hat die That aus Verzweiflung darüber begangen, daß er auS dem Dienste entlasten worden war.
♦ Wie spricht bie englische KöaigSfamilie? Aus London wird der „Fr. Ztg." berichtet: Nachdem sich die englische Preste seit Monaten mit der Frage beschäftigt hatte, ob die Familie, die auf dem englischen Thron sitzt, daS Recht habe, sich englisch zu nennen, eine Frage, die übrigens ziemlich übereinstimmend verneint wurde, wirst sie jetzt die weitere Frage auf, welche Sprache in der englischen KönigSfamilte gesprochen wird. Der Bradford Observer ist in der Lage, versichern zu können, daß in ihr fast durchweg die deutsche Sprache gebraucht wird. „ES war das Unglück der Königin^, schreibt da« genannte Blatt, „daß ihre Mutter, die Herzogin von Kent, nur wenig englisch verstand und daß in Folge dessen während der Jugend der Königin in der Familie nur deutsch gesprochen wurde. So ist es geblieben bis zum heutigen Tage, die Mitglieder des königlichen Hauses ver- kehren mit einander nur in deutscher Sprache. Deutsch war die Muttersprache der Königin und des Prinz Gemahls und so mußte sie natürlich die Umgangssprache der Familie werden. Deutsch ist in der Hauptsache auch die Verkehrssprache im Haushalt des Prinzen von Wales, wenn es in Sandrtngham auch mit sremdartigem Accent gesprochen wird. Nur im Hause des Herzogs von York, der die deutsche Sprache blos mühsam beherrscht, wird lediglich englisch gesprochen.,, Mit einer gewisten Befriedigung constatirt das genannte Blatt, daß es seit Wilhelms IV. Zeilen das erste Mal ist, daß in einem Zweige der englischen KönigSfamilte die Landessprache gesprochen wird.
* Noble Zeit. „Du, Onkel, heute haben wir mal nobel gespeist!" — „So! Was hatS denn gegeben ?" — „Kartoffelsuppe und Häring!" — „Und das ncnnst Du nobel?" — „Ja, weißt Du, wir haben um vier Uhr gespeist, weil die Mutter so spät nach Hause gekommen ist."
Schifssnachrichterr.
Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl LooS und I. M. Schulhof.
Bremen, 25. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Crefeld, Eapttän W. Bodenstedt, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. , ,
Bremen, 25. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Stuttgart, Capitän D. Köhlenbeck, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist heute, 8 Uhr Morgens, wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Der Postdampfer „Noordland" der „Red Star Line- in Antwerpen ist laut Telegramm am 24. September wohlbehalten in New- york angekommen.
Feuilleton.
Wochendriese aus der Residenz.
(Originalbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 27. September, tzerbstmeße. — Nachklange »om Kriegerfest.
Begünstigt vom herrlichsten Herbst-, ja man kann ruhig sagen Sommerwetter, hat am vergangenen Sonntag die diesjährige Herbstmesse ihren officiellen Anfang genommen. i$me Stadt auS Buden und Zelten ist in ein paar Tagen inmitten der friedlichen Residenz emporgewachsen und stört die behagliche Rübe jener auf ganz empfindliche Weise. Nicht etwa den inneren Frieden, denn unsere Geschäftsleute find vachmalS an die Concurrenz gewöhnt, die ihnen durch den Zuzug der Meßfremden erwächst, ja Manche freuen fich ihrer sogar, denn die Beobachtung ist schon häufig gemacht worden, Laß gerade in der Meßzeit die einheimischen Ladengeschäfte mehr verkauften, als zu mancher anderen Jahreszeit. Nein, la« ist's nicht, was uns stört, der äußere Friede — wenn van fich so ausdrücken kann — der ist'S, den man in den tagen am meisten vermißt. Gewiß, gegen die auf dem Markte in dichten Reihen erbauten Verkaufsstände läßt sich ja in dieser Hinficht nichts sagen, abgesehen davon, daß diese auS schmutzigen Brettern hergestellten und mit noch schmutzigeren tüchern überdeckten Hütten für daS Auge eben fein sehr an- ziehendes Bild bieten und daß es für die Hausfrauen des
weitaus größten TheileS der Stadt bet der herrschenden hohen Temperatur eben auch kein großes Vergnügen ist, nach dem entfernteren Luifenplatz zum Wochenmarkte dreimal per Woche hin zu pilgern und dort schließlich unter den veränderten Verhältnissen erst noch lange nach den gewohnten Verkäufern zu suchen.
Schlimmer ist, was ich im vorigen Jahre an dieser Stelle schon anbeutete, daß der, oder hier richtiger gesagt die sogenannten Juxplätze sich noch immer inmitten der Stadt und dazu noch in den dichtbevölkertsten Theilen derselben, in den besten GeschästSvierteln befinden. Der Verkehr, der naturgemäß in jenen Straßen stets am regsten ist, wird aufs allerempfindlichste gestört und dann der ohrenzerreißende Lärm! Man denke nur, welchen Genuß eS bereiten kann, eine mit Stentorstimme, womöglich verstärkt noch durch ein Sprachrohr, recitirte Auseinandersetzung über die wüstesten Folterwerkzeuge der grauesten Zeiten des Mittelalters oder über die beiden „schwersten" Mädchen der Welt mitanzuhören, während dicht neben dem mit der krächzendsten Stimme begabten Sprecher eine Drehorgel daS elegische Lied von der „theuren Margarethe" mit beneidenswerther Beharrlichkeit wimmert. Oder man lasse einmal die nicht minder geräuschlos vorgetragene geradezu bluttriefende Biographie „KarraehoS", des wildesten aller Sioux-Indianer, derltäglich mehrere lebendige Kaninchen mit Haut und Haaren zur Erhaltung seines grausamen „Ich" bedarf, auf fich wirken, während hinter dem Rücken deS lebhaft geftttulirenben „Rufers" eine buntbemützte
Musikcapelle den „Wiener Walzer" möglichst falsch executirt- Fürwahr da braucht man kein besonders zart besaitetes Individuum zu sein und kann doch fühlen, daß die Existenz der Nerven im menschlichen Organismus zeitweise fich recht unangenehm bemerkbar macht. Unsere Polizei hat gethan, was sie konnte, sie hat ein Verbot erlaffen, wonach in zwei nahestehenden Meß-VergnügungSetabliffementS zu gleicher Zeit Drehorgeln nicht in Betrieb gesetzt werden dürfen, aber den „Wilden" und ihren „Impresarios" rc. den Mund zubinden können sie doch nicht.
Es wäre einem wirklich dringenden Bedürfniß abgeholfen, wenn eS unserer Stadtverwaltung gelänge, mit ihrem in den hiesigen Tagesblättern besprochenen Plane durchzudringen, die große Festhalle auf dem Exercierplatz und den um sie Herumliegenden Boden von dem ReichsmilitärfiScus käuflich zu erwerben, um dorthin bann alle jene Lärm verursachenden öffentlichen Vergnügungen zu verlegen.
Uebrigens, wo doch gerade von der Festhalle die Rede ist, sei noch einmal des vergangenen Kriegerfestes gedacht, über dessen finanziellen Abschluß in den verschiedenen Kreisen der hiesigen Bevölkerung die allervagsten Gerüchte circuliren, nach einer Version sollen die Ueberschüffe den Betrag von 2000 Mark übersteigen, während Andere von einem Deficit in fast der nämlichen Höhe wiffen wollen. Wer die Verhältniffe näher kennt, dem wird keine der angegebenen Summen wahrscheinlich erscheinen. Genaue Angaben von Seiten deS EomitSs waren bis jetzt noch gar nicht möglich,


