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Erstes Blatt. Mittwoch den 29. Mai
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Aus den Verhandlungen der Ersten Kammer der hessischen Stände.
nn. Darmstadt, 27. Mai 1895.
Die Erste Ständekammer trat heute Vormittag um VjlO Uhr unter dem Vorsitze des zweiten Präsidenten Grafen SolmS-Laubach zu zweitägigen Verhandlungen zusammen, um die 37 Gegenstände der umfangreichen Tagesordnung zu erledigen. Die meisten Anträge und Vorlagen wurden im Sinne des Beschlusses zweiter Kammer angenommen, insbesondere der Antrag Ulrich und Genossen auf Abänderung der Städteordnung, wonach die besondere Erklärung in Wegfall kommt, daß ein zugezogener Wahlberechtigter von seinem Wahlrecht Gebrauch machen will.
Bet der Vorlage der Regierung, betr. den Gesetz-Entwurf über die Abänderung des Gesetzes vom 23. April 1875, die religiösen Orden und ordensähnlichen Tougregationen betr., ergreift Bischof Haffner das Wort, um in heftiger Weise gegen diese Vorlage zu sprechen. Bekanntlich hat die Zweite Kammer beschlosien, daß nur dem Orden der Barmherzigen Brüder gestattet sein soll, einige neue Mitglieder auszunehmen und eine neue Niederlasiung z» gründen. Bischof Haffner bedauert, daß die Revision des Ordensgesetzes nach dem preußischen Standpunkt vollzogen worden sei. In katholischen Kreisen habe man dies erwartet und sich bereit- darüber gefreut. Die in dem Gesetz enthaltenen Strafbestimmungen gegen den Bischof und gegen den CleruS müsse er als komisch bezeichnen. Hier sei keine Revision, sondern nur eine Aufhebung derselben am Platz. Für ihn ständen diese Bestimmungen nur auf dem Papier, nab auch für später werde dies so bleiben. Bedauerlich sei efz daß man einem Stand Ausnahmebestimmungen dictiren wolle, der nur ersprießliche- für Staat und Kirche erstrebe. Gagen die Orden selbst sei es das höchste Unrecht gewesen, in dieser Weise vorzugehen. Er verlange keine Liebe für die religiösen Orden, aber der katholischen Kirche möge man diese üi»erlasien. Animosität gegen die Wünsche der katholischen Kirche sei. in der protestantischen Bevölkerung nicht vorhanden. Nur btt einigen leitenden Herren sei dies der Fall und das sei bedauerlich für den kirchlichen Frieden. Don der jetzt borge schlagenen Revision halte er nicht viel. Dieselbe biete dem katholischen Volke Nichts, denn die Beschränkung der Zahl bleibe bestehen und stelle alles unter Staatsaufsicht. Gerade der katholische Ordensstand sei berufen, die Gegensätze in versöhnlichem Sinne zu klären, und es werde eine Zeit kommen, In der man den Kapuzinern und Jesuiten noch dankbar sein werde für Aufrechterhaltung der Ordnung. Bedauerlich sei ferner, daß man den Orden der Schulbrüder in Mainz nicht in die Revision einbezogen habe. Trotz alledem werde er
für die Vorlage stimmen. ES geschehe dies mit Ermächtigung des heiligen Stuhles und unter Festhaltung seines soeben vorgetragenen Standpunktes.
Der Vorsitzende Graf Laub ach rügt den leidenschaftlichen Ton in der Rede des Herrn Bischofs, insbesondere die Bemerkung „komische Bestimmungen" u. A.
Geh. Rath Dr. Goldmann erklärt, er werde nach den soeben gemachten Angriffen des Bischofs gegen die ganze Vorlage stimmen, da der durch die Revision beabsichtigte Friede mit dem katholischen CleruS nicht geschloffen werden könne.
Staatsminister Finger bedauert die Ausfälle des Bischofs Haffner, die geeignet seien, nur Unfrieden in der Bevölkerung hervorzurufen. Bei den gepflogenen Verhandlungen habe selbst der Herr Bischof als oberster Hirte der katholischen Bevölkerung keine Aufhebung, sondern nur eine Revision der OrdenSgesetze erhofft. Mit dieser Vorlage glaube übrigens die Regierung dem augenblicklich vorhandenen Bedürfniß gerecht geworden zu sein.
Prälat Habicht sieht in den Worten des Bischofs Haffner keine Friedensstimmung und diese Bedenken kämen ihm auch zur Genüge zum Ausdruck, wenn man die katholischen Zeitungen lese. Nicht bloS die katholische, sondern auch die evangelische Kirche habe Anspruch auf den Schutz des Staates. Gerade durch die Orden habe die evangelische Kirche am meisten gelitten, indem Hunderttausende durch einen gewissen Orden hingeschlachtet worden seien. Auch er werde gegen die Vorlage stimmen.
Graf Erbach-Fjir st en au protestirt als Christ dagegen, als seien die OrdenSgesetze nur gemacht worden, um diese zu schützen. Diese schützten sich in Gefahr schon von selbst.
Nachdem noch Bischof Haffner eine Abschwächung seiner Aeußerungen durch einige Erklärungen versucht hat, wird der Gesetzentwurf gegen 5 Stimmen angenommen.
Für den Museums-Neubau werden unter Annahme der Resolution zweiter Kammer wegen der Besitzfrage 1500000 Mk. bewilligt.
Den von der Regierung ferner gemachten Vorlagen, betr.den Gesetz-Entwurf: über die Bildung der Schulvorstände, die Abänderung des Art. 69 des Volksschulgesetzes, sowie die staatliche Unterstützung der erweiterten Volksschulen in den Landstädten und größeren Landgemeinden, Umwandlung der Bürgerschule zu GernSheim in eine staatliche Realschule, Berwilligung von weiteren Mitteln für die Land- wirthschaft, sowie einer Reihe kleinerer Forderungen trat die Kammer ohne Debatte nach den Beschlüssen zweiter Kammer bei.
Eine Eingabe des Bundes Deutscher Frauenvereine auf
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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Anstellung weiblicher Fabrikinfpectoren wird nach einem Antrag des Freiherrn v. Hehl dahin erledigt, Großh. Regierung zu ersuchen, die Anstellung einer weiblichen Fabrikinspectorin herbetzuführen.
Bei einer Reihe weiterer Ersuchen und Vorlagen trat die Kammer ohne Debatte den Beschlüssen Zweiter Kammer bet und erledigte die Tagesordnung bis zu Punkt 36, Einkommensteuer-Gesetz.
Wegen vorgerückter Stunde wird die Sitzung auf morgen früh 1I210 Uhr vertagt.
Neueste Nachrichten»
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Eronberg. 27. Mai. Kaiserin Friedrich besuchte heute Nachmittag den zur Kur in Königstein weilenden General-Feldmarschall Grafen von Blumenthal in seiner Wohnung im Hotel Pfaff.
Laibach, 27. Mai. Die leichten Erdschwankungen dauern noch immer fort. Der von der technischen Commission festgestellte Gesammtschaden beläuft sich auf 3,138,700 Gulden. 145 Gebäude müssen niedergelegt werden. Der auf dem Lande angerichtete Schaden ist von den Gemeinden auf etwa 4,000,000 Gulden geschätzt worden.
Rom, 27. Mai. Nach amtlicher Feststellung ist das Gesammtresultat der gestrigen Wahlen folgendes: Gewählt wurden 326 Ministerielle, 102 Candidaten der con- stitutionellen Opposition, 31 der radikalen Opposition, vierzehn Socialisten. 35 Stichwahlen find erforderlich, die wahrscheinlich noch 19 Sitze für die Ministeriellen, 7 für die constitutionelle Opposition, 6 für die Radikalen und 3 für die Socialisten ergeben werden.
WB. Washington, 28. Mai. Der Staatssekretär bei Auswärtigen, Gresham, ist gestorben.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 27. Mai. DaS Staatsministerium hat heute Nachmittag eine Sitzung abgehalten. Auf der Tagesordnung stand der Gesetzentwurf über die Organisation des Personal- credits der mittleren Stände, welcher noch in dieser Woche dem Abgeordnetenhause zugehen soll.
Berlin, 27. Mai. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird sich am Pfingst-Montag nach der Insel Helgoland begeben. ES ist dies der erste Besuch, den der Reichskanzler als solcher der Insel abstattet.
Berlin, 27. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." hört, daß auf Befehl des Czaren der Großfürst Alexis, der oberste Flottenchef, auf dem Landwege sich nach Kiel begibt, um den Kieler Festlichkeiten beizuwohnen.
Feuilleton.
Ein Künstler vor Gericht.
Bor dem Berliner Gerichtshof erschien vor einigen Tagen mit dem etwas abgetragenen Sammet-Jaquett, dem weiten pemdkragen mit dem flatternden Halstuch und den bis auf ; den Kragen herabfallenden Haaren ein Künstler. Die Kunst ichien ihm aber, wie so manchem seiner Collegen, irdische schätze nicht eingetragen zu haben, augenscheinlich ging eS ihm recht schlecht. Seine GefichtSzüge zeigten die Ver- | chwommenheit, wie sie durch gewohnheitsmäßigen Alkohol- genuß zu entstehen pflegt. Aber selbstbewußt blickt er im Saale umher und auf die Frage deS Vorsitzenden, ob er der Naler Eduard G. sei, antwortete er bejahend.
Vorsitzender: Sind Sie immer Maler gewesen? — Angeklagter (lächelnd): O nein, jetzt bin ich zum Seispiel Haupt-Acteur bei einem Marionetten-Theater. — 8 ors.: Was? Das ist ja wohl so eine Art Kasperle- Lheater? — Angekl.: Nun ja, aber ein gebildeter Mann !amr bei etwas Talent und ernstem Streben auch in dieser Stellung zur Bildung des Volkes beitragen. — Dors.: Nun, das wollen wir dahingestellt sein lassen. Waren Sie nicht auch einmal Dekorateur? — Angekl.: Gewiß, ich Dar schon Dekorateur, Photograph, Schnellmaler, Bildhauer, Schauspieler, Modellsteher und Souffleur. — Dors.: Gott
bewahre, find Sie vielseitig. Aber es geht Ihnen bei alledem wohl nicht besonders? — Angekl.: Ich möchte nicht widersprechen, an meiner Wiege ist es mir nicht gesungen worden, daß ich in meinem fünfzigsten Jahre noch hinter Meefe Bretter muß, die die Anklagebank bedeuten. — Pors.: JH sehe auS den Acten, daß Sie aus guter Familie find. Nie sind ja auch bisher nicht mit dem Strafgesetz in Con- fliLt gekommen und was Ihnen zur Last gelegt wird, ist
nicht so schlimm. Sie sollen eigenmächtige Veränderungen an dem Schilde des SchankwirthS M. vorgenommen haben, wodurch eS für den Etgenthümer unbrauchbar geworden ist. Er hat nun Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt. — Angekl.: Der Mann hat mir den Auftrag gegeben, ich sollte die Sachen auf dem Schilde so natürlich wie möglich malen. Das habe ich gethan. — Vors.: WaS erhielten Sie für die Arbeit? — Angekl.: Eine Schande, daß mans sagen muß . . . neunzig Pfennige. — Dors.: Dafür war allerdings nicht viel zu leisten. — Angekl.: Und doch behaupte ich, daß es in seiner Art ein Kanstwerk ist. — Dors.: Wie sind Sie denn zu dem Auftrag gekommen? — Angekl.: Es ist eine etwas eigenthümliche Geschichte, wenn ich bitten darf, lassen Sie sich dieselbe lieber von dem Wirth vortragen. — Dors.: Gewiß, wenn Ihnen daS lieber ist. — Der Zeuge C . . . betritt den Saal, unter dem Arm einen in Papier gewickelten flachen Gegenstand, augenscheinlich das Schild, tragend. Der Aufforderung, den Sachverhalt zu erzählen, kommt der Zeuge in folgender Weise nach: Ick fitze da an eenen Januar-Abend in meinem Kellerlocal un habe bloS zwee von meine Stammjäste, een paar olle Herren, bei mir. Da kömmt der Anjeklagte rin, fordert fich Jedränke un nimmt nicht weit von die ollen Herren Platz. Diese unterhalten fich von dem Krieg mit Frankreich un wo er fich von entspinnen dhat, wobei der eene meente, bet et doch höchst nobel von dem Prinzen Heinrich war, bet er bunemals den spanischen Thron ausjeschlagen hat. — Vors.: Nun, bet Prinz Heinrich ist es wohl nicht gewesen, aber nur weiter. — Zeuge: Mit eenem Male springt der Anjeklagte uf, stellt fich mächtig in Pofitur un meent: „Meine Herren, ick habe ooch schon einen Thron ausjeschlagen!" Wir kieken ihn alle an un denken, bet er woll nid) recht unwohl im Kopp iS, da sagt er weiter: „Jawoll, da iS nischt jelogen, ick war nämlich mal Jehilfe beim Hoftapezierer in Hannover." Wir lachen denn nu über
den Witz un nöthigen ihn an unfern Disch un er zeigte fich ooch als een ganz kommilfoher Kerl, der alles wußte un konnte. Er hat mir nu meine Frau mit Kreide uff 'n Disch jemalen, so ähnlich, bet et stannenswerth war. So nach 'ne Stunde jehen die beeden ollen Herren" un nach eene Weile kloppt er ooch us'n Disch un will zur Verjoldung schreiten, wenigstens fragt er mir, wat er schuldig is. Ick rechne ihm vor: Sechs große Nordhäuser, zwee kleene Weißen und zwee Ziehjarren, det macht zusammen neunzig Pfennige. Ja', un nu rückt er damit heraus, det er keenen Nickel bei fich hat, er wollte det aber janz bestimmt den anderen Mittag ranbringen. Na, uf so wat sind wir nu natierlich jeaicht, ick sage ihm denn ooch meine Meinung un sage ihm ooch, bet ick ihn mch anzeig'n will, weil er sonst so ’n netter Kerl is. Er sollte man jehen. — Angekl.: Der Zeuge erzählt nich, daß er mich „Lump" und „Betrüger" genannt hat. — Zeuge: Der mag wohl find, man is natierlich ärjerlich un . . — Vors.: Schon gut, fahren Sie fort. — Zeuge: Am andern Mittag denke ick, ick soll lang hinschlagen, als der Herr richtig wtederkommt, eene Mark us'n Disch legt un fich eenen jroßen Nordhäuser jeden läßt. Ick denke so bei mir, „det iS doch een anständiger Kerl", un ick ärjere mir, bet ick ihm ben Dag zuvor so anjeranzt habe. Ick spreche denn leise mit meine Olle, un als die mit inverstanden iS, hake ick bet Schilb hier draußen von den Kellerinjang loS un bringe bet rin. Ick stelle det vor den Künstler hin und sage zu ihm, dat er mir die neunzig Pfennje jar nich zu jeden brauchte, wenn er mir bet Schild een biSken auf- repariren will. Del iS een sehr schönet Schild. Oben fitzt een kleener dicker Mann, der jerade eene rechte scheene Weiße an die Lippen setzt un unter ihm steht ein Teller mit eenem anjeschnitttznem Schinken, een Teller mit Wurst un eener mit Käse. Die Farben waren een biSken sehr durch die Witterung verblaßt. „Also det soll ick Ihnen uffrischen und den« wollen Sie mir da neunzig Pfennje for jeden?" fragte er


