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28.11.1895 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 28. November

Nr. 280

Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Rebaction, Expedition und Druckerei:

-chukgr-tzeVr.-,.

Fernsprecher 51.

vierteljähriger AdoanemeulsPreS«» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohir. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener

A»««ikte« d kätter werden dem Anzeiger »Schrntlich dreimal btigeUflL

Der ^i-tzentt -nzeiger nidrmt täglich, mti Au-nahme deS MontagS.

Aints- und für den Kreis (Siefjetu

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» lohenden Tag erscheinenden Nummer bi- Sonn. 10 Uhr.

chratisöeikage: Gießener Kamikienbtäiter.

Alle «nnoncen-vureaux deS In« und Lu-lande- nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Lheil.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul« und Klauenseuche.

Der Ausbruch der Maul-und Klauenseuche wurde weiter lestgestellt in folgenden Orten: in Wetter, Kreis Marburg, Hochelheim, Kreis Wetzlar, Lardenbach, Kreis Schotten, nb Ober-Mörlen, KretS Friedberg.

Gießen, den 26. November 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend die Rothlaufseuche zu Enzheim.

Die in einem Gehöfte zu Enzheim auSgebrochene Rothlaufseuche ist erloschen.

Gießen, den 26. November 1895.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend die Herstellung eines AnscklußgeleiseS für die

Maschinenfabrlk Heyligenstädt & Co. zu Gießen.

Die Firma Heyligenstädt L Co. zu Gießen hat AM Herstellung eines Anschlusses on das Geleis der Linie -GießenGelnhausen für ihre Maschinenfabrik nachgesucht.

Es wird dies mit dem Anfügen bekannt gemacht, daß feer Lageplan diese« Unternehmen« nebst Längenprofil von Donnerstag den 28. d. Mts. bis einschließlich Donnerstag den 5. December d. I. auf dem Bureau feer unterzeichneten Behörde während der Bureaustunden zu Jedermanns Einsicht offen liegen und etwaige Einwendungen qegen die Ausführung dieses Unternehmens innerhalb obiger Frist bei uns vorgebracht werden können.

Gießen, den 26. November 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 26. November 1895.

_ 9. Mat

Vetr.: Den Nachlaß des am

1892 im Gouvernement

Samara verstorbenen August Wagebauer.

Das Grohherzogliche Kreisamt Gieße«

<u die Gr. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Der am 1892 auf dem Höfchen Soljanka,

ArejA Nowo UsenSk, im Gouvernement Samara in Rußland verstorbene August Wagebauer soll nach Angabe der -russischen Behörde die hessische Staatsangehörigkeit beseffen haben. Der HetmathSort deffelben ist jebocb unbekannt. Sein Nachlaß im Beirage von 683 Mk. 27 Psg. ist an Großh. StoatSministerium abgeliefert und von diesem der Großh. Hauptstaatskaffe zur einstweiligen Aufbewahrung über« wiesen worden.

Wir beauftragen Sie, über die Herkunft deS Genannten und etwaige Erden desselben in Ihren Gemeinden Ermittel, engen anzustellen und über das Ergebniß demnächst zu berichten.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 26. November. Wie dieDarmst. Ztg." hört, gedenken Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog »nd die Großherzogin am 28. dsS. Mrs. zum Besuche Ihrer Kaiserlichen Majestäten nach ZarSkoje Selo ab- aur elfen.

Berlin, 26. November. Während über den Inhalt ver­schiedener vom BundeSrathe entweder schon genehmigter, ober ,ßoch den AuSschüssen überwiesener Reichstags Vorlagen bereit- hinlängliche Orientirungen vorliegen, ist über die wesentlichsten Z ffern deS ReichShaushaltSetatS für 1896/97 noch tmme- nichts Authentisches bekannt. In- beff-u veröffentlicht jetzt dieVoss. Ztg." auf Grund an- .zebltcher zuverlässiger Mitlheilungen die betreffenden wich, -rtgsten Positionen, welche im Folgenden wtedergegeben seien. Der ReichshauShaltsetat balancirt ick Einnahmen und Aus- ;laben mit 1,259,901,749 Mk., die fortdauernden Ausgaben lbe8 ordentlichen Etat- find auf 1,135,523,228 Mk., die ein­

maligen auf 94,361,000 Mk. veranschlagt- die einmal'gen Ausgaben deS außerordentlichen EtatS betragen 30,017,521 Mk. Unter den Einnahmen sind folgende hauptsächlichsten Posten zu erwähnen: Zölle undVerbrauchssteuern mit 634,664,830Mk., Re chsstempelabgaben mit 61,000 000 Mk, Reichs Post- und Telegrophenverwaltung mit 33,914,461 Mk., der Reichs- invaltdenfondS mit 28,862,508 Mk., Reichseifenbahnverwal- tung mit 23,463,900 Mk., Bankwesen mit 5,618,400 Mk., verschiedene sonstige Verwaltungen mit 18,476,212 Mk. u. s. w. Die Matricular Umlagen sind mit 413,331,276 Mk. veranschlagt, als außerordentliches Deckungsmittel zur Balan- cirung des EtatS erscheint der Betrag von 30,017,521 Mk.

Die Vorlage über die Organisation des H a n d - Werks wird nach einer Mittheilung derNordd. Allg. Zlg." gegenwärtig zwar ausgearbeitet, aber der Zeitpunkt ihreS^ AbschluffeS läßt sich noch nicht Vorhersagen, da der Umfang des durch die jüngsten Erhebungen gewonnenen Materials noch keineswegs zu übersehen ist.

Inzwischen ist auch die dem BundeSrathe zugegangene neue Zuckersteuer-Borlage veröffentlicht worden. Sie erstrebt die Erhöhung der Ausfuhrzuschüffe zur Erleichlerung deS Concurrenzkampfes an, den die deutsche Zuckertndustrie mit derjenigen deS Auslandes führen muß. Es wird daher der Ausfuhrzuschuß für je 100 Kilogramm Rohzucker und raffinirten Zucker aus 4 Mk., für Kandis-Zucker in Platten, Stangen u. s. w. auf 5,25 Mk., für allen übrigen Zucker mit mindestens 98% Zuckergehalt aus 4,60 Mk. pro 100 Kgr. festgesetzt. Dem BundeSrathe wird die Befugniß ertheilt, diese Zuschüffe zu ermäßigen oder ganz aufzuheben, sobald andere Länder in gleicher Weise vorgehen. E>n derartiger BundeSrathSbeschluß muß aber dem Reichslage vorgelegt werden, und ist auf deffen Verlangen aufzuheben. Ferner spricht die Vorlage die Contingenrirung der Zuckerproduction, sowie die Einsührung einer Betriebsabgabe zum besonderen Schutze der kleineren Betriebe auS. Letztere soll für inner- halb eines BetriebSjahreS abgesertigte Mengen Zucker bis 500,000 Kgr. 5 Pfg., bis 1 Million Kgr. 10 Pfg., und so fort von 500,000 zu 500,000 Kgr. um stets 5 Pfg. steigend, pro 100 Kgr. Rohzucker betragen. Der Eingangszoll für festen und flüssigen Zucker wird auf 45 Mk. für 100 Kgr. festgesetzt, bte Zucker steuer für je 100 Kgr. Nettogewicht von 18 Mk. auf 24 Mk. erhöht. In der Beurtheilung dieser neuen Bestimmungen scheinen jedoch die Zuckermduslriellen selber noch nicht einig zu sein, wie aus sich widersprechenden Aeußerungen auS diesen Kreisen hervorgeht.

In Berliner Börsenblättern war daS Gerücht verbreitet worden, daß ein Mitglied des preußischen Staatsministeriums seine Demission eiugereicht habe. Vermuthlich handelt es sich aber nur um eine bloße Combination, hervorgerufen durch die Crisengerüchte der jüngsten Zeil.____________________________________________________

Zleuefie Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau.

Leipzig, 26. November. Für die von dem deutschen Patriotenbunde zur Errichtung eines Völkerschlacht- Denkmals bet Leipzig ausgeschriebene Vorconcurrenz find 33 Projekte eingegangen. Den 1. Preis von 2000 Mk. erhielt Architect Carl Doflein in Berlin, den 2. Preis von 1800 Mk. Architect Bruno Schäbe in Eharlottenburg, den 3. Preis von 1200 Mk. erhielten Architect Ludwig Engel und Bildhauer E. Wer eck.

Petersburg, 26. November. Im großen Palais von ZarSkoje Sselo fand heute die Taufe der Großfürstin Olga statt. Der Feier wohnten die beiden Parhen, Kaiserin Maria und Großfürst Wladimir, sowie andere Mit- glieder des Kaiserhauses bei. Dem Ceremoniell gemäß nahm der Kaiser an der Procesfion zur Kirche Theil, verließ sie aber vor der Taushandlung. Nach dem Taufacte und ttanonensalut begaben sich der Kaiser und die Kaiserfamilte mit dem Täufling in das Alexanderpalais. DaS Palais und die Stadt hat geflaggt- Abends findet Illumination statt.

Konstantinopel, 26. November. Meldung des Bureau Reuter. D'e Armenier schätzen den Sachschaden, den fie in Anatolien erlitten, auf zehn Millionen türkische Pfund, den Menschenverlust auf 40,000 Personen. Noch in Aleppo eingegangenen M sfionSberickten find bei den Metzeleien in Mara sch am 19. November viele Hundert getöütet und die Schulgebäude niedergebrannt worden.

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Berlin, 26. November. Der Kaiser trifft am 2. De­cember in Breslau ein, um der von dem dortigen Leib- Kürassier-Regiment veranstalteten Gedenkfeier des Tages von Loigny-Poupoy beizuwohnen.

Berlin, 26. November. DerVoff. Ztg." zufolge wird der Präsident deS ReichsverficherungSamteS Dr. Bödiker demnächst in eine gleichwertige hohe Stellung einrücken, die nicht dem Reichsamt deS Innern unterstellt ist. Als Nach­folger wird der vortragende Rath im ReichSawt des Innern, Woe dtke, genannt.

Berlin, 26. November. DieBerliner Corresp." erklärt die Blättermeldung über die Stellung des evangelischen Ober- kirchenrathS in einem gegen den Hofprediger a. D. Stöcker eingeleiteten D sciplinarverfahren, sowie die Betheiligung deS evangelischen OberkirchenrathS an einer zu Gunsten Stöckers in Umlauf befindlichen Petition für erfunden.

Berlin, 26. November. Wie dieBolkSztg." meldet, haben auch heute Haussuchungen stattgesunden und zwar bei Correspondenten auswärtiger Blätter.

Berlin, 26. November. Der Kronprinz und Prinz Eitel Frttz werden, wie dem Tageblatt auS Kiel gemeldet wird, bereits Mitte April in Plön eintreffen. Sie werden daS LusthauS im Schloßgarten bewohnen und die dortige Cadettenanstalt, nicht das Gymnasium besuchen.

Berlin, 26. November. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt heute in osficiösem Ton: Der Hamburgisch: Corre- spondent hat am 23. d. M. folgende telegraphische Meldung auS Konstantinopel veröffentlicht:Eine Erklärung deS deutschen Kaisers, daß er mit einer Demonstration der Flotte nicht sympatifire, ist in türkischen Streifen mit Dank ausgenommen worden. Der Sultan erklärte seinen Ministern, daß er die wahren Gefühle und die Freundschaft, die Deutsch­land für die'kei hege, zu schätzen wisse." WaS hier über eine angebliche E klärung des Kaisers berichtet wird, beruht nach unseren Informationen auf Erfindung.

Berlin, 26. November. Am 4. December wird daS LandeS-Oeconowie Collegium zur Berathung der Zucker­steuerfrage zusammentreten. Der Kaiser wird voraus­sichtlich an den Verhandlungen theilnebmen.

Berlin, 26. November. DieNordd. Allgem. Ztg." bestätigt, daß ReichS-Commiflar Dr. PeterS auf seinen Wunsch zur Disposition gestellt worden ist.

Herford, 26. November. DemHerforder Kreisblatt" zufolge tft das amtliche Wahlresultat bei ber Reichs­tagsersatzwahl folgendes: Weihe 6523, Quentin 3905, Hoff­mann (Soc.) 2384, zersplittert 445 Stimmen. Die Stich­wahl findet am 4. December statt.

Wien, 26. November. Nach den Meldungen, welche demNeuen Wiener Tageblatt" aus Konstantinopel zugehen, glaubt man in doriigen unterrichteten Kreisen, daß die eminenten Gefahren, von denen zu sprechen man in ber letzten Zeit berechtigt war, im Schwinden begriffen find. Der Sultan scheine eingesehen zu haben, daß er an keiner Macht eine Stütze finde und den guten Willen zu haben, die Wirren zu unterdrücken.

Rom, 26. November. Der Gesundheitszustand des Papstes hat sich verschlimmert. Die Heiserkeit hat zugenommen. Der Arzt hat deshalb dem Papst gerathen, das Zimmer zu hüten. Doch ertheilt derselbe seine Audienzen. Der Umstand, daß das Confistonum nur auf wenige Tage ausgesetzt ist, berechtigt zu der Annahme, daß sein Zustand kein besorgnißerregender ist.

Mailand, 26. November. Seit gestern herrscht in ganz Ober-Italien, besonders in Pimonte, ein fürchterliches Unwetter, welches bedeutende Verkehrsstörungen ver­ursachte.

Paris, 26. November. Der Bericht der Enquete-Com- misfion über die aufgelaufenen Panzerschiffe wird heute im Ministerrath geprüft werden. Der Ministerrath wird zugleich Beschluß fassen Über die gegen den Admiral Gervais zu ergreifenden Maßregeln.

London, 26. November. Der Dampfer Stearof, welcher am 24. April auS Calisornien nach England abfuhr, ist für verschollen erklärt worden. Die Besatzung betrug 21 Mann - die Ladung deS Schiffes bestand aus Kupfer.

Konstantinopel, 26. November. Die Pforte lehnte daS Ansuchen der Mächte, die Einfahrt eines zweiten Stationsschlffes zu gestatten, mit der Motivirung ab, daß diese Maßregel einen allgemeinen Ausstand der Musel­manen zur Folge haben könnte.

Konstantinopel, 26. November. Eine Deputation vornehmer Armenier wurde von Schakir Pascha, welcher eine Jnspectionsreise nach Klein-Asten macht, in Erzeru» empfangen. Die Deputation sprach ihr Bedauern darüber aus, daß Unruhen von den Revolutionären hervorgerufen worden seien und baten um weitere Maßregeln zum Schutze der Armenier.

Rewyork, 26. November. In einer hiesigen Pulver­fabrik fand eine heftige Explosion statt und zwar