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str. 279 Erstes Blatt. Mittwoch den 27. November 1893
Der chlehevr Anzeiger ttschkwt täglich, mit Ausnahme bei Montag».
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Ventfche- »eich.
Darmstadt, 25. November. Zur Feier des DoppelfesteS >t0 Geburtstages deS GrohherzogS und der Großherzogin fand heute Vormittag ein FestgotteSdienst statt unb am Nachmittag tm Saalbau ein Festessen, bei welchem der Staatsminister Finger einen begeistert aufgenommenen Toast auf das Großherzogliche Paar ausbrachte. In der Festvorstellung im Hof heater wurde zum ersten Male «rebnizeckeS „Donna Diana" ausgeführt.
Berlin, 20. November. Die in den letzten Tagen hier stattgehabten Sitzungen des deutschen Tabakvereins haben den erfreulichsten Erfolg gehabt. Die Zahl der Anwesenden war eine sehr große und dabei waren alle Gegenden Deutsch ;cmb6 vertreten. In Ehrung der Verdienste des Vorstandes wurde bei dem Festessen am Sonntag im Savoy Hotel dem Vorsitzenden, Herrn Eommerzienrath Collenbusch Vre-den), eine von 1220 Firmen aus dem deutschen Tabakgewerbe unterzeichnete künstlerisch-schöne Dankadresse sür die „selbstlose, umsichtige, versöhnende und erfolgreiche Leitung deS Kampfes gegen die Steuergefahr 1893—1895 kderreicht. Der Einband der Adresie stellte sich als ein tvahreS Prachtstück an Lederwaarenarbeit aus HulbeS (Hamburg) Hand dar. Der Vorsitzende dankte bewegt und wälzte die Ehrung auf den Verein und fein musterhaftes, ein« wüthiges Verhalten ab, welchem allein Alles zu verdanken fri. In Erledigung der Tagesordnung der drei Tage hin- durch fortgesetzten Beratungen wurde zunächst daS Regulativ, betreffend die AuSfuhrvergütunq für Tabak, einer Durchsicht unterzogen und ein Ausschuß mit AbänberungS- Vorschlägen zur Ausmerzung einiger Ungleichheiten und Un- aerechtigkeit n unter dem Vorsitz des Herrn Commerzien- rath Biermaun (Bremen) betraut. Sodann wurde zu dem Gesetzentwurf, betreffend den unlauteren Wettbewerb Stellung genommen. Unter Zugrundelegung der tzon Herrn SyndicuS Schloßmacher (Offenbach a. M.) schon in der Generalversammlung zu Dresden vorgeschlagenen fünf Erklärungen für die Be chlvßsaffung stellte sich der Verein im Allgemeinen aus den Boden des GefetzentwurfeS, wobei indeffen zu 8 3 der Vorlage die Unausführbarkeit rdner etwaigen Vorschrift deS Verkaufs von Rauch, Kau- «nd Schnupftabak in bestimmten Mengeneinhelten eingehend
nachgewiesen wurde. Zu den Abänderungsvorschlägen, betreffend die ConcurSordnung, nahm der Verein den Vorschlägen deS Berichterstatters SyndicuS Schloßmacher (Offenbach a. M.) entsprechend Stellung mit Ausnahme eines Punktes, in welchem sich die Versammlung, allerdings mit einer nicht großen Mehrheit, dem Anträge deS Herrn Corn« merzienrath Schmidt (Altenburg) entsprechend dafür aussprach, daß neben der Zahlungsunfähigkeit auch eine bilanzmäßige Ueberschuldung bis zu 331/, pCt. zum Kriterium der ConcurSanmeldung gemacht werden solle. In Anwesen heil dreier Räthe deS Kaiserlichen Patentamtes wurde in besonderer, fast dreistündiger Sitzung die Frage der Gleich- artigkeit der verschiedenen Arten von Tabakfabrikaten für die Handhabung des W a a r e n b e z e i ch n u n g S - Gesetzes erörtert und schließlich beschloffen, an dem Gleich- artigkeitSstandpunkte festzuhalten, so daß also ein für C'garren geschütztes Zeichen auch für Rauch-, Kau-, Schnupftabak usw. geschützt ist und umgekehrt, wie auch ein für eine Fabrikat- forte anerkannte- Freizeichen als Freizeichen für die übrigen Arten von Tabakfabrikaten zu gelten bat.
neuefte Nachrichten.
Wolff« telegr«phifcheS Correfponden,-Bureau.
Berlin, 25. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." warnt vor einem geschäftsmäßigen Fabrikanten dreister Sensationsnachrichten, der vor einigen Jahren in der „Saale-Zeitung" und in der Pariser Ausgabe des „Newhor. Herald" unverschämte Lügen abgelagert habe und vermuthiich auch neuerdings da« Vertrauen der „Saale 8-itnno mißbrauchte, indem er fälschlich vorgibt, über angeblich am 22. d. Mts. beim Auswärtigen Amte eingegangene Berichte Bescheid zu wissen - er verdächtigte ferner das Militärcabinet, eS habe Nachrichten über die Militärstrafproceßorbnung in die Presse lancirt. — Demselben Blatte zufolge tr'fft es nicht zu, daß die Vorlage für die Organisation deS Handwerks in der Ausarbeitung begriffen, jedoch wegen deS Umfanges des Materials aus den letzten Erhebungen der Zeitpunkt deS Abschlusses noch nicht zu übersehen ist. , .
Berlin, 25. November. Der große Berliner Hafen am Urban itt henke in Anwesenheit deS Ministers Thielen feierlich eröffnet worden.
und bei welchem auch ernste Leute ihre Rechnung staden können. In einer Woche viermal gegeben — daS will schon etwas heißen!
Nach den Erfahrungen, die Sudermann in vergangenem Herbst mit seiner „SchmetterlingSschlacht" in Berlin gemacht, konnte eS ihn nicht reizen, seine neueste Arbeit abermals dem ZerstörungSgelüft eines radaugeschulten Premiüren- Publikums auSzusetzeu, er ging damit nach Wien, Hamburg und Frankfurt. Berlin, die Thraterstadl par excellence, hat also in diesem Falle nicht daS Prevenire spielen können. ES wäre wünschenSwerth, daß andere Literaten dem Beispiel deS Autors der „Ehre" folgten, denn der Terrorismus, der seither von Berlin in Sachen der Bühnenlileratur auSgeübt wurde, ist dem deutschen Drama nicht zum Heil gediehen. Künstlerisch kann die Bühne zu Frankfurt für ein Stück genau fo viel thuu wie irgend ein Berliner Theater. Gerade am „Glück im Winkel" läßt sich dies beweisen. Alle mitwirkenden Künstler waren mit ein- einander im engen Contact, ganz und gar auf die Gefühls- und Gedankenwerthe deS Dramas gestimmt. Frl. Doch, die uns in manchem Zuge, besonders in der Behandlung des sonoren Organs, au Frl. Frank erinnert, gab die „Elisabeth" mit jener festen Würde und diScreten Zurückhaltung, die uns sofort sagt, daß die Frau deS RectorS Wiedemann weiß, was fie sich und Andern schuldig ist. Den Rector selbst, der zu jenen Menschen gehört, die eS als ein Wunder anstaunen, wenn sich daS Glück auf einmal in ihrem Winkel häuslich niederläßt, hatte Herr Bauer zu spielen, und die Anpassung wurde ihm nicht schwer. AlS schneidiger Baron v. Röcknitz brauchte Herr Barthel nur aus der Fülle seines sprudelnden Temperaments zu schöpfen. Die blinde Tochter Helene des Frl. Gieseke war eine vorzügliche Wirklichkeitsstudie.
Frl. Landori fand sür die vernachlässigte und sich ganz in sich zurückziehende Frau des BaronS die rechten Töne.
Der Kreisschulinspector deS Herrn Her mann orientirte uns im Eingänge sofort über das Milten, daS durch die geschickte Besetzung in jeder noch so kleinen Partie characterlsirt wurde. ___________
daß eS ihr Vergnügen macke, nach Deutschland zu gehen, | und sie konnte auch im Voraus davon überzeugt sein, daß wir eine so liebenswürdige Vertreterin des „Erbfeindes" mit allen Ehren empfangen würden. In Frankfurt kann die Judic mit ihren Erfolgen recht zufrieden fein- sie hat ihr Gastspiel noch um einen Abeud verlängern müssen, die Hörer haben ihr lebhaft applaudirt und die Presse hat fie mit Courtoifie behandelt, — eß war somit auf beiden Seiten Alles in schönster Ordnung!
Der preußische Buß- und Bettag ließ den Cacilien- V e re in mit einer exact vorbereiteten Aufführung deS MendelS- sohn'schen „Paulus" hervortreten, desjenigen Werkes, daS in der Musikgeschichte unmittelbar neben die Oratorien Bachs tritt und gerade auch auf den modernen Hörer von nachhaltiger Wirkung ist.
Das Concert,in welchem Herr Carl Meyer (Schwerin) den „Paulus" mit schöner und ausdrucksvoller Stimme fang, hatte noch den Vorzug, daß es wiederum eine Brücke zwischen Herrn Naval und dem Frankfurter Publikum schlug, daS diesen noblen Sänger noch nicht verschmerzt hat. Daß Herr Naval nickt bloß ein mit einigen hohen Tönen prunkender Theatertenor ist, sondern in Stimme und Vortrag ausgezeichnet für den Concertsaal paßt, konnte er gerade in der Tenorpartie des Mendelssohn'ichen Oratoriums beweisen.
Frankfurt a. M. ist um ein schönes Ehrendenkmal reicher geworden, und das Frie dr ich-St o ltze-Mo nv- ment, das den Hühnerwarkt schmückt, gilt überdies dem Andenken eines Mannes, den nicht ein äußerer Zufall, sondern eine innere Zusammengehörigkeit mit Frankfurt ver- bunden hat. Die locale Bedeutung deS Herausgebers der „Laterne", der in feinen Gedichten und Humoresken die clasfische Verkörperung Altfrankfurter Lebens geschaffen, wird zu einer allgemeinmenschlichen, wenn man Friedrich Stoltze als politischen Satiriker und Anwalt einer freiheit- l chen Entwickelung unseres Volkslebens ouffaßt. In den Reden und Ansprachen, die bei der Denkmalsfeier aus berufenem Munde fielen, wurden denn auch stets die beiden Seiten des CharacterS hervorgehoben.
Sudermanns „Glück im Winkel" ist wieder einmal I ein Stück, zu dem die Theaterdirectoren fich gratuliren
Berlin, 25. November. Der geschäftsführende Ausschuß deSVerbandeS deutscher Berufsgenossenschafte« ersucht unS, Folgendes mitzutheilen: „Der geschäftsführende Ausschuß deutscher Berufsgenossenschaften beschäftigte sich M einer gestrigen Sitzung unter Anderem mit der Frage der Vereinfachung der Ar b ei ter v e r si ch er u n g s-G e setze. Die Mehrheit war der Ansicht, daß die BerufSgenossenfchafte« keine Veranlassung haben, eine Veränderung ihres Bestandes bezw. ihrer Organisation zu wünschen. Sollte dagegen t» allgemeinen Interesse eine Vereinfachung und Zusammenlegung der Arbeiter-Verficherung nüthig erscheinen, so seien die Berufsgenossenschaften berufen und befähigt, an der Durch- führung der hieraus erwachsenden Aufgaben mitzuwirken. In diesem Sinne steht der Ausschuß den Vorschlägen bei Präsidenten Bödiker sympathisch gegenüber, glaubt jedoch, die Begutachtung im Einzelnen aussetzen zu sollen, bis die Berufs« genossenschaften Gelegenheit zur Meinungsäußerung gehabt haben." ,
Dortmund, 25. November. Zur Gründung einer Altersversorgungsanstalt haben die Stadtverordneten 50000 Mark bewilligt.
Dresden, 25. November. Der König ist wegen eines leichten Unwohlseins genöthigt, die sür morgen beabsichtigte Reise nach Leipzig aufzugeben.
Triest, 25. November. Das Begräbniß des auf der Heimreise hier verstorbenen Matrosen Nagel von der Besatzung des in Ostasien ftationirten deutschen Kreuzers „Cor- woran" fand mit großen militärischen Ehren unter Theilnahme des Commandanten der Militärstation, Admiral Minut^llo und des Platzcommandanten, vieler Osfiziere, des deutschen GeneralconsulS und ViceconsulS, sowie der deutschen Colouie
t Bonbon, 25. November. Amtlich wird bestätigt, daß Prinz Heinrich von Battenberg an der Expedition gegen die A'chantiS theilnehmen wird.
Baku, 25. November. Eine aus zehn Personen bestehende Falschmünzerbände, die 10- und 100 Rubelscheine fabrteirte, ist aufgehoben. Die falschen 100-Rubelscheine tragen die Nummer 58 442, die 10-Rubelsckeine die Nummer 294 509. Biele täuschend nachgeshmte Falfificate sollen inS Ausland gelangt sein, eine große Anzahl wurde noch im Verbrecherort vorgesunden.
Feuilleton.
.frankfurter Dries.
(Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.)
LaMviel der Madame Anne Juble. «enterte. Etoltze-Feier. Die Wiederholungen vom „Glück im Winkel".
Dr M DaS Stück Frankreich, das wir in diesen Tagen abwechselnd'auf der Bühne des Schauspielhauses und der ber Over zu Gast gebeten hatten, erwies sich in genauer Jeber- einstimmung mit den Erwartungen, welche wir ihm entgegen- brachten. Daö war der Geist des frischen, pikanten Vaudevilles, daS eigentlich nur in Paris und im engsten Umkreis 2on Baris gedeiht, und Madame Anne Judic ist noch immer die entzückendste Interpretin dieses Genres, denn sie besitzt Charme", und dieser Eigenschaft können die Kalenderjahre an oben. Sie mag noch hübscher und appeUtl.cher auSgesehen haben, als der Duft der Jugend auf ihren Wangen lOfl — das ist gewiß, aber ebenso gewiß ist auch, daßdie Grazie und decente Nonchalance ihres Spiels, die herüber ,lle Gewagtheiten hinweggleitet, den Gedanken an Altern anb vollends an Vergehen im Zuschauer gar nicht aufkommen li6t Di- Ov-r-ti-n, in w-lch-n di- Judic und ihr- G-s-ll- Mitt -ms-rat, lohnen ni*t di- Müh-, d°b man eint -rnst- «ri it darüb-r i-hr-ibi- fi- sind nur --was -m Ramp-niicht, Lurch di- Darstellung und nur auf di- flllch-ige Dauer d-s Dd-at-rab-udS. Wan hat di- Gattung, «eich-r „8tii und 9Mnid>e" ang-hör-u, auch nach D-michiand pflanzen wcllen, der Versuch ist triste genug ausgefallen! Wir tragen, «ffen gesagt, auch gar kein Verlangen darnach, die Sachen, in welchen Madame Judic sich den Frankfurtern präsentirte, £ der U-b-ri-tzung zu g-ni-b-u. Ihr Esprit schemt unauf. ««(ii mit dem Pariser Idiom p-rknüpst zu [ein. Madam- ^u ic gehört zu den fiünftlerinnen, welche die Welt d-s Theaters "nicht mit der Welt der Politik vermengen. Es uenirt fie nicht im Mindesten, fich vor einem deutschen «ublikum zu verneigen und sich von diesem h-rauSrusen zu «affen Sie hat fich zu den Interviewern dahin ausgesprochen,


