Umstellungen in der Reihenfolge den E.folg wohl noch erhöbt hätten. Herr Leopold Geller, der derzeitige Dirigenr deS Quartetts, hat sich um dasselbe im Speciellen und um den Männergesang im Allgemeinen verdient gemacht- er hat Geschmack, weiß was er will und ist ein würdiger Nachfolger deS unvergeßlichen Kronbauer. Auch der pecuniäre Erfolg, der ja, wie bekannt, unverkürzt unbemittelten Badebedürftigen zu Gute kommt, war trotz des mehr als bescheidenen Eintrittsgeldes ein recht erfreulicher. Ein verhältnißmäßig namhafter Betrag kann dem edlen Zwecke zugeführt werden. Ist eS nicht unbescheiden, wenn wir bei solchem schönen Gelingen den Herren Sängern den Vorschlag machen, dasselbe Programm hier in Gießen für den Tonhallenfond zu wiederholen ?
** Neue« Theater. Unter Direktion der Herrn Löon Saliz wurde gestern Abend den Theaterbesuchern ein Sensattonsdrama „Der Irre von Maria berg" geboten, welches, wie wir von vornherein eingestehen müssen, daß Jnteresie während re8 ganzen Abends festzuhalten wußte. DaS Drama, das sich in seiner Bearbeitung genau an die Prozeßacten des in jüngster Zeit sich abgespielten Mellage« Prozesses hält, bietet ein ergreifendes wahrheitsgetreues Bild des ganzen Vorkommnisses. In mächtig wirkenden, frei aller TheaterkUnstelei vorgeführten Sccnen erhält man eine lebendige Darstellung jener an das Tageslicht gekommenen „Anstalts" Enthüllungen, welche unglaublich erscheinen, wären sie nicht durch die gerichtliche Untersuchung als wahr erwiesen worden. Die Darstellung deS Stückes war eine tadellose, sämmtliche Mttwirkende zeigten gutes schauspielerisches Können, verbunden mit der nöthigeu Routine. — Auf die heute Abend stattfindende letzte Vorstellung sei hiermit aufmerksam gemacht.
* • Plötzlicher Tod. Ein junger Bureaubeamter wurde heute Morgen vor der Thür seines Zimmers tobt aufgefunden. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Derselbe hinterläßt Frau mit einem Kind.
• • Vom Griesheimer Lager. Zur Aufnahme der Mannschaften des in dieser Woche ankommenden Infanterieregiments Nr. 116 (Kaiser Wilhelm) find schon nahezu 100 kegel- förmige Zelte, deren jedes zehn Mann faßt, theils südlich der Lagerstraße, theils nördlich derselben zwischen den großen Zeltbaracken aufgeschlagen worden.
•*VA. Wer kauu Altersrente beanspruchen k Derjenige, welcher 70 Jahre alt ist und nachweisen kann, daß er 1) in den Jahren 1888, 89 und 90 zusammen in mindestens 141 Wochen Lohnarbeit verrichtet hat- und 2) die gesetzliche Wartezeit vom 1. Januar 1891 ab erfüllt hat. — Nur wer diese Voraussetzungen alle erfüllt, hat Recht auf Altersrente. Andere Rücksichten, wie z. B. ob der Betreffende in früheren Jahren ein fleißiger Arbeiter war, ob er bedürftig oder würdig ist, dürfen gar nicht in Betracht kommen. Zu 1): Den Beschäftigungswochen werden gleichgerechnet Krankheitszeiten, ferner bei den Arbeitern, welche in einem festen Arbeitsoerhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen, die Unterbrechungen dieser Arbeit bis zom Höchstöetrag von 4 Monaten jährlich. Dies ist von Wichtigkeit für Maurer, Steinhauer, Ziegler u. dgl. Dies gilt aber nur für die Jahre 1888, 89 und 90. Das ArbeitSverhältniß muß ein solches sein, welches das Gesetz als versicherungßpflichtig anfieht. Zu 2): Die Wartezeit richtet sich nach dem Geburtstag und beträgt für jedes Jahr vom 1. Januar 1891 ab 47 Wochen, so daß z. B. Jemand, der am 1. Januar 1895 70 Jahre alt geworden ist, 4 x 47 — 188 Wochen Beitragszeit nachweisen muß. Die Wartezeit wird nachgewiesen durch die Marken in den Quittungs- karten. Dem stehen gleich die Zeiten vorübergehender Krankheit und die Zeiten rnttitärischer Dienstleistungen. Die Marken müssen regelmäßig auf Grund der Versicherungspflicht ver
wendet fein, doch g ltrn auch Marken, welche zur Fortsetzung der Versicherung freiwillig für Arbeitspausen verklebt werden. Diese Arbeitspausen gelten hier nicht mehr, wie oben unter 1), kurzer Hand als Beitragszeit, sondern können nur nach Verwendung der entsprechenden Marken angerechnet werden. Für solche Pausen können die Marken nicht mehr nachträglich giltig verwendet werden, wenn das 70. Jahr überschritten ist, oder wenn das ArbeitSverhältniß wieder ausgenommen ist und Marken dafür verwendet find. Wenn Jemand ferner sein ArbeitSverhältniß ganz aufgiebt, so kann er noch fortfahren, Doppelmarken freiwillig zu verwenden- sobald er ober dauernd erwerbsunfähig geworden ist, kann er eS nicht mehr- alsdann muß er Invalidenrente verlangen. ES stellt fich bei den Rentenanträgen immer mehr heraus, welchen Nachtheil diejenigen Arbeiter haben, welche fich nicht rechtzeitig die Nachwetse für ihre Beschäftigungen in 1888—90 verschafft haben. ES ist oft unmöglich jetzt noch Bestimmtes darüber festzustellen. Ebenso ist eS bei Denjenigen, welche anS Gleichgiltigkeit fich seit Jahren nicht um ihre Versicherung gekümmert haben. Die Behandlung der Anträge hat seither vielfach darauf Rücksicht genommen, daß daS Gesetz sich so langsam eingebürgert hat, daS wird mit der Zeit immer weniger geschehen, da jeder Arbeiter weiß, daß für seine Beschäftigung Marken verwendet werden müffen. ____________
§ Bellersheim, 23. August. Bei der heute dahier stattgefundenen Gemeinderathswahl wurden wiedergewählt: Joh. Gg. Hahn, Gaftwirth, mit 71 Stimmen, Ludwig Müller III., Schreinermeister, mit 68 Stimmen, neugewählt Wilhelm Bopp IV., Landwirth, mit 38 Stimmen.
M. 0. Ober-Mockstadt, 25. August. Der Zwiebel- Ha ndel beginnt lebhaft zu werden. Alltäglich kommen Fuhrwerke nach Dauernheim, Leidhecken, Stammheim, Ober» und Nieder - Mockstadt, kaufen Posten von 9 bis 12 Centner auf und fahren mit diesen Quantitäten auf den Hausirhandel. Man bezahlt den Centner mit 2 Mk. 50 bis 3 Mk. auf dem Acker und erzielt im Kleinhandel 5 bis 6 Mk. Die Kleinhändler kommen sogar aus der Gegend von Gießen und Grünberg- sie liefern die Zwiebel bis Alsfeld und Fulda. Auch aus unserer Gegend wird eifrig Kleinhandel mit Zwiebeln getrieben, doch richtet fich dieser mehr nach Hanau und Frankfurt. Die 1895t Zwiebel zeichnet sich durch guten Geschmack und Aroma aus. Auch bei der Zwiebel giebt eS große Unterschieden in den Eigenschaften, je nach den Jahrgängen. Die Zwiebelbauern machen in diesem Jahre wieder beffere Geschäfte als die Rübenbauern und wollen ihre Specialcultur, für die fich Boden und Klima sehr gut eignen, durch andere (Kulturen nicht ersetzen lassen, wie gelegentlich schon Versuche gemacht worden sind.
§? Hattenrod, 24. August. Hier sand gestern die regelmäßige Ergänzungswahl des Gemeinderaths statt, wobei wiedergewählt wurden, Konrad Pfeiffer mit 35 Stimmen, Karl Neeb mit 33 Stimmen. Neu gewählt wurde Förster Friedrich Stein II. mit 32 Stimmen.
Vermischte-.
• * Kaiserslautern, 21. August. Eine interessante Wette um 300 Mark wurde dieser Tage zwischen einem hiesigen und auswärtigen Radfahrer abgeschlossen. Der fremde Radfahrer will nämlich eine Strecke von 320 Kilometern in einer Tour fahren, ohne vom Rade abzusteigen. Als Fahrtour hat sich derselbe die Strecke von St. Ingbert bis Nürnberg gewähr. Diese Wette kann der wagemuthige junge Mann sehr leicht verlieren.
♦ Hohe Würde. Daß er wenigstens „Zeitgenosse" sei, damit hat sich schon Mancher trösten müssen, der sich nach
einem Stand umschaute. Auf einen neuen Titel ist, wie der „Figaro" mittheilt, ein Pariser gekommen. Seine Visitenkarten zeigen die Aufschrift: „Jouardain, Mitinhaber dcS allgemeinen Stimmrechts."
• Fluch. Börsianer (zu einem Geschäftsfreund, mit dem er in Streit geraden): „Kassier sollst Du werden und befraubiren unb flüchten müffen auf einer Secundärbahn!"
• Au8 der Kaserne. Unteroffizier (zu den soeben ein» gekleideten Rekruten): „So, ihr Kerls, jetzt seid ihr 'mal der traurigen CivUkleibung los. Na — ich gebe euch jetzt zehn Minuten Pause, damit ihr euren Stolz auStoben lassen könnt."
* Kleines Mihverständnitz. „Was kostet es, wenn ich unseren Jungen photographieren laffe?" „Sechs Mark, gnädige Frau — im Dutzend aber ist eS bedeutend billiger!" „Ein Dutzend?! . . . Nein, so lange möchten wir doch nicht warten!"
• Auch ein Racheact. Ein Berliner Uhrmacherleb^l ng hatte sich mit seinem Lehrherrn veruneinigt und verließ dess-n Geschäft. Von einem panischen Schrecken wurde nun oer Prinzipal in der folgenden Nacht ergriffen, als in dem Laden ein wahrer Höllenlärm loSging. Auch auf der Straße blieben die Paffanten unb Schutzleute stehen. Wie sich herausstellte, waren mehrere Dutzend Wecker auf ein Uhr gestellt und hatten um diese Zeit prompt ihre Thätigkeit begonnen. Der Vorfall wurde von allen Seiten herzlich belacht.
v«r-h-, Land- «nd l'oir.tvirtbfdiaft.
Grünberg, 24. August. Fruchtpreise. Weiten X 14,00, Korn X 13,76, Gerste X 12,50, Hafer X 11,78, Erbsen X 00,00, Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 4,50, Samen X 19,60.
Auf der JubilLnm» - AnSyellnng der Kaiserlichen Landwirihschaftliche« Gesellschaft zu Moskau haben ersreu- ltcher Weise deutsche Erzeugnifie gegenüber den ausländischen wiederum erhebliche Siege zu verzeichnen. — Es erhielten nämlich: für Petroleum-Motoren: Gebr. Körting in KSrtiNgSdorf bei Hannover die Goldene Medaille, Gasmotorenfabrik Deutz, Deutz bei (Köln die silberne Medaille, Swiftersky in Leipzig, ebenfalls die silberne Medaille, für eine Naphta-Locomobilr die GaSmotoren- fabrik Deutz die broneene Medaille.
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rtr~ran3na
Thermometer: min. 4- 81 R., max. 4-17° R. Hygrometer: Feucht.
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am 26. August Mittags 12 Uhr (Wetterhäuschen^ in der Südanlage).
Barometerstand.
Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeffen am 26. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag». Wasser 16«/»°, Luft 15° im Schatten.
Rübf amen'fche Bade- und Schwimmanstalt.
, - - r- 'v-i. ■ iS g jeder Art. loroie
S Mg ÄMöiU3flt2u- «elveto liefern - irret an Pri-
®CSB B BM B B vale. Man schreibe um Muster ™ WB ■ B unter Angabe deS Gewünschten, von Elten & Keusssn, Seidenwaaren-Fabrik, Crefelti.
Buhe für 2 Pfennige erhält man vor Fliegen, Schnatrn, Flöhen usw. durch „Dalma". Für 2 Pfennige davon tobtet alle Fliegen ufw. eines Zimmers, der Küche oder Stallung in 3 Minuten unter Garantie. Für Menschen und Hausthiere unschädlich. Glas 30 u. 50 Pfg., dazu gehöriger Patentbeutel 15 Psg. In allen Apotheken auf Lager. In Gießen in der Hirschapofhek». 5664
Vergebung von Brunnenmacher-Arbeit
Die zur Herstellung eines Brunnens in der Forstwarthosraithe zu Weickarts- Hain ersorderl. Brunnenmacherarbeit soll im Wege öffentlichen Angebots verdungen werden.
Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Büreau, sowie bei Großh. Straßen- bauamt Grünberg zur Einsicht offen und können auch letztere, mit Vordruck zu dem bezügl. Angebotsoermerk versehen, an beiden Stellen zum Selbstkostenpreis bezogen werden.
Angebote sind längstens bis zum 11. September d. I., Vormittags 11 Uhr, mit entsprechender Aufschrift versehen, verschloffen und portofrei an unterzeichnete Behörde abzugeben.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 24. August 1895. Großherzogliches Hochbauamt Gießen. __Reuttng.______7126
Versteigerung.
Dienstag de« 27. August 5. A., Nachmittags 3 Uhr, versteigere ich im »Adler^ (Markt- Platz 20) dahier gegen Baarzahlung:
40 buchene Bohlen, 125 wollene Westen, 16 Bettvorlagen. 12 Bettkolter, 2 Regulatoren, Porzellan- und Glaswaaren, Glaser-Handwerkszeug, 1 Eisschrank, 1 Sopha, 3 Commoden, 1 Küchenschrank, 4 Stühle, 1 Spiegel urb 1 Zimmerteppich
7139 Bor«, Gerichtsvollzieher.
Verband Deutscher Handlungsgehilfen
(Kreisverein Giessen).
Mittwoch den 28. d. M., Abends 9 Uhr, fim Restaurant
„Postk-ll-r": Generalversammlung.
Tagesordnung: Vorstands Ersatzwahl.
Um gefl. zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet
7138 Der Vertrauensmann: C. Herber.
Versteigerung.
Mittwoch den 28. «ugust l. I., Nachmittags 2 Ubr, versteigere ich im Bieter'schen Saale dahier — Neustadt 55 — meistbietend gegen Baarzahlung:
1 Verticow, 2 viereckige Tische, eine Partie Filzhüte von verschiedener Art, 2 Nähmaschinen. 1 Büchergestell, 1 Sessel, 14 Bilder, 1 Sopha, eine Commode, 1 Secretär, 2 Regulateure, 1 Kleiderschrank, v goldene Damenuhren, 1 großes Oelbild, 1 GlaS- schrank mehrere Biergläser, 6 eiserne Schwellen, 4 Buchevstämme.
Gießen, am 26. August 1895.
7142 Goutrum,
GerichtSvollzieher-AspiraiU.
SM. Schlachthaus.
Freibank. [7131 Heute und morgen:
8chwemefleffch nicht ladenrein, pr. Pfd. 50 Pfg. Mirthschast oder Photograph.
6095] In der Licherstratze steht ein Anwesen, Wohnhaus, in welchem Wirtschaft betrieben wurde, Hinterhaus, Hausgärtchen re., zu ausnahmsweise günstigen Bedingungen zum Verkauf.
Auskunft ertbeilt
A. Buxbaum, Sensal, Marburg.
Generalversammlung
Dienstag den 27. d. M., Abends 8V- Uhr,
*■ im Vereinslocal. Ä
Tagesordnung: Sedanfest. 7130
Helene
7141
Gießen, den 25. August 1895.
nach kurzem, schweren Leiden, im Alter von 5 Jahren sanft dem Herrn entschlafen ist.
Die tieftrauernde Familie
<*eorg laih, Neuenweg 20.
Todes-Anzeige.
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten theilen wir betrübt mit, daß heute Morgen um V26 Uhr unser liebes Kind
Danksagung.
Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, welche meinen lieben Mann zur letzten Ruhestätte begleiteten, spreche ich auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank aus, insbesondere Herrn Pfarrer Grein für die schöne, trostreiche Grabrede. Herzlichsten Dank für die überaus schöne Blumenspende.
Anna Bröckel, geb. Nassauer, 7136___________________im Namen der Hinterbliebenen._______
Für die zahlreichen Beweise herzlicher Theilnahme bei der Beerdlgung unserer unvergeßlichen, lieben Mutter, Großmutter und Urgroßmutter.
Fra» Kchame Fisch« Witta
sagen innigen Dank
Die trauernden HinterbNedenen.
Lich, am 24. August 1895.


