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Der y<|t*er Anzeiger ' erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».
Die Gießener Z»mtlie«VtL1ter werden dem Anzeiger Wdchentlich dreimal beigelegt.
Erstes Blatt. Samstag de» 27. Juli
Gießener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
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Vierteljähriger Avonnementsprci«: 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
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Hralisöeikage: Gießener Jamitienötätter
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgmden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Alle AnnonceN'Bureaux deS In- und Auslandes nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Theil.
Hausen, am 24. Juli 1895.
Setreffend: Das Jahresfest des Gießener Zweigvereins der Gustav - Adolf * Stiftung.
Der Vorstand des Gießener Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stiftung
an die evangelischen Gemeinden und deren Geistliche im Deeanate Gießen.
Es ist beschloffen worden, rubr. Jahresfeft nicht wie Anfangs beabsichtigt war, in Alten-Buseck, sondern dahier in Hansen, am 4. August, zu feiern. Die Festpredigt Hot Herr Stadtpfarrer Gyot in Darmstadt gütigst übernommen. Zu dem um 2^2 Uhr beginnenden Festgottesdienst, in welchem nach der Predigt Herr Professor Stamm den Jahresbericht erstatten wird, laden wir die Gemeinden, die zum Gießener Zweigverein gehören, mit ihren Geistlichen hiermit freundlichst ein. Der Vorstand bittet um zahlreiche Betheiligung an der Festfeier. Die Herren Geistlichen werden ccgebenst ersucht, ihre Gemeinden nächsten Sonntag von der Kanzel noch besonders einzuladen.
Wahl.
Neueste
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 25. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ergebnisse des Reichshaushalts im EtatSjahre 1894/95; danach ergaben die ordentlichen Einnahmen, soweit fie dem Reiche verbleiben, gegenüber dem Etat ein Mehr von 7,092,374 Mk.- hierzu kommt bei den Ausgaben eine Ersparniß von 79,858 Mk., was einen Gesammtüberschuß von 7,172,233 Mk. ergibt.
Münster i. W., 24. Juli. Die Stadtverordneten-Ver- sammlung lehnte mit 16 gegen 8 Stimmen den Antrag des westfälischen Bauernvereins ab, demzufolge ein Standbild des Freiherrn v. Schorlemer-Alst auf dem hiesigen Domplatze auf Kosten des Vereins Aufstellung finden sollte.
Mylaud, 25. Juli. Seine Majestät der Kaiser unter- oahm gestern einen Spaziergang nach einem etwa eine deutsche Meile entfernten Aussichtspunkt, wo ein Piknik stattfand. Abends versammelten sich um die „Hohenzollern" zahlreiche Dampfer, Segelboote, Ruderkähne und Prahme, mit Menschen überfüllt, welche der Musik zuhörten. Heute Morgen wurde Wettrudern zwischen den Booten der „Hohenzollern" und der „Gefion" veranstaltet. Heute Abend 7 Uhr geht die Rückreise bittet nach Saßnitz, wo die Ankunft SamStag Mittag erfolgen soll.
Madrid, 24. Juli. Das in Vigo vor Anker liegende deutsche Geschwader nahm an der Feier des Geburtstages der Königin-Regentin Theil.
Depeschen deS Bureau »Herold*.
Berlin, 25. Juli. Unter großartiger Betheiligung fand heute Vormittag die Trauerfeier für Professor Gneist statt. In Vertretung des Kaisers erschien Herr v. LucanuS. Der Großherzog von Baden hatte den Gesandten v. Jagemann mit seiner Vertretung beauftragt. Mehrere Minister, die Spitzen der Behörden, zahlreiche Gelehrte und einige Hundert Studenten waren ebenfalls anwesend. Dem Leichenwagen folgte die Gala-Equipage des Kaisers. Der imposante Leichenzug bewegte sich nach dem Matthäi-Friedhofe.
Berlin, 25. Juli. Wie ein Berichterstatter meldet, erhält Polizeioberst Krause seit Entsendung der Höllenmaschine noch fortgesetzt Drohungen und Schmähbriefe, in denen eine Wiederholung des Attentatsversuchs angekündigt wird. An eine Entdeckung des Absenders jener Maschine glaubt man jktzt nicht mehr.
Berlin, 25. Juli. Kultusminister Dr. Bosse hat einen Urlaub bis Ende August erhalten und wird heute seine Reise nach Vorarlberg antreten. Die Unterbrechung deS Urlaubs wird deshalb erfolgen, weil sämmtliche Staatsminister zur Grundsteinlegung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am 18. August eingeladen sind.
Berlin, 25. Juli. Wie die „VolkSztg." hört, hat der Staatssecretär des Innern, v. Bötticher, dem Präfidenten deS Abgeordnetenhauses, Herrn v. Köller, in einer amtlichen Zuschrift mitgetheilt, daß zu der am 18. August stattfindenden feierlichen Grundsteinlegung zu dem National-Denkmal für Kaiser Wilhelm I. den Mitgliedern des GesammtvorstandeS deS Abgeordnetenhauses besondere Einladungen zugehen werden. Aber auch den übrigen Mitgliedern deffelben solle Gelegenheit geboten werden,
an der Feier theilzunehmen. Herr v. Bötticher ersucht deshalb den Präsidenten v. Köller, den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses davon Kenntniß zu geben.
Breslau, 25. Juli. (Der Vollständigkeit wegen wiederholt.) Ein großes Eisenbahnunglück hat sich auf dem Bahnhofe Raubten zugetragen. Der Personenzug, welcher gestern Abend um 9 Uhr 53 Mtn. von Liegnitz in Raubten ankam, gerieth wahrscheinlich infolge Versagens der Bremse auf ein Geleise, welches bis an das Stationsgebäude geht und fuhr mit der Maschine direct in den Wartesaal hinein. Die Wagen thürmten sich aufeinander, sodaß eine Anzahl Passagiere Verletzungen erhielten. Der Loeomotivführer Sommer, sowie Hilfsbremser Siedel aus Liegnitz find tobt, ber Zugführer ist schwer verletzt. Wieviel Passagiere verletzt fiub, konnte noch nicht festgestellt werben. Der Betrieb war auf kurze Zeit unterbrochen. Der nach Liegnitz bestimmte Zug mußte auf ein anberes Geleise übersetzt werden.
Ischl, 25. Juli. Der Premier-Minister G oluchows ki ist hier eingetroffen. Wie verlautet, wird er mit dem deutschen Reichskanzler Fürsten Hohenlohe, welcher von Ausiee wieder nach Ischl kommt, conferiren.
Brüx, 25. Juli. Heute Nachmittag 2 Uhr ist der erste Zug der Aussig-Teplitzer Bahn wieder über die durch die Erdverschiebung beschädigten Stellen des Bahnterrains gefahren. Morgen wird der volle Betrieb wieder ausgenommen.
Budapest, 25. Juli. Am 10. August findet hier ein National-Congreß von Serben, Rumänen und Slovenen statt. Zweck desselben ist hauptsächlich die Berathung eines Programme zur gemeinsamen Zusammenwirkung der drei Nationen.
Genua, 25. Juli. Von den bei der letzten SchiffS- katastrophe Umgekommenen sind bis jetzt nur sieben Leichen aufgefunden worden. Die Uebrigen dürfen wohl nicht gefunden werden, einerseits wegen der großen Tiefe des Meeres, andererseits weil die meisten Personen in den (Sabinen umgekommen sind.
Paris, 25. Juli. Der Präsident der Republik hatte fich gestern in Begleitung des Kriegsminifters nach dem Lager von Chalons begeben, wo im Beisein deS Direciors der Artillerie Schießversuche mit einem neuen Material vorgenommen wurden. Zahlreich herbeigeeilte Neugierige wurden durch einen Truppen Cordon ferngehalten. Die neuen Kanonen gaben 25 Schuß in einer Minute ab. Nach den Schießversuchen sand ein Frühstück im Militär-Casino statt, dem auch Präsident Faure beiwohnte.
Loudon, 25. Juli. Das Gerücht, der Kaiser von Oesterreich werde nach London kommen, gewinnt immer mehr an Bestimmtheit. Es wäre das die erste Reise Kaiser Franz Josephs nach England.
Loudon, 25. Juli. Morgen wird hier der internationale Geographen-Congreß unter dem Vorsitz des deutschen Geographen Lehmann und des Franzosen Levasseur eröffnet. „Standard" begrüßt den Congreß und sagt, solche Versammlungen seien stets geeignet, zwischen Nationen gute Beziehungen herzustellen.
Belgrad, 25. Juli. Oberst Stojanow, der erste Adjutant des Fürsten von Bulgarien, ist mit dem Orient- Expreßzug hier eingetroffen und nach Karlsbad zum Fürsten weitergereist. Stojanow ist der Ueberbringer von Berichten der Regierung.
Sofia, 25. Juli. Gestern fand ein kleines Mädchen in einem Garten der Rajowskistraße eine blutige Hiebwaffe, wie eine solche auf dem Attentatsplatze gefunden wurde. Damit ist der Beweis erbracht, daß zwei Attentäter auf Stambulow eingehauen haben.
Newyork, 25. Juli. Im Staate Wyoming haben blutige Zusammenstöße zwischen Indianern und Colon ist en stattgefunden, bei welchen es auf beiden Seiten zahlreiche Todte und Verwundete gab. Die Regierung der Vereinigten Staaten gab den Bundestruppen Befehl, die Ordnung wieder herzuftellen.
WB. Bochum, 26. Juli. Gestern fand auf der Zeche „Prinz von Preußen" infolge Entzündung von Kohlenstaub eine Explosion schlagender Wetter statt. Bis 11 Uhr Abends wurden 20 Tode zu Tage gefördert, 10 bis 12 find noch in der Grube, 9 Verwundete befinden fich im Lazareth. Die vierte Sohle des UnglücksflötzeS ist eingestürzt.
WB. Bochum, 26. Juli. Auf der Unglückszeche „Prinz von Preußen" sind bis heute früh 5^2 Uhr 3 2 Todte heraufbefördert worden. Die Bergung der Verunglückten ist schwierigst. Am Schachteingang spielen fich ergreifende Scenen ab.
H. Bochum, 26. Juli. Die gestrige Gruben-Katast rop he auf der Zeche „Prinz von Preußen" ist in 350 Meter Tiefe erfolgt. Bisher sind 25 Todte und 11 Schwerverwundete geborgen. Der Betrieb ist ungestört. Unter den Tobten befinben sich viele Familienväter. }
Der Krieg von 1870|71,
geschilbert burch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verboten.)
27. Juli.
ÄuS dem Pariser „Rappel":
„Frankreich mutz den schmutzigsten Cabalen geopfert werden, weil ein tntriguantes Frauenzimmer es also befiehlt. Die Spanierin, welche die Sptelsalons mit den Sälen ber Tutlerien vertauschte, hat sich nicht begnügt, Frankreich zum Opfer ber Pfaffen zu machen und unserer Politik bte Kapuze anzuziehen; sie hat sich nicht bamit zufrieden gegeben, schlimmere Zustände über unser geistiges Leben zu verhängen, als in den schlimmsten Zeiten der Jesuiten-Congregationen Carl X., es war ihr noch nicht genug, uns durch unsere Schild- wachen vor dem päpstlichen Stuhle zum Gelächter Europas zu machen, — jetzt will sie das Blut von Hunderttausenden vergießen, um elender Rachsucht zu fröhnen, weil ihre weiblichen Eitelkeiten verletzt worden und ein deutscher Prinz sich bedankte, als sie ihm die Enkelin des Herzogs von Theba anbot, der durch Spiel ruinirt ist und von einer Gnadenpension seiner Familie in Madrid existirt. Um dieser edlen Familie willen soll Frankreich geopfert werden. Nein, nimmermehr — noch leben die Bastillestürmer von 89!"
Dem alten schweigsamen Moltke erzählt man in ein» geweihten Kreisen ein großes Wort nach; es lautet: „Wenn Napoleon bis zum 21. Juli nicht einmarschirt ist, dann sieht er den Rhein zwischen Köln und Mainz niemals!"
Mit der Lüge: „Das Kaiserreich ist der Friede!" hat Napoleon den Thron bestiegen, ein Krieg folgt dem andern, fast alle unter klugen und bestechenden Vorwänden begonnen. Maßloser Ehrgeiz und Herrschsucht, die unbekümmert durch Ströme von Blut und Berge von Leichen ihr Ziel verfolgen, lebten schon in dem jungen Napoleon. Als er 1839 als gefangener Abenteurer in der Festung Hamm saß, veröffentlichte er ein Buch, das er „Napoleon'sche Ideen" nannte und in welchem er barlegte, was er thun werde, wenn er der Herrscher in Frankreich sei. Man lachte damals Über diese abenteuerlichen, bluttriefenden Träume, sie sind aber Fleisch und Blut geworden. Es heißt wörtlich in dem Buche, an das man jetzt unwillkürlich erinnert wird: „Man hetzt eine Nation auf die andere und legt eine durch die andere lahm. Die Franzosen befreien die Italiener von der Herrschaft Oesterreichs (s. 1859); Deutschland und England bleiben neutral; denn was gehen sie die Oesterreicher in Italien an? DaS ist der erste Krieg. Wenn Oesterreich gebrochen ist, gehts ans neutrale Deutschland und Preußen — ohne Oesterreich, aber mit Italien (s. jetzt). Das ist der zweite Krieg, mit welchem die deutsche Frage, die Rheinfrage und der Streit über die Schelde, d. h. die Einverleibung Belgiens und Hollands, gelöst wird. Der dritte Krieg gilt England. Da gilt es, die Irländer und Schottländer von englischer Herrschaft zu befreien, Englands Herrschaft zur See zu brechen u. s. w. Wer Kriegsschiffe hat, muß dazu helfen. Dann steht das große abendländische Kaiser- thum der Napoleons fertig da und die andere Hälfte der Welt, das morgenländische Kaiserthum, d. i. Rußland — und diesem, dem seitherigen Helfer und Bundesgenossen, gilt der letzte Kampf."
Gießen, den 26. Juli 1895.
»♦ Von der Universität. Morgen Samstag beginnen an der Universität die theologischen Examen, sowie die Examen für das höhere Lehrfach. — Geheime» rath Professor Dr. H eß wird im nächsten Monat eine Reise durch Bosnien und die Herzegowina unternehmen.
** BerufsgenossenschaftlicheS. Der BundeSrath hat es zur Zeit abgelehnt, dem Ansuchen auf Trennung der Fleischerei von der Nahrungsmittel-Berufsgenossenschaft, sowie Begründung einer eigenen Fleischerei-Genossenschaft Folge zu leisten.
** AuS ber Strafkammer. „Das ist der Fluch der bösen That, daß sie fortwirkenb BöseS wirb gebären". Johann Faul stich, noch nicht 18 Jahr alt, von Rüdingshausen, mußte bte Wahrheit biefer Worte am eigenen Leibe bitter erfahren. Faulstich befanb fich unter dem dringenden Ver- dacht, in ber Neujahrsnacht einen Mordversuch verübt zu haben, in Haft- schon war vor den Geschworenen der Termm zur Hauptverhandlung dieser Sache festgesetzt, da entschie das Landgericht, daß fich Faulstichs That nur als TödtuugS- verfuch qualificiere und von der Strafkammer abgeurthettt


