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Nr. 49

Mittwoch den 27. Februar

1S95

Der chietznier Anzeiger crldjrint täglich, nm Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener Pa«tlienvtL11er »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegt.

Gießener Anzeig er

Keneral-Anzeiger.

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Amts- und Anzeigsblutt für den Grefzen.

LL-r7LL?L-.'SLr!rr Hr°tisvnc°g-- Hi-ßm-r K-min-nk«t-r.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 23. Februar 1895.

Betr.: Die Darstellung des Zustandes der Fortbildung^- schulen im Kreis Gießen im Schuljahr 1894/95.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Nach dem Schluß der Fortbildungsschulen am Ende dieses Monats oder int Laufe des Monats März wollen Sie alsbald die betr. Berichte an uns einsenden.

In denselben ist anzugeben:

1) Zahl der Klassen,

2) Zahl der Lehrer,

3) Zahl der Schüler,

4) Zahl der abgehaltenen Stunden,

5) Vergütung für den ganzen Unterricht, abzüglich der Vergütung für Licht und Heizung.

6) Leistungen der Schüler,

7) Betragen der Schüler,

8) Zahl der Versäumnisse der Schüler:

a. erlaubte, b. wegen Krankheit, c. unerlaubte.

9) Dasselbe wie 8, a, b, c, in Procenten ausgedrückt.

Zugleich erinnern wir daran, daß die Fortbildungs- schulen in Gegenwart des Schulvorstands mit einer durch den Lehrervorzunehmenden öffentlichen Prüfung zu schließen sind.

v. Gagern.

Gießen, den 25. Februar 1895.

Betr.. Das Landgeftüt, hier den Abgang der Landgestüts. beschäler nach den Landgestütsstationen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

OW die «rotzh. vürgermeiftereie« des «reifes.

Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen, daß die Landgestütsbeschäler für die Land- gestüisstationen Berstadt, Butzbach und Grünberg abgegangen sind.

v. Gagern.

Nro. 7 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben den 21. d. M., enthält:

(Nro. 2215). Verordnung über die Abänderung der Verordnung, betreffend den Geschäflskreis, die Einrichtung und die Verwaltung der Deutschen Seewane, vom 26. Dezem­ber 1875. Vom 4. Februar 1895.

(Nro. 2216). Bekanntmachung über den Beitritt Ser­biens und Lichtensteins zu der am 15. April 1893 zu Dresden abgeschlossenen internationalen Uebereinkunft, betreffend Maß­regeln gegen die Cholera. Vom 15. Februar 1895.

Gießen, am 25. Februar 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Deutschem Reichstag.

45. Sitzung. Montag, den 25. Februar 1895.

Abg. Haenichen-DreSden (Land) hat sein Mandat niedergelegt.

Interpellation Richter, betr. reglementwidrige WahlauS- schretbung für den Wahlkreis Eisenach.

StaatSstcretär v. Böttcher erklärt, bah die Regierung bereit« in diesem Sinne thätig war. Die weimarische Regierung habe in Folge dessen den Termin aufgehoben und werde einen neuen mit Der Maßgabe der Aufstellung neuer Listen anordnen. Damit ist die Interpellation erledigt.

Erste Lesung de« Finanzresormgesetze«.

Schatzsecretär Graf Poiadowsky führt aus, es bandle stch nur um eine kleine Finanzresorm, die aber doch große Bedeutung in finanzpolitischer und wtuhschastlicher Beziehung habe. Eine Ein­schränkung der olsnsnla Fianckenftetn enthalte die Vorlage nur inso­fern, als die EinzelstaatkN nur den etatsmäßtgen B-trag der lieber: Weisungen enthielten und nicht den rechnungsmäßigen. Die Vorlage bedeute nur eine Stärkung der Reichsfinanzverwaltung. Daß daS Reich neuer Mittel bedürfe, sei ja allseitig anerkannt worden.

Abg. Richter (frf. Vp.): Für neue Mittel müßten andere Wege gesucht werden. An sich könne doch Niemand bestreiten, daß jede neue Mehrbelastung einen Artikel oertheuere, demgemäß den Consum verringere und in Folge dessen zu Arbeiter - Entlastungen führe. Die Dortbetle der Einzelstaaten aus dieser Vorlage überschätze man. Der Schatzsecretär habe von einer jährlichen Steigerung der Reichs­ausgaben um 4 pEt. gesprochen. Von den 800 Millionen Reichs, ausgaben fielen 475 Millionen auf das Heer. Vielleicht rechne der Schatzsecretär etwa auch künftig mit einer jährlichen Steigerung des Heeres um 40 000 Mann. Am richtigsten wäre es, dieses Gesetz Überhaupt nicht weiter zu berathen.

Bayerischer Bevollmächtiger Frhr. v. Stengel führt aus, Richter hätte sich in Bezug auf die Höhe der Mehrüberweisungen an Bayern pro 1894/95 doch wohl geirrt. Richtig sei jedenfalls,

Feuilleton. '

Aus der hessischen Fransosenzeit. 18061814.

Von Dr. Otto Buchner.

(Fortsetzung.)

Dir am Ende des Jahrhunderts sind schon lange daran gewöhnt, Nachrichten von wichtigen Ereignisten in kürzester Zeit von den Tagesblättern mitgetheilt zu lesen. Wie anders war das zu Anfang unseres Jahrhunderts. Jetzt kommen Nachrichten vom chinesisch-japanischen Kriegsschauplatz oder aus Abyssinien rascher zu uns, als die Nachricht von der Schlacht bei Leipzig nach Darmstadt. Freilich erschien die Großh. Hess. Zeitung in Quartformat nur dreimal wöchentlich. Wo jetzt der Telegraph in allerkürzester Zeit auf beliebige Ent­fernungen eine Nachricht trägt, war damals der Courier der Ueberbringer derselben und es hing von dem Pferd, den Wegen, der Witterung und tausend zufälligen Einflüssen ab, wann der Bote ankam. Ohne Zweifel wurde der König von Bayern spätestens am 19. October 1813 von der gewonnenen Schlacht bei Leipzig benachrichtigt, der Courier kam auch wirklich schon am 22. October in München an.

Am 23. October kam die Nachricht nach Wien. Sicher kannte man auch in Darmstadt den Sieg der Verbündeten, aber die osficielle Zeitung durfte noch nichts darüber bringen- auch darüber enthielt sie keine Mittheilung, daß der Groß­herzog bei der Kunde von der Flucht Napoleons und des französischen Heeres schon vor der Schlacht bei Hanau (30. October) am 27. October nach Mannheim abreiste, um dem nahenden Kriegsqetürnmel zu entgehen. Dafür schickte er den wirklichen Geh. Rath und nachmaligen Minister du Thil nach Dörnigheim bei Hanau, wo das Hauptquartier der Verbündeten war und wo am 2. November der Beitritt Hessens zum Bund, also der Abfall vom Rheinbund erklärt wurde. Drohte doch ohne das abermals wie vor sechs Jahren die Gefahr des Mediatisirtwerdens.

Die Großh. Hessische Zeitung brachte aber darüber erst in ihrer Nummer vom 6. November eine osficielle Mitthei- lung:Nachdem des Großherzogs von Hessen, unseres aller­gnädigsten SouverainS König!. Hoheit Sich bewogen gefunden

haben, mit den gegen Frankreich verbündeten und im Krieg ! stehenden Mächten unterm 2. d. M. eine vorläufige Allianz- Convention abzuschl'eßen, durch welche S. K. H. aus den : bisher mit Frankreich bestandenen Consöderations-Verhältnissen getreten und der Sache der gegen Frankreich verbündeten Mächte beigetreten und Mitallnrter derselben geworden sind, so wird solches allen Dienern, Untertanen und Angehörigen im ganzen Großherzogthume zur Nachricht und Nachachtung ' hierdurch zu dem Ende öffentlich bekannt gemacht, daß sie alle in die Großherzoglichen Lande einrückende Truppen der alliirten Mächte als ihre treuen Freunde anzusehen, sie bestens auf- j zunehmen und sich von ihnen eine diesen Verhältnissen ganz entsprechende Behandlung zu gewärtigen haben. Darmstadt, ! 5. November 1813."

An diesem Tage kehrte Ludwig I. auch wieder in seine Residenz zurück. Früher als Hessen war Baden vom Rhein- : bund abgefallen (26. October).

Jetzt konnte die Hess. Ztg. auch, über zwei Wochen nach ! der Schlacht bei Leipzig, ausführlichere Berichte über dieselbe , bringen und dabei den Abfall der württembergischen und i sächsischen Regimenter während der Schlacht mittheilen. Der Verlust der Franzosen wird aus 40000 M. Todte geschätzt ; und 40 000 Gefangene, 3000 Offiziere, 29 Generale und 340 Kanonen.

Auch über die Schlacht bei Hanau wurden nun ausführ­liche Mitthe'lungen gemacht und der bewunderungswürdigen Tapferkeit der verbündeten Truppen das höchste Lob gespendet. Wie anders klingt jetzt der Bericht aus Frankfurt über den Einzug der zwei Kaiser von Oesterreich und von Rußland, iPon dem Jubel des herbeigeströmten Volkes können sich nur ! Augenzeugen einen Begriff machen. Alle Straßen, alle ! Fenster, selbst die Dächer waren mit Menschen gefüllt, welche durch den Ausdruck der lautesten Freude bewiesen, daß einige drangvolle Jahre die srohe Erinnerung an alte glückliche Zeiten nur erhöhen können. Dieselben ehrwürdigen Stätten, welche mehrere Jahrhunderte Zeugen deutscher Huld'gung waren, ertönten wieder von tausend Stimmen freier Deutschen."

Zwischendurch kommt aber, vielleicht aus alter Gewohn­heit, noch ein französischer Kriegsbericht, so in der Beilage zu Nr. 135 über die Schlacht bei Leipzig. Danach hatte Napoleon am 16. und 18. October gesiegt, aber durch

daß Bayern eventuell indirecte Steuern erheben müsse und daher die schwächeren Schultern nicht würde schonen können.

Metningenscher Staatsminister v. Heim tritt gleichfalls vom Standpunkte der Einzelstaaten für die Vorlage ein, ebenso der Sachfen Weimarische Bevollmächtigte Dr. Heer wart.

Ada. Lieber (Eentr.) bedauert, daß die Ausgaben detzReiche« so ins Ungemessene wachsen und daß hierdurch wiederum die Be­lastung der Einzelstaaten eine so schwere werde. Die Einzelstaaten hätten ein geschichtliches Recht, daß die Ueberschüsse der Reich«- einnabmen aus Zöllen und Tabaksteuern über die reich« igen-n Be­dürfnisse den Einzelstaaten zukommen. Nähmen wir Absatz 2 de« § 1 an, wonach der wirkliche Mehrbetrag an Ueberweisungen über den etatsmäßigem im Reiche verbleiben soll, so beseitigen wir die Rechte der Einzelstaaten. Schon auS diesem Grunde ist eine ein­gehende CommifsionSberathung nöthig.

Abg. v. Fr ege (cons) tritt Namen« seiner Partei für die Vorlage ein. t _ ,,

Weiterberathung morgen 1 Uhr, außerdem Wahlprüfungen.

Deutsches Reich.

Hamburg, 24. Februar. Der Liverpooler 1400 Ton« große DampierKingdom", welcher mit der Bestimmung nach Charleston am 18. Dccember Cuxhaven verließ und am 24. December Cap Butt of Lewis (Hebriden) passirte, gilt für untergegangen, da seit dem 24. December jede Nachricht über den Dampfer fehlt.

Arr-laird.

Wien, 24. Februar. DieNeue freie Presse" meldet: Zum Zwecke der Conversion der sünfprocentigen Staatsbahn- Prioritäten wird eine neue breiprocenttge Anleihe im Maximal­betrage von 90 Millionen Mark ausgenommen werden. Die Anleihe, welche ausschließlich für den deutschen Markt de- stimmt ist, wird bis zum Jahre 1965 tilgbar sein. Die Inangriffnahme der Conversion ist für die ersten Tage deS Monat März in Aussicht genommen.

Petersburg, 24. Februar. Wie hiesige Blätter melden, wurde auf kaiserlichen Befehl eine Commission eingesetzt zur Berathung deS Projectß betreffend die Gründung eines nach dem Kaiser Alexander III. zu benennenden Hauses zur Ver- forgung alter und kranker Schriftsteller, Künstler und Schau­spieler. DaS Haus soll auf einem kaiserlichen Apanagengut errichtet werden.

die 95,000 gethanen Kanonenschüsse die Munition bis auf 16,000 Schüsse verbraucht, die kaum für ein zweistündiges Feuer reichten. Die französische Armee hatte seit 5 Tagen mehr als 220,000 Kanonenschüsse gethan und nur zu Magde­burg ober zu Erfurt konnten neue Vorräthe an Munition gefaßt werden.Dieser Umstand nöthigte die französische Armee, den Früchten zweier Siege zu entsagen, in welchen sie mit so vielem Ruhme eine weit überlegene Truppenzahl und alle Armeen des festen Landes geschlagen hatte." Die zu frühe Sprengung der Elsterbrücke wird darin der Dumm­heit eines Sappeurcorporalsein Mensch ohne alle Einsicht und den Sinn seines Auftrags gar nicht verstehend", zu- geschrieben.Die dadurch in die Armee gebrachte Unord­nung veränderte die ganze Lage der Dinge- die siegreiche französische Armee kam zu Erfurt in einem Zustand an, als ob sie geschlagen wäre."

Auch erfahren wir auf diesem Weg und aus dieser Quelle, daß Napoleon am 1. November von Frankfurt aus zwanzig in den Schlachten von Leipzig und Hanau er­oberte Fahnen an die Kaiserin nach Paris schickte. Die Frankfurter Zeitung, die kurz vorher noch Rheinbundzeitung war, bemerkte dazu:Die verbündeten Heere haben an den glorreichen Tagen von Wachau, Leipzig und Hanau nicht eine einzige Fahne verloren."

Schon am 9. November 1813 war Napoleon in Paris angekommen. Ihm mußte viel daran gelegen fein, Zeit zu gewinnen, um neue Heere ins Feld zu stellen. Friedens- Verhandlungen begannen in Frankfurt, führten aber zum Glück nicht zum Ziel. Unterdeß wälzten sich unermeßliche Schaaren begeisterter deutscher Krieger dem Rhein zu und es war das Jahr noch nicht zu Ende, so war Holland bis auf wenige feste Plätze erobert. Das schlesische Heer unter Blücher, 137,400 Mann stark mit 508 Kanonen, stand von Mannheim bis Coblenz am Rhein, dem berühmten Ueber- gang Blüchers über den deutschen Strom bei Caub in der Neujahrsnacht 1814 folgten unmittelbar die leichteren Ueber-

1 gange bei Mannheim und Coblenz und nun ging« unauf­haltsam nach Frankreich hinein.

(Fortsetzung folgt.)