Nr. 23 Drittes Blatt
Sonntag den 27. Januar
1893
Amts, und Anzeiseblatt für den "Kreis Gießen.
Hratisöeikage: Gießener Kamikienökätter.
v. Knorr.
de Beauclair.
Literatur und Aunft.
Indem wir bemerken, daß zu diesem Cursus nur solche
Feuilleton.
ihn des
ES« Innoncm-Buteauf M Jn- imb luilanbeB nehm« Anzeigen für ben ^Gießener Anzeiger- entgegen.
Annahme von Anzeigen zu btt Nachmittag« für bat felgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.
ffnung.
Wä MMM zu H stein“
Lehrerinnen — einschließlich der verwendeten Handarbeits- lehrerinnen — zugelassen werden sollen, welche im Stande sind, sich auch an den Geräthübungen zu betheiligen, daß durch deren Vertretung keine besonderen Kosten erwachsen dürfen und daß, mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den nicht in Darmstadt-Bessungen wohnenden Theilnehmerinnen für Den Tag 5 Mark Diäten, sowie Ersatz der Transportkosten (Post und Eisenbahn III. Cl.) bewilligt worden sind, beauftragen wir Sie, die endgültigen Anmeldungen bis spätestens zum 1. April d. Js. bericht- lich hierher gelangen zu lassen.
Er springt darauf zu — die Lanze des Reiters vermag nicht abzuhalten — und bohrt beide Hörner in die Brust Schimmels.
Roß und Retter stürzen zu Boden.
Langgestreckt, unbeweglich bleibt der Mann im Sand
elst"en durch doppelgleisige Bahnen in Verbindung steht, concen-
1T’tn ®fC,lon ZU (Alatt 4) umfaßt das ganze Südrußland, dessen Garnisonen ebenfalls wett ausrirander liegen und nur in
?8tr.,308ir. u. |.m. isländischer e Mousseux. tweint. zzr 893
Dritter schwingt einen mit Widerhaken versehenen Pfeil,- der fliegt und bleibt tief in der Schulter des Opfers stecken.
Beifallssturm erbraust. Das Orchester spielt einen prickelnden Walzer.
Die Musik, der brennende Schmerz, wiederholtes Tuch« schwenken — das inSgesammt steigert ersichtlich die Wuth deS Stieres. Wie er jetzt mitten durch die Arena galopptrt, tstS, als wolle er rachelchnaubend brüllen: „Blut! Blut!"
Plötzlich erblickt er das weiße Pferd.
— DiSlocationskarte der Heere Europa-, herauSgegeben von Dr. v'lmann MüUer-Sagan, Mitg t^d des deutschen Re chs- tages. Nach den neutften omi'chen OueUrn br ar beitet von A- Herr ich. Maßstab 1 : 3 260 000 II. und III. Sectton (Blatt “.ut|0 4). Glogau, Verlag von Carl Flemming. Wir haben ieincr Zett die I. Section dieses interesianten Kartenwerkes, das dazu bestimmt ist, nicht bloß die Friedensdtslocationen sämmtltcher Armeen Europa«, fonbtrn auch, soweit dies möglich, ihre Kriegsformationen graphisch zu veranschaulichen, mit Freuden begrüßt und eingehend darüber berichtet. Nunmehr ist gleichzeitig die II. und III. Section erschienen, die alle Vo.züge iheilen, die wir an
= . Scctron schon hervorheben konnten- Wi.derum bietet sich uns ein buntfarbiges, lebendiges Bild dar, dessen näheres Studium überaus interessant ist. Auch auf diesen Sektionen (Blatt 2 und 4) |int) alle Truppentbeile mit ihren Gliederungen und Abstufungen bis zum kleinsten Detachement herab durch scharf ausgeprägte Signaturen gekennzeichnet. Die General-, Divlsions- und Brigade- commandos, die Ltäde und Depots der Regimenter, deren Truppen- therle in zwei oder mehreren Garnisonen untergebracht sind, die Landwehr-BezirkScommandos und ähnliche Einrichtungen, alle Land- und Küstenbefestigungen, die Eisenbahnlinien — kurz alle für den Zweck der Karte in Betracht kommenden Details und Neugestal, tungen h°bm auch hier gewisstnhastesteBerücksichtigung gesund.n.— Section II (B att 2) umfaßt Ostpreußen und das nörtl che Ruß- land. Sie schneidet mit einer geraden Linie ab, die sich etwas südlicher von Mlawa und Bialostock und dann weiter unterwärtS von Woronesch, Saratow und Urals! erstreckt. Wie interesiant ist der nähere Anblick dieser Karle! Das kle ne Ostpreußen, wie t^otziglich vollgestopft mit Garnisonen, und daneben die ri.sigen Flächen deS CzarenreichrS, d-.ssen Truppenmacht hier fast ausschließlich
Jetzt verstummt die Musik ... Er naht, der ersehnte Augenblick deS Anfangs. Das Geplärr wird leiser. Gespannte Mienen überall.
Feierliche Minuten der Erwartung . . . O, würden sie einer besseren Sache gelten!
Ein Trompetensignal.
Alles still. Man starrt nach dem da unten sich öffnenden Thor. . . .
Die Stierkämpfer, in prall anliegenden bunten Seiden- costümen, beschreiten in langem Zug die Arena — darunter vier Lanzenreiter mit glänzend aufgezäumten Pferden und ein grellbebändertes Dreigespann, welches später die tobten Thiere hinauszuschleifen har.
Tief verneigen sich die Stierkämpfer vor den Logen.
Man applaudirt, bewundert die eleganten Gestalten, indeß das Dreigespann den Schauplatz wieder verläßt.
Ein neues Trompetenfignal.
Die Spannung wächst.
Drüben aus dem sich öffnenden Stall tritt der Stier auf den Plan — ein großes, herrliches Thier, strotzend von Kraft und Gesundheit, eingesogen auf den saftigen Weideplätzen spanischer Gebirge.
Das Kreuzfeuer von Blicken empfängt ihn. Er stutzt, gehr ein paar Schritte den Sandboden entlang, streift mit den spitzen Hörnern an den Pferden vorüber. Die armen Thiere erzittern- die Reiter strecken die Lanzen vor.
Sofort beginnen die Stierkämpfer ihre Arbeit. Es gilt, den Stier aufs Aeußerste zu reizen, ihn nach und nach wüthend zu machen bis zum Schäumen.
Einer schwingt ihm ein rothglänzendeö Tuch vor den Glotzaugen herum.
Mit vorgestreckten Hörnern und hocherhobenem Schwanz stürzt das muntere Thier auf den Mann zu. Der aber fegt im gewaltigen Sprung über die Brüstung und die verfolgenden Hörner krachen an die Bretter . . Ein Anderer wirft ihm ein grellfardeue» Band um den Kopf. . . Ein
liegen- er darf die Aufmerksamkeit deS Stieres, der jetzt die Hörner zum zweiten Male in den Leib des röchelnden Pferdes stößt, nicht auf sich lenken. Dann erhebt er sich rasch auS der dicken, immer breiter fluthenden Blutlache und flüchtet über die Brüstung.
Auf den weitgeschwungenen Sitzreihen erhitzte Gesichter, flammende Blicke. Alles in gehobener Stimmung.
Die Wuth des Stieres, uraushörlich durch die Kämpfer geschürt, erreicht die erwünschte heiße Temperatur.
Jetzt tritt Einer dicht vor die Hörner, ihm hastig zwei neue Pfeile ins Fletsch stoßend. Wild stürmt das Thier auf seinen fliehenden Peiniger loS. Schon streift eS ihn mit den Hörnern.
Aus dem Zuschauerraum ein gellender SckreckenSruf . . Athemlose Spannung . . . Der Mann ist verloren!
Verloren?
O nein . . . Plötzlich wirft er sich auf den Boden und das Thier jagt in rasendem Galopp über ihn hinweg. Als er sich erhebt, der Verwegene, zeigt seine Stirn eine tiefe, klaffende Wunde.
Von Neuem wendet sich der bluttriefende Stier einem Pferde zu. Er schiebt seine Hörner unter den Leib deS armen RosseS, er schlitzt ihm den Bauch auf. Im weiten Seitensprunge jagt eS mit heraushängenden Eingewetden durch die Arena und bricht dann mit seinem Reiter zusammen.
(Schluß folgt.)
Der Vtltwtt Anzeiger erscheint täglich, rett Ausnahme bei Montag«.
Die Gießener
•trWn dem Anzeiger -»chentlich dreimal iriidnt
--» -I__
**♦*■<* txUyt *i
8 Mark 20 Pfg. e* Bring erlayn.
D«ch bie Post be^-n 8 Mark 50 Psg.
und Druckerei:
Sernlpr echer 8L
'.'Stuben, öwrnzasse, am.
i nm
»Heidi, Stiergefechtl" *)
Von Karl Böttcher.
Linea (Spanten), im Januar.
Heute, mein Leser, aus dem lichtvollen Süden ein finsteres Blatt! Bist Du nervös — jetzt, bet Beginn der Lectüre, ist noch Zett, es zu Überschlagen.
Ich wtll Dir eine vieltausendköpfige Menschenmasse fchen, welche um so stürmischer jubelt, je mehr warmes Blut den Wunden prächtiger, zum Tode gequälter Thiere «iströmt: ein spanisches Stiergefecht, ein Schauerstück mensch- iqtr Grausamkeit. —
Es ist Sonntag, Nachmittags vier Uhr.
Von Gibraltar aus wandere ich die nach Spanien sästende Siaubstraße entlang. Rechts unzählige, von steiler ^!Zh öhe herunterglotzende Festungskanoneu, links das funkelnde Wit, geradeaus das spanische Schmutzdorf Linea.
Gewaltige Menschenwogen drängen nach der großen, am ♦ 5 nbe des Ortes gelegenen Arena.
„Heidi, Stiergefecht!" strahlt eS aus allen Mienen.
Ich trete ein in den beflaggten Rundbau, in welchem du Stück lichtblauer Himmel lugt.
Auf den terrassenartig übereinanderliegenden sonnen- t Minen Sitzen stauen sich all die Tausende: gigerlhafte (s-iiitzer aus Gibraltar, Matroien, kaum hetmgekehrt von s men Meeren, decolettirte Modedamen in prunkender Toi- UM, Eltern mit Säuglingen auf dem Arm, Leute im arbeitet»
Bauern mit phantastischen Sonntagskleidern, feurig tflliden be spanische Mädchen, verknöcherte Greise, die der Mirich nach der Arena sichtlich ermüdete, Kinder jeden Alters "7 Q _ 1° spannungsvoller Erwartung auf den Anfang des yflatip rtg.
?»lll«-"'
Kg-»®“
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
1 Inzwischen spielt das Orchester wild drauf loS, klettern I Wasser- und Weinverkäufer die Sitzreihen auf und ab, rufen Zeitungsjungen den Madrider „El Jmparcial" aus, summt es über all den erhitzten Gesichtern gleich tausend Bienenschwärmen.
»ach 7. ort eSue h Buen w für W86 .
t u- entnehmen diesen Artikel mit Erlaubniß des Autors IrmJfflJ vor Kuizem erschienenen Buche „Von sonnigen Küsten, lwili(lmeer:®riefe" (Leipzig, Verlag von B. Elischer Nachfolge«), von gegenwärtig bereits die zweite Auflage vorbereitet wird. Tlii Meik behandelt in frischer, stimmungsvoller, zum Theil Jii.aortftifdjcr Weise alle Hauptstationen deS Mtttelmeeres — von p^liNina biS Marokko, von Tripoli» bis Monaco — und kostet nur E'Mark. Die Redaktion.
bl'e"ita, w»rnt
"dr»«
6 8 und ItlJ»
bo tnltbtt, ’M A. 4 ^üdrrzülch 871
Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz
Mheilung für Schulakgeltgeuhkitkn an die Großherzoglichen Directionen der höheren Mädchenschulen zu Darmstadt, Offenbach, Gießen, Mainz und Worms, sowie an die Großherzoglichen Kreisschulcommissionen.
Mit Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 10. September v. Js. (zu Nr. M. I. 26290) benachrichtigen wir kie, daß, nachdem die stattgehabten vorläufigen Ermittelungen die Gewißheit des Zustandekommens des obigen Cursus ergeben haben, der Großh. Turninfpector beauftragt worden ist, renselben in der Zeit vom 22. April bis zum 25. Mai l. Js. dahier abzuhalten. Die Zusammenkunft soll Montag den 22. April, Vormittags 9 Uhr, im . ------------------------
Ziehrsaal der neuen Turnanstalt (Soderstraße Nr. 30) y/t* l * * * * * *”,ens b,e*e"A^)alu,?,yöte^“nb_an, der Westgrenze^ welche mit statistnden. *’ eTOM "* ——
Bolen mit dem Mittelpunkt Warschau in gewaltiger S'ärke zu- sammengezogen sind, ferner die dem russischen Nachbar gegenüber ebenbürtig «.wappnete Osthälste der Oester«eichttch - Ungarischen Mona chie, sodann Rumänien, die Staaten der Baikanhalbtnsel und endlich Kleinasien mit Syiim und Cypein. Ungemein leffdrb ist das vor unfern Augen aufgerollte farbenreiche Bild von Südost- europa mit all den btbeutfamen Auischlüssen, welche hier in strate- gischer und politiscber Hinsicht «eoebn we.den.
verkehr, Land, wnö vs«k»»v,riyjchaft.
— Angenehm ber.'.hrt es uns, über die al« solide bekannte Sächsische Vieh - Dersicheru«-» - »avk in Dresden — der ßiößun Anstatt ihrer Branche — wieder Günsttges berichte» zu könn.n. Das erzielte vo> jährige 22. Geschä'isresultat diess ange- fehenen Instituts war bochersreulich. Der Zugang an neuen Versicherungen auS ollen Ritifen der Dtehbesitze« war ei. bedeute, der und betrug das Vrsicherungs- Capiial Mk. 27 487 393. — Le«der standen diesem auch enorme V«ehverluste geg.nüber. Nichtsdestoweniger wurden fämmtltche berechtigte Dchadensorderungen in voller statutarischer Höhe mit über 718 000 Mk. — prompt ausgezahlt und genießen bebet die Bankmitglteber den Vorzug fester bitt aer Prämien mit Ausschluß von jedem Nach- oder Zuschuß bei zinsfreien Ratenzahlungen. Der Reservefonds konnte auch vermehrt werden und betrat die völlig schuldensrele Bank am 1. Januar 1895 mit einem für Schäden ve« sagbaren Netto-Betrage von Über 300000 Mk. ihr 23. Geschäftsjahr. Seit B st hen der Anstalt hat di-selbe die enorme Summe von über 7 749 000 Mk. an Schäden bezahlt. (Siehe heutiges Agenten-Gesuch im Jnferatentheile.)
ä — Während die Hausfrau schläft, arbeitet Karo, Weil» Setfeuextract tüi fiel — Klingt oas nrLt wie ein Märchen auS längst v.rgangenen Zeiten, wo die geschäftigen Heinzelmännchen während der Nacht ihre glückbringende Thätigkeit für die ruhende Mei schheit ausübten? Nur sind es keine Heinzelmännchen, eS ist kein Märchen, sondern Wirklichkeit voll und ganz. Wenn die HauS- fiau Ab.nds die Wäsche in eine warme Lösung von Karol Weil- Seifenex ract einweicht, daß alle Wäsche gut bedeckt ist, wird wädrend der Nacht ohne alles Zuthun sich aller Schmutz zum größten Theile lösen. — Andern Morgens macht man sich aus Karol Weil» Seifen, extract eine frische Lauge, wäicht hierin die eingeweichte Wä'che noch einmal durch und spült zwei- dis dreimal gut aus. Das Re'nltai ist dann eine blendend weiße Wäsche.
Karol W ils Seisenextract ist frei von allen ätzenden Bestand- loeilm, nur aus ganz reinen Materialien zusammengesetzt, es schont also die Wasche, erzeugt keinen übelriechenden Dunst beim Waschen, im Gegentheil, es gibt einen angenehmen, erfrischenden Geruch, der auch auf die Wäsche übergeht.
Wenn man nach vornehender Methode wäscht, wird man die Arbeit sehr leicht finden, man schon« die Wäsche, spart an Geld und auch an Zeit, denn: Während die Hausfrau schläft, arbeitet Karol WetlS Seisenextract für fie. (S. Ins.)
. 39.
3T< iachfolger. tojgsshenke versehenes Lager istblätter ie etc.) *
ätter ihnhofstrasse «•
Anrtlichrv Theil.
Gießen, den 23. Januar 1895. Betreffend: Die Abhaltung eines Jnstructionscursus im Turnen für Lehrerinnen.
Die
Troßh. Kreis-Schuleommisfion Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Nachfolgendes Ausschreiben Großh. Ministeriums, Ab- theilung für Schulangelegenheiten, theilen wir Ihnen zur Kcnntniß und Mittheilung an solche Lehrerinnen mit, von denen Sie annehmen können, daß sie sich an rubr. Cursus zu be- lheiligen wünschen. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß auch die an Schulen verwendeten H'andarbeits- lehrerinnen daran theilnehmen können.
Anmeldungen wollen Sie uns spätestens bis Mitte März einsenden.
__________________p. Gagern._______________
Darmstadt, den 15. Januar 1895.
Betreffend: Wie oben.
thalt der mich beehrende» i zu machen und bitte ich neuen Unternehmen.
jtrt warme Speise» an, im Abonnement iebte la. Exportbier Worms. Kerner em- eacn Meinen.
ßiüoOll
d „Hotel ll-tsetps".
W
!, sondern neben «einem


