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1895
Dienstag den 26. November
Erstes Blatt
Nr. 27«
vierteljähriger
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Zl,nts- und Anzcigeblatt für den ttreis Gieren.
Hralisöeikage: Hießener Aamilienökätter.
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Gieße«, den 25. November 1895
** Der Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des GroßherzogS
Rom. 24. November. Infolge einer Erkältung hütet der Papst daS Bett.
Rom. 24. November. Nach einem Telegramm ouS Constanttnopel, dessen Bestätigung abzuwartrn bleibt, wurde von Armeniern die gefüllte muselmanische Moschee Merstvan in die Lust gesprengt. 200 Muselmanen sollen q et ö bet wnrden fein.
Antwerpen. 24. November. Die htefiege deutsche Kolonie gab gestern den Veteranen von 1870/7 1 ein Fest, das von 15 Personen besucht war und glänzend verlief. Zu der Theater - Ausführung waren Künstler aus
Köln a. Rh. eingetroffen.
Pari». 23. November. Wie versichert wird, soll Admiral Gervais, der Befehlshaber des Mittelmeer Geschwaders, zur Disposition gestellt werden, und zwar wegen des Unfalles der drei Panzerschiffe.
Paris. 23. November. Die Blättermeldung, daß Präsident Faure dem Ministerpräsidenten Bourgeois die Unterzeichnung einiger Decrete verweigert habe, wodurch mehrere Beamte des Ministeriums und der politischen Verwaltung abgesetzt oder zur Disposition gestellt werden sollten, wird sowohl von parlamentarischen Kreisen als auch von Seiten der Minister als vollständig erfunden bezeichnet.
Madrid. 23. November. Wettere 12000 Mann
zu dem angestammten Fürstenhause Ausdruck zu geben. ES geschieht dies seit dem vorigen Jahre um so freudiger, weil unser Großherzog nicht allein bleie Feier begeht, sondern die Geburtstagsfreuden iheilt mit seiner hohen Gemahlin, unserer allverehrten Großherzogin Victoria Mellta, die an demselben Tage ihr 19. Lebensjahr vollendet. An dieser Doppelfeier nimmt daS hessische Volk freudig Antheil,- allenthalben hat man sich feit Wochen gerüstet, dteselbe fest, ltch zu begehen und dabei Ausdruck zu verleihen den Ge- fühlender Verehrung und Dankbarkeit, deren sich von Generation zu Generation unser hessisches Regentenhaus zu erfreuen hatte. Wir sind der freudigen Zustimmung aller unserer verehr- ltchen Leser gewiß, wenn wir dem Wunsche Ausdruck geben, daß auch ferner GotttS Segen über unserer Grobherzoglichen Familie walten möge.
»» Geburtstagsfeier Ihrer Königlichen Hoheiten des Groß- Herzogs Ernst Ludwig und feiner hohen Gemahlin Victoria Melita. Die deutsche Schule hat es sich von Alters her nicht nehmen taffen, die Geburtstagsfeier Ihres Landesvaters, zu welcher ein glücklicher Zufall auch noch diejenige unserer geliebten LandeSmutter, der Großherzogin, hinzugefügt hat, tn festlicher Welse zu begehen. Und sie hat hierzu wohl auch die Pflicht, da sie die Bestimmung hat, in den Herzen der ihr anvertrauten Jugend die Liebe zu Fürst und Vaterland zu erwecken und zu pflegen. Jndeffen kommt sie in unserer Zeit dieser Verpflichtung In etwas geänderter Form nach gegen ehedem- denn während bet früheren derartigen Veranstaltungen großes Gewicht auch auf die äußerliche Feier, auf Feste und Spiele, gelegt wurde, tritt die Feier nach dieser Seite hin aus diesem Rahmen heraus, indem sie es vo-. zieht und vom Standpunkte der erziehlichen Einwirkung aus auch rechtfertigt, den Schwerpunkt der festlichen Feier -em Fassungsvermögen des Kindes anzupaffen. Die soeben beendete Schulfeier In der Stadtknabenschule zu Ehren unsere« hockverchrten Regentenpaares darf wohl von obigen Gesichtspunkten aus beurthellt werden. Sie bot des Guten und Schönen in Wort und Lieb sehr viel und begann mit dem Psalm 23: .Der Herr Ist mein $irt". Hieran schloß sich eine zu Herzen gehenbe Ansprache an die Jugend, '-welche in klarer Weise die Pflichten der großen und kleinen Staatsbürger zeichnete und darzuthun suchte, daß diese Pflichten und Opfer für Fürst und Vaterland nothwendlg feien und von uns gerne übernommen und getragen werden müßten. An das Lied „Heil Hnferm Fürsten, Heil!" schloß sich bet Vertrag patriotischer Gedichte und eines Stückes hessischer
einzufinden.
Petersburg, 23. November. Der Regierungsbore melbet, daß in der Zett vom 6 Nomber bis sitzt tn Petersburg 38 choleraähnliche Fälle vorgekommen, von denen 19 tödtlich verliefen. In Aerztekreiseu glaubt man an wnk liche Cholera. ________________________________
Neueste Nachrichten.
AolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 24. November. Wegen MajestätSbeleidi. gung wurde der polnische Arbeiter Kupczyk aus Neu- Weißensee zu fünf Monaten und zwei Wochen Gefängntß verurtheckt. Er hatte tn betrunkenem Zustande die Bilder an der Wand seiner Wohnung zertrümmert, darunter auch das Bild deS Kaisers, wobei er Schtmpsworte auSstieß. Seine eigene Frau hatte ihn deswegen benunctrt.
Loudon. 24. November. Gladstone lehnte die Bitte seiner Freunde, vor den Armeniern sich öffentlich gegen baß Vorgehen bet Türkei auszusprechen, mit ber Motivirung ab, bag er in dem Moment, wo bie türkische Frage in ein ent« schi'dkneS Stadium getreten sei, nicht sprechen könne.
2) er -l-ßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag».
Die Gießener yamtrt<a6(6tter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.
versammeln.
1 Uhr: RegimentS-Appell aus dem Schloßplatz.
2 Uar: Gemeinschaftliches Festeffen.
6 Uhr: Patriotische Festvorstellung.
Commando des 4. Großh. Infanterie Regiments.
heutigen 25. November giebl allen Bewohnern unsere« Vaterlandes Gelegenheit, wiederholt der G-sinnung der Treue
gestern nach Cuba abgegangen.
Loudon, 23. November. Nach einer Meldung „Daily News" au« Petersburg hat China mit Deutschland Verhandlungen wegen einer newcn Au leih e angeknüpft. Deutschland wolle auch die Anleihe übernehmen, jedoch nur, wenn sich England daran betheiligc und Ruß land davon verständigt würde.
Petersburg, 23. November. DaS Befinden der Kaiserin, bte ihre Tochter selbst nährt, sowie daS der Gloßfürstin Olga ist vollkommen befrlebtgenb.
Petersburg. 23. November. Die Taufe der Groß, sürstln Olga wird am 14./26. November, dem Geburtstage der Kaiserln-Wittwe und dem Jahrestage der Vermählung des Kaiserpaares statlfinden. Die hohen StaatSbeam-en, die Hofchargen, bie ChefS der ausliiabtschen Missionen mit ihren Damen und andere Persönlichkeiten sind eingeladen, sich an genanntem Tage um 10 Uhr zum Gottesdienst in ZarSkojeselo
Meßmer Anzeiger
Kmerat-Mnzeiger.
großen Nachbarvölkern durch die Erinnerungen, welche die Erdrücke dieses Krieges tn Frankreich hinterlassen, um so sicherer gefährdet sein wird von dem Augenblicke an, wo Frankreich durch die Erneuerung der eigenen Kraft oder durch Bündntsse mit anderen Mächten sich stark genug fühlen wird, den Kampf neber aufzunchmen". — Der zur Beendigung deS Krieges beanspruchte Credlt beträgt 100 Millionen Thaler. Slmson ist Präsident.
Die Herren Bebel und Liebknecht tm Reichstage sind vollständig gegen die Annexion von Elsaß und Deutsch- lothrlngen, sie halten nichts auf Nationalität und bewilligen keinen Heller zur Beendigung des Krieges. Sie sind der Meinung, man hätte sofort mit den Republikanern Frieden schließen, und heimkehren müssen. Präsident Simson war so klug, die Herren vollständig auspacken zu laffen, kein Franzose hätte so gesprochen wie Bebel und Liebknecht und bie Herren Schweitzer unb Hasenclever schloffen sich ihnen an. Das vierblättrige Kleeblatt hatte aber kein Gluck, Abg. Braun zerpflückte es auf der Stelle vollständig und schloß Wenn wir diesen Herren folgen wollten, so müßten wir zu Gambetta unb Cons. gehen und sagen: ES thut uns letd, wir haben Sie geschlagen- sollte eS Ihnen weh ge.han haben, so bitten wir unterthänigst um Verzeihung, wir wollen, um unfern guten Willen zu zeigen, Ihr Gebiet schleunigst ver- laffen unb alles gut sein laffen.
Die Erwartung, daß Thlonville sich nicht lange halten werbe, hat sich bestätigt: am 24 November hat es capituliert. Die Belagerung hat am 22. begonnen, unb bte aus 76 Geschützen beschoffene S adt gerieth bald in Brand.
Der Krieg von 1870|<l, «schildert durch Ausschnitte <u8 Zettungs-Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verboten.)
25. November.
Der Reichstag deS Norddeutschen Bunde« wurde am 24. November durch den Kanzler Delb'.ück in Berlin eröffnet. Die Thronrede bedauert, daß der Röntg nicht an dieser Stelle feinen Dank für die Stege der Heere unb für bte nationale Haltung bet Reichstage« bezüglich ber Bcwillt gütig der Mittel zum Kriege aussprechen könne. „Durch die in der Kriegsgeschichte beispiellosen Siege, welche nach Gottes Willen die heldenmüthige Tapferkeit und die ein- sichtige Führung ber deutschen Heere erfochten haben, ist der Angriff Frankreichs zu-ückgeworfen worden." — Der Ab schluß de« Friedens würde als g. sichert zu betrachten fein, wenn die jetzigen Machthaber, anstatt eine Nationalversammlung zu berufen, es nicht vorzögen, die Kräfte einer edlen Nation einem aussichtslosen Kampfe zu opfern. Die beut’ scheu Regierungen haben mit Bebauern der Uebeqewgung Ausdruck zu gehen, daß ber Friede zwischen den beiden
2lmtiid?er Theil.
Mainz, 21. November 1895.
Da« 4. Grofiherzogl. Infanterie Regiment (Prinz Carl) Nr. 118 will am 9. December d. I in Mainz ote 25jährige Wiederkehr deS Tages von Charnbord festlich begehen.
Es würde für das Regiment eine Freude sein, an diesem Tage mit einem Thell derjenigen Kameraden zu« sammen zu sein, welche den Feldzug 1870/71 im' 4. Großh. Regiment unb im 2. Großh. Jäger-Bataillon mitgemacht haben.
Diejenigen Rameraben aller Chargen, welche dieser Aufforderung Folge leisten wollen, werden gebeten, sich blS zum 2. December per Postkarte beim Bur'au des 1. Bataillons Nr. 118 in Mainz anzumelden und sich am 9. December Mittags zwischen 12 unb 12 Uhr 30 Min. mit ihrem Militär- paß im Hofe der Prinz Carl-Caserne (Mainz, Schillerftraße)
Deutsche» Reich.
Berlin, 23. November. In den vom Kaiser Wil- Helm amäßlich des Erdbebens tn Laibach gespendeten 6000 Mk. find 4000 Mt. für bie evangeliiche Gemeinde in Elbach zum Wiederaufbau ihres Gotteshauses unb Pfarr« gebäubeö unb 2000 Mk. allgemein zur Unterstützung der Be schädigten bestimmt.
Berlia, 23 November. Heute Vormittag begann um 9 Uhr tn der Göhrde die Jagd auf Sauen, nachher fand rin Jogen auf Rothwtld statt. Um 4 Uhr wurde daS Mittagsmahl eingenommen und zwar tn oem Jagdschlösse GSHrde und um 6 Uhr gedachte der Kaiser nach Potsdam abzureisen, woselbst seiner Ankunft heute Abend gegen lO1^ Uhr cntgegengcieben wird.
Berlin, 23. November. Im Auftrage der preußischen Negierung hat Geh. Rath NeuhauS aus dem Mtnisterium für Handel und Gewerbe in Begleitung zweier Gewerbe« räthe eine Studienreise nach England unternommen, um festzusttllen, wie sich bat englische Grobgewerbe mit der bort schon lange gesetzlich eingeführten Sonntagsruhe abfindet. Nachdem bte Herren zurückgekehrt, haben sie einen auSführ. licheu Bericht Über ihre Beobachtungen erstattet. In welcher Weise diese E.sahrungeu verwerthet werden sollen, ist noch Gegenstand ber Erwägungen.
Berlin, 23. November. Auf ein Huldigungs Telegramm, welches der deutsche Bund für Sport, Spiel und Lumen tn seiner Versammlung an Seine Majestät den Kaiser unb König gerichtet hatte, ist an den Vorsitzenden befielben Herrn Dr. Karl Peters folgende Allerhöchste Antwort emgelaufen: Seine Majestät ber Kaiser und König beben das Telegramm vom 22. b. M. erhalten unb laffen ter Versammlung befl deutschen Bundes für Sport, Spiel unb Turnen für bie dargebrachte Hulblgung mit den Wünschen auf kräftiges Blühen und Gedeihen des Bundes herzlich Gn 'fcirforh, 23. November. Soweit bis jetzt bekannt, er- bleiten bei der gestrigen Reich Stags.Ersatzwahl im Wahlkreise Herford-Halle Dr. Wethe (cons.) 6421, Quent n (nl ) 3836, Hoffmann (S°c.) 2338 Stimmen- 892 Summen sind zersplittert. Wahrscheinlich findet Stich- wohl zwi'chen Wethe und Quentin statt.
Bochum, 23. November. Der Verein zumSchutze legen bergbauliche Schäden in den Industrie- beAirten beschloß in feiner heutigen General-Versammlung die Auflösung des Vereins unb seinen Anschluß an ben westfälischen Bauernverein als besondere Bcction. DaS Veretnsvermögen wird dem Bauernverein Iberroiefen werd en.___________
Ausland.
öniftban, 23. November. Seit gestern Mittag liegt Hraf Ta affe tn voller Bewußtlosigkeit.
»om 23. November. Der Pap st hat über die tatVVtt Katholiken in Frankreich Erhebungen attfteflen laffen. Er will die Katholiken einer ganz neuen Station unterwerfen, wozu ihm bereits mehrere Bor- tirsn, unterbreitet find. SS sollen Wahl . Comltos unter öer Leitung eine- Central - AuSfchuffeS in Paris gebildet . erben. Die sociale Tätigkeit unb besonberS bte Lhätigkeit >er Prrffe wird zu diesem Zweck organifirt werden.


