Freitag den 26. Zuli
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Erstes Blatt
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Viertkljähriger
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießer»
Gratisbeilage: Gießener Kamilienblätter.^
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für das Deutsche Reich Winterweizen 2,5, der 2,5, Sommerspelz 1,5, 2,6, Sommergerste 2,6, 2,5, Wiesen 2,3, wobei
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Depeschen des Bure«« »Herold^.
Berlin, 24. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung, laut welcher Demjenigen, der einen Anfertiger oder wissentlichen Verbreiter der fortwährend ctrculirenden falschen Reichskassenschetne zu 50 Mk. zuerst ermittelt, eine Belohnung bis zu 3000 Mk. zugefichert wird.
Berlin, 24. Juli. Beim ersten Bataillon des Kaiser-Franz- Garde-Grenadter-Regiments ist der Typhus ausgebrochen. Nach sechstägiger Krankheit ist am vorigen Samstag der Grenadier Blankenburg von der ersten Compagnie gestorben, fünf Mann sind erkrankt. Auch bei den anderen Compagnien sind mehrere Leute am Typhus erkrankt- dieselben befinden sich im Garnisonlazareth in Tempelhof. Ein zweiter Mann soll gestern Nacht gestorben sein. Die genaue Zahl der Erkrankungen und deren Ursache konnte noch nicht ermittelt werden. In der Kaserne, in welcher der Typhus ausbrach, befindet sich das ganze Regiment.
Berlin, 24. Juli. Zu der Meldung von den thphus-
werde sich wie folgt gestalten: DoS Gardecorps rückt nach der Herbstparade in fünf Tagesmärschen vom 3. bis 8. September heran, rückt' also am 9. September von Südwesten her in die Uckermark ein; dem Gardecorps gesellt sich, von Südosten kommend , das 3. Armeecorps zu, welches am 7. September gegen Königsberg (Neumark) den Anmarsch antritt. Das 2. ArmeecorpS, das am 7. September zur Kaiserparade bei Stettin versammelt ist, marschirt dem Feinde aus dem Nordosten in der Richtung nach Südwesten entgegen, während das 9. Armeecorps von Nordwesten her die Verbindung mit dem 2. Armeecorps herzustellen sucht.
Berlin, 24. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
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Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
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artigen Erkrankungen beim Kaiser-Franz Regiment wird noch berichtet, daß bisher im Ganzen 16 Mann erkrankt find. Zwei davon find gestorben. Der Zustand der Erkrankten wird als ein kritischer nicht erachtet. Anscheinend sind die Erkrankungen hervorgerufen durch den Genuß verdorbenen TrtnkwasferS.
Berlin, 24. Juli. Aus Sofia läßt sich da« „Kleine Journal" telegraphiren: Vorgestern Nachmittag um 4 Uhr wurde von Soldaten in einem Weizenfelde bet dem Dorfe Bojana, etwa eine Stunde von Sofia entfernt, ein angeblicher Student Namens Wtddin Jwanoff verhaftet. Hinten am Halse hatte er eine stark blutende Wunde, welche von dem Revolverschuß herrührt, den der Diener StambulowS auf ihn abgegeben hat. Er wurde halb verhungert und durch Blutverlust geschwächt aufgefunden. Der Mörder steht im Alter von 19 bis 20 Jahren. Die Beweise für seine Schuld find überzeugend. Weiter wird dem Blatt berichtet, daß gestern Nachmittag nach osficiellen Mittheilungen auch der dritte Mörder, Namens Halu, verhaftet worden ist.
Berlin, 24. Juli. £)em „B. T." wird aus London gemeldet, daß sich Kaiser Wilhelm auf einige Tage von Cowes nach Lowther Castle (Westmoreland) zur Jagd begibr, wo er Gast deS Lord Lonsdale sein wird. Die Royal Dragoons werden zum Empfang des Kaisers die Ehrenwache stellen.
Frankfurt a. M.. 24. Juli. Die „Franks. Ztg." meldet aus London: Der Petersburger Correspondent der „Times hat mit dem Präsidenten der Sobranje und anderen Mitgliedern der bulgarischen Kranzdepuration vor deren Abreise aus Petersburg eine Unterredung gehabt, in der sich der Präsident, sowie dessen Collegen über die Ermordung Stambulows gar nicht merklich berührt zeigten, dagegen, die Enthaltung der Regierung und der Armee an der Theil- nähme der Leichenfeier völlig billigten. Ueber den Empfang der Deputation durch den Czaren äußerte sich der Minister- Präsident hoch erfreut.
Bonn, 24. Juli. In der letzten Nacht ist in dem hiesigen Reichshallentheater Feuer ausgebrochen und zwar in der Garderobe. Dasselbe verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit, sodaß das Gebäude theilweise vollständig auS- brannte. Eine Frau, welche aus dem zweiten Stockwerk sprang, trug mehrere Verletzungen davon.
München, 24. Juli. Vor einiger Zeit brachte der hiesige „General-Anzeiger" die Mittheilung, daß den Gendarmen unter Androhung von Arreststrafen verboten worden sei, mit Vertretern der Presse oder Land- und Reichstags-Abgeordneten in Verkehr zu treten. Vor ungefähr 14 Tagen erschien -ein osficiöses Dementi, in welchem diese Nachricht entschieden in Abrede gestellt wurde. Heute veröffentlicht das genannte Blatt nun einen Compagniebefehl vom Jahre 1874, wonach den Gendarmerie-Mannschaften verboten wird, sich Preßvertretern gegenüber über dienstliche Angelegenheiten zu äußern, ferner einen Corpsbefehl von 1893, welcher dieses Verbot auch auf den Verkehr mit Abgeordneten ausdehnt. Um diese Zeit verkehrten nämlich einige Gendarmen in einem hiesigen Restaurant mit einem socialdemokratischen Abgeordneten, weshalb dieselben ihres Dienstes entlassen wurden.
Wien, 24. Juli. In hiesigen diplomatischen Kreisen glaubt man nicht, daß Fürst Ferdinand abdanken wird.
London, 24. Juli. Nachdem General Wolseley definitiv als Nachfolger des Herzogs von Cambridge bezeichnet worden ist, betrachten die Blätter das Project der Erbauung einesTunnels zwischen England undFrankretch unter dem Canal als nun für lange Zeit begraben, da Wolseley aus strategischen Gründen ein heftiger Gegner dieses Tunnelbaues ist.
Sofia, 24. Juli. Mit der Ordnung der Hinterlassenschaft Stambulows wurde ein Stambulow befreundeter Advocat betraut. Nach einer vorläufigen Ueberficht wird die Ordnung der Papiere sehr schwierig sein. Die Activa bestehen nur in Grundstücken, welche unter Sequester stehen. Dagegen ist eine Schuldenlast vorhanden, welche von den Advokaten auf über 300000 Frcs. geschätzt wird.
Sofia, 24. Juli. Ein deutscher Offizier a. D., Richard von Mack, welcher feit längerer Zeit in Sofia Correspondent mehrerer großer auswärtiger Journale ist, veröffentlicht eine Broschüre über die Lage in Macedonien. Er schildert dieselbe ausführlich und sagt u. A., die Macedonier hatten viel unter der Herrschaft der Türkei zu leiden. Der Verfasser zweifelt nicht daran, daß es um Macedonien zwischen Bulgarien und der Türkei zum Kampfe kommen werde- er glaubt, oatz das Fürstenthum in diesem Kampfe nicht unterliegt, wenn die englische Flotte die Heranziehung türkischer Streitkräfte aus Asien verhindert und Serbien sich neutral verhalt. Im un-
Auöruf ausgeftoßen worden wäre, so würde das gegen das Gymnasium nichts beweisen, ebenso wenig wie der Umstand, daß vor wenigen Jahren ein Schüler des protestantischen Gymnasiums wegen Majestätsbeleidigung, verübt während der Kaisersgeburtstagsfeier in jenem Gymnasium, vor Gericht bestraft wurde, etwa auf einen an dieser Anstalt herrschenden deutsch-feindlichen Sinn schließen laffen könnte. 2) Niemals ist eine Kaiserbüste von Schülern des bischöflichen Gymnasiums zerstört worden. Wohl aber ist eine kleine Kaiserbüste aus Gyps beim Transport eines Klaviers, das zum Zwecke der Kaisersgeburtstagsfeier in einen anderen Saal getragen wurde, von ihrem Postamente heruntergestürzt. Wenn hier eine Schuld vorltegen sollte, so träfe sie den Diener. Es wird ohne Zweifel eine Ungeschicklichkeit desselben sein, wie sie im Leben häufig vorkommt. 3) Von Majestätsbeleidigungen, am bischöflichen Gymnasium oder von Schülern desselben begangen, konnten wir nur dies erfahren: Ein Schüler der Tertia wird einer solchen in- criminirt - der Angeschuldigte betheuert aber beständig seine Unschuld- nur ein einziger Schüler zeugt gegen ihn, wo die Wahrheit und Lüge steckt, ist noch nicht constatirt. 4) Unwahr und verläumderisch ist das, was über die „französisch-chauvinistischen Einflüffe" der JnternatSleitung gefabelt und benuncirt wird.
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Neueste Nachrichten. r
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 24. Juli. Die „Post" erfährt, der Anmarsch vier Armeecorps zu den großen Kaisermanövern
Hafer 2,8, Kartoffeln 2,4, Klee
1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittel bedeutet.
Berlin, 24. Juli. Die „Nordd. Allgem. Ztg." be-
I Deutscher Reich.
Straßburg, 24. Juli. Ueber das bischöfliche Gymnasium in Straßburg sind durch eine Anzahl Blätter Angriffe der schwersten Art in die Welt gesetzt korben. ES heißt da, an der betreffenden Anstalt scheine (in bedenklicher Geist zu herrschen, denn die Schüler hätten -bct verschiedenen Gelegenheiten Vive la France ^ufe auS- .zcftoßen, eine Kaiserbüste umgestoßen und sich in Majestäts- Beleidigungen ergangen. Gerüchte dieser Art, wie sie jetzt durch die Presse weiter verbreitet werden, waren allerdings in Straßburg schon seit längerer Zeit im Umlauf und hatten nur Folge, daß die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung -tlnleitete, die zur Zeit noch im Gange ist. Vorläufig sieht idj der „Elsässer" veranlaßt, um weitere Verdrehungen und -Entstellungen zu verhüten, Folgendes zu erklären: 1) An iea bischöflichen Gymnasien sind niemals Vive la France - Rufe auSgestoßen worden. Und wenn auch ein derartiger
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Der siebener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Al«mtkie«vtä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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zeichnet die Blättermeldungen über Bautenforderungen des Marine-Etats nur als Excerpt aus dem laufenden Etat, da der Schluß naheliege, daß bett bewilligten ersten Raten weitere folgen werben. Ueber ble Gestaltung des künftigen Etats sei noch nichts festgestellt.
Wöllstein, 24. Juli. Amtliches Wahlresultat. Bei der am 20. Juli erfolgten Reichstags - Stichwahl im Wahlkreise Bomst-Meseritz-Posen 3 erhielten: Ritterguts- befitzer v. Dziembowski, Meseritz (Reichspartei) 9481, Probst Szymanski, Groß-Dammer (Pole) 8817 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.
Rom, 24. Juli. Der „Italia militare" zufolge beschlagnahmten die Engländer in den letzten Tagen infolge des Einfuhrverbotes von Waffen nach Abessynien 20,000 Gewehre, welche durch die englischen Besitzungen nach Abessynien eingesührt werden sollten.
Deutschlands Führer im großen Jahre
1870/71.
In den schönen Erinnerungstagen an die vor fünfund- zMnztg Jahren vollbrachten nationalen Großthaten gilt es tor allen Dingen auch der erlauchten und hochherzigen, oeoialen und gewissenhaften Führer zu gedenken, welche Deutschlands Volk und Heer in der großen Werdezeit lenkten. Wir dürfen dabei getrost ausrufen, daß niemals ein Volk in kritischer Zeit bessere und größere Führer gehabt hat als Deutschland im Jahre 1870/71.
Allen voran leuchtete der damalige schon allverehrte König Wilhelm I. von Preußen, dessen ehrwürdige, greise Heldengestalt, dessen glänzende Manneswürde, dessen strenge Gerechtigkeit und über alles Lob erhabene Pflichttreue das größte Vertrauen sowohl bei seinen fürstlichen Bundesgenossen als auch im ganzen deutschen Volke einflößte. Mit vollem Rechte hat Kaiser Wilhelm II. seinen ewig unvergeßlichen kaiserlichen Großvater „Wilhelm den Großen" genannt, denn in seiner Charactergröße und in seiner Weisheit und Würde ist Wilhelm I. schwerlich von einem anderen berühmten Herrscher je erreicht worden.
Und welche Männer standen dem Kaiser Wilhelm I. zur geile! In erster Reihe sein ritterlicher Sohn, der damalige 5r»nprinz Friedrich Wilhelm, der im patriotischen Sturme die Herzen der Süddeutschen für den neuen Bund gewann imlh Preußen, Bayern, Württemberger, Hessen, Badenser und Thüringer, ein in der früheren deutschen Kriegsgeschichte oot) nie dagewesener Fall, zum Siege gegen den fränkischen Widersacher führte. Neben dem Kronprinzen glänzte auch Prinz Friedrich Karl von Preußen, dessen Löwenmuth, unbeugsame Thatkraft und hervorragende militärische Erscheinung allen Deutschen Vertrauen und allen Feinden Schrecken ein-
\inb welchen Staatsmann hatte sich Kaiser Wilhelm I. aal gewählt! Den damals schon weltberühmten eisernen Bundeskanzler Grafen Bismarck, der gegen eine Welt voll Femde in den Jahren 1862 bis 1870 Preußen und den omen Norddeutschen Bund diplomatisch, politisch, militärisch unb selbst auch finanziell so stark gemacht hatte, daß mit besten Aussichten auf Erfolg an das große Werk der Nieder- tversung des Erbfeindes und der Wiederaufrichtung des ganzen Reiches gegangen werden konnte.
Mit großartiger, durch unermüdliche Arbeit gestählter Genialität stand auch der General von Moltke, der Chef des Großen Generalstabes, auf dem Plane und in dem General ton Roon hatte das Heer den gewissenhaftesten und zuverlässigsten Kriegsminister, Organisator und Administrator, den <8 je gegeben hat. Gleich würdig an Geist und Tugend flössen sich diesen großen militärischen Leitern alle deutschen Heerführer an, wie der Kronprinz (jetzige König Albert) von Sachsen, die Generäle v. Manteuffel, v. Göben, v. Werder, t, Bose, v. Kirchbach, v. Voigts-Rheetz, v. Kamecke, t. Blumenthal, von der Tann und viele Andere.
Groß und herrlich ist auch das Verdienst der deutschen AundeSfürsten am Einigungswerke. Eifrig waren die Könige ton Sachsen und Württemberg, sowie die Großherzöge von Baben, Hessen, Weimar usw., ihre Kräfte und ihren Einfluß irr Wiedergeburt Deutschlands zu widmen, und unvergeßlich bleibt auch auS jener kritischen Zeit, daß König Ludwig der Zweite von Bayern unverzüglich die Mobilmachung des bayerischen Heeres für die deutsche Sache befahl und im verlaufe des ruhmreichen Krieges die Wiederaufrichtung der bkutschen Kaiserwürde anregte. So war im großen Jahre Mi Segen Deutschlands auch Einmüthigkeit unter Deutsch- Im ds Führern und so soll eS immer sein!
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