Ausgabe 
26.6.1895
 
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Versammlung einberufen und hält vorläufig Rücksprache mit den Führern aller Parteien. Die bulgarische Regierung versucht die Unruhen auf jede Weise zu unterdrücken.

Die Enthüllung des Ohly-Denkmals auf der Neunkircher Höhe.

(Eigenbericht deSGießener Anzeiger.")

Z. Darmstadt, 24. Juni.

Auf der höchsten Höhe des hessischen Odenwaldes ist gestern eine herrliche Feier begangen worden, die wohl allen Theilnehmern unvergeßlich in Erinnerung bleiben wird. Der Odenwaldclub hat seinem unermüdlichen Leiter, dem ver­blichenen Oberbürgermeister Albrecht Ohly ein dauerndes Monument geweiht, das noch vielen künftigen Geschlechtern das Lob des begeisterten Naturfreundes, dem der Odenwald so viel zu danken hat, verkünden wird. Die Feier war nicht in allzu großem Maßftabe geplant, aber die Theil- nähme der vielen Tausenden, die gestern in dem lieblichen Dörfchen zusammenströmten, gab ihr einen ganz allgemeinen, voiksthümlichen Character. Schon am Tage zuvor hatte in allen Theilen des Odenwaldes eine wahre Wallfahrt nach Neunkirchen begonnen und am Festtage selbst war ein Massen­aufgebot von Fuhrwerken aller Art in der ganzen Umgegend riöthig, um die Fahrlustigen alle befördern zu können. Der O'enwaldclub marschirte über Lützelbach zum Festorte und srierte den für seine Geschichte bedeutungsvollen Tag durch ein Festmahl in dem genannten Dorfe am Fuße der Neun- ki.cher Höhe. Neunkirchen selbst legte in der ersten Morgen­stunde des Sonntag ein buntes Festkleid au und allenthalben riefen fröhliche Inschriften den zuströmenden Gästen ein herzlichesWillkommen" zu. Nach 12 Uhr begann die Feier am verhüllten Denkmal, um das sich Tausende ge° schaart hatten. Ein imposanter Festzug brachte die Sänger, die sich aus den Gesangvereinen sämmtlicher ringsumher liegenden Dörfer versammelt hatten. Zuerst begrüßte der Vorsitzende der SectionOberes Modauthal" des Oden­waldclubs die Anwesenden. Dann bestieg der Vorsitzende des Gesammtvereins, Herr Juwelier Müller, die festlich geschmückte Rednertribüne und hielt die Weiherede. Er wies darin auf die unvergänglichen Verdienste Albrecht Ohlys um den Odenwaldclub und um den Odenwald selbst hin. Noch vor wenig Jahren sei der breite Touristenstrom am Odenwald und seinen prachtvollen Schönheiten achtlos vorüber­gegangen, und jetzt kämen alljährlich Tausende aus allen Gauen Deutschlands in das Starkenburger Bergland, um Kraft und Gesundheit zu erlangen. Das sei nicht zuletzt ein Verdienst der unermüdlichen Propaganda Albrecht Ohlys und darum gebühre ihm an einer landschaftlich so wundervollen Stätte ein bleibendes Erinnerungszeichen für sein Wirken. Das Denkmal solle den Odenwäldern eine Mahnung sein an all das Gute, was ihnen Ohly gethan, sie möchten es deshalb wohl pflegen und nie auch nur die geringste Beschädigung dulden. Sein Zu­standekommen sei in erster Linie der hochherzigen För­derung begeisterter Naturfreunde zu danken. Vor allem gebühre Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog für seine huldvolle Förderung Dank, desgleichen den Behörden für ihre Unterstützung. Namentlich aber müsie man dem Schöpfer des Werkes, dem jungen Bildhauer, Herrn Ludwig Habich, Dank sagen für die glänzende Lösung seiner schwierigen Aufgabe. Allgemein sei der Wunsch, daß dieses Anfangswerk dem jungen Künstler ein Sporn sein möge zu weiterem rastlosen Schaffen, das dann sicher auch den gleichen Erfolg ernten werde.

Als nun die Hülle von dem Denkmal fiel, da zeigte sich die lebensgroße Broncebüste Ohlys auf einer hohen Granitsäule, die ein muschelförmig gestaltetes Brunnenbecken krönt. Ein Löwenkopf spendet frisches Quellwaffer in das große Becken. An der Säule selbst ist eine große Erztafel an­gebracht, die eine von Eichenlaub umrankte Widmung enthält. Das Staunen über die frapptrende Aehnltchkeit und die künstlerische Vollendung der lediglich nach Photographieen modellirten Büste war allgemein und ein allgemeines lautes Bravo schallte dem Schöpfer des Werkes uls Dank der zahl­losen Anwesenden entgegen. Nach dem Chorvortrage eines Liedes übernahm dann der Bürgermeister von Neunkirchen im Namen des Dorfes das Denkmal und versprach, es treulich Pflegen und erhalten zu wollen. Dann richtete der Vertreter der anwesenden Familienmitglieder Ohlys, Herr Amtmann Braun, herzliche Worte des Dankes an alle An­wesenden und darauf folgten zahlreiche Ansprachen von Vertretern benachbarter Touristenvereine, die meist pracht­volle Kranzspenden überbrachten. Zuerst ergriff Herr Geh. Hofrath Professor Dr. Behaghel aus Freiburg i. B. das Wort, um im Namen des Schwarzwaldvereins zu sprechen, dann folgten Huldigungen des Vogelsberger Höhenclubs, für den Herr Professor Schweisgut sprach, des Taunusclubs u. s. w. Gemeinsamer Chorgesang schloß die würdevoll verlaufene Feier. Nun strömte Alles zn dem nahegelegenen Festplatz, wo die heitere Festesfreude bald zu ihrem Rechte kam. Das Gedränge wurde hier mitunter beängstigend, doch herrschte allgemein die ausgelassenste Fröhlichkeit. Allmählich zogen die Touristenschaaren wieder von dannen, um nach mehrstündiger Wanderung die Stationen der Odenwald- oder Main-Neckarbahn zu erreichen. Wie es Abends in Neunkirchen zuging, kann Ihr Referent nicht mittheilen, da er schon in den letzten Nachmittagsstuuden an den Rückmarsch denken mußte. Das Fest aber bildet für den Odenwaldclub einen Ruhmes- und Ehrentag, er hat sich selbst ein schönes Denk­mal gesetzt, indem er seinem Leiter und Freunde eine pietätvolle Huldigung darbrachte. Die vorstehenden Zeilen vermögen dem, der nicht an der Feier theilgenommen, nur ein schlechtes Bild von dem prächtigen Verlaufe zu geben, aber sie sollen doch in kurzen Zügen von einem der schönsten Feste berichten, das jemals im Odenwald gefeiert worden ist und zugleich sollen sie dazu beitragen, dem

schonen Berglande des südlichen Hessen noch mehr Freunde zuzuführen.

tsccdtes rmö HeovLnzLeSes.

Meßen, bett 25. Juni 1895.

* * Kr. Schenkung. Der Director der Großh. badischen Kunstgewerbeschule zu Karlsruhe, Professor K. Götz, hat der Landesuniversität eine Anzahl werthvoller kunstgewerblicher Publikationen, größtentheilS nach seinen eigenen Werken ver­anstaltet, in prächtiger Ausstattung zum Geschenk gemacht. Die Bücher sollen alsGötz-Schenkung" vereinigt bleiben und dem Institut für Kunstwissenschaft überwiesen werden.

* * Anschluß der Blitzableiter au die Gas- und Wasser- leituugeu betreffeud. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, wird von dem Städtischen GaS- und Wasserwerk demnächst eine Erklärung seines Verhaltens in vorstehender Frage veröffentlicht werden, welche geeignet sein wird, die durch die jüngst erfolgtenEingesandt" etwa beunruhigten Gemüther wieder zu beruhigen. Genannte Verwaltung möchte ihren Standpunkt in dieser Frage durch theilweise noch zu erwartende AuSkunftsertheilung seitens maßgebender Stellen belegen.

* * 22. Mittelrheinisches Turnfest. Morgen (Mittwoch) Abend findet die erste Gesammtprobe der vereinigten Männergesangvereine statt. (Siehe Inserat.)

* * 22. Mittelrheinisches Kreis - Turnfest. Der Fest­karten - Verkauf hat bei den in den Plakaten bekannt gegebenen Verkaufsstellen begonnen und dürften hierzu folgende Mittheilungen von Interesse sein: Die Familien- und Einzel-Festkarten haben Giltigkeit zur Vorfeier am Sonntag den 30. Juni und zur Hauptfeier vom Samstag den 6. bis Mittwoch den 10. Juli. Die Familien karten kosten 4 Mk. und bestehen aus einer Hauptkarte und zwei Beikarten, welche auf Namen aus­gestellt werden. Anspruch auf Familien-Beikarten haben: 1) nur solche Personen, die wirklich zur Familie ge­hören, 2) alle weibliche Personen, einschließlich des von auswärts kommenden 'Besuches weiblichen Ge­schlechts und der Dienstmädchen, 3) männliche Familien­glieder bis zum 18. Jahre. Diese Familien-Beikarten sind nach Bedarf zur Hauptkarte für je 1 Mk. zu beziehen. Kinder von 1014 Jahren zahlen hierfür 50 Pfg. Die Einzel-Fe stkarten kosten 2 Mk. 50 Pfg. und find von allen männlichen Personen vom 18. Lebensjahre an zu lösen. Die Respectirung dieser Bestimmungen wird die Arbeit der Verkaufsstellen erleichtern und wolle man bet Lösung der Karten genau auf richtige Eintragung deS Namens Bedacht nehmen, da die Karten ohne genaue NamenSauSstellung oder mit Namensänderungen am Eingänge des Festplatzes ein­gezogen werden.

* 22. Mittelrheinisches Turnfest. Es haben sich .bis heute 140 Vereine mit 1921 Turnern zur Theilnahme am Mittelrheinischen Turnfest gemeldet. Eine größere Anzahl von Vereinen deS Gaues Hessen, sowie solche aus dem Gau Frankfurt a. M. stehen noch auS. Nach dem bis jetzt vor­liegenden Meldeergebniß wird Darmstadt am stärksten mit 160 Turnern hier erscheinen, indeß wird mitgetheilt, daß die Theilnahme der Turner Frankfurts eine weit größere sein wird. Musterriegen find 115 gemeldet, doch sind noch mehr als 10 Meldungen zu erwarten, so daß wir nach dieser Richtung dem Darmstädter Fest wohl mit 125 Mufterriegen über sein werden. Das erste Mal werden Damenriegen auf einem mittelrheinischen Fest bet uns auf dem Platze sein und dadurch das Interesse für die turnerischen Uebungen bedeutend beleben. Von den Musterriegen kommen auf die Gaue Rhein-Mosel 5, Offenbach - Hanau 8, Frank­furt 17, Nahe-Idar 5, Süd-Nassau 5, Rheinhessen 10, Saar-Blies 2, Main-Rhein 6, Main 4, Hessen 33, Lahn- Dill 2, Unter-Nahe 1, Main-Taunus 12, Mittel-Taunus 1, Wiesbaden 6, Unter-Mosel 2. Die Musterriegen vertheilen sich auf die einzelnen Geräthe wie folgt: Barren 54, Reck 22, Pferd 22, Fechten 5, Eisenstab 5, Sprungtisch 1, Spielreigen 4, Damenreigen 2, außerdem Fechtübungen im Kreis 1, Gauringen im Gau Hessen 1. Gespannt ist man allgemein auf die Fechtübungen, weil diese in der letzten Zeit einen sehr großen Aufschwung ge­nommen haben. Wir hören auch, daß die Eisenbahu- Direction Frankfurt a. M. Extrazüge etnstellen wird, um den zum Turnfest zu erwartenden Massenverkehr bequem und schnell erledigen zu können. Wünschenswerth wäre, wenn auch aus der Richtung Kassel Sonderzüge für die Turnfest­besucher eingerichtet würden, denn auch von jener Gegend erwarten wir einen Strom von Feftbesuchern, die mit den fahrplanmäßigen Zügen wohl schwerlich prompt und bequem befördert werden können.

* * Feldbergsest. Am Sonntag den 23. Juni wurde das Feldbergfest abgehalten, an welchem sich 25 Turner des Gaues Hessen betheiligten, von denen nur einer durchfiel, ein anderer zurücktrat. Es wurde zum ersten Mal der Fünf­kampf borgenommen, und zwar wurden geturnt volkSthümliche Uebungen, Stabhoch-, Freihoch- und Freiweitsprung, Stein- stoßen und Stemmen von 75 Pfd. mit zwei Händen. Es waren im ganzen 604 Wettturner angetreten, wovon etwa 300 Preise errangen. Die beiden Turnvereine Gießens entsandten 10 Wettturner, welche alle als Sieger hervor- gingen. Es erhielten Preise: Chr. Weeg (Turnverein) den 19. mit 36 Punkten, Wilhelm Ziegler (Turnverein) den 22. mit 341/2, Heinrich Weller (Männerturnverein) den 23. mit 34, Emil Marx (Turnverein) und Adolf Schäfer (Männerturnverein) den 25. mit 33, Hermann Haubach (Turnverein) und Ferdinand Nennstiel (Männerturnverein) den 26. mit 311/2, Hermann Krö cker (Turnverein) den 28. mit 311/z, Rudolf Hahn (Männerturnverein) den 33. mit 291/2, Heinrich Pieper (Turnverein) den 37. Preis mit 27 Punkten.

* Schwindlerin. Gestern Nachmittag erschwindelte ein Frauenzimmer von auswärts in einem hiesigen Schuhwaaren-

geschäft drei Paar ausgeschnittene Damenschuhe. Man ist der Thäterin auf der Spur.

* * Unfall. In der Bahnhofstraße gerieth gestern ein vier Jahre altes Kind unter ein Fuhrwerk, glücklicherweise ohne ernstere Verletzungen davonzutragen.

* Sachbeschädigung. In vergangener Nacht wurden an mehreren Einfriedigungen in der Gartenstraße die Capitäle heruntergeworfen und theilweise beschädigt. Hoffentlich gelingt es, die Thäter zu ermitteln.

* * Die Newyorker Handelskammer warnt hiermit wieder­holt Buchhalter, Handlungögehülsen und ähnliche Stellen­suchende vor der Auswanderung nachNord-Amerika, ohne vorheriges festes Engagement. Es giebt in diesen Branchen gegenwärtig Hunderttausend Stellenlose und auf beffere Aussicht ist in nächster Zukunst nicht zu hoffen. Bon amerikanischen Firmen werden dagegen sehr häufig Adressen von Personen als Agenten und Vertreter in allen Branchen für Deutschland, Oesterreich, Schweiz, rc. verlangt, und ist das Secretariat: Room 79, Whitehall Str. 15, New-Aork, gerne bereit, an Reflectanten die Liste dieser Firmen und nähere Details kostenlos mitzutheilen.

R. Reichelsheim. 24. Juni. Die Lage der Bahnhöfe und Haltestellen, die Zu- und Abfahrwege an unserer Bahn­linie FriedbergSalzhausenNidda, find von einem Rathe des OberbaucollegS eingesehen worden und können daher jetzt als definitiv feststehend angesehen werden. Die Haltestelle für unsere Nachbargemarkung Bingenheim wird etliche hundert Meter weiter östlich bis an die große Staats­straße verlegt, welche von Bingenheim nach Gettenau führt und von der südlichen Seite deS Dorfes die Horloff über­schreitet. Hier an dieser Stelle müßte doch ein ständiger Wärter verwandt werden, weil der Verkehr ein lebhafter und in Zukunft, wenn Bahn, Brücke und Staatsstraße zusammen­treffen, auch zugleich ein nicht ungefährlicher ist. Der Wärter kann zugleich das Aus- und Etnsteigen der Reisenden, den Verkauf der Fahrkarten und das Oeffnen und Schließen der Schlagbäume überwachen. Bingenheim und Gettenau erhalten also einen gemeinschaftlichen Haltepunkt. Derjenige von Echzell wird weiter nach Osten verlegt. Die Einwohner von Echzell auf der Westseite können den Haltepunkt von Gettenau benutzen, denn Echzell und Gettenau berühren sich« Für die Imker macht sich der Sommer doch besser als man vor einigen Wochen fürchtete. Die Bienen tragen, durch den reichlich blühenden Klee begünstigt, sehr gut ein. Die zu Grunde gegangenen Völker find freilich noch nicht ersetzt und wird auch in diesem Jahre nicht mehr geschehen. Bei uns, in der mittleren Wetterau, ist es außerordentlich trocken geworden- während rund herum mitunter starke Regengüsse niedergingen, haben wir nichts erhalten. Die Gemüsepflanzungen in den Gärten leiden empfindlich darunter.

L. Bleicheubach, 24. Juni. Die Erträge der Kirschbäume an unseren Staatsstraßen find an einigem Plätzen recht befriedigend ausgefallen, obgleich wir in diesem Jahre gar kein Kirschenjahr haben und die Bäume von den Maikäfern mitunter recht geschädigt worden sind. Bis zur Stunde finden sich noch Maikäfer an Eichen, Haselnuß, Weiden, Kirschen und Roßkastanien in Menge. Auf die Ktrschenerträge zurückkommend, bemerken wir, daß auch das Nidderthal hinauf bis Ltßberg Kirschen mit Erfolg ange- pflanzt werden können. Es giebt hier eine Partie Bäume,, welche trotz der ungünstigen Witterungsverhältnisse einen halben Gentner Früchte angesetzt haben und gut bezahlt worden find. An den Staatsstraßen finden sich Kirschbäume bis an die südliche Grenze unserer Provinz in der Nähe von Gelnhausen. Die Weinberge in Büdingen haben kräftig ausgetrieben, wenn auch starke Frostschäden zu melden sind. Die Traubenblüthe steht nahe bevor.

n. Bönstadt. 23. Juni. Heute wurde hier daß 14. BÜndeSfest des Nidderthal-SängerbundeS abgehalten, das bei schönstem Wetter einen großartigen Verlauf nahm. Um die Mittagszeit strömten die Festgäste ohne Zahl herbei, während die 23 Bundesvereine sich schon vorher eingestellt hatten. Nachdem die Begrüßungsfeierlich­keiten vorüber waren, begannen sofort die Einzelgesänge der Bundesvereine auf der vom Präsidenten des Bundes, dem. Herrn Grasen Oriola zu Büdesheim gestifteten Tribüne Hiernach fand der stattliche Festzug statt. Eröffnet wurde er von einer Anzahl Festreiter, denen die Schuljugend sich anschloß. Unter den Klängen von zwei im Zug vertheilten Mufikcapellen setzte sich derselbe in Bewegung, um nach dem Pasflren des Orts wieder nach dem Festplatz zurückzukehren« Herr Pfarrasfisteut Peters hielt die Festrede, in der er iw- warmen Worten die Aufgabe der Gesangvereine und die Macht und veredelnde Wirkung des deutschen Liedes schilderte. Be­geistert wurde das Hoch auf Sc. Majestät den Kaiser und- Se. König!. Hoheit den Großherzog ausgenommen. Das nächste Hoch galt dem Bundespräsidenten, dem Herrn Grafen' Oriola, der von Kiel ein Begrüßungstelegramm gesandt hatte. Damit endete der officielle Theil und bald erklangen die Tanzweisen, die trotz der heiß herabbrennenden Junisonne die Jugend aus den schattigen Zelten hinaus auf die beiden Tanz- böden lockte.

= Aus dem Kreise AlSfeld, 24. Juni. Ein H e u s e g e n ist bei der jetzt zu Ende gehenden Heuernte eingeheimst worden, dergleichen in den letzten Jahrzehnten nicht dagewesen ist. Die Heuschober, Heuviertel und Heuböden sind bis oben hin voll gefüllt des trefflichen Futters. Bei diesem ungemein reichen Quantum ist auch die Qualität des diesjährigen Heues eine ganz ausgezeichnete. Einmal noch meist voller Blüthen gemäht, ein Zeitpunkt, darinnen das Heu am werth­vollsten', ist es das andermal in vollkommenster Art ge­dörrt in die Scheuer gebracht worden. Ein solch reicher Futtersegen setzt nun den Landwirth nach zwei Jahren der Futterarmuth wieder in die Lage, seinen Viehstand auf die gewohnte Höhe zu bringen. Die Lücken, die das Futter- NothftandSjahr 1893 dem Viehstande gebracht, dürften Heuer in der Thal wieder ausgeglichen werden können. In den