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Nach Baltimore.
Qceantahrt nach Newyork 7-8 Tage.
merika. rideo. Nach tnoi Mres.
Vorzügliche billl®e Beieegelegenheit.
e Auskunft durch: wlhof, Giessen, ,gmi Wilhelm
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Mittwoch den 25. September
Nr. 225
189Ä
Gießener Anzeiger
Kemral-Wnzeiger.
Amts- uttb Anzeigeblatt iüv den Kreis Gieren
] Hratisöeikage: Gießener Kamitienötätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folfltnbm Tag erfcheinendm Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Die Gießener
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Der
^iejener Anzeiger erscheint täglich, ■rit Ausnahme deS Montags.
Amtlicher Thsil.
Bekmmtmachnng, Amtstage des Großherzoglichen Kreisamts Gießen betreffend. Die unterzeichnete Behörde wird
Samstag he« 5. Cctobcr 1895, Vormittags, einen Amtstag im Rathhause zu Grünberg abhalten und wird den Kreis-Eingesessenen aus den AmtSgerichts-Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen.
Gießen, den 23. September 1895. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 23. September 1895. Betr.: Wie vorher.
DsS Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirkeu Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen.
v. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. September. Wiederholt haben in den letzten Tagen die aufgetauchten Gerüchte von angeblichen neuen Krisen in den Berliner Regierungskreisen theilS von offb zioser, theilS von anderer Seite her eine so entschiedene Dementirung ersahren, daß man letzterer wohl glauben muß. Diese Gerüchte hatten namentlich an die Frage einer neuen Ausnahmegesetzgebung gegen die Sozialdemokratte angeknüpft, und von einem behaupteten ernsten Confltcte zu berichten gewußt, der in dieser Angelegenheit zwischen dem Kaiser und seinem ersten Rathgeber, dem Reichskanzler, entstanden sein sollte. ES stellt sich aber nunmehr fast zweifellos heraus, daß hier nur müßige Combinationeu Vorlagen, und daß die Zeit für den Fürsten Hohenlohe, seinen Poften an der Spitze der Reichs- und der preußischen Staatsgeschäfte einer jüngeren Kraft überlasten zu müsteu, wohl noch nicht gekommen ist. Auch die Meldungen über die angeblich wieder einmal erschütterte Stellung des StaatSsecretärS im auswärtigen Amte,
Frhrn. v. Marschall, sind offenbar ebenfalls nicht ernst zu nehmen, eS scheint sich hierbei vielmehr nur um bekannte Wünsche von gewisser Seite zu handeln. Was im Uebrigen die so viel erörterte weitere Stellungnahme der Regierung gegenüber den sozialdemokratischen Bestrebungen anbelangt, so ist jetzt auch auf diesem Gebiete eine Klärung dahin eiugetreten, daß eine neue Sozialifteu-Borlage im Reichstage nicht erfolgen wird.
— Die Meldung von der Einbringung eines neuen Tabakfteuergesetzes im Reichstage, welche von der freiconservativen „Post" mit einer gewtsten Bestimmtheit ver- treten worden war, erfährt in verschiedenen officiösen oder sonstwie „inspirirten" Preßorganen ein ebenso bestimmtes Dementi. In der That würde die Vorlegung eines abermaligen Tabaksteuergesetzes dem Reichstage angesichts der in parlamentarischen Kreisen noch immer bestehenden Abneigung gerade gegen dieses Steuerproject keinen rechten Zweck haben und der Regierung nur eine neue Niederlage in Aussicht stellen. Außerdem wäre der Moment zur Wtedervorlegur.g eines Tabakfteuergesetzes in Hinblick auf die unerwartet günstigen Abschlüsse in den Reichseinnahmen des laufenden Etatsjahres gewiß herzlich schlecht gewählt.
Kassel, 23. September. Unter zahlreicher Betheiligung begannen heute Vornüttag im großen Saale des Palais- Restaurant die Verhandlungen der Hauptversammlung deutscher Gewerbeveretne. Im Auftrage der Staats- regierung war Regierungs-Assessor v. Heinz und der com- miflarische RegierungS- und Gewerberath Steinbrück, im Auftrage der Stadt Oberbürgermeister Westerburg nebst mehreren Stadträthen, außerdem Vertreter der hiesigen Handelskammer und des JnnungSauSschuffes erschienen. ES waren etwa 80 Delegirte von Gewerbevereinen und Gewerbekammern auS allen Thetlen Deutschlands anwesend. Auch der Vorstand deutscher Gewerbeschulmäuuer und der Vorstand deS schweizerischen Vereinsverbandes hatten Delegirte gesandt. Der Vorsitzende, Ingenieur Berghausen, begrüßte die Delegirten, indem er der Meinung Ausdruck gab, daß nur auf dem Boden der Gewerbefreiheit Gewerbe und Handwerk gedeihen können. Oberbürgermeister Westerburg begrüßte in demselben Sinne die Hauptversammlung im Namen der hiesigen Stadtb-hörden und der Bürgerschaft.
Nerrefte
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 23. September. Der „Post" zufolge ist im Auftrage der Capregierung der reformirte Geistliche Mar
chand aus Rendebosch bei Capstadt hier eingetroffen, um die deutschen Arbeitercolonieu, Besserungsanstalten rc. zu bee sichtigen und die Arbeiterfrage zu studiren.
Kiel, 23. September. Bisher sind inSgesammt acht Leichen der mit dem Torpedoboot 8 41 in der Jammber- bucht Verunglückten angetrieben worden. Heute Vormittag ist das Torpedoboot 8 35 abgegangen, um die Leiche des OberfeuermeisterS Reichenberg überzuführen.
Kassel, 23.September. Der BerbandStag deutscher Gewerbevereine stellte in einer Resolution die Forderung, daß über die von der Berliner Handwerker-Conferenz gemachten Vorschläge, betreffend die Schaffung einer Zwangs- organisation, das gesammre deutsche Handwerk und nicht bloS ein kleiner, in Jnnungsverbände zusammengefaßrer Thetl desselben gehört werde. Der BerbandStag sprach fich einstimmig für die Schaffung eines gesetzlichen hypothekarischen Sicherungsrechtes aus, welches mit dem Tage des Baubeginns für alle Diejenigen in Wirkung treten soll, welche zu einem Bau Material geliefert oder Arbeiten geleistet haben.
Aachen, 23. Septbr. Auf Grube „Goulry" bei Würselen wurden infolge schlagender Wetter drei Bergleute getödtet.
Dresden, 23. September. In der heute Vormittag unter dem Vorsitze von Pouillet-Paris begonnenen Berathungen des Literarischen CongresseS erregten die Mittheilungen der Vertreter der der Convention noch nicht beigetretenen Länder Orsterreich-Ungarn, Dänemark, Schweden und Norwegen besonderes Interesse. Nach dem Berichte VaunoiS über das Urheberrecht an Kunstwerken wurde folgender Antrag angenommen: Die Entäußerung eines Kunstwerkes an fich soll nicht die Entäußerung deS ausschließlichen NachbildungSrechtS in fich schließen. In dieser Hiuficht bleibt das Eigenthumsrecht deS Künstlers am Kunstwerk bestehen. WüuschenSwerth ist, daß in allen Unionstaaten dieser Punkt eine gleichmäßige Lösung finde. Daran schloß sich ein Bericht über das Urheberrecht in Mittel- Südamerika , sowie über die Verhältnisse in Oesterreich- Ungarn.
Rom, 23. September. Nach der Parade, die nach 12 Uhr beendet war, nahmen der König, der Prinz von Neapel, sowie Ministerpräsident Crtspi, der Kriegs- und der Marineminister vor dem königlichen Wagen Aufstellung und der Vorbeimarsch der Vertreter der Armee mit Fahnen und der Veteranenvereine mit Musik begann. Den Gartbaldianern war ein Ehrenplatz bei dem Veteranenfeste eingeräumt. Bei dem Vorbeimarsch wurden vor dem König und der Königin die Fahnen zum Gruße gesenkt. Die Veteranen und die Garibaldianer entblößten das Haupt, schwangen die Hüte
Fe«illeton.
Sein Ideal.
Humoreske von E. Greiner.
(Nachdruck verboten.)
In der versteckten Laube einer Vorstadt-Restauration saßen, die bunte Schülermütze auf dem Kopfe, drei hoffnungsvolle Zöglinge deS königlichen Neuen Gymnasiums und versuchten sich mit mehr oder weniger Geschick in allerlei liebenswürdig - flegelhaftem Commeut des künftigen CorpS- bruderS.
„Kellner, eine dritte!" rief mit vielversprechendem Bier- baß der dicke August Müller, Primus der Untersecunda, und trommelte mit der geleerten Flasche einen Wirbel auf den Tisch. „Du," wendet er sich dann zu seinem Nachbar zur Rechten, „Du hast unS hierher eingeladen, wie viel nimmst Du auf Deine Tasche?"
Der Gefragte, ein geschniegeltes Bürschchen von siebzehn Jahren, NamenS Alonso Meyer, von seinen Mitschülern cou- sequent „Don Alonso" genannt, zog lächelnd sein wohl- gefülltes Portemonnaie. „Ein Glücklicher knausert nicht, darum, lieber August, thue Deinen Gefühlen keinen Zwang an."
„Hast wohl Deiner Großmutter Garn gehalten und einen Fünfziger dafür bekommen?" hänselte mit hoher Fistelstimme der Obertertianer Willy Schneider.
„Wenn Du in Deinem Obertertianerhirn nicht mehr Witz haft, so halt den Schnabel, Grasaffe," rügte Müller. „Don Alonso und einer alten Frau Garn halten! — Da machte wohl eher mein Pudel der alten Katze meiner Wirthin Fenfterpromeuade. Und von einem elenden „Fünfziger" schwatzt das Mondkalb? Jedes neugeborene SHnb weiß es, daß Don Alonsos Alter der Bankier Meyer in der Schloßstraße ist und seine Frau Mutter die geborene von Zitzewitz e*f Zitzewitz, das sagt genug. Aber ruh reinen Wein ein-
geschenkt, edler Don," schloß der Sprecher, den Genannten derb auf die Schulter schlagend, „welchem frohen Ereigniß verdanken wir Deine generöse Idee, uns heute mit Freibier zu regalireu?"
„Schwatzt das alte Bierfaß von „Freibier" und ich trinke doch Milch und Don Alonso trinkt Kaffee!" krähte Willy im höchsten DiScant, daß der Pudel, kein Freund menschlichen Gesanges, heulend den Schweif einzog und sich unter den Stuhl seines Herrn verkroch.
An Müllers Stierkopf schwoll die von seinen Com- militonen gebührend respectirte ZorueSader.
„Zu MuS rühr ich Dich, elender Knirps, wenn Du noch einmal wagst, in Gesellschaft von Secundauern ungefragt den Schnabel aufzuthun!" drohte jener, indem er Anstalt machte, seiner Drohung zugleich die That folgen zu laffen.
Das mit vielem Vergnügen und großen Erwartungen geplante „gemüthliche Beisammensein" schien bereits in seinen Anfangsftadien einen recht ungemüthlichen Verlauf nehmen zu wollen, als der Veranstalter deffelbeu im rechten Augenblick mit seinem zierlichen Spazierstöckchen kräftig auf den Tisch schlug.
„Silentium! Bitte mirs auS!" rief er in befehlendem Tone. „Entweder, Ihr betragt Euch anständig oder wir gehen nach Hause und Ihr könnt warten, bis ich wieder ein- mal Lust verspüre, Euch einzuladen, um Euch mein neuestes Geheimniß auzuvertrauen."
ES ist eine schöne Sache um die Macht der Rede: Müller ließ augenblicks seine großen Hände von seinem schmächtigen Opfer, und dieses begnügte fich damit, dem Gegner eine wüthende Grimasse zu schneiden.
„WaS bemerkt Ihr an mir?" fragte nach Wieder- Herstellung der Ordnung Don Alonso, indem er fich mit gekreuzten Armen uud hochgehobenem Haupte in seinen Stuhl zurücklehnte.
Betroffen schauten die andern ihn an.
„Einen frisch aufgeknüpften Hemdenkragen," sagte Müller trocken.
„Du hast Deine Locken brennen lassen," errieth Schneider.
Meyer lächelte mitleidig.
„Habt Ihr denn keine Augen im Kopfe?" fragte er, indem er mit Daumen und Zeigefinger eine zwirbelnde Bewegung längs der Oberlippe machte. „Da seht her, der schönste Ansatz zu einem prächtigen Schnurrbart!"
„Du bist verrückt," erklärte Müller ohne jegliche Würdigung der interessanten Mittheilung.
„Hast Dir wohl „Barterzeuger" gekauft oder bei zunehmendem Monde Sympathie gebraucht?" forschte dagegen um so neugieriger der Obertertianer. „Wahrhaftig, ich sehe es genau: da zeigt fich schon ein blauer Schimmer."
„Blauer Schimmer hin, blauer Schimmer her," polterte Müller nicht ohne heimlichen Neid, „in der Secunda trägt man nur einen Bart, um deßhalb bei jeder Gelegenheit vom Ordinarius gehänselt zu werden."
„Oder um einer jungen Dame zu gefallen, die man liebt," entgegnete Alonso mir geheimnißvollem Lächeln. „Nehmen wir au, alter Freund, dies wäre mein Fall —"
„Was? — Dü — Du —" stotterte Willy erschrocken, „doch nicht vielleicht — weißer Hut mit rothen Schleifen, blonder Hängezopf, geht in die dritte Klasse des Victoria- Instituts?"
Alonsos Lippen kräuselten fich spöttisch.
„Keine Angst, Kleiner! Mein Ideal ist eine wirkliche junge Dame und trägt keine Schultasche mehr."
„Aber wer ist fie denn? Wo lerntet Ihr Euch kennen?" drängte jener, noch immer nicht völlig beruhigt.
„Vorläufig ist mein Ideal noch namenlos," gestand Alonso, augelegentlich seinen goldenen Siegelring drehend. „Lennen lernten wir unS vor vierzehn Tagen an der Kaiser- straßen-Ecke und seitdem — nun, warum sollte ich eS nicht sagen — ist eS im mich geschehen."
(Fortsetzung folgt).


