Ausgabe 
25.7.1895 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag den 25. Zm>

189®

Erstes Blatt

St. 172

Amts- und Anzeigeblatt für den Krete Gietzen

chratisöeikage: chießener Kamiticnötätter.

>mc.

>i< K. t.SS

eben.

: W. Hosch; Schmidt. In riedberg Schwab. In »berg bei: :k Wwe. In

Annahme üon Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Reich.

Berlin, 23. Juli. Obwohl wir in Deutschland noch inmitten der sommerlichen Ferienruhe auf politischem Gebiete leben, tauchen doch schon die ersten Vorboten der künftigen Reichstagssession auf. So sind, Berliner Blättern zufolge, die Vorarbeiten für den neuen Marine etat bereits beendigt. Angeblich werden in demselben fünf weitere Raten für die im Bau begriffenen SchiffeErsatz Preußen", .Ersatz Leipzig", der Kreuzer 2. Kl. K. und L. undErsatz Freya" im Gesammtbetrage von ca. 9 Mllonen Mark verlangt- ferner verlangt die Regierung zwei weitere Raten zum Bau von Torpedobooten. Außerdem erscheinen in dem neuen Etat Forderungen für die artilleristische Armirung der Kriegsschiffe und Torpedoboote und noch andere Posten.

Professor Dr. Rudolf v. Gneist, der be­rühmte Staatsrechtslehrer und bedeutende Politiker, ist in Berlin in der Nacht vom 21. zum 22. Juli nach längerem Leiden verschieden. Mir Rudolf v. Gneist hat ein Mann seine irdische Laufbahn vollendet, dessen geistige Thätigkeit mit der gesummten politischen und kulturellen Entwickelung unseres Vaterlandes seit mehr denn einem Menschenalter» aufs Innigste verbunden gewesen ist. In ihm betrauert die deutsche Nation einen ihrer größten Gelehrten, speciell einen Rechtslehrer von europäischem Rufe, aber zugleich auch einen hervorragenden Politiker und Staatsmann, der rühmlichst Antheil an dem Ausbau des neuen Reiches innerhalb seiner Sphäre genommen hat. Von Beginn seiner parlamentari­schen Thätigkeit an stand Rudolf v. Gneist im preußischen Landtage und im Reichstage allzeit in der vordersten Reihe derer, die unerschrocken das Recht und die Freiheit, das Vaterland und die bestehende Ordnung vertheidigten und diesem seinem Wirken verliehen eine wahrhaft glänzende Beredsamkeit, ein umfassendes gründliches Wissen und nicht zum wenigsten ein stets bewährter glühender patriotischer Sinn einen sich auf Veite Volkskreise erstreckenden Einfluß. Aus dem Lebens­lange des Verblichenen seien die nachstehenden hauptsächlichsten Daten wiedergegeben. Rudolf v. Gneist wurde am 13. August 1816 zu Berlin geboren und widmete sich nach Vollendung seiner Studien dem praktischen Justizdienste, daneben betrat er aber auch die Laufbahn eines akademischen Docenten, indem er sich 1839 als Privatdocent an der Herliner Universität habilitirte. 1844 wurde er außer­ordentlicher Professor, 1858 ordentlicher Professor, in welchen Stellungen Gneist eine ungewöhnlich reiche und fruchtbringende literarische Thätigkeit auf dem Gebiete seiner Fachwissenschaft entwickelte. 1858 wurde er in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem der Verblichene bis vor wenigen Jahren angehörte. 1867 bis 1884 war er auch Mitglied des Reichstages, wo er sich der nationalliberalen Fraktion anschloß. 1875 wurde Rudolf v. Gneist Mitglied des preußischen Staatsrathes und des Oberverwaltungs- zerichts. Von Kaiser Friedrich III. erhielt er den erblichen Adel verliehen, von dem jetzigen Kaiser wurde er durch die Verleihung des Charakters als Wirkl. Geh. Rath mit dem Prädikate Excellenz ausgezeichnet.

Die Reichstag sstichwah l im Fürstentum Waldeck hat mit dem Siege des antisemitischen Candtdaren Müller über den nationalliberalen Candidaren, len bisherigen Abgeordneten Dr. Böttcher geendet. Nach einer vorläufigen Zusammenstellung erhielt ersterer 4780, letzterer 3950 Stimmen, welches Ergebniß durch die amt­liche Feststellung wohl schwerlich noch eine wesentliche Ver­änderung erfahren dürfte. Die Nationalliberalen haben also las von ihnen so lange innegehabte Waldecker Mandat jetzt ien die Antisemiten verloren.

Neueste Nachrichten»

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 23. Juli. DieBerliner Correspondenz" schreibt: Um die mit der Aufhebung des Identitätsnachweises ver- bmdenen Dortheile auch den von deü Küsten entfernten Btnnenlandsplätzen zugute kommen zu lassen, beabsichtigt die Staatsregierung, für überseeische Ausfuhr von Ge­treide, Hülsenfrüchten, Reis, Rübsaat, Mais, Mühlenerzeug- uifsen und aus letzteren oder Getreide hergestellten Kaffee­ersatzmitteln einen Aus nah metarif nach außerdeutschen Ländern einzuführen. Dieser wird bei 150 Kilometer die Sätze des Specialtarifs 2, bei 400 Km. des SpecialtarifS 3 erreichen, sodaß bei 400 Km. eine Ermäßigung von fast SOpCt. eintritt. Der Ausnahmetarif für die Ausfuhr über -ade deutschen Seehäfen soll noch der diesjährigen Ernte zu statten kommen. r ,

Berlin, 23. Juli. DerNationalzeitung" zufolge ist --der Bericht des amerikanischen Generalkonsulates

Vierteljähriger AßonncmeotspreU f 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Slbutstrahe Ar.A.

Fernsprecher 51.

in Berlin über die Zunahme des Exportes nach Nord­amerika aus dem ConsulatSdistricte Berlin festgestellt. Er ergibt in der Zett vom 1. Juli 1894 bis zum 30. Juni 1895 35 Millionen. Der Aufschwung des Exportes fand haupt­sächlich in den letzten sechs Monaten statt, wo derselbe im dritten Quartal 4117 848 Dollars, im vierten Quartal 5 844395 Dollars betrug. Die Ausfuhr erfährt seit dem 1. Juli noch eine weitere Steigerung.

Sofia, 23. Juli. Der zum Schutze mehrerer diplo­matischer Agenten und der Wohnungen einiger Anhänger Stambulows eingeführte Sicherheitsdienst dauert fort, besonders Nachts, obwohl keine Ruhestörungen versucht worden ftnb. DieSwoboda" veröffentlicht eine Erklärung der Anhänger Stambulows, wonach sich die Partei trotz des Todes ihres Führers nicht auflösen, sondern den Kampf für die Unabhängigkeit des Vaterlandes fortführcn werde. Petkow, der die Führung der Partei übernimmt, erklärt, das Programm bleibe daffelbe wie bisher, nämlich ein Kampf gegen den russischen Einfluß und Hochhaltung der Unabhängigkeit Bulgariens. Dieses Programm wurde von allen Parteidelegirten, die zum Begräbnisse Stambulows ge­kommen waren, angenommen. In einem Artikel, betitelt: Das find die Mörder Stambulows!" führt dieSwoboda" eine Reihe angeblicher Thatsachen an, durch welche neuerdings versucht wird, dem Fürsten Ferdinand die Mitverantwortung für den Tod Stambulows zuzuschieben.

Sofia, 23. Juli. DieAgence Balcanique" stellt den Zwischenfall bei der Begräbnißfeier Stambu­lows wie folgt dar: Trotz der ungeheuren Menschenmenge, welche das Sterbehaus und die Rakovßkystraße füllte, war keine Polizeimacht aufgeboten. Die Träger von Kranz- spenden, sowie die übrigen Theilnehmer am Begräbnisse, mußten fich mit Mühe den Weg durch die dichtgedrängte Menge bahnen, um bis zum Trauerhause zu gelangen. Die Familie Stambulows hatte nämlich jede Polizeiunter, stützung abgelehnt und sich auch geweigert, die Straßen anzu- geben, welche der Leichenzug passiren sollte. Die Folge davon war, daß sich derselbe vom Trauerhause bis zur ersten Haltestelle in unglaublicher Unordnung fortbewegte. In der Menge, welche von Niemand zurückgehalten wurde, bemerkte man neben Diplomaten auch Leute der niedrigsten Sorte. Als der Polizeipräfect den Zug herankommen sah, beorderte er einen Polizeicommiffar und ein Detachement berittener Gendarmen, den Zug zu begleiten und die Menge zurückzuhalten. Das Detachement setzte sich in Galopp und erreichte den Zug in dem Augenblick, in welchem Petkow auf dem Platze, wo das Attentat geschehen war, eine Rede halten wollte. Da ertönte der Ruf:Polizei hinter und!" welcher Anlaß zu der gemeldeten Panik gab. Die Polizei mahnte vergebens zur Ruhe- Diejenigen, welche an der Spitze des sehr langen Zuges hielten, hörten nicht, sondern fühlten sich nur bedrängt. Endlich brach sich die Polizei durch die Menge Bahn und erklärte, der Ordnung wegen den Zug begleiten zu müffen. Augenzeugen constatiren, daß keiner der diplomatischen Geschäftsträger, ungeachtet der kritischen Augenblicke, welche sie durchzumachen hatten, der Polizei Vorwürfe gemacht habe. Man tadelte bloß die Unklugheit des Commiffars, welcher trotz seiner auf die Beruhigung der Menge gerichteten Absicht mit gezogenem Säbel auf dem Friedhöfe erschien. Die diplomatischen Geschäftsträger wollen auch, wie dieAgene Balcanique" hinzusügt, das Gerücht, daß in der Kirche gleichfalls ein von einer Panik begleiteter blutiger Zusammenstoß stattgefunden hätte, für unbegründet erklären.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 23. Juli. Der Kaiser hat, wie aus Mh land telegrafiert wird, den kaiserlichen Generalconsul in Genua telegraphisch beauftragt, angesichts des entsetzlichen Unglücks, das den DampferMaria Pta" betroffen, den Behörden und Bürgern der Stadt Genua innigstes Beileid auszusprechen. Gleichzeitig ist der Generalconsul zum Bericht über das Un­glück aufgesordert worden.

Berlin, 23. Juli. DaS Befinden der Kaiserin schreitet, wie diePost" hört, langsam der Besserung ent- gegen. Vorläufig ist noch der 1. August als Tag der Abreise nach Saßnitz festgesetzt, doch ist es nicht unmög­lich, daß das Datum abermals wird hinausgeschoben werden yi rr *

Berlin, 23. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Mintfterresideuten in Luxem­burg, Albrecht v. Bülow, zum außerordentlichen Ge. sandten und bevollmächtigten Minister in Oldenburg.

Berlin, 23. Juli. Die in der Presse wiederholt auf» tauchenden Gerüchte, daß zu den diesjährigen Kaiser»

hrang nach n von

)xhlet

Weise aus- Ist des von t erfundenen

i rate

Schluss I

ch vor "Miss- reise alte Ab­er oderNach- verlange den .-Apparat des Erfinders; man darauf, en Namenszug araten ist eine

des Systems iweißung bei-

isen-Nassau * 5929

t ft. n.

47.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

manövern außergewöhnlich viele Reservisten einberufen werden sollen, entbehren, wie diePost" nach zuverlässigen Informationen mittheilen kann, durchaus der Begründung.

Frankfurt a. M-, 23. Juli. DieFranks. Ztg." meldet aus Straßburg: In verschiedenen Orten im Elsaß und in Lothringen wurden bei Mitgliedern des Radfahrervereins Union velocipedique do France® Hauss uchungen vor» genommen und Papiere beschlagnahmt.

Wien, 23. Juli. Fürst Ferdinand erhielt am Tage des Leichenbegängnisses Stambulows ein BegrüßungS-Tele- gramm der in Prag zum Besuche der slawischen ethno­graphischen Ausstellung weilenden Bulgaren. Er antwortete darauf, diese Kundgebung erfülle ihn in dieser Zeit, wo ganz Mittel-Europa fich gegen Bulgarien so unwürdig benehme, mit besonderem Stolz.

Brüx, 23. Juli. Auch heute Nacht tft alles ruhig verlaufen. Die von der Regierung eingesetzte Unter» suchungS-Commission beabsichtigt die Anlage eines Versuchs­schachtes, um zu sehen, ob nicht ein Verschulden der Betriebs­leitung der Brüxer Bergbau-Gesellschaft in der Richtung vorliege, daß der Abbau weiter vorgerückt wurde, als derselbe im Interesse der Sicherheit der Stadt erlaubt war.

Rom, 23. Juli. Seit Sonntag finden in Palermo, Catania und vielen anderen Orten SictlienS heftige Erdstöße statt. Bei Uftico hat sich der Erdboden auf eine große Ausdehnung gesenkt. Die Ansiedelungen mußten geräumt werden. Die Bevölkerung ist stark beunruhigt.

Padua, 23. Juli. Am Sonntag wurde durch einen heftigen Orkan eine kleine Ortschaft bei Padua arg ver­wüstet. Durch Herabstürzen einiger Dächer sind mehrere Personen getödtet worden.

Genua, 23. Juli. Die Commission, welche die Unter­suchung über die Ursache des Zusammenstoßes der DampferMaria" undOrtigia" führt, arbeitet unaus­gesetzt. ES scheint festzustehen, daß die Schuld den zweiten Capitän derMaria", Giuseppe d'Angelo, trifft, welcher sich selbst ins Meer stürzte. Von derMaria" hofft man bte Leichen und einen Theil der Werthgegenstände bergen zu können, obgleich das Schiff 70 Meter unter dem Wasser­spiegel liegt.

Amsterdam, 23. Juli. Von zuständiger Stelle wird ge­meldet, Kaiser Wilhelm werde mit zahlreichem Gefolge zwischen dem 10. und 20.. August die Ausstellung von Amster- dam besuchen. Der Reisemarschall deS Kaisers sei bereits hier eingetroffen, um die Vorbereitungen zu treffen. Große Feste auf dem Canal, sowie eine Ruder-Regatta sollen statt- finden.

Loudon, 23. Juli. DerStandard" meldet aus Kon­stantinopel, das bulgarische Cabinet habe de- missionirt, weil eS zu ohnmächtig sei, um fich dem russischen Einfluß zu widersetzen. Das betreffende Telegramm besagt weiter, daß der bulgarische Thron in allernächster Zeit mit einem ruffensreundlichen Fürsten besetzt werden würde.

Sofia, 23. Juli. Frau Stambulow begab sich heute Vormittag nach dem Friedhöfe, wo noch Wachen aufgestellt waren, um die Ruhe zu sichern. Wie verlautet, wird die Familie Stambulow dauernd in Oesterreich Aufenthalt nehmen. Der Zwischenfall mit den fremden Diplomaten kann als er­ledigt angesehen werden.

Koustautiuopel, 23. Juli. Nach den bei der Pforte ein- gelaufenen Nachrichten bestätigt es sich, daß bei Strumitza ein Kampf stattgefunden hat. Die Insurgenten sollen 15,000 Mann stark gewesen sein.

oiahrunc

°maien{l* aller

itwij.

Der -ie^ener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».

Die Gießener H>«mtttenvrätter errbtn dem Anzeiger «»Schentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerak-Wnzeiger.

Der Krieg von 1870|71, geschildert durch Ausschnitte aus Zeitungs-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.) 25. Juli.

Woher die Verzögerung Frankreichs? 1) weil sein Heer noch nicht fertig war, 2) weil Napoleon Bundes- genossen in den neutralen Staaten sucht. Dte Erklärung, Frankreich suche nur ein Duell mit Preußen, ist die plumpeste Lüge- eS bietet vielmehr alles auf, einen Verbündeten zu finden, der Deutschland, während es den französischen Stotz am Rhein parirt, heimtückisch in den Rücken fällt. Am eifrigsten wirbt es um Oesterreich, dem eS sogar die Krtegs- gelder versprochen hat. Es findet in Wien gute, wenn auch heimliche Freunde, aber das deutsche Volk in Oesterreich ist es, welches fich laut gegen einen Bund mit Frankreich er­hebt. Der Himmel schütze daS deutsche Heer vor einem ernft.n grasten Unfall; manch- Wacht ist lüstern, st» zu räch-n; aber die neueste P-rstdie Frankreichs gegen O-st-r- reich und Belgien wird jeden Bundesgenossen abschrecken.

Mauen

Sollt« Tit n Mli!

i«

Stanau.

'V du intnftiben ftgqg

J 'ft auch ohne

»"tagen wird, ofc I 15 bester und völligerej

a"ct °-s Z sachliche Sie $c,hlen dog,