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25.5.1895 Erstes Blatt
 
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Jlt. 121 Erstes Blatt. Samstag dm 25. Mai

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Der #Ufcner -artiger erscheint täglich, «it Ausnahme be8 Montag«.

Die Gießener yemHUetmter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelrgt.

Gießener Anzeiger

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den

pro Kalenderjahr auf 25 statt 50 Mark festgesetzt. z/ . *n.aM künstlerisch ausgeführter Geschenke darzubrtngeu.

Berlin, 22. Mai. DerStatistiichen Correspond--, . JeB Sängerchor da«D-ulfch- H-erbannli-d dor- zusolge war der Durchschnitti-Saat-nftand in . htel, G-h-imrath Wi,n«--s eine

Preußen Mitt- Mai d.J. solgender: Weizen2^6, Winter. ! 8 an den Fürsten, die mit einem i-b-l-d ans.

Roggen 3,4, Sommer-Roggen 2,8, 2A genommenen Hoch aus den Fürsten schloß. Fürst Birmarck

Haser 2,8, Erbsen 2,7, Kartoffeln 2,7, Klee 2,2, Wiesen 2,8 in längerer Rede. Er erinnerte an seine mehrsachen

Fraukfurt a. M.

zuges Frtedrichsruh.

Deprschen bt6 Bureau .Herold^.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.

Deutscher Reichstag

98. Sitzung. Mittwoch, bei 22. Mai 1895.

Versammlung stimmte begeistert iu das Hoch ein. Der Sängerchor trug hierauf das altniederläudische Volkslied Gebet" vor. Nach dem Empfang lud der Fürst eine größere Anzahl der Fefttheilnehmer zu einem Imbiß zu sich in das Schloß. Gegen 5 Uhr verließen die Leipziger mittelst Sonder-

(wobei i sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering und 5 sehr gering bedeutet). Die wegen Auswinterung umgepflugte, mit Winterroggen angebaut gewesene Fläche betrug 369 675 Hectar = 8,3 pCt. gegen 0,1 pCt. im Vorjahre. Während der ver- stoffenen BerichtSperiode war im Westen meist fruchtbares

erwiderte in längerer Rede. Er erinnerte an feine mehrfachen Beziehungen zur Stadt Leipzig, daß seine Voreltern mütter. licher Seits in Leipzig ansässig waren und daß er schon als Minister wiederholt eine liebenswürdige Aufnahme in Leipzig

Aufstand ausgebrochen. Die weißen Zuckerplantageubefitzer, welche infolge des Niederganges der Zucker-Industrie die rückständigen Löhne der Neger nicht bezahlen konnten, tute geflüchtet.

| gearbeitet. ES ist nicht auSgeschloffen, daß der Entwurf dem l Bundesrath noch in dieser Session zugehen wird, unmöglich I aber, daß der Gegenstand den Reichstag noch in der laufenden I Session beschäftigt.

I Berlin, 22. Mai. Der Director der Eolonial-Abtheilung im Auswärtigen Amt, vr. Kayser, ist von seiner Krankheit

I wieder hergestellt und hat seine Amtsgeschäfte in vollem

aus Kreuznach: -, - ------ t .

TheilnehmerS an der FriedrichSruher Huldigungsfahrt hat Fürst Bismarck diesem Herrn gegenüber die Absicht aus« gesprochen, im Juni Bad Kreuznach zu besuchen.

Hamburg, 22. Mai. Der Prokurist Thiessen von der Sonderburger Bank wurde gestern ohne Eaution aus der Haft entlasten. Tin Gerücht, er habe 180 000 Mark für Prtvatrechnung deponirt gehabt, bestätigt sich nicht.

Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau.

Friedrichsruh, 23. Mat. Fürst Bismarck empfing heute Mittag etwa 1500 Bewohner der Stadt Leipzig, die über Hamburg gegen Mittag hier eingetroffen waren, um

Demtjche» Reich.

Berlin, 22. Mai. Wie derPoft" zufolge verlautet, findet im Lause dieser Woche keine BundeSrathSsttzung mehr statt, sodaß damit auch die Möglichkeit, das Börsen­gesetz noch in dieser Session in den Reichstag zu bringen, htnsällt.

Berlin, 22. Mai. Wie diePoft" erfährt, wird gegen- wärtig im Reichsamt deS Innern die Vorlage eines Gesetzes, betreffend die Bildung von Haudwerkerkammern, auS-

AusUrnd.

Rom, 22. Mai. Aus Florenz wird gemeldet, daß die Einwohner der Stadt und den umliegenden Ortschaften wieder nach ihren Wohnungen zurückkehren. Doch ist die Erregung noch immer eine sehr große. Ueberall werden öffentliche Gebete abgehalten, da man eine Wiederkehr der

Berlin, 23. Mat. In einer von 1500 HandlungS« \ Gehilfen und «Gehilfinnen besuchten Versammlung, t welche gestern Abend im großen Keller'schen Saale ftattfand, j sprach Retchstagsabgeordneter Liebknecht über die politischen

Alle «nnoncen-Bureaux de» In- und Ausländer nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

= 8,3 pst. g-g-n 0,1 pst. im Vorjahrs Während der per. Trotzdem Leipzig nicht an einem fchlffb-r--

floff-n-n BerichtSperiode war Im Westen Mist sruchibare« 8 1 * unb nld|t Residenz fei, habe c8 doch große B->

Wetter, der Osten litt, ausgenommen der Regierungsbezirk , »8rUngt Anlnllpf-nd an di- BSlk-richl-cht bei Leipzig, Frankfurt und ein Et)eil des Regierungsbezirks Potsdam, I n Male Deutsche au» Preußen und Oesterreich

unter der Trockenheit. Besonders ungünstig lauten die ; @[(£t an Schulter fochten, erinnerte der Fürst au die auf

Bericht- au- Ostpr--n, W-stpr--n, Pofen! und Schlesien. , Drei-Monarchen-Hügel" geschloffene heilige Allianz, di-

' -, 22. Mai. Die Franks.Zig. meidet bk wäulg, franzüfifch- Eroberungspolitik n-thw-ndi,

Nach einem Schreiben -ine- .rheinischen 8 8 8 tm(,w (obann Me Pflege guter B-.

v CKvle>kvlrfi&rilFl#Y dinunasiabr t ha» D. r . < t . L . rr. t.lna

auf Absatz 3^ Debatte stellt Abg. Richter (fts. »p). einen I Antrag auf Streichung diese« Absatzes. . Q

Der Antrag Richter wird jedoch abgelehnt und Absatz 3 un- I »erändert angenommen. .

Zu dem vierten und Schlußabsatz des $ 3 liest ein Antrag I Müller - Fulda vor. Derselbe will statt 1902/3 1897/98 setzen. I Die DiScusston wird wegen des Zusammenhlmges dieses A^rages I um Artikel 3 Absatz 2 über die Dauer der Gültigkeit der Brenn- I steuer gleich aus diesen Artikel ausgedehnt. , e . I

In der nun entstehenden Debatte ersolgen erregte Auseinander- I setzungen, die theilweise persönlicher Natur sind. I

Der Abg. v. Hammerstein zieht sich hierbei einm OrdnungS- I ruf deS Präsidenten zu. Im Uebrigen verhallen sich die meisten I Redner dem Anträge Müller gegenüber ablehnend, fodatz sich deS I letzteren FractionSgenoffe Lieber veranlaßt steht, einen Eompromitz- I Antrag vorzuschlagen, welcher die Gültigkeit der Brennsteuer bis zum I 30. September 1901 will. Dieser Antrag findet auch, nach Ab- I lehnung des Müller'schen, Annahme. w

Der jetzt folgende Artikel 2» Iwird gestrichen. Artikel 2b, welcher den BundeSrath ermächtigt, den Kleinhandel mit Spiritus I abweichend vom S 33 der Gewerbeordnung xu regeln, wird genehmigt. I Artikel 3 bestimmt in Nummer 1, daß dieses.Gesetz, mit Ausnahme I des S 3 deS Artikel» 2, am 1. Juni 1895 in Kraft tritt. Dieser Artikel wird mit einem Anträge Gamp, welcher eine andere Form oorschlägt, angenommen. Der Rest deS Gesetzes wird debatteloS ge- ncbmiat, ebenso eine von der Eommisfton vorgeschlagene Resolution.

Die dritte Lesung über das Sclavereigesetz ergiebt die An­nahme desselben in der in der zweiten Lesung beschloffenen Faffuna.

In der zweiten Berathung wird der Gesetzmtwurf über die EchutztruppeinSüd-Westafrikaund Kamerun anaenommm. Ebenso wird der Nachtragsetat in zweiter Lesung genehmigt.

Freitag, 11 Uhr, stehen zur dritten Berathung: B ennerei- und Zuckersteuer-Gesetz, Nachtragsetat, Gesetz über die Schutztruppe. Außerdem: Wahlprüfungen.

Umfange wieder ausgenommen.

Berlin, 22. Mai. In § 54 des Bürfensteuer- gesetzentwurfeS wird die Eintragung in das Börsen- ; ^arnou gttM VUUUH .......----- -

register auf 150 statt 300 Mark und die Erhaltungsgebühr ; v Anhänglichkeit zu bekunden und eine große

Branntweinsteuer-Novelle.

S 2 wird debatteloS angenommen. S 3, welcher von Ausfuhrprämien handelt, will eventuell bei dem Spiritus, welcher für die Esfigbereitung dient, eine Vergütung eintrcten lasten.

Ein Antrag Wurm (Soc.) will bie Vergütung für Mannt- wein zur Effigbereitung obligatorisch machen und dieselbe auch aus- aedehnt wissen für Spiritus zu Puh-, Koch-, Heizungs- und Be- UU<6t®M «nfrag Gamp (Rp.) will die Ausfuhrvergüttmg auf die Fabrikate ausdehnen, zu deren Herstellung überhaupt Branntwein verwendet wird. mhb bcr Antrag Wurm abgelehnt,

Antrag Gamp angenommen. DieDiScussion erstreckt sich nur noch

Erdbeben befürchtet.

PariS, 22. Mai. Privatnachrichten aus Madagascar

zufolge ist der Gesundheitszustand der französischen Truppen ein sehr ungünstiger. Das Fieber erfordert zahlreiche Opfer.

d°" ®le °°° 150 mann Pnb aUr 40 j SfS"SSn ta H-nd-lS°ng-st-llt-°. Rtdn-r Sonin. 22. Mai. D-rStandard" rn-id-t au- Newyotk i führte ein reiches st-tistifch-S Material über di- A-b-itSz- t von aestern- Laut einer telegraphischen Nachricht auS Saner in diesem Berufe an und forderte zu reger Agitation auf. Thomas '^ist umer den Negern in Santa Cruz ein ! In einer Resolution wurde beschloffen, den Verband der

ziehuugen zu Rußland, mit dem Deutschland keine zwingenden Jntereffen zu theilen habe. Nothwendig sei auch der Frteoe der monarchischen Staaten untereinander im Jntereffe der Aufrechterhaltung von Gesetz und Frieden gegenüber den | revolutionären Bestrebungen. Der Fürst schloß, sein Hoch ' gelte dem König Albert von Sachsen, der einer der ge- ! schtcktesten Pfleger der friedenerhaltenden Politik sei. Die

Feuilleton.

Ein Roman aus der dritten Gießener Iransosen;eit» 1797.

Von Dr. Otto Buchner.

In meinem langen Leben habe ich manchen Roman ge­lesen, wenn auch nicht sehr viele, nie aber habe ich einen selbst erlebt, viel weniger noch je einen selbst geschrieben. Auch jetzt habe ich nicht die Absicht, diesen Roman zu schreiben, wohl aber einem Berufeneren, als ich es bin, den Stoff für einen solchen darzubieten. Er entwickelt sich in seinen Anfängen in Gießen, in Paris aber findet er sein Ende.

ES ist bekannt, daß die Festung Gießen im vorigen Jahrhundert dreimal von den Franzosen besetzt war, zuerst während des siebenjährigen Krieges vom 16. November 1758 bis zum Schluß des Krieges 1763, und dann während der Revolutionskriege 1796 vom 8. Juli bis zum 11. September und 1797 vom 21. April bis zum März 1799.

Während dieser drei Gießener Franzosenzeiten war Johann Christoph Koch Professor der Jurisprudenz an der Hochschule daselbst. Er war 1732 in Mengeringhausen in Waldeck geboren, wo sein Vater Bürgermeister war. 16 Jahre alt, ging er aus das Gymnasium nach Osnabrück und bezog 1751 die Universität Jena. Nach drei Jahren wurde er Advokat, doch beschloß er bald, da ihm die akade­mische Lehrthätigkett mehr zusagte, jurisüsche Vorlesungen zu halten. Er erwarb 1756 die juristische Doctorwürde, arbeitete an verschiedenen juristischen Zeitschriften mir, er­warb sich dadurch einen gewissen wissenschaftlichen Ruf und

so kann es uns kaum wundern, daß er, erst 27 Jahre alt, einen Ruf als jüngster juristischer Profeffor nach Gießen erhielt. Dabei hatte er das unerwartete Glück, daß noch, ehe er anlangte, seine beiden Vormänner an der Hochschule, die Profefforen Höpfner und Jenichen, starben, sodaß er sofort aus der 4. in die 3. und 1763 in die 2. Stelle rückte. Er erhielt den Titel Hoftath- ein Jahr später wurde ihm das Universitäts - Shndicat übertragen. Er stieg von Stufe zu Stufe aufwärts, wurde 1766 Regierungsrath und nach dem Tode von Prof. Kort holt 1771 Vicekanzler und erster Profeffor der Rechte, dann Kanzler, was er bis zu seinem Tode am 13. Januar 1808 blieb.

Da der Roman im Hause des Kanzler K o ch in Gießen spielt, so müffen wir den Mann und seine Familie etwa» genauer kennen lernen.

Seine Frau Helene war die Tochter des alten Super­intendenten und Prof, der Theologie D. Reinh. Henr. Roll in Gießen. Die beiden Söhne Dr. Heinrich Wilhelm Koch, der 1800 Amtsschultheiß in Königsberg wurde damals war daselbst noch ein stattliches bewohntes Schloß und Christian Franz Koch, der 1795 im 31. Jahre starb, treten nur als Nebenpersonen im Roman auf. Wichtiger, wenn auch nicht Hauptperson, ist die älteste Tochter Ioh annette Ernestine Sophie, die nach dem Kirchenbuch der evangelischen Stadtkirche zu Gießen am 24. Februar 1766 geboren und getauft wurde.

Es ist schlimm, daß Wir für bie Geschichte Gießens im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts keine anderen aus­führlicheren Quellen besitzen, als die Schriften Laukhards, der nach seiner ganzen Natur allezeit am meisten Freude an Klatsch und Scandal hatte und auch in seinen Büchern mit Vorliebe behandelte. Aber anerkennen muß man, daß er in

allen seinen Erzählungen und Urtheilen wahr blieb und mcht durch Bosheit oder angeborene Lügenhaftigkeit in seinem BucheLeben und Schicksale" zu Lügen und Verläumdungen sich bewegen ließ. Anders ists in seinen romanhaften Er­zählungen (Schilda, Eulerkapper), die nicht als sichere GeschichtS- quellen dienen können.

Die vorhin erwähnte älteste Tochter Johannette kann nicht das in Jena geborene uneheliche, aber auf Kochs Namen getaufte Kochs Hannchen sein, von dem Lauk- hard inLeben und Schicksale" mehrfach erzählt. Danach kam Hannchen 1775 (Johannette war damals erst 9 Jahre alt) nach Gießen,ich habe sie selbst gesehen, es war ein allerliebstes Mädchen". Der Vater, statt sie zu unterstützen, fügte sie von sich Uttö drohte ihr, sie durch den Rätbsdiene^, fortjagen zu lassen, wenn sie sich nicht selbst trollte. Hannchen mußte fort und kam zurück nach Jena, Wo sie ein lüderliches Leben aus Noth anfing. Ich ttof sie vor fünf Jahren irr Leppstädt bet Jena an, wo sie mir Mit Thränen In den Augen ihre gräßliche Lage erzählte und die Hartherzigkeit ihres Vaters anklagte, durch deffen versagte Hülfe sie zur Lüderlichkeit verführt und ins Elend gestürzt worben wäre. Sie sagte mir babei, baß sie mehrmals an ihn geschrieben, aber niemals einige Antwort zurückerhalten hätte."

Es wäre boch merfwürbig, wenn zwei Schwestern, eine uneheliche unb eine eheliche, auf benselben Namen getauft Worben wären. Unb boch ist nicht anzunehmen, baß bie ganze Geschichte von Kochs Hannchen, bie Laukh arb erzählt, erfunben wäre. Wie es sich bamit verhält, über­lasse ich ben Forschungen bes Romanschreibers im Jenenser Kirchenbuch.

(Fortsetzung folgt).