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24.4.1895 Zweites Blatt
 
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MiMoch den 24. April

Zweites Blatt

Nr. 95

Amts- und Anzeigeblatt für den Tkveis Mieszen

chratisöeikage: Gießener Jamilienßlätter

Vermischtes

zu et n c mG an g nach dem Lt and es am t einem 62jährigen nochmals' nach 21 Jahren Von den geschiedenen Frauen

Mann. Unter den heiratenden Jungfrauen hatte die älteste heiratheten 89 vor Ablauf des ersten, 90 nach 2 Jahren,

eine Geschiedene öffnete sogar nach 20 Jahren nochmals ihr

Jung gefreit,

Herz der Liebe.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden lag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

daß es geradezu unvernünftig wäre, wenn sich England oder Rußland, die bisher doch Gegner Chinas waren, plötzlich aus dessen Seite stellen wollten, ist es einfach undenkbar, daß die Japaner, welche mit einem großen siegreichen Heere auf chinesischem Boden und mit einer gewaltigen Kriegsflotte in den chinesischen Gewässern stehen, einfach auf einen Wink Englands oder Rußlands ihre Beute loslassen und leer nach Hause ziehen sollen. Die Kriegserklärung an Japan werden sich aber England und Rußland, die selbst Gegner in Asien sind, wohl noch einmal überlegen, falls Japan auf seinen Friedensvertrag verharrt.

Offenbar handelt es sich bei der Stellungnahme der Großmächte, unter denen auch Deutschland wegen des Handels mit Ostasien hervorragend beteiligt ist, um eine Respectirung der europäischen Handelsinteressen Seitens Japans. Auch ist es nicht unmöglich, daß die Besetzung der Halbinsel Lian- Tong durch Japan von den Großmächten nur auf eine gewisie Zeit gestattet wird, weil der dort liegende Hafen von Port Arthur zu sehr in die russischen und englischen Jntereffen eingreift. Nicht unwahrscheinlich ist es aber auch, daß Japan sich bereits mit Rußland heimlich verständigt hat und diesem zu einem Hafen an der Ostseite von Corea verhilft.

hat Niemand gereut", sind 1167 Jungfrauen im Alter von noch nicht 20 Jahren eine Ehe eingegangen, darunter

* Eine interessante Statistik Zwischen Möbelwagen und Brautwagen bestehen bekanntlich in Berlin enge Be- ziehungen. Sobald der eine zur Zeit des April« und October- umzuges dem Straßenbilde ein charakteristisches Gepräge verleiht, taucht auch der andere in größerer Zahl als sonst auf: Der Termin der Eheschließung hängt in der Groß­stadt sür viele Heirathslustige von der Erledigung der Woh­nungsfrage ab. So kommt es, daß im April, und noch mehr im October die Zahl der Eheschließungen Jahr für Jahr ganz erheblich größer ist als in den übrigen Monaten. 1893 erfolgten auf den 18 Berliner Standesämtern im Ganzen 16,955 Eheschließungen (gegen 16,999 im Vorjahr) und zwar im October 2654, im April 2272, im März 1630, im September 1610, im Mai 1545, November 1317, December 1230, Juli 1098, Juni und August nur je 940, Januar 910 und Februar 803. Als Nestor schloß em 83jähriger Wittwer noch einmal einen Ehebund. Seine Er­korene stand im Alter von 62 Jahren. Im Ganzen haben während des Jahres 1893 9 Greise lauter Wittwer . im Alter von mehr als 70 Jahren geheirathet. Als älteste Frau entschloß sich eine Wittwe von 70 Jahren noch einmal

wir das Jahr, den Monat, den Tag, die Stunde, Minute und Secunde unterscheiden- außerdem zählen hierher der CycluS (28 Jahre umfassend), das Jahrhundert, das Jahr­tausend und die Perioden.

Das Jahr ist entweder ein natürliches (astronomisches) oder ein künstliches (bürgerliches)- das natürliche ist entweder ein Sonnenjahr oder ein Mondjahr, von denen schließlich das erstere, welches die Zeit des scheinbaren Umlaufs der Sonne um die Erde umfaßt, entweder ein tropisches oder ein Sideral (Sternen-)Jahr ist. Unter dem tropischen Jahr ver- steht man die Zeit, welche die Sonne nöthig hat, um den- selben Sonnenwendepunkt zu erreichen- es enthält 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten, 49 Secunden. Das Sideral-Jahr ist die Zeit, welche die Sonne nöthig hat, um zu demselben Fixstern zurück zu gelangen- es enthält 365Tage, 6 Stunden, 9 Minuten, 14^ Secunden. Das Mondjahr, welches dte Zeit von 12 Monden Umläufen um die Erde ausmacht, ent­hält 354 Tage, 8 Stunden, 48 Minuten, 36 Secunden. Während das bürgerliche Sonnenjahr bekanntlich gewöhnlich 365 Tage und als Schaltjahr 366 Tage enthält, besteht das bürgerliche Mondjahr aus 354 Tagen. Daher schalten die­jenigen Völker, welche sich dieser Zeitrechnung bedienen, jedes vierte Jahr einen Monat ein, um dem Sonnenjahre gleich- zukommen. r r

Die Unterabtheilungen des für uns maßgebenden bürger­lichen Sonnenjahres finden wir bekanntlich im Kalender ver­zeichnet nebst den wesentlichen und zusälligen Ereigniffen für das bestimmte Jahr. Der erste derartige Kalender wurde 1474 von einem Professor Regimontanus zu Königsberg herausgegeben, während der Name von den Römern her­rührt. Bei ihnen war Calendarium ein Berzeichniß ihrer Monate und deren Tage.

(Fortsetzung folgt).

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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Der japanisch-chinesische Friedensvertrag und die Großmächte.

Wie nunmehr gemeldet wird, ist daS auf die Wieder- Herstellung des Friedens gerichtete Abkommen zwischen dem siegreichen Japan und dem besiegten China durchaus kein provisorischer Präliminarvertrag, sondern ein definitiver Friedensvertrag, nach welchem China die Unabhängigkeit des Königreichs Corea zugesteht, ferner an Japan die Insel Formosa und die zur Mandschurei gehörige Halbinsel Lian« Tong bis zum 40. Breitengrade abtritt, 200 Millionen Taels (800 Millionen Mark) Kriegsentschädigung an Japan bezahlt, die Eröffnung von fünf neuen Häfen, darunter Peking, zugesteht, ferner die Likin-Abgaben (Zölle) nicht über zwei Procent steigern darf und außerdem den Japanern gestattet, Baumwollwaarenfabriken in China zu gründen.

Man muß ohne Weiteres zugestehen, daß dieser Friedens- Vertrag nicht nur ein bedeutender politischer Erfolg Japans, sondern auch eine allgemeine Culturerrungenschaft für Ost­asien und die ganze Welt bedeutet, denn durch den japanisch- chinesischen Krieg und den darauf folgenden Friedensvertrag ist die schädliche, culturfeindliche chinesische Oberherrschaft in Ostasien gebrochen, Corea dte Möglichkeit gegeben, sich selbst­ständig zu entwickeln, Japan der ihm durch seine fortgeschrittene Cultur zuftehende maßgebende Einfluß in Ostasien gewonnen und für die ganze europäische Cultur sammt dem europäischen Handel ein weiterer Eingang in Ostasien gesichert worden, denn die bisher so hartnäckig alles Fremde verachtenden Chinesen werden nun unmöglich noch auf ihren verzopften und verrotteten Zuständen bestehen, nachdem sie gesehen haben, daß die mit europäischer Bildung und europäischen Waffen versehenen Japaner ihnen unendlich überlegen sind.

Wenn nun auch bei der heutigen Lage der Weltpolitik und deS Welthandels und des auch schon sür Asien geltenden Gleichgewichtes der Jntereffen dte europäischen Großmächte schwerlich ohne WeiteresJa und Amen" zu dem japanisch- chinesischen Frieden von Schimonosekt sagen werden, so glauben wir doch auch nicht daran, daß die Großmächte und von diesen zumal England und Rußland den Japanern sofort in die Arme fallen und den Friedensvertrag verbieten werden, denn alle europäischen Großmächte reiften, welch ein hals­starriger, anmaßender und verschmitzter Gegner China in jedem gegebenen Falle sür jeden europäischen Staat, für jeden europäischen Kaufmann und für jeden christlichen Missionar ist und daß deshalb Europa gar kein Interesse daran hat, daß China nicht gedemüthigt wird. Auch darf man auf das Geschrei der englischen, russischen und französischen Presse und selbst auf das Absenden weiterer Kriegsschiffe Seitens der Großmächte nach Ostasien nicht soviel Gewicht in dem Sinne legen,, daß nun der Krieg dort erst recht unter der Betheiligung Rußlands und Englands losgehen werde. Abgesehen davon,

63 Sommer erreicht. Getreu dem Worte,

Feuilleton.

Zeilrinthrttungrn und Kalender bei verschiedenen Völkern.

Von Otto Lehmann.

(Nachdruck verboten.)

Rastlos ist der Schritt der Zeit. Jahre kommen, Jahre gehen, wie seit Jahrhunderten und Jahrtausenden, so bis ans Ende der Welt. Und da und die wiederum zahlreich er­schienenen neuen Kalender zeigen, daß ein solcher Zeitabschnitt abermals begonnen hat, fa dürfte es nicht uninteressant sein, einen Blick in die verschiedene Eintheilung und deren Ent­wickelung zu thun, in die Wissenschaft, welche mit Recht das Auge der Geschichte genannt wird, weil letztere ohne erstere wenig« Werth hat. Denn die Zeiteintheilung liegt der Zeit­kunde oder Chronologie zu Grunde, welche bekanntlich von den verschiedenen Zeitangaben für Thaten und Begebenheiten handelt und welche man seit PtolemäuS Philadelphos, König von Aegypten (ums Jahr 250 v. Chr.) als eine besondere Wissenschaft zu behandeln angefangen hat.

Bekanntlich theilt man die Zeit in kleinere und größere Abschnitte, welche auf dem Copernicanischen oder demSonnen­system" beruhen, so genannt, weil der Domherr Copernicus, der von 1473 bis 1543 lebte, zuerst das richtige Berhältniß zwischen der Sonne und ihren Planeten entdeckte und die nahe und einflußreiche Verbindung nachwies, durch welche sie ein festes und wohlgeordnetes Ganze bilden.

Früher war man nämlich anderer Ansicht. Ptolemäus, ein ägyptischer Astronom (um 138 v. Chr.) nahm z. B. die Erde als unbeweglichen Mittelpunkt an, um den alle übrigen Himmelskörper sich in 24 Stunden bewegen, und zwar zuerst her Mond, dann die Sonne, darauf Mars, nach diesem

Der frUfcttur Zittriger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener IKmilienStLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

General-Anzeiger.

Jupiter, darnach Saturn und die Fixsterne. Ueber diese hinaus sollte nach seiner Meinung der erste, dann der zweite Crhstallhimmel und zuletzt daS Primum mobile (die Ur- bewegungskrast) kommen. Anders wieder erwiesen sich die Annahmen von Tycho de Brahe, der von 1546 bis 1601 lebte. Dieser sah die Haltlosigkeit vorstehenden Systems ein und stellte ein anderes auf, wonach die Erde gleichfalls im Mittelpunkt ruht, während die Planeten und Fixsterne gleich­zeitig und nicht tn vorstehender Ordnung sich um dieselbe in 24 Stunden bewegen. Rens Descartes (geb. 1596, gest. 1650) nahm sogar das ganze Weltall alsWirbelsystem" an. Er behauptet? nämlich, daß alle Weltkörper, jeder be« sonders, wie alle insgesammt, von einer luftförmigen Materie wirbelförmig bewegt werden, obgleich aus den Gesetzen der Bewegung hervorgeht, daß solche unregelmäßige Bewegungen der Planeten nicht stattfinden können, und auch die An­nahme einer luftigen Materie mit einer derartigen Wirkung unhaltbar ist.

All diesen Verrnuthungen trat Copernicus und nach ihm Newton (1642 bis 1727) entgegen, indem sie die Bewegung und den Lauf aller Himmelskörper nach den der Natur an­gemessenen Gesetzen erklärten, nämlich, daß sich die Sonne im Mittelpunkt befinde und alle Planeten sich um dieselbe in elliptischen (länglichrunden) Bahnen in bestimmten Umlaufs­zeiten bewegen. So war daS Sonnensystem geschaffen, dessen zu einem Ganzen geordnete Glieder auS der Sonne, den Hauptplaneten die sich unmittelbar um die Sonne be­wegen und den Nebenplaneten, Monde oder Trabanten (Begleiter) genannt, weil sie ihre Hauptplaneten umkreisen, bestehen.

Von all den verschiedenen Gliedern des Sonnensystems haben jedoch nur die Sonne und der Trabant der Erde, der Mond, oder besser gesagt: die Bewegungen der Erde und des Mondes Einfluß auf unsere Zeiteintheilung, bei der

; 44 Sechzehnjährige, 121 mit 17 Lenzen, 322 tm Alter von 18 Jahren. Bemerkenswerth ist auch, daß je zwei Wlitwen im Alter von 21 und 22 Jahren zu einem neuen Bunde sich entschlossen und ebenso je eine Frau im Alter von 21 und 22 Jahren, deren erste Ehe gerichtlich geschieden war. Als jüngster heiratender Junggeselle steht ein 19jähriger verzeichnet. Seine Gattin tft 5 Jahre älter. 3783 Männer waren 1893 an ihrem Hochzeitstage noch nicht 25 Jahre alt, darunter 9 Wittwer, 103 standen im Alter von 20 Jahren, 277 waren 21jährig, 664 22 jährig. Ein jugendlicher Wittwer von 22 Jahren heirathete zum zweiten Male und zwei Geschiedene von 24 suchten bei einer zweiten Gattin das Glück, das sie in erster Ehe nicht gesunden hatten. Heirathen unter Blutsverwanoten haben 116 stattgefunden, zwischen Onkel und Nichte 10, und ferner verband sich ein 26 jähriger Neffe mit seiner 45jährigen Tante. Die Altersunterschiede zwischen den Ehe­schließenden waren natürlich zum Theil recht erheblich: Ein 73jähriger Bräutigam erkor sich eine 26jährige, ein 51jähriger einen 17jährigen Backfisch. Bei 50 Hochzeiten des Jahres 1893 war die Braut mehr als 30 Jahre jünger als der Bräutigam. Unter den 16 955 Paaren, die 1893 in Berlin die Ehe schloffen, gab es 15 621 Jungfrauen und 14 910 Jung- gesellen. 14 106 Junggesellen heiratheten eine Jungfrau. Ein Wittwer fünfter Ehe vermählte sich mit einer Wittwe zweiter Ehe. Ein bereits dreimal geschiedener Gatte ehe- lichte eine Jungfrau und eine dreimal geschiedene Frau ver­suchte noch einmal ihr Glück mit einem Junggesellen. D»n zwei Wittwen vierter Ehe heirathete die eine einen Jung­gesellen, die andere einen Wittwer zweiter Ehe. Gleich und Gleich gesellt sich gern, darf man wohl von den zweijungen Paaren" sagen, bei denen sowohl der Bräutigam wie die Braut bereits zweimal gerichtlich geschieden waren. Wie tragen die Parteien den Verlust ihrer befferen Hälften? Auch hierüber giebt die Statistik des Berichtsjahres Aufschluß. Vor Ablauf des Trauerjahres heiratheten bereits 606 Wittwer, nach zwei Jahren 398, nach drei Jahren 168, nach fünf Jahren 38, nach zehn Jahren 7 - ein Wittwer entdeckte sogar 25 Jahre nach Verlust seiner Gattin nochmals sein Herz. Daß die Frauen tm Allgemeinen treuer sind, als die Männer, scheint aus dem Umstande hervorzugehen, daß vor Ablauf des Trauerjahres ihrer nur 59 heiratheten- nach 2 Jahren

der Ehelosigkeit vermählten sich 219, nach 3 Jahren 127,

.... nach 10 Jahren 16, nach 25 Jahren 1 Dame. Die ge-

I f(bfebenen Ehemänner haben es sehr eilig mit der Wieder-

' vcrheirathung gehabt- vor Ablauf von 1 Jahr vermählten sich 189, nach 2 Jahren 92; einer rißtirle seine Freiheit