Nassau hingegen die 7 Orre Dutenhofen, Lu^ellindeu, HöruS- hetm, Hochelheim, Dornholzhausen, Niederkleen und Groß rechtenbach. Ta aber diese Orte weniger eintrugeu, als die ersteren, erhielt Nassau obendrein noch daS gemeinschaftliche, aber nicht zum Hüttenberg gehörige Dorf Bolnkircheu und den bisher ausschließlich hessisch gewesenen Ort Kleinrechren- bach. Die „Stadt" Großeu-Linden — gewissermaßen die Mitte deS HüttenbergeS — war schon lange vorher durch einen Ende 1585 zwischen Landgraf Ludwig IV. von Hessen und Grafen Albrecht von Nassau abgeschlossenen Tauschvertrag an Hessen gekommen. Der nunmehrige nassauische Theil deS HüttenbergeS ging später durch den StaatSvertrag von 1815 und 1816 an die Krone Preußen über und bildet seit dieser Zett einen wesentlichen Theil deS preußischen Kreises Wetzlar. Der Name Hüttenberg aber figurirte später noch längere Zeit als Bezeichnung für das die einzelnen Pfarreien des Hess. Hüttenberg zu- sammenfaffende geistliche Jnspectorat gleichen Namens.
Der Hüttenberg macht in landschaftlicher Hinsicht keinen einheitlichen Eindruck. Der vom Cleebach durchflossene, in einem anmuthigen Thale gelegene preußische Theil ist entschieden reizvoller als das hessische Gebiet, daS sich vor jenem hinwiederum durch die Fruchtbarkeit seiner Gefilde, oie Stattlichkeit seiner Dörfer auSzeichnet. Freilich ist ja im Großen und Ganzen der Unterschied kein sehr bedeutender, wohl aber hängen die Bewohner der preußischen Orte unseres Erachtens doch noch mehr an alter Tracht, gewohnten Sitten und Gebräuchen, als ihre hessischen StammeSgenoffen. Unsere hessischen Orte liegen eben dichter an den Hauptadern deS Weltverkehrs, ein Factor, der ja am ehesten das Eigenartige der von ihm berührten Gegenden abschleift.
Der Hüttenberger Menschenschlag ist gedrungen, kräftig, wirklich große Leute sieht man nur selten. Wenn wir von ^ner besonderen Landestracht reden, so bezieht sich dies derzeit nur noch auf die Kleidung der weiblichen Bevölkerung, die der männlichen zeichnet sich keineswegs mehr auS. Der Bauer, der in früheren Zetten sammtne Kniehosen, einen weißen langen Kittel, Schnallenschuhe und eine blaue Zipfelmütze trug, hat sich so gut und schlecht es eben geht, nach seiner Weise modernisirt. Nur im Felde trägt er hie nnd da noch einen blauen Kittel, oder eine gestrickte wollene Jacke, den „Wamms". Geht er jedoch zur Stadt oder Sonntag Nachmittags zur Schänke, so zieht er einen beinahe modegerechten Rock an, auch fehlt ihm keineswegs die Taschenuhr und die Etgarrentasche. Zur Kirche und zu kirchlichen Feiern bekleidet er sich mit einem meist in die Länge strebenden Cylinderhut und einen oft bis an die Knie reichenden „Kirchenrock", der bet der älteren Generation schon vom Ahnen stammte.
Gegenüber dem Bestreben deS männlichen Thetles der Bevölkerung, sich immer mehr und mehr zu moderntfiren, erscheint es fast als bewundernöwerthe Thatsache, daß sich die weibliche Tracht durch so lange Jahrhunderte hindurch m ziemlich gleicher Treue bewahrte. Ihre Grundfarbe ist eine dunkle bis schwarz. Die Hüttenbergerin trägt ihre nur
| etwas über die Kuiee reichende, sehr falt e, schwere Tuchröcke zu mehreren übereinander- diese nicht anliegenden, sondern in der Perepherie weit abstehenden Kleidungsstücke verleihen dem Unterkörper ein eigenartiges Aussehen. Die Strümpfe find blau v^er schwarz. Den Oberkörper umschließt ein dicht eng anliegende», festes Mieder, da» bis zum Halle reicht. Die weibliche Büste kommt daher so gut wie gar nicht zur Geltung und der Jahrhunderte lange Gebrauch eines solchen Kleidungsstückes dürfte gewiß nicht förderlich auf die körperliche Ausbildung der weiblichen Bevölkerung gewirkt haben. Die Haube hat fast Form und Farbe eines abgestumpften schwarz-weißen KegelS. Sie wird mit breiten, das halbe Gesicht bedeckenden, schwarzen, seidenen Bändern unter dem Kinn befestigt. Wenig empsehlenSwerth ist die im Hüttenberg beliebte Haartracht. Säwmrltche Haare werden oben auf dem Wirbel fest zusammengefaßt und in einen dicken Kranz, „den Schnatz" gedreht. Sie springen dann leicht au der Stirne und besonders an den Schläfen aus und ihr Verlust verunziert mitunter da» oft noch ganz jugendliche Antlitz. Bei Gottesdiensten, Leichenbegängnissen macht die Haube einer weißen, leinenen, helmartigen Kopfbedeckung, der sogenannten „ZiehHaube" Platz. Je reicher die Hütten- bergertn, desto mehr Röcke trägt sie übereinander, desto mehr Ziehhauben besitzt sie. Doch eS liegt außerhalb unserer Aufgabe, eine detaillirte Schilderung der Hütteuberger Tracht zu geben.
Auch weichen die einzelnen Orte des Hüttenbergs etwas von einander ab. Der Eingeweihtere vermag alsbald eine Großenlindnerin im Sonntagsstaate von dem festtäglich ge« putzten Mädchen aus Niederkleen wohl zu unterscheiden.
Wett interessanter al» durch ihre jungen, schön gebauten Mädchen hübsch anstehende, aber theuere Tracht erscheinen unS die Bewohner des HüttenbergeS durch ihren Dialect, ihre Gebräuche, Sitten und Anschauungen. Allerdings hat hiervon leider schon zu viel der Strom des alles gleich machenden Zeitgeistes weggespült! In einzelnen Orten trifft sogar Manches, dessen wir hier erwähnen, nicht mehr ganz zu! Es ist leider unverkennbar, daß in den letzten Jahrzehnten sich hierin Vieles geändert, ob nun gerade zum Vorth eil — das freilich ist eine andere Frage! Die Hüttenberger Mundart ähnelt der Wetterauer, ist jedoch härter als diese und dem Hochdeutschen schwer verständlich. So heißen Speicher Oewerftlaab, Pfarrer Pärner, Räucherkammer DaiS, Vögel Dteel, Tote Ture, Abend Scheiir, Kuh Kauh, Futter Faurer, Wagen Waah, haben huuh, ich eich, Du Dau, Eidam Arre, Schwiegertochter Schnorch, die Großeltern Aellervoter und Aeller. Auch haben sich einige Worte französischen Ursprungs in den Dialect etngeschlichen. „Alloh tuschur“ (das französische allons toujours) gebraucht der Hütenberger bet jeder Aufmunterung, so e» eine zum Essen oder Trtukeu, oder eine solche zum Arbeiten. Verwandtschaft nennt er „Freundschaft", einer „gaurer Freund" ft ein naher Verwandter, dagegen ist ein gaurer (guter) Bekennter gleichbedeutend mit gutem Freunde. Gegen die schriftdeutsche Aussprache hat er eine gewisse Antipathie, nur
- in Gegenwart hochgestellter Leute zwingt sich der Hütten- berger vom alten Schrot und Korn zum „füruehm Schwätze".
Der Hüttenberger ist in der Regel in Allem, was er !hur, bedächtig, fast zaudernd und von Natur aus etwa» mißtrauisch angelegt. Dies äußert er leicht gegenüber den sogenannten gebildeten Ständen, von denen er annimmt, daß sie auf seine arbeitsvolle, rauhe Thätigkeit herabsehen, eine früher unter den Landleuteo allgemeine, aber heutzutage gewiß nicht mehr anzutreffende Anschauung. Behördliche Neuerungen find ihm in der Regel zuwider, hinter derartigen Dingen wittert er allzu leicht unberechtigte Eingriffe in seine unantastbaren Reckte. Sein Stand gilt ihm als derjenige, der alle anderen Stände erhatten muß.
Im Allgemeinen verhält sich der Hüttenberger in seine» äußeren Auftreten sowohl, als auch in seinem Familienleben etwas ablehnend, beinahe kaltfinnig, e» bäucht ihm wenig schicklich, gegen Frau und Kinder sehr zärtlich zu sein. Die Kinder dürfen daS trauliche „Du" ihren Elter» gegenüber nick gebrauchen. Nach deS Hüitcnberger» Ansicht ist da keine Zucht und Sitte, wo die „Kenn" (die Kinder) die Ahle (Eltern) dautze (dutzen). Dagegen ist cS daS unbestrittene Vorrecht der älteren Leute, die jüngeren, einerlei ob sie mit ihnen näher bekannt oder nicht, mit Du anzureden. Gleich, alterige geben sich ohne Rücksicht auf da» Geschlecht und etwaige frühere Bekanntschaft daS „Du", ältere Leute redet man mit der zweiten Person der Mehrzahl „Ihr" an. Bei sehr vielen und angesehenen Hütteuberger Familien herrschen beute noch schöne patriarchalische Zustände. Gesinde und Herrschaft unterscheiden sich kaum in Kleidung und gar nicht rm Benehmen. Sie essen an einem Tische und tauchen in eine Schüssel. Für das Gesinde ist der Herr de» Hause» „uhs (unser) Herr", die Frau „uhS Fraa", der Eidam „uhs A'ire", die Schwiegertochter „uhS Schnorch". Für die höhere Kochkunst hat der Hüttenberger nicht besonder» viel übrig, er speist mehr quantitativ, al» qualitativ, der Wechsel in seinen Speisen ist ein geringer, deshalb lebt er jedoch keineswegs etwa schlecht und hält etwas auf eine gute „Schlacht". In jedem wohlhabenden Bauernhaus werden alljährlich einige recht fette Schweine und womöglich auch ein Rind für den eigenen Iah e-besarf geschlachtet, dazu mästet man noch verschiedene Gänse, von denen allerdings auch ein Theil verkauft wird. — Die Metzelsuppe bilder eine förmliche Familienfeier, die die nahen und entfernten Mitglieder zu frohen, substantiellem Mahle vereinigt!
Das Winterleben des erwachsenen ledigen ThetleS der fast ausschließlich Ackerbau treibenden Bewohnerschaft b<» HüttenbergS gipfelt heute noch, wie schon seit Jahrhunderten, in der Spinnstube. Gerade wie zur Gegenwart gab sie schon vor fast 350 Jahren Ursache zur Klage. Nach dem Beschlüsse einer in Dutenhofen im Jahre 1555 abgehaltenen Hüttenderger Synode wurden „heimliche Kupplet en, heimliche Zusammenkünfte, namentlich in den Spiunstubeu^ ernstlichst verboten.
(Schluß folgt.)
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