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22.5.1895 Erstes Blatt
 
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Mittwoch dm 22. Mai

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Erstes Blatt

Nr. 119

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Amts- und Anzeigeblntt für den Äreis Gieren.

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Neueste Nachrichten.

Wolff» telegraphische» Correspondenz-Bureau.

Berlin, 20. Mai. Die Budget-Commission des Reichs­tags bewilligte im Nachtragsetat 70000 Mk. zu Tolonial- zwecken und 50000 Mk. zur Betheiligung an der Berliner Gewerbeausstellung.

Wien, 20. Mai. Der verstorbene Wilhelm Gutt- «ann hinterließ eine Stiftung von fl. 20O00O für Gewerbe- treibende. Sein Sohn Max machte eine Stiftung von p. 300000 für die Waisen der Bergarbeiter im Karwtner Revier.

Agram, 20. Mai. In der Nacht vom 17. zum 18. d. M. durchbrach die Save einen Damm bet Belesevez, südwestlich von Agram. 50 000 Joch Saaten sind vernichtet. Das Elend ist groß.

Pari», 20. Mai. Der au» Deutschland zurückgekehrte frühere Minister Siegfried äußerte sich in au- r ckennendster Weise über die deutschen Gesetze zu Gunsten der Wohlfahrt der Arbeiter, sowie über deren Durchführung und günstige Ergebnisse. Des Wetteren hob er den außerordent­lichen Aufschwung von Industrie und Handel in Deutschland

Deutsche» Reich.

Berlin, 20. Mai. Ueber den Zeitpunkt der Rückkehr deS Kaisers von seinem gegenwärtigen Jagdaufenthalt in Ostpreußen nach dem Neuen PalaiS bet Potsdam ist noch nichts Näheres bekannt, doch glaubt man, daß der Monarch trn Laufe deS Freitag wieder im Neuen Palais etntreffen werde. Auch hinsichtlich deS Sommeraufenthaltes der Kai­serin und der kaiserlichen Kinder in Wilhelmshöhe, welcher Von den ersten Junitagen ab beginnen sollte, scheint noch nichts Endgiltiges festzustehen. Offenbar dürften die letzten Dispositionen in dieser Beziehung erst nach dem Wieder­eintritte günstigerer Witterung getroffen werden.

Die umlaufenden Gerüchte über angebliche Gegen­sätze im preußischen Staatsministerium, über RücktrittS- »bsichten speciell des Ministers v. Köller und des StaatSsecretärS v. Bötticher, ja sogar über einen mög­lichen Rücktritt des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe selber u. s. w. werden von offictöser Seite fortgesetzt für unbegründet erklärt. Möglich, daß sich die vorhandenen Wölkchen am Berliner RegterungShorizonte wieder verziehen, aber jedenfalls ist die infolge des Scheiterns der Umsturz- Vorlage zunächst entstandene Situation keineswegs so klar. Die nicht nur gegen den Minister v. Köller, sondern in letzter Linie auch gegen den Reichskanzler selber gerichteten Quertreibereien derKöln. Ztg." sollen das Werk einfluß­reicher Hintermänner des rheinischen WeltblatteS sein, und es läßt sich noch keineswegs übersehen, welche Wirkungen sie schließlich haben werden.

Depeschen de» Bureau .Herold".

Berlin, 20. Mai. Die Gerüchte, daß dem Reichstag noch in zwölfter Stunde die Börsengesetzreform Vorlage zu- gehen werde, wird derPoft" als unzutreffend bezeichnet. Der Gesetzentwurf sei noch nicht auS den Händen der Com­mission an das Plenum des BundeSratheß zurückgegangen.

Berlin, 20. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Durch die freisinnige Presse macht eine angeblich aus aller- bester Quelle geschöpfte Mtttheilung derBerliner Volks- zeitung" die Runde, wonach im preußischen Ministerium des Innern äußerst intensiv gearbeitet würde, um eine Novelle zum Vereins gesetz so schnell als möglich zu Stande zu bringen, damit diese unmittelbar nach Pfingsten im Landtage eingebrachr werden könne. Diese Nachricht beruht, wie wir hören, auf Erfindung.

Berlin, 20. Mat. Im Abgeordnetenhause stand heute der A trag AhrenS und Genossen, betreffend inter­nationale Regelung der Währungsfrage, zur Berathung. Die Weiterberathung erfolgt morgen, außerdem stehen kleine Vorlagen des Herrenhauses zur Berathung.

Berlin, 20. Mai. Auf Befehl des Kaisers werden die Musikcapellen des 1. und 2. Garderegiments fich zu den Eröffnungsfeierlichkeiten des Nor d^ Ostsee-Can als begeben. Die Abreise der beiden RegimentScapellen erfolgt am 19. Juni. Nach Beendigung der Canalfeier wird die Capelle des 2. Garderegiments in Hamburg mehrere Concerte geben und sodann auf kaiserlichen Befehl in Frtedrichsruh beim Fürsten Bismarck concertiren.

Berlin, 20. Mat. In der Untersuchungssache gegen die verhafteten Anarchisten Krebs und TöbS wird jetzt von den Verwandten des Schneiders KrebS die sofortige Haft- entlassung desselben beantragt, da derselbe nichts mit der Kuppelet zu thun habe, deren TöbS von der Kellnerin Paula Flügel beschuldigt wird. Die Kellnerin Flügel soll übrigens nicht die Angeberin der Attentatsgeschichten sein. Sie soll vor dem Untersuchungsrichter erklärt und beschworen haben, daß sie weder von einem beabsichtigten Attentat gehört, noch Dynamit in der Wohnung deS TöbS gesehen habe. Der eigentliche Urheber soll ein Tanzmetster Sachs sein.

Berlin, 20. Mai. In parlamentarischen Kreisen ver­lautet, daß nicht alle Mitglieder der CentrumSfraction dem dem Reichstage vorliegenden und auf der morgigen Tages­ordnung bereits stehenden Gesetzentwurf, betreffend Abände­rung deS Branntweinsteuergesetzes, zusttmmen werden. In Folge dessen feien die Aussichten deS Entwurfs bedeutend herabgemindert.

Berlin, 20. Mai. Heute Nachmittag fand hierfelbft in der Ressource eine Versammlung von Schlächter- meistern, Wurstfabrikanten und Interessenten Deutschlands statt, um die Frage des WurstfärbenS zu erörtern. An der Debatte betheiligteu fich der Handels­chemiker Utesch-Hamburg und der Reichstagsabgeordnete Träger. Schließlich stimmte die Versammlung einer an den BundeS- rath zu sendenden Resolution zu, in welcher erklärt wird, daß durch das Färben der Wurst ein schlechtes Aussehen derselben verhindert werden soll. ES wird in der Resolution an den Bundesrath die Bitte gerichtet, die Einführung der obligatorischen Fleischschau energisch in Angriff zu nehmen- j dadurch würde verhindert, daß Richter und Sachverständige ' eine leichte Färbung der Wurst als eine Manipulation auf- faffen, wodurch das Publikum getäuscht «erden sollte.

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' hervor, welcher insbesondere den Bemühungen der deutschen | Kaufleute, mit allen Welttheilen in Handelsbeziehungen zu ! treten und überall Niederlassungen zu gründen, zu danken sei, ein Beispiel, welches die Nachahmung Frankreichs verdiene.

Sevilla, 20. Mai. Der Herzog von Orleans wird wegen der hier herrschenden Hitze nach London gebracht.

London, 20. Mai. Die Untersuchung deS HandelSsmteS in der Angelegenheit deS Zusammenstoßes der Dampfer Crathie" undElbe" wurde heute in dem Westminster Stadthause unter dem Vorsitze des Richters MarSham von j Woolwich und zwei nautischen Beisitzern eröffnet. Der Anwalt deS HandelSamteS, Robsen, stellte fest, daß zwei wichtige Fragen beantwortet werden müßten: ob der Ausguck auf der Crathie" zureichend war und ob die Signale derElbe" nach dem Zusammenstoß die Herren derCrathie" zu dem Schluffe berechtigten, daß dieElbe" sich in keiner gefähr­lichen Lage befand.

London, 20. Mai.Daily Chronicle" bringt die Meldung, Gladstone und Gemahlin hätten die Absicht, auf Ein- ladung des Chefs der südafrikanischen Linie, Sir Donald Currie, an Bord des DampfersGrantullyCaftle" der Kieler Festlichkeit beizuwohnen.

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Berlin, 20. Mai. Gegen die morgen im Reichstage zur Berathung stehende Branntweinsteuer-Novelle fand heute Nachmittag hier eine Protest-Versammlung statt, an welcher Großdestillateure, Restaurateure und J>- tereffenren der SpirituSbranche theilnahmen. Anwesend waren der socialdemokratische Abgeordnete Zubeil und der Abgeord­nete Fischbeck (frs. VolkSp.). Letzterer sprach sein Bedauern darüber aus, daß die Jntereffenlen in ihren Bestrebungen von Sonderintereffen beseelt seien. Sie hätten sich die Ein- müthigkeit der Tabaktntereffenten zum Vorbilde nehmen sollen. Seine (Redners) Partei werde nie für das Gesetz sttwmen, daS nur einer kleinen Minderheit Vortheil bringe. Abg. Zubeil erklärte Namens der socialdemokratischen Fraction, daß dieselbe ganz entschieden gegen die Vorlage Front machen werde. Redner ist der Ansicht, daß die Regierung schließlich daS Monopol zur Durchführung bringen werde. Die Ver­sammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in welcher sie fich mit der neuen Belastung deS Branntwein Gewerbes durchaus nicht einverstanden erklärt. Die Vorlage bilde eine permanente Gefahr und Beunruhigung für das reelle Geschäft und deßhalb müffe die Branntweinsteuer-Novelle im Reichstage abgelehnt werden.

Berlin, 20. Mai. DerLocal-Anzeiger" meldet : Der Hofmarschall Baron von Reischach erschien heute Vor­mittag in der Uniform der GardeS-du-CorpS in der Kaserne in der Ltndenstraße, in der sich bekanntlich auch die Räume des Berliner Militärgerichts befinden. Wie verlautet, handelt eS sich um eine Vernehmung in Betreff des Duells zwischen dem Baron und dem Ceremonienmeister v. Kotze. Zugleich wird noch gemeldet, daß nunmehr auch Prinz Aribert von Anhalt sich mit Herrn v. Kotze ausgesöhnt hat. Wie dieVolkszeitung" hört, wird Herr v. Kotze seine hiesige Wohnung aufgeben und Berlin verlassen.

Aschaffenburg, 20. Mai. Bei dem gelegentlich der Hauptversammlung desBayerischenCanalvereinS ab- gehaltenen Festmahl betonte Prinz Ludwig, daß er unentwegt für den zeitgemäßen Ausbau deS Ludwtg-Donau-Main Canals, zunächst für die Main Canaltfirung Frankfurt-Aschaffenburg eintreten werde.

Budapest, 20. Mai. Aus Steinbruch wird ge­meldet, daß unter den Schweinen eine bedenkliche Ruhr- Epidemie ausgebrochen sei. An einem Tage sind 471 Stück i der Seuche erlegen.

Rom, 20. Mai. Bei dem Erdbeben am Samstag Abend sind 3000 Häuser mehr oder weniger beschädigt. Die Zahl der Getödteten und Verwundeten ist noch unbekannt. Unter der Bevölkerung herrscht große Panik, da weitere Erd­stöße befürchtet werden.

Florenz, 20. Mai. Bis jetzt find fünf Tobte unter den durch das Erdbeben eingeftürzten Häusern hervor­gezogen worden. In Grassina ist ein Haus eingestürzt, welches drei Personen unter fich begrub, von denen zwei ge- tödtet und eine schwer verletzt wurde.

Pari«, 20. Mai. Gestern fanden hier zwei Ersatz­wahlen zum Gemeinderath statt. Im 15. Wahl­bezirk siegte ein Socialist gegen einen Republikaner mit großer Majorität. Im 9. Wahlbezirk ist eine Stichwahl zwischen zwei Republikanern nöthig.

Paris, 20. Mai. Gestern waren die Royalisten unter dem Vorsitze eines Royalisten aus Bordeaux zu einem Festessen versammelt, welchem 700 Personen beiwohnten. Die ausgebrachten Trinksprüche enthielten heftige Angriffe auf die Regierung und die Republik. Ein Glückwunsch­schreiben wurde denjenigen Arbeitern übersandt, welche den Minister Ribot in Bordeaux ausgepfiffen hatten und deßhalb verhaftet worden waren.

Paris, 20. Mai. Die Nachricht, daß der König von Italien angeblich incognito in den nächsten Tagen nach Paris komme, hat in der Preffe große- Aufsehen erregt. Einige Blätter theilen mit, er werde imHotel Bristol" ab- steigen. Der Zweck seiner Reise ist, der Vermählung des Herzogs von Aosta mit der Prinzesfin Helene von Orlean» beizuwohnen. Andere Blatter glauben an einen politischen Schachzug CrispiS.

London, 20. Mai. Nach einer Nachricht derTimes" ist der Sohn des BtcekönigS Liching-phtng mit der Ueber­gäbe FormosaS an die Japaner betraut worden.

Belgrad, 20. Mai. ES verlautet, der deutsche Vertreter habe gegen jede Schädigung der Gläubiger Serbien- durch eventuelle CouponSkürzung Protest eingelegt.

Deutscher Reichstag.

96. Sitzung. Montag, den 20. Mai 1895.

Gesetzentwurf, bett. Sclaoenraub und Sklavenhandel.

Abfl. Rimpau (ntl.) bezeichnet die Vorlage al» unbedingt «ochwendig.

Abg Gröber (6tr.) hält eine Commissionsberathung für »verflüssig und will die Verordnungen, deren Verstoß der S 4 so schwer ahnde, unter Mitwirkung des Bundesraths erlassen wissen. Für dir zweite Lesung behalte er sich Anträge vor.

Abg. Gras Bernstorfs (cons) erklärt sich tmSinneRimpau».

Director Kayser empfiehlt kurz die Vorlage.

Abg. v. Buchka (cons.) begrüßt die Vorlage al» einen weiteren Schritt zur gänzlichen Beseitigung des Sclavmraubes.

Abg. Molkenbuhr (Soc.) erwartet keine Besserungen von der Vorlage. Sie spreche nur von Sclaoenraub und Sclavenhandel, »ährend sie die Sclavenhaltung durch Europäer nicht treffe.

Director Kayser bezeichnet die Auffassung des Vorredners al» eine irrige.

Der Antrag Molkenbuhr auf Verweisung an eine Commission wird abgelehnt.

E» folgt die zweite Lesung.

Zu 8 1 wird ein Antrag Gröber (Ctr) die WorteTheil- vnhme am Sclaoenraub" durchvorsätzliche Mitwirkung" zu ersetzen, angenommen. 8 2 wird so erledigt. Zu 8 3 wird wiederum ein Antrag Gröber angenommen, welcher Geldstrasen bi» zu 100 000 Mk., deren obligatorische Festsetzung und Polizeiaufsicht verlangt. 8 4 wird auch durch einen Antrag Gröber vervollstänbigt, der dahin geht, daß die Verordnungen, deren Verstoß der 8 4 bestraft, unter Mitwirkung deS Bundesrathetz erlassen werden müssen. 8 5 wird unverändert v,genommen, ebenso die Resolution Gröber.

t E» folgt der Gesetzentwurf über die kaiserliche Schutz- cuppe für Süd- Weftafrika und Kamerun, welcher auf Antrag Richter an die Budget - Commission verwiesen wird.

Sodann wird daS Zuckersteuer - Nothgesetz mit 191 gegen 45 Stimmen angenommen.

Ein j-tzt eingehender Vertagungs Antrag Richter-Hompesch findet mit 110 gegen 90 Stimmen Annahme.

Morgen 1 Uhr: Branntweinsteuer.

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