schon viele Reservisten des 8. Corps (Rheinländer) ein, die sich zu ihren BezirkScommandos begaben.
* Dresden, 17. Juli. Der Tischlergeselle Ernst Carl Heinrich Walther von hier, der vor einigen Wochen an den König Albert von Sachsen einen Drohbrief gerichtet hatte, wurde gestern vom hiesigen Landgericht wegen Bedrohung, MajestätSbeleidigung und groben Unfugs zu drei Jahren Gefängniß und fünf Wochen Haft verurtheilt. Die Verhandlung fand unter dem Ausschluß der Oeffentlich- kett statt.
e Dingolfing, 15. Juli. Auf dem Lande herrscht vielfach noch der Aberglaube, daß, wenn eine Leiche auS dem Hause getragen wird, im selben Augenblicke der „Jmb" (Bienenstock) und daS „Krautfaßl" gehoben werden müssen, „damit's net absteh'n". In Befolgung dieses Brauches wurden auch die sechs Bienenstöcke des Bauers Kerscher von Gattering gerüttelt, als dessen verstorbene Mutter aus dem Hofe getragen wurde. Die Bienen aber verstanden zur jetzigen heißen HochtrachtSzeit keinen Spaß. Gereizt stürzten sich die Schwärme wüthend auf den Leichenzug, sodaß die auSeinandersttebenden Leidtragenden sich kaum mehr der rachenehmenden Bienen erwehren konnten und die Sargträger ob der vielen Stiche laut aufjammerten.
* Brüssel, 12. Juli. Ein junger Mann aus guter Familie von hier unterhielt mit einem in der Vorstadt wohnenden 20 jährigen Mädchen ein zartes Verhältniß, das vor Kurzem von ihm abgebrochen wurde, da seine Neigung erkaltete und sich einer anderen Dame zuwandte. Mit dieser verlobte er sich in aller Form und vor wenigen Tagen fand die Hochzeit statt. Die treulos Verlassene begrub ihren Schmerz in ihrer einsamen Kammer. Am Tage der Hochzeit ihre- früheren Geliebten begab sie sich jedoch zu der Trauung, wohnte derselben bei und wußte zugleich das Ziel der Hochzeitsreise deS jungen Paares in Erfahrung zu bringen. Dies war London. Noch am gleichen Tage reiste sie ebenfalls dorthin und nahm in demselben Gasthofe, in dem das junge Paar abgestiegen war, Wohnung und ließ sich ein Zimmer neben dem deS Paares geben. Um 2 Uhr Nachts begab sie sich vor die benachbarte Zimmerthür und erschoß sich mit einem Revolver. Als auf den Knall der junge Ehemann erschreckt daS Zimmer öffnete, erblickte er auf der Schwelle seine frühere Geliebte als Leiche.
* Die Deutsche Turnerschaft zählte, nach der soeben ver- öffentlichten Statistik vom 1. Januar 1895, in 17 Kreisen und 246 Gauen 5312 Vereine mit 529 925 Mitgliedern, von welchen 270 528 Turnende, 81 540 Zöglinge, 438 786 Steuerzahler, 27 057 Vorturner sind. Von den 5312 Vereinen turnen 591 nur im Sommer- vereinseigne Turnplätze giebt es 718, vereinseigene Turnhallen 372, außerdem turnen 1128 Vereine in Schul- oder Gemeinde- Turnhallen. Im Jahre 1894 sind neu entstanden 365 Vereine, eingegangen 71. Als nicht zur Deutschen Turner- schäft gehörig werden 749 Vereine genannt- ob dabet die Neugründungen aller Arbeiter-Turnvereine mitgezählt sind,
ist fraglich. Von den 17 deutschen Turnkreisen sind die kleinsten I. Nordosten mit 99 Vereinen und 8411 Mitgliedern, Ill.a Pommern mit 91 Vereinen und 7474 Mitgliedern, der größte ist XIV. Königreich Sachsen mit 823 Vereinen und 96 239 Mitgliedern. Der IX. Kreis (Mittelr hein), dem die Gießener Turnerschaft angehört, ist nach der Zahl seiner Vereine (545) und Mitglieder (51401) der drittgrößte, nach der Zahl der Steuerzahler kommt er mit 41 596 an vierter Stelle. In diesem Kreis sind verhältniß- mäßig die meisten Vereine, nämlich 27,8 pCt., im Besitz eines Turnplatzes (Bayern 25 pCt., Sachsen 19 pCt.), in der Zahl der vereinseigenen Turnhallen (13,2 pCt.) wird er nur von Kreis V Niederweser und EmS mit 16 PCt. überflügelt. Seit dem Jahre 1862, wo die erste Aufnahme ftattfand, haben sich die Vereine der Deutschen Turnerschaft (damals 1153) um das 4,7 fache, die Mitglieder (134 503) um das 3,94 fache vermehrt.
Literatur unb Arrnst.
— Krieg» Tagebuch eines jungen Offiziers im 2. Großh. Hess. Jäger-Bataillon auS den Jahren 1870.7J, von Alexander Bornemann, d. Z. Hauptmann a. D. und Director deS Großh. Hess. Landeszuchthauses. Gerade zur Stunde, wo das deutsche Volk sich anschickt, die glorreichen Tage des Krieasjahres 1870/71 in ihrer 25jährtaeu Wiederkehr zu feiern, ist ein Werk erschienen, welches in hohem Maße geeignet ist, aufzufrischen im Gedächtniß Aller daS, was unsere Armee vor 25 Jahren Großes geleistet. Besonderes Interesse verdient daS Werk aber für uns deshalb, weil darin ein großes Stück Kriegsgeschichte eines heimathlichen tapferen Truppen- körvers enthalten ist, welche einen erfrischenden Einblick gewährt in Vie Krtegsthaten der ganzen hessischen Division. Vom Ausmarsch in Offenbach, wo daS Bataillon vor AuSbruch des Krieges in Garnison stand, bis zu dem am 24. Juni 1871 erfolgenden Einmarsch in die neue Garnison Mainz, sind anschaulich alle Ereignisse geschildert, welche sich innerhalb deS Bataillons, auf den Schlachtfeldern Frankreichs, wie auf den Märschen abspielten. Das Buch wird ohne Zweifel bei alten und jungen Kriegern, bei allen guten Hessen die verdiente Aufnahme finden. Verlag der I. Ricker'schen Buchhandlung in Gießen.
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Bekanntmachung.
Zufolge Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in der Zeit vom 1. August bis 1. September voraussichtlich keine Sitzungen der Stadtverordneten- Versammlung abgehalten werden. Dringliche, die Beschlußfaffung der Stadtverordneten-Versammlung erfordernde Angelegenheiten sind daher behufs vorgängiger Erledigung bis spätestens 30. d. Mts. bei uns vorzubringen.
Gießen, den 19. Juli 1895.
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