Ausgabe 
21.4.1895 Erstes Blatt
 
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Nr. 93 Erstes Blatt.________Sonntag den 21. April 1895

Der -iehtier «Ästiger nfdjrint täglich, mit ÄuSnahmr dk- Montag-

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Gießener Anzeiger

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chratisöeikage: chießener Kamitienötätter.

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Anrtriehep Theil.

Gefunden: 1 gold. Ning, 1 gold. Stockbeschlag, 1 Buch, 1 Paar Hosenträger, 1 Hundehalsband, 1 Haar­flechte, 2 Schürzen, 1 Halstuch und 1 Aushängeschild.

Im December 1894 wurde in einer hiesigen Hofraithe < irrthümltch eine Parthie kurzgeschnittenes Tannen-Prügel- Holz abgeladen, ohne daß sich bis jetzt der Eigenthümer ge- - meldet hätte.

Gießen, den 20. April 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Wolff, Regierungs-Asiessor. \

Ucucfic Nachrichten.

Wolff» telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Darmstadt, 19. April. DieDarmstädter Zeitung" i meldet: Auf Einladung des Kaisers wird der Groß- Her zog an den Feierlichkeiten zur Eröffnung des Nord- ostseecauals theilnehmen. Prinzessin Heinrich von Preußen und Prinz Waldemar werden am 22. d. M. zum Besuch deS hiesigen Hofes hier eintreffen.

Berlin, 19. April. DerBerliner Correspondenz" zu­folge verlieh der Kaiser anläßlich des nunmehrigen Ab­schlusses der Steuer-Reformen einer größeren Anzahl von dem Finanzminister unterstellten Beamten, die bei der Schaffung des Werkes sich besondere Verdienste erworben haben, Auszeichnungen.

Berlin, 19. April. DerReichsunzeiger" schreibt: Dem Gcneralauditeur Ittenbach ist der Character als Wirkt. Geheimerath mit dem PrädikatExcellenz" verliehen worden.

Berlin, 19. April. Her tzberg-Lottin theilt der 7,Kreuzzeitung" mit) er beabsichtige, im Herrenhause folgende Interpellation einzubrtngen: Welche Programm­punkte der StaatSrathsb.schlüffe gedenkt die StaatSregierung noch in dieser Session durch die Gesetzgebung zu erledigen und beabsichtigt sie, diejenigen Maßregeln im Programm deS StaatsrathS zur Hebung des NothstandeS der Landwirthschaft, welche ohne Mithilfe der Parlamente durchgeführt werden können, sofort auszuführen.

Berlin, 19. April. DasBerl. Tagebl." meldet aus Magdeburg: Die Stadtverordneten - Versammlung wählte den Erfurter Bürgermeister Schneider zum Oberbürger- m e i ft e r.

Berlin, 19. April. Den Morgenblättern zufolge ist es zweifelhaft, ob die in Vorbereitung befindlichen Novellen zum Unfallversicherungs- und Altersversiche­rung Sgesetz dem Reichstage noch in der laufenden Tagung zugehen werden. Der Landwtrthschafrsmiuister forderte neuerdings die Verwaltungsbehörden zu Gutachten über die Wirkung der Aushebung des Identitätsnachweises auf.

FriedrichSruh, 19. April. Bismarck empfing heute Mittag eine Deputation aus Stuttgart, die eine künstlerisch ausgesührte Glückwunsch Adresse der Stadt Stutt­gart zum 80. Geburtstag deS Fürsten überre chte, ferner Delegirte des sächsischen Gymnasiallehrer Vereins, die gleich­falls eine Glückwunsch.Adreffe überreichten.

Königsberg, 19. April. Eme vom Vorsteheramt der Kaufmannschaft einberufene Versammlung sprach sich ein­stimmig für die Beibehaltung der Goldwährung auS.

Weimar, 19 April. Der Kaiser ist heute Nachmittag 5>/. Uhr hier eingetroffen und wurde am Bahnhofe vom Großherzog, dem Prinzen Heinrich, dem Prinzen von Reuß, dem Gencraladjuranten Grafen Henkel und dem preußischen Gesandten Raschdau empfangen. Der Kaiser und der Groh- Herzog begaben sich im offenen Wagen unter lebhaften Zu­rufen der in den Straßen angesammelten Menge zum Schlosse. Nach Begrüßung der Großherzogin fand Familiendiner und Marschalltasel starr. Die Stadt ist geschmückt

Eisenach, 19. April. Reichstags - Stichwahl. Bisher gezählt sür Casselmann (freisinnige Volkspartei) 4655 Stimmen, für ficke (conservativ) 1040 Stimmen.

Bremen, 19. April. In der NachmirtagSsitzung nahm der Geographentag die Einladung an, in Jena den 12. Geographentag 1897 abzuhalten und beschloß die Ein­setzung einer Commission behufs Bildung eines deutschen Ver- , einS für Länderkunde.

Wien, 19. April. Der deutsche Botschafter Graf? zu Eulenburg ist gestern mit dreiwöchentlichem Urlaub zum Curgebrauch nach Karlsbad abgercrst. Während seiner: Abwesenheit leitet die Geschäfte der erste Secretär der Bot­schaft, LegalionSrath Prinz von Lichnowsky.

Wien, 19. April. In den Wienerberger Ziegel­werken hat ein kleiner Theil der Ausständigen die Arbeit

wieder ausgenommen. Der größere Theil setzt den Strike , noch fort. Die Nacht verlief ruhig.

Laibach, 19. April. Seit gestern Nachmittag sind vier leichte Erdstöße verspürt worden. Heute herrscht hier kaltes Regenwetter. Die Gesellschaft vom Rothen Kreuz, der Wiener Volksküchenverein und die Wiener freiwillige Rettungs­gesellschaft unterstützen in werkthätiger Weise die Bemühungen zur Unterbringung der Kranken und zur Hilfe sür die Noth- leidenden.

Madrid, 19. April. Die Königin - Regentin zeichnete' 10,000 Pesetas sür die Hinterbliebenen der mit dem Kreuzer R e i n a - R e g e n t e" Untergegangenen.

Petersburg, 19. April. DieNowosti" berichten aus Lodz, daß infolge der zunehmenden Geschäftsflauheit alle Fabriken den Arbeitstag um ein Viertel verkürzt haben.

Kiew, 19. April. Der Dnjepr ist ausgetreten. Die Straßen der Vorstadt sind überschwemmt. Der Verkehr ist nur auf Booten möglich. Die Bewohner sind in die höher gelegenen Stadttheile übergefiedelt.

Bukarest, 19. April. Aus Oltenitzs und Calarasch werden große Schäden durch Ueberschwemmungen ge meldet. Die Verbindung mit vielen Donauhäfen ist unter­brochen.

Rewyork, 19. April. Nach einem Telegramm aus Havannah haben die Insurgenten eine Pflanzung in Dosamigos angezündet. Zwei Millionen Arrobas Zucker wurden dabei zerstört. Ferner wird berichtet, daß in der Provinz Santiago mehrere Personen von den Auf­ständischen mißhandelt und ermordet wurden. Einer Depesche aus Tampa zufolge haben 750 Rebellen versucht, die Stadt Guantanamo zu nehmen, wurden aber durch eine 4500 Mann starke Truppenabtheilung zurückgeschlagen. Der Verlust der Aufständischen betrug 14 Todte.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 19. April. DieBerl. Corresp." schreibt gegen­über einen von derDeutschen Tageszig." am 16. d. Mts. gebrachten Artikel, in welchem die Noth der Landwirth­schaft in den düstersten Farben geschildert wurde, Folgendes. Mit derartigen Uebertreibungen und einer solchen Anleitung zum trübsten Pessimismus wird die Sache, der das Blatt dienen will, nicht gefördert werden. Besonders auffällig aber erscheint die Andeutung des Blattes, daß der Kaiser vielleicht nicht genau genug über die wahre Lage im Lande unterrichtet sei, nachdem soeben unter dem Vorsitze des Monarchen ein­gehende Berathungen im Staatsrathe über die allseits an­erkannten landwirthschaftlichen Nothftände gepflogen worden sind und Seine Majestät dabei wiederholt erklärt haben, es sei sein und seiner Regierung ernstes Bestreben, diesen Noth- ständen mit allen zulässigen Mitteln abzuhelfen. Außerdem enthält jene Andeutung den Vorwurf der Pflichtverletzung gegen die berufenen Rathgeber der Krone. Eine solche Art der Agitation muß von der Regierung bestimmt zurückgewiesen werden."

Berlin, 19. April. Am 26. April werden 25 Jahre verflossen sein, seit der Staatssecrelär des Reichs-Postamts, Dr. von Step Han, die oberste Leitung der deutschen Bundes- und späteren Reichs-Post übernahm.

Berlin, 19. April. DieGazetta bi Venezia" will aus bestunterrichteten italienischen Hofkreisen erfabrecr haben, der deutsche Kaiser habe dem König von Italien formell an- zeigen laffen, daß der Kaiser sich bestimmt anläßlich der 25jährigen Wiederkehr des Tages der Einnahme Roms nach Rom begeben werde. In Berliner unterrichteten Kreisen ist derPost" zufolge von einer derartigen Absicht des Kaisers nichts bekannt.

Berlin, 19. April. Der KreuzerAlexandrine", der sich auf der Heimreise auS den chinesischen Gewäffern zur Zeit im Mittclmeer befindet, hat, wie d'.eNordd. Allg. Ztg." hört, Ordre erhalten, sich unverzüglich nach Tanger zu begeben.

Berlin, 19. April. Die japanische Regierung hat, wie derPoft" bestätigt wird, ihre auswärtigen Vertreter davon in Kenntniß gesetzt, daß die Friedens-Präliminarien von Shimonoseki von den japanischen und chinesischen Bevoll­mächtigten unterzeichnet worden sind.

Köln, 19. April. Wie dieKöln. Ztg." erfährt, ist zur Gründung der deutschen Bank in Polen zum Zweck des Ankaufs von Gütern und deren Vertheilung unter deutsche Ansiedler ein Capital von drei Millionen Mark gesichert. Gleichzeitig ist die Gründung einer Gesellschaft zur Förderung deutscher Kaufleute und Handwerker dortselbst geplant. Das B.arr erfährt ferner, daß angesichts der Weigerung der Geistlichkeit, einen ausreichenden Gottesdienst

in deutscher Sprache zu ertheilen, eine Anzahl deutscher Katholiken sich in einer Immediateingabe beschwerdeführend an den Kaiser gewandt habe, der dieses Schriftstück dem Erzbischof von Stablewski zur Kenntnißnahme mittheilte.

Köln, 19. April. DieKöln. Ztg." will auS gut unterrichteter Quell- erfahren haben, die Regierung werde entgegen dem bisher aufgestellten Arbeitsplan des Reichs­tags auf baldige Entscheidung über die Umsturz­vorlage bringen, sodaß die zweite Lesung vielleicht schon in nächster Woche aus die Tagesordnung kommen werde.

Laibach, 19. April. Bei kaltem Regenwetter sanden wiederum Erdstöße statt. Die Häuser in den Ortschaften Vopit und Saga wurden schwer beschädigt. Die Papier­fabrik in Josephsthal mußte wegen drohenden Einstürze» geräumt werden und wird abgetragen.

Brüffel, 19. April. Die Blätier fahren fort, heftige Artikel über das plötzliche Steigen der Petroleum­preise zu veröffentlichen, in welchen es heißt, daß die Mit­glieder des Syndicats größere Feinde des CapitaleS als die Socialdemokraten seien.

Pari», 19. April. AuS Havre wird gemeldet, daß von einem anarchistischen Complot nichts zu entdecken gewesen sei. Die Ruhe des Präsidenten und seiner Familie sowie der Minister ist keinen Augenblick durch diese Nachricht gestört worden. Der Polizei-Präfectur ist allerdings das Verschwinden eines Anarchisten aus London Namens Petit Bordeaux fig- nalisirt, doch ist nirgends aus einem englischen Hafen von deffen Einschiffung nach Frankreich etwas gemeldet.

Marseille, 19. April. Nächste Woche wird hier ein auS Freiwilligen gebildetes Regiment aus Petersburg, bestehend aus 1500 Mann, erwartet, welches zugleich mir den hiesigen Truppen nach Madagascar abgehcn soll.

London, 19. April. Die Polizei Verwaltung ist über­zeugt, daß iic von den Anarchisten angekündtgte Verlegung ihres Hauptquartiers nach Brüssel eine einfache Kriegslist war und daß sich augenblicklich eine große Anzahl Anarchffrenführer aller Länder in London aufhalten.

Cocale» «ne

Gießen, Den 20. April 1895

** Betreffs Ueberuahwe der Kosten der Volksschulen auf den Staat hat der erste Ausschuß der Zweiten Kammer über die Rückäußerung Erster Kammer Bericht erstattet. Danach beantragt die Ansschuhmehrheit, den Antrag für erledigt zu erklären. Die AuSschußmiaderheit beantragt, die Kammer wolle bei den in diesem Betreff am 16. Januar 1895 von ihr gefaßten Beschlüssen beharren, welche lauten: 1) Großb. Regierung zu ersuchen, Vorschläge zu machen, wie allmälig und planmäßig die persönlichen Ausgaben für die Volksschulen im Lande von dem Staate übernommen und damit die Ge­meinden nachhaltig und dauernd entlastet werden können, zu- nächst Vorschläge machen zu wollen, wie unter entsprechender Deckung des Ausfalles für die Gemeinden überall im Lande die Erhebung von Schulgeld für den Unterricht an den Volks­schulen bald allgemein beseitigt werden kann. 2) Großh. Regierung zu erluchen, Vorschläge zu machen, damit bis zur völligen Uebernahme der persönlichen Ausgaben sür die Volks­schulen auf den Staat, eine gerechte Ausgleichung bezüglich unserer Kosten seitens der Gemeinden unter sich, unter Mit­wirkung des Staates herbeigeführt werde.

* Recitatiou. Die Recitatorin Baronin O st e n-S a ck e n, in Hessen durch ihre Vorträge von Darmstadt aus bestens bekannt, ist in Gießen angekommen, um einige Vortrags­abende zu halten. Sie hat in ihrem Fache England, Schweden und Holland besucht und diesen Winter einen Theil von Süddeutschland. In Darmstadt harte sich der Groß- herzogliche Hof an diesen Abenden betheiligt. Eine schrift­stellerische Arbeit von ihr :Fritz Reuters Leben und sein literarischer Nachlaß" ist kürzlich dem Fürsten Bismarck vor­gelegt worden. Bor einigen Tagen ist der Baronin auS FriedrichSruh ein liebenswürdiges Schreib n zugegangen mit der erbetenen Erlaubniß, dem Fürsten das Werk widmen und mit seinem Bilde schmücken zu dürfen. Es gelingt hoffent­lich auch hier in G'eßen eine kunstsinnige und literaturliebende Zuhörerschaar zu finden. Ueber Saal und Zeit der Vor- rräge werden wir nach einigen Tagen berichten.

*-h. Am kommenden Sonntag fahren die Sommer­wagen der OmnibuS-Gesellschaft nach dem Schiffenbergerwalde unb Abends wieder zurück. Die Absahrtzeiten find aus dem Jnseratentheil zu ersehen. Der Verkehr von und nach dem Bahnhof wird an diesem Tage in gewohnter Welse von 3 bis 6 Uhr Nachmittags um drei Fahrten reducirr. Vom 1. Mai d. I. ab wird mir dem Erscheinen des neuen