Ausgabe 
21.3.1895 Erstes Blatt
 
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Domelstag den 21. Mär;

Erstes Blatt.

Nr. 68

auf

Amts- und Zlnzeig«bl«tt für den lircis Giesi««.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Darm. 10 Uhr.

174t Aemtilltt, 58.

Aus den Verhandlungen der Ersten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 19. März 1895.

Unter dem Vorsitz des Herrn Grafen zu Solms- Laub ach trat heute Morgen um l/410 Uhr die Erste Kammer der hessischen Stände zu mehrtägigen Verhandlungen zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Präsident eine Botschaft Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs, worin er dem hohen Hause die Geburt einer Prinzessin mittheilt. Die Kammer beschließt, eine Adresie an Se. Kgl. Hoheit den Großherzog zu richten, die heute Mittag um 1 Uhr durch das Bureau des Hauses: Gras Solms Laubach, Präsident Goldmann und Graf Solms-Ltch sowie Freiherrn von Heyl und Graf zu Erbach-Erbach überreicht werden soll.

In rascher Folge erledigte die hohe Kammer die 36 Punkte umfasiendc Tagesordnung und trat in fast sämmtlichen Fällen den Beschlüsien der Zweiten Kammer bei. Zu dem Antrag Schmidt. Mainz u. Gen. auf Aufhebung des OrdenSgesetzeS beschließt das HauS, der von dem Adg. Osann beantragten and von der Zweiten Kammer angenommenen Beschränkung der Revision nicht beizutreten.

Zu pos. 28, Erbauung von Beamten-Wohnungen in der Zrüevstrafanstalt in Butzbach, wünscht Bischof Haffner auch die Berücksichtigung des Gefängnißgeistlichen nach dieser Sette hin.

Zu pos. 29, Zulassung der Feuerbestattung in Hesien, hat die Zweite Kammer die Vorlage eines Gesetz-Entwurfs beschlossen. Der Ausschuß der Ersten Kammer beantragt mit 3 gegen 3 Stimmen, dem Antrag der Zweiten Kammer nicht beizutreten. Ohne Debatte beschließt die Kammer mit 15 gegen 9 Stimmen demgemäß.

Zu pos. 30, Antrag des Abg. Huth auf Errichtung eines weiteren Amtsgerichts im südlichen Theil des Amts- gerichtSbezirkS Herbstein beantragt der Ausschuß Nicht» beitritt zum Beschluß der Zweiten Kammer. Jedoch soll Großh. Regierung ersucht werden, im Falle eine wesentliche Aenderung in den Geschäften der Amtsgerichte eintreten sollte, auf Bildung eines Amtsgerichtsbezirks Herbstein be­dacht zu sein. Dieser Antrag wird gegen 1 Stimme an­genommen.

Zu pos. 32, Vorstellung der Hülfsgerichtsschreiber um Neuregulirung ihrer Gehaltsverhältnisie, wurde der Zweiten Kammer nach dem Antrag Metz-Gießen beschloffen, die Vorstellung der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen. Die hohe Erste Kammer beschließt einstimmig Nichtbeitritt, weil die Grvßh. Regierung erklärt hat, sie sei mit der Neu- regulirung der GehaltSverhältnisse der Petenten beschäftigt uttb werde demnächst entsprechende Vorlage machen.

Auch die pos. 33, Vorstellung der Gerichtsschreiber- Aspiranten, wird auS gleichen Gründen abgelehnt.

Zu pos. 35, Gesetz - Entwurf, die Organisation des Forstschutzes, beantragt der Ausschuß Annahme des Gesetz- Entwurfs in den von demselben gemachten Modlfikationen. Staatsminister Finger erklärt sich mit den Vorschlägen deS berichtenden AuSschusieS einverstanden. Nach dieser Er­klärung beschließt daS Haus einstimmig die Annahme des Gesetzes. Auch das Wildschaden-Gesetz findet einstimmige Annahme. Schluß der Sitzung um 1 Uhr. Morgen Früh 9 Uhr Sitzung.

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26W 79.30 35.H

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Ausland.

In Spanien ist das Ministerium Sagasta in­folge eines Conflicts zwischen dem Offiziercorps der Madrider Garnison und der Presie zurückgetreten. Die groben Aus­schreitungen einer Anzahl jüngerer Offiziere gegen einige RedactionsbureauS hatten eine Solidaritätserklärung des ge­jammten Osfiziercorps veranlaßt und auch der Kriegsminister nahm die Partei der Offiziere gegenüber der Presie. Die meisten anderen Mitglieder deS Ministeriums Sagasta be­kannten fich zu einem entgegengesetzten Standpunkte, und das Ende vom Liede w«, daß daS gesammie Cabinet zurücktrat. Vielfach gilt Marschall Martinez CampoS als künftiger Ministerpräsident, vorläufig ist er zum. obe. sten Befehlshaber der Truppen von Madrid ernannt worden. In der spanischen Hauptstadt herrscht wegen dieser Vorfälle große Erregung- mehrere Zeitungen lasten ihre Bureaus durch bewaffnete Leute bewachen, andere BureauS haben polizeilichen Schutz erhalten. Auf Cuba sollen die Spanier eine empfindliche Niederlage durch die Insurgenten bei Bahamo erlitten haben. Die diplomatischen Verwickelungen Spaniens mit den Ver­einigten Staaten drohen sich zu verschärfen. Noch ist die Angelegenheit deS angeblichen Angriffs eines spanischen Kriegs­schiffes auf die amerikanische BriggAlliance" in der Schwebe, und schon geht die Rede von einem neuen spanisch-ameri­kanischen Zwischenfall. Ein spanisches Kanonenboot soll in den Gewässern von Cuba auf einen amerikanischen Sckooner geschaffen und ihn mit der ganzen Besatzung zum Sinken gebracht haben, doch liegt in Washington noch keine Bestätigung dieses Vorfalles vor.

Deutsche- Reich.

Darmlladt, 19. März. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin und die neugeborene Prinzessin be­finden sich so wohl, daß voraussichtlich nächsten Sonntag die Taufe der Prinzessin im Neuen Palais statt- findet.

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Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau.

Berlin, 19. März. Der Großherzog und die Großherzogin von Baden treffen am Donnerstag in Berlin ein, um am Freitag der Einweihung der zum Ge- dächlniß weiland Kaiserin Augusta erbauten Gnadenkirche bei- zuwohnen.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend Stiftung eines goldenen Kreuzes für werbliche

Dienstboten, welche 25 Jahre in derselben Familie gedient haben.

Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin haben unter dem 11. März l. I. Allergnädigst beschloffen, innerhalb des Großherzogthums weiblichen Dienstboten, welche fünfund­zwanzig Jahre lang ununterbrochen in ein und derselben Familie treu gedient haben, ein goldenes Kreuz zu ve leihen.

Die Verleihung wird durch ein die Allerhöchste Namens- unterschrifl Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin tragendes Diplom bestätigt.

Die Gesuche um Verleihung des von Ihrer Königlichen Hoheit gestifteten Kreuzes sind an den dienstthuenden Kammer­herrn Allerhöchstderfelben einzureichen. Diesem Gesuch ist eine Bescheinigung der zuständigen Bürgermeisterei oder Polizeibehörde beizufügen, aus welcher hervorgeht, daß die Bedingungen für die Verleihung dieses Ehrenzeichens er­füllt sind.

Gießen, den 18. März 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Alle Annoncerr-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgehn.

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Meßmer Anzeiger

Generat-Mnzeiger.

Der Htcßener Anzeiger .-richeint täglich, mit Ausnahme de» MontagS.

Die Gießener AnmtttenvtLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.

Deutscher Reiev-tag.

64. Sitzung. Dienstag, den 19. Marz 1895.

Colontaletat. _ ,

Abg. Hasse (ntl.) hält Wißmann nach seiner Rechnungslegung für glänzend gerechtfertigt und führt aus, daß man nach lOiahrtgem Bestehen der Colonial - Politik mit dem Erreichten zufrieden sein könne. Redner wünscht, daß in den Colonien Anstede ungsraume für deutsche Auswanderer geschaffen würden, oettröffet auf Me ernerc Entwickelung der Colonien und will das Großcapital dort nicht ausg fchlosi-n wist n. ., .

Director Kayser hebt die von Wißmann mit unzureichenden Mitteln erzielten & folge hervor und nimmt ihn nochmals «egen den Vorwurf, leichtsinnig gewirthschaftet zu haben, in Schutz. Wenn bei 9 Millionen Mark Ausgaben die Beläge über 10 000Mk. fehlen, o sei dies für Wißmann nicht deprimirend.

Abg. Bebel (Soc.) erklärt, daß die Verbältnisse in Ollafrika sich verschlechtert hätten. So feien die s. Z für eine Sch'ffswerft in Dar-es-Salam bewilligten 8O0O0Mk. für den Bau eines Castnos verwendet word-n. Ueberhaupt hätten die Bauten in Darmes-Salam ür die Hälfte bergestellt w-rden können, wenn nicht Leute angeNeUi würden, die nichts verständen. Redner tadelt im Weiteren die hoben Gehälter, welche unbefähigte Elemente heranziehen vermthe lt das Knutenregiment und wünscht die Entsendung einer,Re^d v utation nach Ostafriko, um die dortigen Deihältnisie einer Prüfung zu

Arcelor Kayser wirft dem Abg. Bebel vor, daß er unt« Uebergehung der Erfolge nur alle vorgekommenen Mtßhelligketten einer Kritik unterziehe. Seien vorgekommene Ausschreitungen gegen die Schwarzen zur Kenntn'ß gelangt, so seien diese auch gerügt worden.

Abg Richter (frf. 93p) erklärt, er habe keine Veranlassung, noch Geld für die Colonien zu bewilligen. Thatsächlich feien btc traurigsten Erfahrungen mit Ostafrika gemacht worden, wie dies auch bestritten werde. Wäre Zanzibar noch unser Elgenthum, so könnte man wenigstens eine kleine Hoffnung haben, da dies sedoch vorbei ist, sei auch jede Illusion geschwunden.

Abg. Schall (conf.) tritt dem Abg. Bebel entgegen.

Abg. Bebel hält feine Ausführungen aufrecht.

Staatsfecretär v. Marschall versichert, daß nicht anonyme Beschwerden, welche an das auswärtige Amt gelangen, stets unter- sucht wurden.^^^ (6entr ) wünscht, daß bei der Auswahl von Beamten mehr Umschau unter den C'vilbeamten gehalten werde und daß alle Unternehmungen erst vom auswärtigen Amte einer Prüfung unterzogen und gutgeheißen würden. ..

Nach weiteren unwesentlichen Re- und Dupliken werden die Forderungen für Ostafrika genehmigt.

Morgen 1 Ubr: Fortsetzung und Gewerbezahlung.

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Halle a. b. S., 19. März. Die Stadtverordneten Ver­sammlung hat gestern einstimmig den Fürsten Bismarck zum Ehrenbürger von Halle ernannt.

Stuttgart, 19. März. DerStaatsanzeigcr" schreibt: Freiherr von Mtttnacht erhielt den Besuch deS König-, welcher ihm eine Broncebüste verehrte. AuS FriedrichSruh erhielt Freiherr v. Mittnacht folgendes Telegramm:Er­lauben Sie, verehrter Freund, daß ich, kurz bevor ich die Siebziger verloste, Ihnen zum Eintritt in das achte Jahrzehnt von Herzen Glück und Gesundheit wünsche. Bismarck."

Brüfiel, 19. März. Mehrere Blätter sprechen die An­sicht aus, daß am 1. April im Becken von Charleroi ein allgemeiner Strike der Glasarbeiter auSbrechen werde. Dte Regierung fetzte sich mit den Localbehärden in Verbindung, um für diesen Fall Vorkehrungen zu treffen.

Paris, 19. März. Der Herzog von Aosta hat sich gestern Abend mit der Prinzessin Helene von Orleans verlobt. Der Herzog wird übermorgen nach Paris kommen und von dem Präsidenten der Republik empfangen werden.

London, 19. März DaS Amtsblatt veröffentltcht eine Verordnung des Ackerbauministers, durch die daS Landen von Schlachtvieh auS fast allen Ländern Europas, darunter Oesterreich-Ungarn mit Bosnien, der Herzegowina, Dänemark, ausschließlich Island, Deutschland, Schweden, norwegtsche Provinz Finmarken, Rumänien, Montenegro, Rußland und Serbien verboten wird.

Kopenhagen, 19. März. Wie RitzauS Bureau meldet, hat Dänemark die an dastelbe ergangene Einladung zur Theilnahme an der Eröffnung des Nord-Ostsee-CanalS angenommen.

Petersburg, 19. März. Der Kaiser verlieh dem General v. Werder den AndreaSorden.

Cadix. 19. März. Der KreuzerAlfonso XII*, welcher hierher zurückgekehrt ist, hat dteReina Regente" unter Wasser liegend bei Acotas CajaS in der Nähe der Küste von ContlS aufgefunden. Ein Mast deS untergegangenen Schiffes ragte ungefähr einen halben Meter aus dem Wasser hervor.Alfonso XII" ist mit Tauchern und den nöthigen Apparaten an den Ort des Unglücks zurückgekehrt. Dte Nachricht von dem Schiffbruche erregte unbeschreibliche Trauer. ___________

WB. Köln, 20. März. Bei Keeken (Wesel) explo- bitte gestern ein mit Dynamit beladenes Schiff. Nach der Köln. Volkszeitung" wurden hierbei 25 Personen getödtet- das Schiff ist völlig zerstört, ein daneben liegendes Schiff brennt. In weitem Umkreise sind eine Anzahl Hänier etngestürzt. _____________

Depeschen des Bureau .Herold".

Berlin, 19. März. DerReichsanzeiger" meldet: In der heutigen Sitzung des Staatsraths wurde in die Verhandlung der Nummer 4 der Vorlage eingetreten, betr. Maßnahmen zur Seßhaftmachung der landwirthschastlichen Arbeiterbevölkerung, insbesondere in den östlichen Provinzen der Monarchie durch wirksame Unterstützung der Rentenguts­bildung für kleinere Stellen (Arbeiterftellen), welche bis zur Pause fortgesetzt wurden.

Berlin, 19. März. An Stelle des eingegangenen An- archistenblatteöSocialist" treten die Anarchisten von jetzt an mit einem Flugblatt vor dte Oeffentlichkeit. Daffelbe wird künftig regelmäßig erscheinen und trägt die Ueberschrtft: Genossen, vergestet die Verfolgten nicht".

Berlin, 19. März. Die letzte Nacht ist für den Prinzen Joachim infolge eines weitverbreiteten Nestel- ausschlags sehr unruhig verlausen. Das Fieber ist heute wieder stärker,' die Nahrungsaufnahme ist genügend.

Berlin, 19. März. DerLocalanzeiger" meldet aus Petersburg: General von Werder hat sich heute Mittag in einer Galakutsche nach dem kaiserlichen Palais begeben, um dem Kaiser sein Abberusungsschreiben zu überreichen. Dem Correspondenten desLocalanzeiger" erklärte später der Botschafter, daß ihm der Grund seiner Abberufung un­bekannt sei. Er selbst habe seine Entlastung nicht nachge'ucht, General von Werder meinte jedoch, daß mit dem Tode Kaiser Alexanders III. seine Mission in Rußland beendet war, da er kein Diplomat von Beruf und s. Z. auf Wunsch deS Czaren auf den Petersburger Posten gesetzt worden sei.

Berlin, 19. März. Die gestrige Sitzung deS Staats- Ministeriums dauerte von 2 bis 6 Uhr. Minister von Thielen, sowie Minister Miquel waren durch Krankheit von derselben ferngehalten.

Berlin, 19. März. Das Centrum theilre heute dem Präsidenten v. Levetzow mit, eS werde gegen dte beabsichtigte

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