bet der herrschenden Dunkelheit gesprochen werden konnte. Die Matrosen rannten schreiend durcheinander, dazwischen er- klangkn die sich jagenden Befehle deS CapitainS und der Schlffsoffiziere- mit entsetzlicher Gewalt pfiff der Sturm durch d e Takelage- hier ein Segel im Nu zerfetzend, dort eine Rae praffelnd knickend und zu Boden sendend, während das ganze Schiff unheimlich von einer Seite zur anderen schwankte und stampfte, so daß die donnernden Wogen sich abwechselnd von Starbord und Backbord auf Deck ergossen.
Copuain Saunders war, wie schon erwähnt, durch und durch ein tüchtiger, entschlossener Seemann. Ich konnte ihn nicht gleich sehen, aber ich hörte, wie er jetzt mit fester, klarer Stimme befahl, eine Pechpfanne auzuzünden und einen Anker auSzuwerfen. Beide CommandoS wurden rasch befolgt und nun warfen die rothglüheoden Flammen ihr Licht auf die unheimliche Scene, auf die schreckensbleichen Gesichter der Passagiere beider Decks, auf die wie wahnsinnig arbeitenden Gestalten der Matrosen, daS von den ergrimmten Wogen und der entfesselten Windsbraut hin- und hergeschleuderte Schiff. Von einem Matrosen, NamenS Bob, dessen Zuneigung ich durch verschiedene Spenden von Tabak und heim- ltcher Weise dann und wann auch von Rum erworben hatte, erfuhr ich auf eine Anfrage, daß Capitain Saunders, getäuscht durch die Dunkelheit, die berüchtigte Gapschlucht für den Eingang zum Sidnchhafen gehalten hatte. Der „Lord Pembroke" war daher mit voller Segelkraft auf die fürchterlichen Klippen der Schlucht ausgerannt, wo er nun festsaß, von den heulenden Wogen und dem brausenden Sturm gleichmäßig umtobt und auss Schwerste bedroht.
Der hinabgelassene Anker hatte glücklich Grund gefaßt und der Cap min befahl jetzt, die meist aus Stückgütern bestehende Ladung des Klippers über Bord zu werfen, um hierdurch des Schiff zu erleichtern und es mit Hilfe deS Ankertaues von den Klippen wieder abzubrtngen. Letzterer Versuch mißglückte aber trotz der wüthendsten Anstrengungen
der Steuerleute und der Matrosen, und hatte schließlich nur zur Folge, daß der Fockmast über Bord stürzte, wodurch der Hauptmast seinen Halt verlor und gekappt werden mußte. Mit unbeschreiblicher Gewalt stürmten aber hierauf die schweren Wogen auf daS verstümmelte Schiff ein und auch dem Uverfahrendften mußte es klar werden, daß bet dieser Sachlage das schöne Fahrzeug in Stücke zerschmettert werden würde. Daran, die Boote auSzusetzen, war angesichts der fürchterlichen Brandung gar nicht zu denken, sie würden mit allen, die sich ihnen etwa anvertrauten, sofort von der wüiheuden See verschlungen worden sein, es wurde daher auch nicht einmal der Versuch, die Boote herabzulaffen, gemacht.
Alle waren unter den obwaltenden Verhältnissen überzeugt, daß ihre letzte Stunde gekommen sei. Während die Matrosen nach Seemannsgrbrauch zu ihren Kisten eilten, um von ihren Habseligkeiten so viel wie möglich mit sich zu nehmen, spielten sich unter den Passagieren deS „Lord Pern- broke" erschütternde Scenen ab. Ich hatte mich in mein Schicksal ergeben, an den Besanmast angeklammert, und starrte auf die von dem grellen Fackelschein erleuchtete wilde Scenerie vor mir. Um den Geistlichen knieeten dessen Töchter mit ihren aufgelösten, vom Sturm zerzausten prächtigen Locken und empfingen offenbar den letzten Segen des geliebten Vaters. Nahe dabei stand ein Offizier in der Uniform der Garde-Grenadiere, der sein junges Weib, mit einem wohl kaum zweijährigem Knaben auf dem Arm, fest umschlossen hielt. Der Baronet, dessen Aussehen schon demjenigen einer Leiche glich, hatte sich mit einem RettungSgüriel um die Hüfte verskhen und kauerte am Stumpfe deS Fockmastes, nahe dabei knieten noch eine Anzahl anderer Passagiere, weinend und jammernd, die vor wenigen Minuten gewiß fröhlich miteinander geplaudert hatten und nun einem gemeinsamen schrrcklichen Tode inS Auge schauten.
Finster, mit gefalteten Händen, standen Capitain Saunders und seine Offiziere auf bim Hinterdeck deS „Lord
Pembroke", fie wußten, es gab nicht die geringste Aussicht auf Rettung mehr, daS Schicksal des wackeren Schiffes und seiner Bewohner war besiegelt. Hab jetzt nahte auch das surchtbare Berhäogniß- ich sah, wie leewärts vom Schiff e,n ungeheurer Wasserberg, einer dunklen Wand gleich, heranrauschte, und im nächsten Moment wurde unser wackeres Schiff durch die riesige Woge von der Klippe, auf der et saß, herabgehoben und mit solcher Gewalt zurückgeworfen, daß sich die Planken auS ihren Fugen lösten. Ein einziger, gräßlicher Schrei erscholl ring« um mich, selbst daS Heulen des Sturmes und daS Brausen der Wogen übertönend und alles war vorüber!
Ich hatte mich, als daS Schiff, sich im Kreise drehend, auSetnanderzuberften begann, krampfhaft an den Stumpf des Besanmastes angeklammert und mit ihm wurde ich dann in die kochende und zischende Fluth niedergetaucht. Es herrschte völlige Dunkelheit, nur durch die gespenstisch leuchtenden Kämme der Wogen unterbrochen, um mich, der ich nebst meinem Halt, dem Stumpf deS Besanmastes, in dem chaotischen Wellentreiben fürchterlich hin« und hergeschleudert wurde, daß mich die Besinnung zu verlieren drohte. Da ergriff mich erneut eine mächtige Welle und trug mich gegen hartes FelSgestein, auf welchem ich zum Tode ermattet niedersank, indeß die Woge zurückrauschte. Ich war, wie ich bei dem Lichte des anbrechenden TageS dann merkte, gegen eine höhere und ziemlich breite Klippe der Gapschlucht geworfen worden- gern wäre ich an diesem Orte liegen geblieben, aber ich fühlte, daß mich jede nächste größere Woge wieder herabspülen konnte, und nachher war ich verloren. Meine letzten Kräfte raffte ich daher zusammen und kroch vorwärts, bis ich, wie ich an den Umrissen merkte, einen gewaltigen FelSblock erreichte, zu dem die Wogen vermuthlich nicht mehr vordrangen. Erschöpft sank ich hier nieder, und alßbald empfing eine wohlthätige Ohnmacht meine Sinne.
(Schluß folgt.)
Vergebung von Bauarbeiten.
Die zur Versetzung, Vergrößerung und Unterkellerung der Scheune des Domanialhofs Schiffenberg nöthigen Arbeiten und Lieferungen, nämlich: 1) Maurerarbeit, 2) Steinhauerarbeit, 3) Zimmerarbeit, 4) Dachdeckerarbeit, 5) Schlofferarbeit, 6) Weißbinderarbeit, 7) Pflasternrbeit, 8) Trägerlieferung, soll auf dem Wege schriftlichen An gebot« vergeben werden.
Zeichnungen, Bedingungen und Arbeits - Beschreibungen liegen auf unserem Büreau zur Einsicht offen und sind letztere ebendaselbst mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots- vermerk versehen, zum Selbstkosten preis erhältlich.
Die Angebote sind bis zum Samstag den 2. November l.J.
Vormittags 11 Uhr, portofrei, verschlossen und mit ent sprechender Aufschrift versehen, hierher einzureichen.
Zuschlagsfrist 3 Wochen.
Gießen, den 15. October 1895. Grobherzogliches Hochbauamt Gießen.
Neuling. 8598
Verkauf.
Die auf dem Ausstellungsplatz er- richteten 8663
Stallungen und sonstigen Bauten sollen verkauft werden.
Angebote auf die einzelnen Bauten oder auf Theile derselben sind bei dem Unterzeichnete einzureichen.
Gießen, am 16. October 1895.
Stahl,
Kreis- und Prooinzial-Jngenieur.
Grohh. tzksßfchk Ztaatskistllbahllell Verdingung der Lieferung von «80 fctftd VavngrenzNeinen und 520 Stück Weggrenzsteinen ein- schUetzlich deren VertdeUuvg an die Neudoultnte veiendeim Nidda für die Gemarkungen Reichelsheim dis Nidda.
Die obigen Lieferungen sollen im Ganzen oder nach GemarkungSaruppen g trennt öffentlich verdungen werden.
Die Berdin^ungSunterlagm können bet der unterzeichneten Behörde tn Gießen, Franksutlerstraße 64. eingesehen ober von dort gegen postfrete Einsendung von 70 $ bezogen werden.
Angebote find postfrei und unter ent, sprechender Aufschrift an dieselbe Behörde bi« zum Eröffnungstermin Montag den 28. October b. I., Vormittags 11 Ubr, einzureichen
Zuschlagsfrist eine Woche.
Großh. Baubehörde für Nebenbahnen in Oberhessen. 8170
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesetzes bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntniß, daß die
Fortbildungsschule
Montag, den 21. October d. Js., im Stadtknabenschulhause beginnt und von da an wöchentlich zweimal abgehalten wird.
Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlassen wurden und sich hier aufhalten. Der Unterricht findet von 3 bis 5 Uhr Nachmittags, bezw. 5 bis 7 Uhr Abends statt.
Es haben sich einzufinden-.
Montag, den 21. Oktober, Nachmittags 3 Uhr: Alle schul- pflichtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die kaufmännische Fortbildungsschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, Photographen, Graveure, Lithographen, Friseure, Sattler, Schneider, Kellner, Ausläufer, Gärtner, Bäcker;
Montag, den 21. October, Abends 5 Uhr: Alle schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder, Lackirer, Tapezierer, Mechaniker und alle sonstigen Bauhandwerker;
Dienstag, den 22. October, Abends 5 Uhr: Alle übrigen
Schulpflichtigen.
Unter Hinweis auf Art. 25 des Volksschulgesetzes, wonach Lehr- Herren, Dienstherrschaften und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nöthige Zeit bet Meidung polizeilicher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten, sowie die betheiligten Eltern, Vormünder rc., den Schulpflichtigen von vorstehender Bekanntmachung rechtzeitig Kenntniß geben zu wollen.
Gießen, den 17. October 1895.
Für den Schulvorstand:
Gnauth, Fuhr, Hahn, Oberbürgermeister. Oberlehrer. 8648
Bekanntmachung.
Vom 16. October l. I. ab sind die Versicherungs-Prämien sür Schweine von Mk. 1.50 auf Mk. 1 herabgesetzt.
Die Schlachtvieh Versicherungs gesellschaft. 8581 L. Vogt.
Verkauf von
Verloosungsgegknständen.
Dienstag, den 22. ds. Mts., Vormittags 10 Uhr, werden»im städtischen Gerätheschuppen aus Oswaldsgarteu die bis dahin nicht abgeholten Gewmne gegen gleich baare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert.
Unter den voraussichtlich zur Versteigerung kommenden Gegenständen befindet sich ein vollständiger Erntewagen, ein compl. zweispännigeS Pferdegeschirr, eine Häckselmaschine, ein Pflug, eine Egge, eine Kelter, Koffer, Krauthobel, Weinkühler, Lampe, Messer, Löffel und sonstige HauShaltungS- und Gebrauchsgegenstände. 8647
Die Gegenstände können nächsten Montag von 12—1 Uhr besichtigt werden.
_______Das Verloosungs-Comit6 der landw. Ausstellung.
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