Ausgabe 
20.10.1895 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

bau,

'er:

M 247 Zwrites Blatt. Sonntag dm 20. Oktober

KM

Bifttfliäbriger

Zlints- nnd Zlnzeigeblatt für den Ureis Gietzen

Hratisöeitage: Gießener Jamitienbtätter.

vwiogeu.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

I

werte,

pik

v.

tnötas ito.

waren aber zum großen Thetl schon bet der Belagerung von Straßburg und Belfort und bet den Cerntrungen von Metz und Pfalzburg, sowie im Etappendienst thätig und sollten bald noch weitere Verwendung in Feindesland finden. Des­halb mußte man, da die jetzige Einrichtung der Ersatz-Reserve noch nicht bestand, ganz neue Truppen formiren- aus ehe­maligen Infanteristen bildete man Garnison Bataillone, meist zu drei Compagnieen, auS früheren Cavalleristen Depot- Escadrons, welche aber nicht beritten gemacht wurden. Es waren zuerst gar eigenartige Truppen, welche mit ihren Waffen die Garnisonbataillone erhielten Zündnadelgewehre, die Depot-EScadronS Carabiner meist gar nicht Bescheid wußten. Die Infanteristen waren meist noch mit dem alten Mini« Gewehr einexercirt, bei dem erst der Boden der Pa­trone abgebiffen, dann der Lauf von vorn geladen, und schließlich das Zündhütchen auf das Piston gesetzt werden mußte, um endlich durch den aufschlagenden Hahn abgeschoffen zu werden- die Cavalleristen kannten meist nur die glatte Pistole, aus der fie kaum einmal einen Schuß abgegeben hatten. Aber, trotzdem auch Offiziere und Unteroffiziere den haben!' alten Jahrgängen entnommen werden mußten, dauerte es |

doch nur kurze Zeit, bis durch den preußischen Drill Truppen- körper Kerangebtldet waren, welche selbst im Felde hätten verwendet werden können. So schaffte man sich allmählich im preußischen KriegSmintsterium Rath- aber täglich liefen neue Meldungen ein, daß wieder zahlreiche Gefangene, die in den Schlachten und Gefechten verwundet gewesen, und nunmehr geheilt seien, untergebracht werden müßten. Daber kam die unausbleibliche Capttulation von Straßburg, bei der am 27. September 17,000 Mann die Waffen streckten, und diejenigen von Metz, das Bazaine am 27. October mit 4000 Offizieren und 173,000 Mann übergab- auch die Ein­nahme vieler kleiner Festungen auf der Route nach Par S und an der belgischen Grenze war täglich zu erwarten, so daß die Sorge, was mit deren Besatzungen geschehen solle, - ' . Auf der anderen

der HauSwirthe unbenutzt.

Erkannt. Onkel (seinen angezechten Neffen treffend): Woher kommst Du denn?" Neffe:Von der Universität!" Onkel:Da scheinst Du aber über'n Durst studtrt |u

^169$

Za 0

Bringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Nedaction, Expedition und Druckerei: Sch»lftratze Kr.7. Fernsprecher 51.

gbtmtrotie«.

ihre

Mm

Hf *

Der Ktehener Jt*|elgtt erscheint täglich, mit Ausnahme de« Montag«.

Die Gießener I«mikien v kälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

australischen ContinentS, zu. So hatte das Schiff in un- unterbrochen schöner Fahrt bereits die Höhe von Botany-Bai erreicht und flog nun mit vollen Segeln Sidney entgegen, als am Spätabend des 20. August ein heftiger Sturm ent- stand, während sich der Himmel gleichzeitig mit dichten Wolken umhüllte, aus denen schwere Regengüsse niederpraffelten. Die Commandorufe des CapitainS ertönten scharf und gellend durch den Aufruhr der Elemente, ihnen antworteten die schrillen Töne der Pfeife deS HochbootSmannS und die lang- gedehnten monotonen Schreie der Matrosen, und diese Wahr­nehmung, daß Befehlshaber, Offiziere und Mannschaften deS Sch'ffeS stramm auf ihren Posten und bei ihrer schweren Arbeit seien, scheuchte von uns Paffagieren des Vorderdeck- jede Besorgniß hinweg, und ähnlich mochten auch die Pasiagiere deS Hinterdecks denken.

Wir hatten in unserem gemeinsamenLogiS" eine tüchtige Bowle Punsch gebraut, um unsere Ankunft in Sidney gebührend feiern zu können. Kräftig stieß ich gerade mit meinem Nachbar zur Rechten, einem wackeren Zimmerer auS CornwalltS, an, als ein furchtbarer Stoß das ganze Schiffs- gebäude erschütterte und uns sämmtl'ch zu Boden warf. Entsetzt sprang ich so schnell wie möglich wieder empor und rannte, gefolgt von den Andern, auf da- Verdeck hinauf. Hier sah eS höchst kritisch auS, soweit nämlich vonSehen

btt "veröffentlichen, 'Kaffees auf '.ateu Kneipp 'mehrfachen hergestellteu ^chtiges Ge- 'gkeit unserer I beglaubigte

Reisegefährten gehörten verschiedene Handwerker, sowie Farmer mit ihren Familien, aber auch vornehmere Leute, so ein nach Australien zurückkehrender Geistlicher mit zwei bildschönen jungen Töchtern, mehrere Offiziere mit ihren Familien und ein junger Baronet. Letzterer war ein vorzüglicher Geigen­spieler, die Töchter des Geistlichen spielten vortrefflich Harfe und der Kapitän, Mr. SaunderS, selber handhabte daS Cellö, als wenn er auf diesem Instrumente jahrelange musikalische Studien gemacht hätte. So befand sich also ein ausgezeich­netes Dilettanten-Orchester an Bord, und wenn es auf dem Hinterdeck seine Weisen ertönen ließ, so strömten wir Jn- saffen der Räume deS Vorderdecks gewiß sofort zusammen, um uns nur ja nicht diesen musikalischen Hochgenuß entgehen zu laffen.

Der .Lord Pembroke" segelte brillant und wurde von Mr. SaunderS, der ein gründlich erfahrener Seemann war, vortrefflich geführt. Wie eine Seeschwalbe hüpfte das gute Schiff über die langen schweren Wogen des Atlantischen Lceans und durchschnitt sicher und leicht die seltsam heulen­den Wellenbündel der tückischen Bai von BiScaya. Bereu- am 8 August, wie mir wiederum meine Tagebuch-Aufzeich­nungen sagen, pasfirte unser Segler das Cap der guten Hoffnung 8unb ein srischer Westwind trieb ihn dem eigent- ttchen Reiseziele, der Stadt Sidney an der Ostküfte des

^ncerj

Gießener Anzeig er=

Kenerak-Wnzeiger.

Fettilleton.

Der einzige Gerettete!

Sin SchtffdruchSabenteuer.

(Nachdruck verboten.)

Ach näherte mich heute stark der Ballendung meine« st-bliasten Lebensjahre«, wahrend ich zur Zeit, da sich d°« »achftehende schreckliche Ereigniß zutrug, soeben erst da« bntte ÄT mXe« Leben« »«lasten hatte. Aber trotzdem -li° seitdem saft vier D-cennien vorübergerauscht sind, stehen « - d - E'uz lheiten jene« «Ichüt.ernden Drama« aus dem Ä °r° noch .reu im Gedäch.niste, mir ist« beinah-, al« waren SLn ntdit lange Jahrzehnte, andern kaum Monate - ° n° ü, und noch immer durchriesel.« mich wie mit kalten Schau«», wenn ich der -ntsetztich-n Katastrophe gedenke, deren eimiaer Ueberlebender ich gewesen bin.

8« war, wie meine Tagebuch Aufzeichnungen eftatigen, am 25 Mai 1852, als der große KlipperLord Pembroke verließ, um die weite Reise nach Australien an rutreten^ Er Hatte ziemliche Anzahl von P°st°g>-r-n « Rord mtter ihnen auch mich, der ich im jüngsten Welt- »beU mein Glück versuchen wollte, da e« mir bisher in der Len H-imach nicht zum Besten ergangen war. 8« meinen

* Bromberg, 15. October, lieber einen Raubmord, Jen drei russische Grenzsoldaten in der vorigen Woche im preußischen Dorfe Polanowo verübten, theilt dieDftb. Rdsch." bemerkenSwerthe Einzelheiten mit. Die drei Grenzsoldaten betraten Abends die Wawrzynkiewiczsche Schankwirthschaft und ließen sich einen halben Liter Schnaps geben. Die Schankwtrthin, eine Wittwe, war bereit- zu Bett gegangen, und die Dtenstmagd befand sich in der Küche, I während die Tochter der Wirthin die Gäste bediente. Nach- I dem die Soldaten den Schnaps getrunken, bestellten sie noch sechs Liter, um ihn auf die Wache mitzunehmen. Während die Tochter damit beschäftigt war, den bestellten Schnaps einzufüllen, hatten die Soldaten das Schanklocal verlaffen, I am das jedenfalls längst vorher geplante Verbrechen aus- zuführen. Der eine begab sich nach der Küche zur Magd, der andere zu der schlafenden Wirthin, und beide gaben I mehrere Schüsse auf ihr Opfer ab. Die beiden Frauen waren sofort tobt. Als bte Tochter bte Schüsse unb bas furze Aufschreien ber Mutter unb ber Magb hörte, stürzte I fie auS bem Schankraum hervor, erhielt aber von bem brttten Solbaten gleichfalls einen Schuß, ber fie In ben Unterleib traf, so baß sie zu Boben fiel. Eine zehnjährige Nichte suchten fie zu erwürgen, ließen aber von ihr ab, als sie still war- bte Mörber mochten sie wohl sür tobt halten. Die am ©oben liegenbe Tochter war ebenfalls bet voller Befin- »ung, rührte sich aber trotz ihrer gräßlichen Schmerzen nicht. Die Räuber erbrachen nun sämmtliche Schränke unb ent- «endeten da- vorhandene Geld (etwa 100 Mk.) unb alle Werthsachen, die sie fanben. Nachdem sie alles durchiucht, I die am Boden liegende Wirthstochter noch wiederholt mit dem Gewehrkolben auf den Kopf, HalS und Brust geschlagen, auch ihren Körper in der Herzgegend betastet hatten, um sich davon zu überzeugen, ob sie noch lebe oder bereit- verschieden sei, nahmen sie eine Flasche, In welcher fie wahrscheinlich Spiritus vermutheten und begoffen mit dem Inhalt Mutter, Tochter und Nichte über und über, ef enso den Fußboden und iftnbeten die Flüssigkeit an, um die Spuren des Verbrechens iU verwischen, worauf sie unter Mitnahme der geraubten Gegenstände das Haus verließen. Glücklicherweise war in der Flasche, deren Inhalt die Mörder über ihr Opfer ge- ,offen und angezünde. hatten, nicht Spiritus, sondern Schnaps gewesen, der nur schwach brannte. Nur da« Bett, in dem di- L-ich- der Wirthin lag, g« eth in Brand. Kaum batten die Verbrecher da« Hau« verlosten, so schrie die Nichte »er «mordeten Wittwe, welche nur der Schreck g-lahm chatt-, um Hstse. Die Tochter der Wirthin ries da« Kind IU sich und schickte e« nach dem dem Wirthshause gegenüber wohnenden Bruder. Dieser eilte sogleich h-rb-i, schl-ppt- die brennend- Leich- d-r Mnttcr au« ihrem Bett, brachte fcle schwerverwundete Schwester in seine Wohnung und er­kaltete demnächst dem Gemeindevorsteher und dem im Dorfe stationirten Gendarm Anzeige. Am nächsten Morgen begab er sich mit der Nichte zur rusfischen Grenzwache, um auch dort den Doppelraubmord zu melden. Alle drei Mörder find bereits verhaftet, zwei von ihnen in Rußland, einer t« ?016.°Ottober. Der weltberühmte Electro-

B-rtinS Stction fl Bmerlt, Mm,

MMtt Reij. ß Sivtrrdt.wttchtt M »üglich befuvdw ] ^gesprotzmhst. I khuehnch confuinltt x nsehrzutHM 2 ständigen kiMe M

cht ien,Mö 6er 1895.

rr ßtlbttrvm A

oib--SR«iU

ei« jK

ArMd. 0* KbV DlL ..IÄ102J»

»«»

t

M

techniker Franklin Popp wurde gestern Abend durch einen 3000 Volt starken Strom getödtet, als er eine von ihm selbst erfundene Maschine in Betrieb setzen wollte.

Die Unterbringung der Gefangenen von 1870/71.Noch mehr Gefangene!" seufzte man in den Septembertagen des glorreichen Jahres 1870 im preußischen KriegSministe- rium, welchem die schwierige Aufgabe oblag, die ungeheueren Mafien unverwundeter und verwundeter französischer Sol- baten, welche in Kriegsgefangenschaft gerathen waren, in sicherer Bewachung gut unterzubringen unb zu verpflegen. Nach ber Schlacht von Weißenburg waren es schon 850 Mann- jebe einzelne ber Schlachten von Wörth, Spichern und Grave- lotte-St. Privat brachte die Gefangennahme weiterer Tau­sende franzöfischer Soldaten, und aus all den kleinen Fest- ,

iinnen Marfal Lüüelstein. Toni. Vitry u. s. w. capitultrten immer beängstigendere Gestalt annahm. . .

mTOÄ »el<£e ie 700 61« 1000 Kbps- stark Seite traten zahlreiche S.ad.gemeinden an da« Kri.g-mini.

waren Alle diese Abtheilungen hatte man ziemlich leicht sterium mit der Bitte heran, sie bet der Einrichtung von

nach d-m inneren Deutschland übe.gesührt und uatergebracht. G-s°ng-n-nl°gern zu b-rücksichtigen, damit w-nigst-n«hren

Busancv und B-aumon, veistark.en di- Zahl von N-u-m um Bauhandw-rk-rn, Fl-isch-rn und gackern -in Verdien t zu

ehttae Tausende - allein die eigentliche Sorge stellte sich im flösse. Namentlich waren es ober die Badeorte, welche den

KrieaSministerium erst ein, als bei Sedan am 1. und 2. Sep- ihnen dadurch, daß der Krieg schon Mitte Jult erklärt wur ,

,emb« von der Mac Mahonffchen Armee etwa 100,000 Mann, entgangenen HauptJahr-Sverdi-nst br* ®'nq,urtgbI, ® darunter an 80 Generale und 4000 Osfiziere in Gesängen- sranzbstschtt Osfiziere, welche bekanntlich> gegen> hr Ehr n schast g-rieth-n. B-i°slich und telegraphisch gab General wort frei »mh-rg-h-n dursten, «setzt b°b-n wollten. Unter Klotz von dem grauen Haust in der L-ipzigerstraße au« seine anderen stell,- auch di- B-rwaltung d-s M Besthle- dort waren Kasernen schleunigst in entsprechender stadtchen« Salzbrunn -inen J

W-is- einzurichten, da ganze Barackenstädte in thunlichst da« KiiegSminist-rium einen StabSosfizier hi«^te, der sich ta « Zeit aus,usühr-n- überall mußten Vertrage mit V«. über die Berhältnifle orientieren sollte Derselbe bemerkte pfle^gungSlieseranten abgeschloffen werden- denn wa« verzehrt schon bei der ersten, flüchtigen Besichtigung, daß man d e nid)? ein solch große« Gesangenenheer! Auch sür die Esten, gesang-n-n Osfiziere unmbglich dort unterbringen kbnne, bahnen war -« keine Kleinigkeit, die G°s°ng°n.n-Tr°n-p°-t- denn die lämmtltchen Logt« waren nur l'®"« * neben dem nur mühsam ausrechterhaltenen Verkehr, bei dem gerichtet und enthielten keine O-s-n. Kaum hatte der Ossi die zu den Fahnen -inberusen-n Beamte gar selten sehlten, zier sich darüber geäußert, al« noch an dems-lben Tage von

ru bewältiaen Nun galt es aber auch ganze Truppencadres allen Hausbesitzern des Ortes Töpfer von Nah und F n

neu auszustellen, welche die Bewachung der Gesaogcn-n.üb-r. h-rbeigerusen^wurden, die unverzüglicki mit dem Ostnsetzen nehmen mußten; denn die Ersatz-Truppentheile hatten genug beginnen mußten. Unterdeffen stellte sich aber h-rau«,_°°ß

damit zu thnu, die den mobilen Truppentheilen nöthigeu zahlreiche sranzbstsche Ölst»--«, b- B. der spatere sranzäsi »-

Recruten auszubilden und nachzusenden,- die Landwehren Kriegsminister Thibaudin, d-r al« Obnst be« 67. R-gi

I mecruicn au-zuo, e, ,-8 1 - -------------- ' ment« gesungen worden war. trotz ihrer Ehrenerklärung, so-

bald sich ihnen irgend eine Gelegenheit bot, nach Frankreich entwichen, unb von Neuem gegen die deutschen Heere kämpften. Diese Thatsache war für Salzbrunn, wie für zahlreiche an­dere Orte bezüglich der Unterbringung der Gefangenen ent­scheidend. Da von dem schlesischen Badeorte in einem be­quemen Spaziergange die österreichische Grenze bei Halbstadt leicht zu erreichen ist, und dort den Entwichenen sofort sei­tens der franzöfischen Gesandtschaft in Wien die nöthigen Mittel zur Reise über Italien nach Frankreich zur Verfügung gestellt wurden, so konnte man da- annmuthige Städtchen trotz der schönen Winteröfen doch unmöglich als Aufenthalt für die unsicheren Cantonisten in Betracht ziehen. Und so blieben denn die mit vielen Kosten errichteten Heizvorricht­ungen wenigstens in jenem Winter zum großen Leidwesen

l-Mersuchung»- J -affee 48,220 H ma ftatbreiner H tlikum durch H m , welche- M

tbttN81