Ausgabe 
20.10.1895 Erstes Blatt
 
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Paris, 18. October. Den Staatsanwalt beschäftigt eine neue Spionage-Affaire. Nach einer strengen Ueberwachnng durch die Polizeipräfectur und durch Special« agenten des KriegSmtnisteriumS wurde in vergangener Nacht in einem Hotel in der Rue Lafitte ein Deutscher, Namens Arthur von Stubenrauch, verhaftet. Derselbe soll mit der Canzlet in Berlin eine regelmäßige Correspondenz unterhalten haben, die bet ihm beschlagnahmten Briefe sollen seine Schuld darlegen. Der Verhaftete soll als Hauptmann einem bayerischen Regiment angehört haben. Er wurde nach seiner Verhaftung sofort von dem Untersuchungsrichter verhört. ____________

WB. Paris, 19.October. DieAgenceHavaS" meldet, die Affaire Stubenrauch sei übertrieben. Stubenrauch sei wegen Diebstahls und Betrugs verhaftet. Dem Vernehmen nach ist in feinen Papieren nichts gefunden, was beweise, daß er Spionage getrieben.

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Gieße», bett 19. October 1396.

Die Kunstausstellung des hiesigen Kunstvereins aas dem Brandplatz ist seit einigen Tagen wieder geöffnet und birgt eine stattliche Anzahl daS Auge des Kenners ent­zückender Gemälde. Aber nicht nur für Künstler, Kenner und Kunstbeflissene, sondern für Jedermann empfiehlt sich dec Besuch der Ausstellung, wo die Aesthetik deS Schönen auf den Beschauer einwirkt, begeistert und veredelt. Die ausgestellten Gemälde selbst sollen in einer der nächsten Nummern eingehender erwähnt werden. Bemerkt sei noch, daß der Eintrittspreis für Sonntags (geöffnet Vormittags von 11 1 Uhr) auf 50 Pfg. ermäßigt ist.

lieber August Zuukermann, welcher als Recitator mit glänzendem Erfolge in den ersten deutschen Kurorten aufgetreten ist, schreibt die Sylter Kurzeitung:Einen schönen Abschluß fand die diesjährige Sommerreise des gefeierten Reuter-Jnterprer en in unserem Badeorte. Herr Junkermann hatte in hochherziger Weise den Gesammtertrag dieser Abschiedsvorlesung für die hiesige Kinderheilstätte be­stimmt, und war der Verlauf des Vortragsabends ein äußerst glänzender, da Herr Junkermann die schönsten Perlen der Reuterschen Muse mit geradezu vollendeter Meisterschaft zur Darstellung brachte. Als der Vortragende nach Schluß der elften Abtheilung unter dem Beifall des Publikums das Podium verließ, erschienen zwei kleine Pfleglinge der Kinder- Heilstätte und überreichten dem sichtlich tief gerührten Künstler einen schlichten Eichenkranz. Wohl manches Mal mag den gefeierten Schauspieler rauschenderer Beifall umbraust haben, zu Harzen gehender war er aber wohl nicht, als diese schlichte Spende aus Kinderhand, ein stummer Ausdruck der Dank­barkeit für daS edle und hingebende Herz des Mannes, welcher sich so bereitwillig gezeigt hatte, für die Linderung fremder Noth einzutreten. Möge ein jeder Künstler in deutschen Landen daran denken, einen Thetl seines schönen Könnens in gleicher Weise in den Dienst der Wohlthätigkeit zu stellen und bestrebt sein, sich denselben Kranz der Dank­barkeit in den Herzen der Bedürftigen zu flechten, wie Herr Junkermann." Der Künstler hält hier, wie bekannt, am Dienstag im GesellschaftShause einen Reuter-Vortrag und eS sollte Niemand die Gelegenheit versäumen, durch zwei Stunden die Schönheiten der Werke eineß gottbegnadeten echt deutschen VolkSpoeten bei Junkermanns musterhafter Interpretation auf sein Herz und Gemüth einwiiken zu lassen.

Zn« Zwecke der Errichtung eine! Kriegerdenkmals fand gestern Abend imHotel Einhorn" eine gut besuchte Versammlung hiesiger Einwohner statt. Der bei Ge­legenheit deS diesjährigen SedanfesteS von Herrn Pfarrer Dr. Naumann gegebenen Anregung, welcher sofort eine Sammlung von 308 Mk. 55 Pf. folgte, entsprechend, hatte sich ein provisorisches Comit4 gebildet, namens deffen Herr Kirch zur gestrigen Versammlung eingeladen hatte. Es wurde, nachdem Herrn Kirch der Vorsitz übertragen, in die Berathung eingetreten. Herr Kirch bemerkte, eS sei lediglich die Ehrung unserer Krieger ins Auge gefaßt, an ein großes, enorme Geldmittel erforderndes Denkmal sei nicht gedacht, auch sollten Gemeindemittel hierzu nicht in Anspruch genommen werden, so dankbar auch jede sonstige Förderung der Sache durch die Gemeindevertretung acceptirt werden würde. WaS die Auf­bringung der Mittel betreffe, so könne man sich wohl auf Grund früherer Erfahrungen mit dem Gedanken vertraut machen, daß durch WohlthätigkeitS-Vorstellungen, Eoncerte rc. ein erheblicher Thetl beschafft werden könne, manche Hinter­bliebenen der Kämpfer würden sicherlich die Gelegenheit, durch Spenden die lobten zu ehren, sich nicht entgehen lassen, auch von hoher Stelle würde daS Unternehmen be­günstigt werden und schließlich könne man sich auch auf die oft bewährte Opferwilltgkeit der Einwohnerschaft verlassen. Herr Oberbürgermeister Gnauth theilte auS den Bürgermeisterei-Acten einiges über daS mit, was früher für Errichtung eines Denkmals geschehen, besonders auch für das Denkmal auf dem Friedhöfe. Er hat Bedenken gegen einen so geringen Ansatz von 10,000 Mk, wie Herr Kirch ihn angegeben, man müsse mindestens 20- bis 25,000 Mk. aufwenden, um ein der Stadt würdiges Denkmal zu schaffen und deshalb sei es fraglich, ob die Mittel in dieser Höhe aufzubrtngen seien, wolle man sich nicht der Gefahr einer Täuschung auSsetzen - wenn e- zweifelhaft sei, ob die Mittel zu einem einigermaßen würdigen Strahendenkmal aufgebracht werden könnten, so solle man von vornherein auf ein solches verzichten und vielleicht durch Anbringung von Tafeln mit den Namen der Combattanten aus Gießen in oder an öffentlichen Gebäuden daS Erreichbare vorziehen, dadurch sei den Ge­fühlen der Dankbarkeit hinreichend Ausdruck gegeben. Herr Prof. Dr. Schwartz glaubt nickt, daß ein schlichtes Denkmal gegenüber dem vom Herrn Oberbürgermeister er­wähnten Ltebigdenkmal abfallen würde, wenn ein würdiger,

hübscher Platz dazu gewählt werde- daS Denkmal solle nicht besonders bildlich, sondern stofflich hervorragen, waS ihm an äußerer Pracht vielleicht fehle, werde ersetzt durch den Gedanken, daß eS ein Kriegerdenkmal sei, er halte eS für möglich, daß für 10,000 Mk. etwas geschaffen werden könne, für seine Person könne er, waS die Ausbringung der Mittel betreffe, die Ansicht aussprechen, daß auch die Universität bezw. seine Collegen durch Borträge ihr möglichstes betragen würden. Herr Dr. Fuhr bemerkte, daß auch ein erheb­licher Thetl der Mittel durch eine zu Anfang deS nächsten Jahres abzuhaltende große patriotische Feier beschafft werden könne. Heute solle man noch absehen von der Frage, wie daS Denkmal beschaffen sein solle, dagegen die Frage er­örtern, wie die Mittel beizubringen seien- er habe die Ueber- zeugung, daß in Gießen doch recht erhebliche Summen für diesen Zweck aufgebracht würden. Herr Dr. Molly spricht sich für Errichtung eines Straßendenkmals aus, jedes Denkmal fei schön, wenn eS auf einem schönen Platz stehe. Herr Pfarrer Dr. Naumann bemerkte, ihm sei nicht bange, daß die Mittel zusammenkämen- er wieS eingehend auf die großen Thaten von 1870/71 hin und glaubte, daß schon der Gedanke, WaS auS Gießen geworden wäre, wenn die Franzosen nach Deutschland gekommen waren, die Ein­wohnerschaft Gießens zu reichlichen Spenden veravlaffen würde. ES gelte sich der großen Thaten unserer Armeen zu erinnern, um die Ideale zu schaffen, die im Denkmal eine Form erhalten sollen zu Ehren der Veteranen- er empfiehlt die Schaffung eines der Stadt Gießen würdigen Denkmals. Herr Provinzialdirector Frhr. v. Gagern erklärt sich mit der Errichtung eines Straßendenkmals ein­verstanden, auch wenn nicht groß außfaflen sollte - er glaube, daß 15 bis 20,000 Mk. in Gießen doch zu beschaffen sein würden und befürwortet die Veranstaltung von Wohl- thätigkeitsvorstellungen, Concerten, Vorträgen rc. zum Besten des Denkmalfonds, vorerst solle man indeß die Frage, ob ein Denkmal überhaupt errichtet werde solle, bejahen, dann aber sollten die.Mittel beschafft werden, um einen Maß­stab dafür zu haben, was aufgewendet werden könne, um danach die Entwürfe fertigen zu lassen. Herr Gymnasial­lehrer Hartmann hebt den erzieherischen Werth eineß Straßendenkmalß für die Jugend hervor, bezeichnet als Lehrmittel zur Pflege der Vaterlandsliebe und ist der Ansicht, daß in diesem Falle auch die Stadtkasse einen ordentlichen Beitrag leisten könne. Herr Oberst v. Rosenberg empfiehlt, nicht nur in dem Denkmal die Krieger von 1870/71 zu ehren, sondern auch diejenigen der vorhergehen­den Kriege, da sie die Einleitung zur Einigung Deutschlands waren- auch 1866 hätten sich die Hessen tapfer geschlagen - schließlich stellt der Herr Oberst in Aussicht, daß auch die Regi- mentsmusik durch Veranstaltung von Concerten zum Besten des Denkmals beitragen werde. Hierauf wurde abgestimmt und einstimmig beschlossen, daß ein Kriegerdenkmal in Gießen errichtet werde. ES wurde ferner ein engerer Ausschuß ein­gesetzt und in denselben gewählt die Herren: Provlnzial- Director Frhr. o. Gagern, Rector der Universität Pro­fessor Dr. Behaghel, Oberst v. Rosenberg, Landgerichts- Präsident Frhr. v. Ricou, Oberbürgermeister Gnauth, Poftsecretär a. D. Meyer (Vorsitzender des KriegervereinS), LouiS Petri, (Vorsitzender des Veteranen - Vereins), Fabrikant und Stadtverordneter Em melius, Rechtsanwalt Dr. Fuhr, Commerzienrath Gail, Rechtsanwalt Dr. Gu t- fleisch, Commerzienrath Heichelheim, Commerzienrath Heyligenstaedt, Hoftraiteur Kirch, Rechtsanwalt und Landtagsabgeordneter M e tz, Fabrikant und Stadtverordneter Sckmall, Pfarrer Dr. Naumann. Auf Vorschlag deS Herrn PsarrerS Dr. Naumann wurden die Herren Pro- vinzialdireclor Frhr. v. Gagern, Oberbürgermeister Gnauth, Oberst v. Rosenberg, Rector der Universität Dr. Behaghel und Landgerichtspräsident Frhr. v. Ricou zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Den Vorsitz übernahm Herr Stadtverordneter Commerzienrath Heyligenstaedt- zu deffen Stellvertreter wurde Herr Hoftraiieur Jean Kirch gewählt.

*P vangenoffenfchaft des evang. Arbeiter-Bereins. Don den Ar b eiter häuS chen, welche die Baugenoffenschaft deS evang. Arbeiter-Vereins auf dem von der Stadt für diesen Zweck billig überlassenen Gelände zwischen Grünberger- und Licherstraße erbaut hat, find 8 so gut wie fertig und werden im Monat November zwei dieser Häuser bezogen. DaS Bild, welches diese Reihe Häuser bietet, ist ein freundliches und wird dasselbe gewiß allseitig befriedigen, wenn im kommenden Frühjahre die noch anzulegenden Vorgärten in Verbindung mit der erst zu regulirenben Straße dem Ganzen den ge­eigneten Rahmen geben. Auch die Bewohner der Grünberger­straße, welche sich s. Z: gegen die Errichtung der Arbeiter- bet-aujungen an dieser Stelle wehren zu müssen glaubten, werden, nachdem die Straße auf einer Seite bebaut ist, die Ueberzeugung erlangt haben, daß von einer Errichtung von Arbeitermassenquartieren, wie sie befürchteten, hier gar keine Rede sein kann, da nach Fertigstellung der ganzen Straße höchsten- 16 Einfamilienhäuser hier Platz finden werden. Daß der Einwand, die Hausbesitzer würden, wenn man die Schaffung gesunder und billiger kleiner Wohnräume seitens der Stadt durch Hergabe hierzu geeigneten Geländes be­günstige, ihre Wohnungen leer behalten und so pecuniären Schaden leiben, hinfällig ist, bürste übrigens bie in biesem Jahr vorgenommene polizeiliche WohnungSrevision erwiesen haben, denn eS ist längst kein Geheimniß mehr, daß man in unserer Stadt wegen der Räumung unvorschristSmäßiger Wohnungen nur darum nicht gleich mit der Strenge deS Gesetzes vorgehen konnte, weil eS sonst an der nöthigen Unterkunft für eine ganze Anzahl von Menschen gefehlt hätte. ES steht daher sragloS fest, daß die Erbauung von Arbeiter­wohnungen für Gteßen eine Nothwenbigkeit ist.

* Stabtierorbueteuwahl Der Vorstanb der freisinnigen Bolktpartel beschäftigte sich tn seiner letzten VorstandSsitzung auch mit der demnächst stattfindenden Stadtverordneten­wahl und übertrug einer Commission, vorbereitende Schritte

in dieser Angelegenheit zu treffen, welche der in Kürze ftatt- findenden ordentlichen Generalversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet werden.

* Der Siehener Gigartenbieb nnb Einbrecher Putz mf Gericht. In Gießen war Pütz Nachts im Wartefaal gesehen worden. In derselben Nacht fand daselbst im Directionß- gebäube ber Oberhessischen Bahnen ein Diebstahl statt. Etwa 70 Mark baareS Gelb unb verschiebene Gegenstände kamen abhanden. Die GaS- und Wasserwerkskasse daselbst wurde in derselben Nacht um etwa 11 Mark erleichtert. Pütz gibt den erstgenannten Diebstahl zu, den letzteren leugnet er. Der Crimina'schutzmann Weiß von Gießen stellte jedoch fest, daß bei letzterem ein Fenster mit derselben Seife beschmiert wurde unb daß derselbe Metsel zur Anwendung kam wie bei der ersten That. Die Verhandlung wird erst am Montag zu Ende gehen. N. H. B.

Den ersten Preis der Darmstadter PftrbeloUerie, de- stehend in einem Coupöe mit zwei braunen Stuten und complettem filberplattirtern Geschirr, gewann bei der vor­gestrigen Ziehung ein junger Weißbinder von Eberstadt, dem der Gewinn sehr zu gönnen ist. Der zweite Preis fiel rach Mainz, der dritte nach WormS.

* Die Zahl bet Rechtsanwälte in Hessen belauft sich nach dem Berichte des Vorstandes der Anwaltskammer z. Z. auf 116. Davon befinden sich in Darmstadt 29, Offenbach 9, BenSheirn, Groß Umstadt, Zwingenberg je 1, in Gießen 17, Friedberg 5, Alsfeld 2, Nidda, Schotten, Ortenberg je 1, in Mainz 39, WormS 4, Alzey 2, Bingen 2, Osthofen 1 - mithin in Starkenburg 41, Oberhessen 27, Rheinhessen 48. Seit 1880 ist die Zahl ber Rechtsanwälte in Starkenburg von 62 auf 41 gesunken, in Rheinhessen von 30 auf 48 ge­stiegen, in Oberheffen ist ste mit 27 gleichgeblieben.

P. Steigerung ber Etfeugnßwaareu. Die bebcutenften Hüttenwerke des Dill-, Sieg- und LahnthaleS zeigen ihren Abnehmern unterm 17. d. M. per Circular an, daß sie ihre Preise für Eifengußwaare um 10 Mk. pr. Tonne er­höht haben.

* Der Setreibemarkt. (Berichtswoche vorn 12. bis 18. Oct.) Die kleine Besserung in der Tendenz deS deutscher» Getreide- rnarkteS, welche derselbe in ber vorigen Woche aufwies, hat sich auch in der jüngsten Bench swoche im Allgemeinen de- Häuptel. Speciell Weizen war recht fest, die Preise für diesen Artikel zogen hie und da sogar noch weiter an, ebenso hielten sich Roggen unb Hafer gut, die Umsätze bewegten sich indessen meist nur in mäßigen Grenzen. In Spiritus machten sich erhöhte PreiSnotirungen geltend. In Ber in und Leipzig wurden gekauft, Alles pr. 1000 Silogr. gerechnet: Weizen für 130143 Mk., Roggen für 113120 Mk., Gerste für 108170 Mk., Hafer für 112148 Mk.

Mainz, 18. October. Die zahlreichen Mißstände, welche die Feiertage der verschiedenen Confessionen bet ber gemischten Bevölkerung, der hiesigen Stadt schon oft mit sich gebracht haben, hat die Bürgermetsterei vor Kurzem veranlaßt, eine allgemeine Regelung ber Sache vorzuschlagen, beziehungsweise bei ber Stadtverordnetenversammlung zu beantragen, den Charfreitag, Maria Himmelsahrtstag, Frohn- leichnamStag unb den Allerheiligentag, welche Tage biShtr hier nicht als allgemein gesetzliche Feiertage gegolten haben, für die Folge als gesetzliche Feiertage anzuerkennen. Der juristische Ausschuß, dem der Antrag wegen dessen rechtlicher Seite Vorgelegen, hat einstimmig beschlossen, den Vorschlag ber Bürgermetsterei der Stadtverordnetenversammlung zur Annahme zu empfehlen.

Mainz, 18. October. Wegen der typhösen Krank» heitserscheinungen, bie sich feit kurzem unter ben Mannschaften des 118. Infanterie - Regiments btmerlbar machen, soll, wenn die Erkrankungen anhalten, eine thellweise DiSlocation des Regiments nach dem Exerclerplatz bei GruS- he m stattfinden. Heber den Verlauf der KrankheitSerscheinung erfährt man nichts Bestimmtes, doch soll eine Reihe schwerer Erkrankungen vorliegen. Gestorben ist bis jetzt nur ein Unterosficier des Regiments, der heute mit militärischen Ehren in seinem HeimatSort Wolfsheim beerdigt wurde.

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Beruhen (tn Oberschl.), 18. Oktober. Der Mörder Arlt, der noch kürzlich mit dem zum Tode verurtheilten Sobczyk einen mißlungenen Fluchtversuch machte, würbe heute früh halb 8 Uhr im hiesigen GerichtSgesängniß durch den Scharfrichter Reindel auS Magdeburg hingerlchtet-

* Rettung ans Seegefahr. Utber die Rettung bet auS 10 Personen bestehenden Besatzung der dänischen Bark Edmund", Kapt. Richardt, durch baß Rettungsboot der Station Bohnsack, ist der folgende Bericht eingepongm: Am Sonntag, den 13. October, bei schwerem W. N. W.- Sturm, gerieth eine Bark zwischen Nickelswalde und Pasewark auf den Strand. Um 3 Uhr Nachmittags wurde der Unfall gemeldet, um 4 Uhr stach daß Pasewarker Rettungsboot, weit westlich voraus, tn See, wurde aber durch die gewaltige Brandung und den starken westlichen Strom trotz ber größten Anstrengungen verhinbert, das verunglückte Schiff zu erreichen. Das RettungSbot wurde voll Waffer geschlagen und die Mannschaft vollständig durchnäßt. Jetzt wollte man die Rettung mittelst deS Raketenapparates versuchen. Da >'ah man von Nordwest her ein Segelboot mit größter Ge­schwindigkeit auf daß Wra'ck zusteuern, welche* sich als baß Rettungsboot der Station Bohnsack erwies. ES konnte, begünstigt durch den heftigen Sturm, baß gefährliche RettungSwerk leichter vollbringen. Unter vorsichtiger unb geschickter Führung wurde daß Wrack angesegelt. Die Be­satzung sprang in daß Rettungsboot, welches nun, getrieben von dem gewaltigen Sturm und Strom dem Lande zu­sauste. Hier wurde das Rettungsboot mit einem Hurrah empfangen. Die hart mitgenommenen Schiffbrüchigen wurde» in beste Pflege gegeben."