Ausgabe 
20.10.1895 Erstes Blatt
 
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Die Gießener Aamtlieu v kälter werden dem Anzeiger wöchmtlich dreimal beigelrgt.

Erstes Blatt. Sonntag den 20. October

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Hießener Anzeiger

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Neueste Nrrchelchten.

WolffS teiegraphtfcheS Sorrefpondenz-Bureau.

Köln, 18. October. Der Kaiser bog, wie der »Köln. Ztg." auö Straßburg gemeldet wird, als er nach Wörth und Fröschweiler ritt, nach dem Denkmal für die gefallenen bayerischen Truppen ein und richtete an die dort anwesenden bayerischen Beteranen freundliche Worte. U. A. äußerte er: -Hier habt Ihr Bayern einen heißen Tag gehabt, im Namen und Andenken meines Vaters und Großvaters danke ich Euch Nochmals dafür."

Straßburg t. E., 18. October. Nachdem die fürst­lichen Gäste und ihre Gefolge mittelst SonderzugeS gegen 3 Uhr hier eingetroffen waren, fuhr der kaiserliche Hof» zug gegen 5 Uhr in den Bahnhof ein. Auf dem Bahnsteig hatte eine combtnirte Compagnie der Jnfanrerie-Regimenter Nr. 126, 132 und 105 Aufstellung genommen. Nachdem das kaiserliche Paar dem Hofzuge entstiegen war, fand der Empfang durch die anwesenden Behörden statt. Der Kaiser schritt die Front der Ehrencompagnie ab. Die Abfahrt vom Bahnhose durch die überreich geschmückten Straßen und Plätze der Stadt zum Kaiserpalast geschah in folgender Reihenfolge: Voran die Kaiserin Friedrich, escortirt von einer Schwadron des 15. Ulanenregiments, darauf in vierspännigem Galawagen das Katferpaar, ebenfalls unter EScorte einer Schwadron des oenannien Regiments, darauf die übrigen Herrschaften dem Range nach. Endloser Jubel begrüßte die Majestäten aus der ganzen Fahrt durch die überfüllten Straßen der Stadt, woselbst Schulen, Vereine und Corporationen Spalier bildeten. Das Kaiserpaar dankte in huldvollster Weise nach allen Setten. Der Einzug war von herrlichstem Sonnenschein be- «ünftigt. Der ganzen Bevölkerung hat fich eine freudig ge­hobene Stimmung bemächtigt. Trotz der in großer Zahl berbeigeftrömtkn Besucher, welche zusammen mit der Straß­burger Bürgerschaft in dichten Massen die Stadt durchfluthen, ist die Ordnung vorzüglich. Heute Abend findet Galadiner im Kaijerpalast statt. Die Tafelmusik stellt die Capelle des Infanterieregiments Nr. 142. Außerdem findet großer Zapfenstreich, Beleuchtung der den Kaiserplatz umgebenden Gebäude und bengalische Beleuchtung des Münsters statt.

Straßburg i. 6., 18.Octobrr. Der Kaiser verlieh dem StaatSsecretär v. Putt kam er den Kronenorden erster Klaffe und ernannt- den UnterstaatSsecretär v. Sch raut -um Wirkl. Geheimen Rath mit dem Prädikat Excellenz.

Wörth, 18. October. Der glänzende Verlauf der Ent- llungS feier des Kaisers-Friedrich-Denkmals machte auf alle Theilnehmer einen unvergeßlichen Eindruck. Der Weg von Wörth bis zum Denkmal war von zahlreichen fpalterbtldenden elsäsfischen Kriegervereinen besetzt. RechtS xnb links vom Denkmal standen Krieger mit den mit Eichen­laub geschmückten Fahnen und Standarten aller preußischen,

Amtlich«» ZbeiL

Gießen, den 18. October 1895. Bett.: Die Volkszählung im Jahre 1895.

Laß Gkvßherzogliche Kreisamt Gieße« an die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Nach BundeSrathSbeschluß vom 11. Juli d. I. wird am 2. December 1895 im Deutschen Reich eine Volkszählung startfinden. Die deshalb erforderlichen Erhebungen sollen im Großherzogthum wieder mittelst ZählungS- commisfionen unter Heranziehung freiwilliger Zähler erfolgen. Die ZählungScommisfionen find von unS ein» zusetzen. Dieselben haben auS mindestens drei Personen zu bestehen.

Zu Vorsitzenden der ZählungScommisfionen ernennen wir die Großh. Bürgermeister bezw. in deren Verhinderung die Großh. Beigeordneten und wollen Sie uns binnen längstens 8 Tagen zwei, in größeren Gemeinden drei bis vier wettere, mit den örtlichen Verhältnissen vertraute Personen, welche den Werth der Volkszählung zu beurtheilen im Stande und bereit sind, an deren zweckentsprechender Aussührung mitzu- wirkeu, zu Mitgliedern der Commissionen Vorschlägen.

Hierbei wollen Sie von der Bezeichnung von Lehrern absehen, da dieselben thunlichst als Zähler verwendet werden sollen.

In Ihren Berichten ist auch anzugeben, in wieviel Zähl- beztrke Sie die Gemeinde einzutheilen gedenken, damit wir Ihnen die erforderliche Anzahl Anweisungen für die Zähler übermitteln.

v. Ga gern.

bayerischen, badischen und würtremdergifchen Regimenter, deren Chef Kaiser Friedrich gewesen ist. Der Kaiser hatte die Uniform der Pasewalker Kürassiere angelegt und begab fich zu Pferde vom Bahnhofe aus nach dem Denkmalsplatze, während die Kaiserin in vierspännigem Wagen dahin fuhr, ebenso die Kaiserin Friedrich, welche in tiefster Trauer erschien. Der Kaiser ritt die Front der um das Denkmal ausgestellten Truppen ab und befahl dann auf Bitten deS Statthalters Fürsten von Hohenlohe-Langenburg den Beginn der Feier. Nach den ergreifenden Worten des Festredners General v. Mischke dankte der Kaiser demselben tiefbewegt; auch die Kaiserin Friedrich war tief gerührt, namentlich als der Kaiser den Degen zog und das Eommando zum Präsentiren gab und darauf die Hülle deS prachtvollen Denkmals fiel. Kanonendonner und tausendstimmiges Hurrah durchdrang in diesem Augenblick die Luft. Der Kaiser ritt alsdann vor das Denkmal und hielt folgende Ansprache:Hochverehrte Kriegskameraden meines Herrn Vaters und sonst versammelte Herren! Im Auftrage Ihrer Maiestät der Kaiserin Friedrich habe ich Ihnen Ihrer Majestät und zugleich meines Hauses Dank dasür auszusprechen, daß Sie es sich nicht haben nehmen lassen wollen, und dieses herrliche Denkmal errichten zu Helsen und am heutigen Tage zu erscheinen. Tiefbewegten Herzens verweilt hier heute meine hohe Frau Mutter, daran gedenkend, daß eS ihr am Arme ihres Herrn Gemahls vergönnt gewesen, an dieser Stelle aus seinem eigenen Munde die Kunde über den ersten von ihm erfochtenen Steg zu vernehmen. Ich spreche Ihrer Majestät daher ganz be­sonderen Dank dafür auS, daß sie die Gnade gehabt hat, fich hier etnzufinden. Wie nunmehr dieses herrliche Bild meines Herrn Vaters aufgerichtet wurde, was wir über ihn vernommen, konnte nicht schöner und bewegter geschildert werden; waS wir aber fühlen, Angesichts dieses Standbildes und in Anbetracht der 25jährtgen Wiederkehr der großen Zett der Wiedergeburt unseres Vaterlandes, hier zumal, wo zurrst süddeutsches und norddeutsches Blut zu dem Kitte sich ver- einigte, der unser Deutsches Reich wieder zu bauen half, daS bewegt tief unser Aller Herz und wir Jüngeren vor Allen wollen geloben, im Anblick deS hohen Siegers, unseres verewigten Kaisers, baß zu erhalten, was er uns erfochten hat und die Krone zu wahren, die er schmiedete, und dieses Retchsland, gegen was eS auch sei, zu schirmen und deutsch zu erhalten, so wahr unS Gott helfe und unser deutsches Schwert. Nun aber wollen wir Alle einstimmen in den Ruf: Meine hohe Frau Mutter, durch deren Erscheinen der heutige Tag gekrönt ist, Ihre Majestät Kaiserin Friedrich Hurrah, Hurrah, Hurrah! Hierauf legten die Fürstlichkeiten Kränze nieder und besichtigten daS Denkmal; alsdann legten die Deputationen der Regimenter Kranzspenden am Denkmal nieder. Dem General der Infanterie v. M'schke wurden die Brillanten zum Großkrevz deS Rothen AdlerordenS, dem Bildhauer Baumbach der Profefforentitel verliehen.

Depeschen de» StartenHerold".

Berlin, 18. October. Im Auftrage des Kaisers wurde heute Vormittag durch den Geheimen RegierungSrath Mießner am Grabe deS Kaisers Friedrich im Mausoleum bei der FriedenSkirche zu Potsdam ein Kranz niedergelegt.

Berlin. 18. October. Außer dem Kaiser ließen die Kaiserin Friedrich, Prinz Heinrich, das Erbprinzenpaar von Meiningen und verschiedene OffiziercorpS heute Kränze am Grabe des Kaisers Friedrich ntederlegen.

Berlin, 18. October. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Im ReichSschatzamt ist der Re ich s e tat für 1896/97, mit Ausnahme des Militär- und deS MarineetatS, fertiggestellt. Wenn anderweitig gleichzeitig gemeldet wird, der Reichs» tag solle zwischen dem 20. und 26. November einberusen werden, so sind darüber unseres Wissens Beschlüsse noch nicht gefaßt worden, obschon die Meldung hinsichtlich der ob- waltenden Intention im Großen und Ganzen zutreffen dürste.

Berlin, 18. October. Der frühere Redacteur des Gothaischen HoskalenderS, Hauptmann a. D. von Schell- wttz, soll derN. P. C." zufolge als Secretär in den Dienst deS Fürsten BiSmarck getreten sein.

Frankfurt a. M., 18. October. Heute Vormittag 11 Uhr fand die feierliche Einweihung deS neuen Reichs- Post- und Telegraphengebäudes statt. In der geschmackvoll ausgestatteten, großen Schalterhalle hatten fich einige hundert Personen, Vertreter der städtischen und staat­lichen Behörden, Mitglieder der Handelskammer und des HandelöstandeS, sowie Postbeamten etngefunden. Staats» Minister SlantSsecrelär Dr. v°n Stephan gnb in ,chwnng°°ll°r Rede ein Bild über di- Entwickelung de- Postwtsens überhaupt und die graste Auidehnuag des Post.

wesens in hiesiger Stadt, indem er hierfür sprechende Ziffern angab. Der Staatsminister dankte allen Denen, welche sich um das Gelingen des großen Werkes verdient gemacht haben und schloß mit folgenden Worten:Meine Herren! Seit fünf Jahren ist hier eifrig an diesem großen Werk geschaffen worden. Ich weiß aus dem Munde Seiner Majestät unsere» erhabenen Kaiser-, wie sehr Allerhöchstderselbe sich für den Bau interesfirt und wie Er von seinem Fortgang sich stetig hat unterrichten taffen. Ich weiß auch, mit welchem landes» väterlichen Wohlwollen Seine Majestät auf baß fernere Ge­deihen der alten ehrwürdigen Mainmetropole, aus ihre geistige und materielle Entwickelung bedacht find, und mit wie lebendiger Theilnahme die Geschicke dieses wichtigen Herzpunktes des Verkehrs zwischen Nord- und Süddeutsch­land von Allerhöchstdenselben verfolgt werden. Meine Herren! Wir können diesen feierlichen Act nicht würdiger schließen als mit dem Rufe, in den Sie gewiß Alle mit Freuden einstimmen werden: Seine Majestät der Kaiser, unser aller- gnädigster König und Herr, Er lebe hoch, hoch, hoch! Hieraus ergriff Oberpostdtrector Tomforde daS Wort. Redner dankt dem Herrn Minister von Stephan, indem er dessen große Verdienste um die Entwickelung des deutschen Postwesens eingehend beleuchtete. Redner schließt mit einem Hoch auf Herrn von Stephan. Hierauf begab sich die Fest- Versammlung in den Posthof, wo die feierliche Enthüllung deS vom Frankfurter Handelsstande gestifteten Denkmals Kaiser Wilhelms I. vor sich gehen sollte. Vor dem noch verhüllten Denkmale hielt der Vorsitzende deS Denkmal- Comitös, Handelskammer » Präsident Geh. Commerztenrath Herr von Guaita eine Ansprache, in welcher er die Ver- dtenste der Poft beleuchtete, den Schöpfern deS Kunstwerkes dankte. Nach einem auf den Kaiser Wilhelm auSgebrachten Hoch fiel die Hülle deS von Franz Krüger modelltrten und von PelarguS - Stuttgart gegossenen Denkmals. Oberpost- director Tomforde übernahm daS Denkmal, gelobte auch ferner Alles zum Gedeihen deS Handels zu thun und schloß mit einem Hoch auf Frankfurt. Hieran schloß sich eine Besichtigung der Pofträume und ein Frühstück, welches Minister von Stephan den Beamten gab. Abends findet im Palmengarren ein Festessen statt.

Straßburg i. 6, 18. October. Eine vieltausendköpfige Menschenmenge, die vom Centralbahnhofe bis zum Kaiser- palaft Spalter bildete, hatte schon in den ersten Nachmittag- stunden Ausstellung genommen. Um 3 Uhr kam ein Thetl der Fürsten an, unter denen sich der König von Württem­berg, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen und der Reichs­kanzler Fürst Hohenlohe befanden. Um 5 Uhr traf der Kaiserzug ein. Ihm entfliegen die Kaiserin Friedrich, von stürmischen Hochrufen begrüßt. Ihr folgten Prinz Heinrich von Preußen nebst Gemahlin, ferner der Prinz von Schaumburg-Lippe. Nach einer kleinen Pause erschien der Kaiser, von Kanonendonner begleitet, in der Uniform des Garde-du Corps Regiments sowie die Kaiserin in helio­tropfarbiger Toilette, welche nach allen Seiten hin für die donnernden Hochruse dankte. Der Kaiser sah sehr ernst aus. Die Ehrenwache stellte baß Infanterie-Regiment Nr. 132 und das hiesige Ulanen Regiment. Die Majestäten bestiegen die Wagen und fuhren unter enthusiastischen Hochrufen nach dem Kaiserpalast.

Straßburg i. ö., 18. October. An weiteren Fürstlich­keiten find angekommen: Gestern Abend um 11 Uhr der Fürst von Hohenzollern und der Erbprinz von Meiningen nebst Gemahlin. Heute Morgen um 9 Uhr 50 Min. kam der König von Württemberg an, dem am Bahnhofe eine be­geisterte Ovation von dem Vereine der Württemberger dar» gebracht wurde. Der Vorsitzende deS Vereins hielt eine Ansprache an den König, welche derselbe huldvollst erwiderte. Der Monarch sprach mit einer größeren Anzahl von Mit» gliedern des Vereins in liebenswürdigster Weise und gab seiner Befriedigung über die ihm erwiesene Ehre Ausdruck. Punkt 10 Uhr haben sämmtltche fürstlichen Personen nebst ihren Frauen, einschließlich deS Statthalters der Reichslande und des Reichskanzler«, die Fahrt nach Wörth angetreten. DaS Wetter scheint sehr schön zu werden.

Agram, 18. October. Wegen Derbrennung der ungarischen Fahne und anderer gewaltthätiger Demon­strationen find 150 Studenten verhaftet worden, welche heute dem Gericht übergeben werden.

Antwerpen, 18. October. Die belgische Regierung ließ daS deutsche SchiffStern" beschlagnahmen, welches auf der Fahrt mit einem belgischen Dampfer zu- iammengestoßen war und diesen arg beschädigt hatte. Die Beschlagnahme erfolgte, weil der Besitzer desStern" fich weigerte, die verlangte Caution zu zahlen.