Ausgabe 
20.8.1895 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 20. August

Zweites Blatt.

Nr. 194

189»

Gießener Anzeiger

Generat-Mnzeiger.

Amts- tmb für den 'Kreis Gieren.

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Die Giehener Aamtkien vtätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigrlegt.

Der

Gietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» tilgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Jamitienölätter.

All: Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Anrtliche» Theil.

Bekarmtmachvng,

betreffend Beurlaubung des Großh. KreiSveterinärarzteS

Professor Dr. Winkler.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnih, daß der Großh. Kreisveterinärarzt Professor Dr. Winkler in der Zeit vom 15. l. M. bis zum 12. September l. I. beurlaubt und zu deffen dienstlichem Vertreter der Großh. Kreisoeterinärarzt Neunhöffer zu Grlinberg bestellt ist.

Gießen, den 17. August 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen:

I. B.: Dr. Melior.______________

Bekanntmachung,

betreffend Maul« und Klauenseuche zu HartmannShain.

Die Maul- und Klauenseuche zu HartmannShain ist erloschen und die Gehöft perre aufgehoben.

Gießen, den 17. August 1895.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Gießen, 13. August 1895.

Betr.: Landw. Ausstellung zu Gießen.

Daß Großherzogliche KreiSamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Bon dem Comite für die landwtrthschaftliche Ausstellung ist uns eine Anzahl AuShangSplacate zur Vertheilung an Sie übersandt worden.

Wir werden Ihnen die auf Ihre resp. Gemeinde ent­fallende Zahl in den ersten Tagen zugehen lasten und empfehlen Ihnen, dieselben an den Ihnen geeignet scheinenden Stellen anschlagen bezw. in den Wirthschaften auöhängen zu lassen.

I. V.: Dr. Melior.

Gießen, den 17. August 1895.

Betr.. Die Anmeldung von Blitz- und Brandschäden.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Da die Anzeigen von Blitz- und Brandschäden Seilen­der Bürgermeistereien des Kreises Gießen häufig nicht direct an den Großh. Brandversicherungs-Jnspector gerichtet werden und hierdurch nicht allein, die Regulirung der Schäden ver­zögert, sondern auch der Schaden durch ungünstige Witterung, Regengüffe rc. oftmals vergrößert wird, bringen wir die Bestimmungen des nachstehend abgedruckten Art. 35 deS Gesetze- vom 28. September 1890 nochmals in Erinnerung, indem wir noch besonders auf unser Ausschreiben vom 21. December 1891 pos. II (Gießener Anzeiger Nr. 300) Bezug nehmen.

I. V.: Dr. Melior.

Artikel 35.

Die Bürgermeisterei hat von einem jeden Brandfall innerhalb 24 Stunden, bei Vermeidung diSciplinärer Ein- schceitung, dem Brandversicherungsinspecror Anzeige zu machen, welcher den Schätzungstermin anberaumt und von demselben der Bürgermeisterei und der Brandverficherungskammer Kenntniß giebt.

Ueber den Befund deS Schadens ist von dem Brand- verstcherungsinspector an Ort und Stelle eine genaue Be­schreibung aufzunehmen und mit dieser die Schätzung des Schadens zu verbinden.

Die Ausnahme, Beschreibung und Schätzung kleiner Brandschäden kann den verpflichteten Bauschätzern von dem Brandversicherungsinspectorübertragen werden. Die Schätzungs- Verhandlung ist in diesem Falle dem BrandverstcherungS- inspector vorzulegen.

Deutscher Reich.

Berlin, 17. August. Kaiser Wilhelm ist im er­freulichsten Wohlsein am Samstag Vormittag von seinem Autfluge nach England wieder im Neuen Palais bet Potsdam eingetroffen. Am Montag beabsichtigt er, seiner erlauchten Gemahlin einen Besuch in Schloß Wtlhelmshöhe bet Caffel abzustatten.

Auch die bedeutungsvollen Gedenktage des 16. und 18. August find gleich den schon voran- gegangenen Erinnerungstagen der kriegerischen Ereignisse

von 1870/71 vielerorten gebührend begangen worden. Am ergreifendsten und eindrucksvollsten haben sich diese Erinne- rungSfestlichkeiten auf den blutgetränkten Schlachtfeldern von MarSlatour und Gravelotte gestaltet, worüber eingehende telegraphische wie briefliche Berichte vorliegen. Auch fran- zöstscherseitS sind würdige Gedenkfeierlichkeiten an die gewal­tigen Kämpfe des 16. und 18. August veranstaltet worden. Speziell in MarSlatour wurde am Freitag eine von mehr als 10,000 Personen besuchte Gedenkfeier abgehalten, welcher auch eine Anzahl deutscher Veteranen beiwohnte- ein Zwischen­fall kam nicht vor.

Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg be­ging am SamStag sein 50 jähriges Militär Dienstjubiläum unter zahlreichen Bekundungen der Theilnahme von nah und fern. Dem preußischen Heere gehört der erlauchte Jubilar seit 29. September 1847 an, er wird heute als fünfter in der Reihe der preußischen Generäle geführt. Herzog Ernst ist Chef deS 1. und 4. Bataillons des Thüringischen In­fanterie- Regiments Nr. 96, des 2. schlesischen Jägerbataillons Nr. 6, des 1. königlich sächsischen Jägerbataillons Nr. 12 und deS russischen Infanterie Regiments Nr. 50Bjälostock."

Berlin, 17. August. Die Zimmerleute haben in einer Versammlung beschloffen, am Montag sämmtliche Arbeiter auf dem Terrain der Berliner Ge­werbeausstellung zum Strike zu bewegen, wenn bis dahin eine Einigung mit den Arbeitgebern nicht erzielt worden ist.

Berlin, 17. August. DiePost" bringt heute das ausführliche Programm für die Krieger feier am Montag auf dem Tempelhofer Felde. Die Feier wird eingeleitet durch den gemeinsamen Chorgesang:Nun danket Alle Gott!" Hierauf folgen die Ansprache deS evangelischen und des katholischen Geistlichen. Sodann findet die Besichtigung der Kriegervereine durch den Kaiser statt. Die evangelischen und katholischen Militärgeiftlichen sind sämmtlich etngeladen. Die Betheiligung der inaettven Generale und Stabsoffiziere ist eine allgemeine, selbst von außerhalb. Die Verbände haben eine Stärke von 26 290 Mitgliedern.

Berlin, 17. August. Aus Metz wird gemeldet, daß nach den bisherigen Bestimmungen das Kais er paar da­selbst zur Einweihung der Kirche in Ur bi He am 17. October und in Wörth am 18. October eintrifft.

Metz, 17. August. Wie von authentischer Seite berich­tigend mitgetheilt wird, ist die gestrige Meldung von einer Gefechtsübung der Metzer Garnison bei Vionville dahin richtig zu stellen, daß keine Gesech'ltübung stattgefunden, der commandirende General des 16. Armeecorps vielmehr die Truppen der Garnison Metz bei Gravelotte versammelt und in einer Ansprache der Tage von 1870 gedacht hat. Die Einweihung des für weiland Se. König!. Hoheit den Prinzen Friedrich Karl von Preußen errichteten Gedenksteines bei Flavigny findet morgen statt.

Metz, 17. August. Die Schmückun g der Krieger­gräber auf den östlichen und westlichen Schlacht­feldern durch die hier zu diesem Zwecke seit 1872 be­stehende Vereinigung unter Mitwirkung deS Militärs ist heute feierlich vollzogen worden. Zahlreich sind dazu auS allen Gauen des deutschen Vaterlandes kostbare Kranzspenden von Städten, Regimentern, Vereinen und Privaten einge­troffen. Stündlich wächst die Zahl der anlangenden Veteranen und Gäste. Die Stimmung ist begeistert, das Wetter günstig.

Arr-land.

Antwerpen, 17. August. 17 000 Familienväter haben sich gegen das Schulgesetz erklärt. DaS Resultat der Agitation wird kein großes sein, da die Regierung entschlossen ist, da- Gesetz unter allen Umständen aufrecht zu erhalten.

Paris, 17. August. Der seit einigen Tagen mit den Vorarbeiten beschäftigte Congreß der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen hat in seiner gestrigen Sitzung den Achtstundentag angenommen.

Paris, 17. August. Ein Redacteur desMatin" inter­viewte den Bürgermeister Kramer von Metz über die elsaß-lothringische Frage. Kramer erklärte, eine solche Frage bestehe für Deutschland nicht, weder in diplo­matischer, administrativer noch politischer Hinsicht. Elsaß- Lothringen gehöre Deutschland. Der Krieg habe es ihm gegeben und nur eine Niederlage könne es ihm wieder nehmen.

London, 17. August. Eine eingehende Besichtigung in den Regierungsmagazinen ergab, daß die Vorräthe an Pulver, Munition und (Sorbite sehr niedrig find. Die Vorräthe werden sofort vermehrt werden.

Newyork, 17. August. Der russische Consul theilte mit, die russische Regierung habe beschloffen, verschiedene Pro-

bucte in ben Vereinigten Staaten auöjuft eilen unb auch eine Damp fer linie zwischen Obessa un b New Aork einzurichten.

Newyork, 17. August. 20000 Schneib er haben bie Arbeit roteber ausgenommen- 10 000 sinb noch ausständig. Das Ende des StrikeS scheint nabe zu sein.

Der Krieg von 1870171, geschildert durch Ausschnitte aus Zeitungs-Nummern jener ZeU (Nachdruck oerboten.) 20. August.

H annibal vor den Thoren!" rufen die Pariser und arbeiten an der Befestigung Tag und Nacht, Nachts leuchten electrische Feuer. Palikao hat an die Behörden Frankreichs telegraphirt: Hebt alles aus, was Waffen tragen kann, organisirt das Heer Tag und Nacht! (Es fehlt aber an Waffen.) In der Kammer rief ein vornehmer Herr: Wir haben ein Heer von Löwen, befehligt von Eseln!

Sechs Aussprüche großer Männer:Ich werde den Frieden in Königsberg unterzeichnen," sagte Napoleon III.Wir werden eine Promenade nach Berlin machen," sagte Marschall Leboeuf.Wie, Ihr braucht mehr Zeit, den Rhein einzustudiren, als wir, ihn zu nehmen?" schrie Herr von Girardin.Wir haben dieses Land und gedenken darin bequem zu schlafen," schrieb Edmond About auS Saarbrücken."Es steht eine große Schlacht bevor und ich kann den Sieg mit Gewißheit Vorhersagen," meldet Er an Sie.Die Nachrichten vom Kriegsschauplätze lauten gut," log dieser Tage noch Graf Palikao ben gesetzt gebenben Körper zu.

Stetig unb sicher finb bie blauen Heersäulen in Frank­reich vorgerückt, Schritt vor Schritt haben fie bie östlichen Departements in ihre Gewalt gebracht unb ihren Pfab in das Herz be- Laubes hinein verfolgt. Die ganze Armee bewegt sich mit ber Einheit eines einzigen Wesens. Ohne Lärm, ohne Hast, aber auch ohne einen auch nur augen­blicklichen Aufenthalt zieht sie dahin, augenscheinlich ent* schloffen, ben wohlüberlegten Plan zur Ausführung zu bringen. Die Wirkung bieser Beobachtung wirb noch erhöht burch ben Gegensatz zwischen ben feinblichen Heeren. Seit bem Anfänge beS Feldzuges waren bie Bewegungen ber Franzosen zu­sammenhanglos, ihre Versuche zwecklos unb ihre Anstreng­ungen baher ohne Erfolg. DaS unglückliche Frankreich steht hinter feinen entwaffneten Söhnen, von Wurh, Groll unb Verzweiflung zerrissen. Wir mögen zum Mitleiben, zur Theilnahme, zur Bewunberung geführt werben über bie ber» zweifelten Anstrengungen, welche gemacht werden^ um bie Macht beS zerrnalmenben Unheils zu brechen, aber eS ist zu stark, zu sicher, zu verberblich in seiner Gewalt unb wir fühlen zum Voraus, baß bas leibenschaftlichste Wagen ver­geblich an ihm abprallen wirb. Kein schrecklicheres Zerstörungs­werkzeug als das beutsche Heer hat je seine blutige Be­stimmung erfüllt. Es ist bie Kraft einer gelammten Nation, bie geübt unb bisciplinirt gegen ben Feinb arbeitet, baß fie burchbricht wie ein einziger Mann unter bem Antrieb von Herz unb Kopf. Die Folge ist im Großen zu ersehen in bem Vorrücken vom Rhein an bie Saar, von ber Saar an bie Mosel, von ber Mosel an bie Maas - im Einzelnen kann man fie auf ben Höhen von Spichern unb in ben Weinbergen von Wörth ftubiren. Wenn Könige unb Minister bie Müh- fale unb Entbehrungen sowohl als ben Ruhm des Kriege- theilen, so kann man bie Ehrlichkeit ihrer Beweggrünbe zum Beginn beffelben als feststehend betrachten. Der König von Preußen ist ein Greis, aber er begleitet seine Krieger ins Feld und opfert in allen Dingen, selbst in verhältnißmäßig geringeren Punkten, wie seine Reise ins Lager, die eigene Bequemlichkeit ben Anforberungen beS Heeres. Sein Sohn theilt bie Geschicke bes Heeres, welches er von Sieg zu Sieg führt. Sein Neffe ist ber Heerführer ber Central­armee. Wir hören, daß fünf Minister zusammen elf Söhne hinaus in ben Krieg gesandt haben, von denen sechs Gemeine oder Unteroffiziere sind. Vor dem 'militärischen Gesetz finb alle Preußen gleich, ben König nicht ausgenommen, und in bem Kriege, ber jetzt tobt, ist bas beutsche Heer bas beutsche Volk in Waffen. TimeS.

Fünfundzwanzigjährige Erinnerungsfeier an 1870.

(Originalbericht desGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 18. August.

BegrüßuugSfeier unb Festzug.

So find denn die Hauptfesttage angebrochen und der Himmel hat zuguterletzt doch noch ein Einsehen gehabt und