Mittwoch den 20. März
1S95
Nr. 67
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Amts- und Anzeigeblutt für den Tireis Gieszen.
Hratisbeikage: Hießener Kamilienbkätter.
Deutsches Reich
Amtlichem Theil
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Ausstattung*- j Geschäft.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphffches Correspondenz-Bureau.
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gebet die in der Subßdcomtniffion gepflogenen Beratungen referirt in eingehender Weife der Abg. Prinz Arenberg DaS Resultat sei nach P.üsung der Klagen über den Bureaukrat.smus und Militarismus, daß dem Gouverneur von Scheele nicht der geringste Vorwurf gemacht werden könne; ebenso sei die Verwaltung WißmannS eine correcte gewesen und könne man'hm nicht nachsagen, daß er verschwenderisch gewirthschastet habe. In der Commission sei der Wunsch ausgesprochen worden, die Schutztruppe möge sich streng innerhalb ihrer Grenzen halten und bas auswärtige Amt müßte die formelle und materielle Verantwortlichkeit für die Schutztruppe übernehmen; ebenso wolle man die Commandirung von Dl fixieren nur im Einvernehmen mit dem auswärtigen Amte vornehmen und die Auswahl der Gouverneure unter Verantwortlichkeit der Colonial-Abthkilung vornehmen lassen.
Abg. Richter (frf. Vp.) zieht einen Vergleich zwischen den Erfolgen in Ostafrika und den entstandenen Kosten, bekämpft die Ausfuhr dorthin, die nicht nennenswerth sei, rügt die vorgekommenen Ausschleitungen, erörtert Mißstände des BureaukratismuS in Ostafrika und erklärt, daß mit dem Fortgang des Herrn v. Scheele der Dualismus und die Schablonenhaftigkett nicht geschwunden feien. Wenn man nun denke, durch eine kaufmänische Verwaltung eine Besserung herbeizuführen, so irre man sich. Auch die in Aussicht genommenen Gründungen von Eisenbahnen seien verfehlt, da ja von einem Güterverkehr keine Rede seine könne und die Eingeborenen keine Bedü, fnisfe nach Waaren hätten. Das Projekt einer afrikanischen Centralbahn sei wohl nicht ernst zu nehmen. Für Afrika werfe man Millionen heraus, zur Aufbesserung der Landbriesträger habe man nicht 100 000 bis 200 000 Mk. übrig. _
Direktor Kayser tritt den Vorredner entgegen und bezeichnet feine Rechnung als falsch. Der Handelsverkehr in Ostafrika sei erst im Entstehen, weise jedoch jetzt schon einen erheblichen Aufschwung ■uf. In Verfolg feiner weiteren Ausführungen verfucht Redner die Vorwürfe des Abg. Richter zu widerlegen, die nicht dazu angethan seien, den begonnenen Weg zu unterbrechen. .
Graf Arnim (Rv.) wünscht, daß man der Entwickelung per Colonien Zeit lassen möge, steht großen Bahnbauprojecten skeptisch gegenüber und macht Bedenken geltend gegen die Ertheilung zu großer Privilegien an einzelne Gesellschaften.
Director Kayser äußert sich, daß die großen Gesellschaftenden kleinen Colonisten erst den Weg ebnen. . (n ,n
Abg. v. Vollmer (Soc.) bedauert, sich mit Culturaufgaben in Afrika beschäftigen zu müssen, anstatt im eigenen Lande. Der Militarismus mit seinen beunruhigenden Expeditionen mel Unheil angerichtet. Redner rügt das V-t hatten der O fiziere gegen die Eingeborenen, bedauert, entgegen den Darstellungen der Regierung, d-s Besteben des Sclavenbandels. .
8 Nachdem Abg. Prinz Arenberg dem Vorredner euf etne vor- aefommene Meuterei in einer Compagnie geantwortet und Dtrector Kaiser erklärt hat, daß der Sclavenhandel sich noch nicht ganz unterdrücken lasse, vertagt das Haus die Westerberathung auf morgen
— Der Antrag Kanttz soll tm Reichstage noch vor den Osterferien zur Erledigung kommen, was natürlich zur Voraussetzung hätte, daß alle anderen bereits in aller Form etngebrachten Initiativanträge zurückstehen müßten. Den getroffenen parlamentarischen Dispositionen gemäß fällt der „Schwerinstag" des Reichstages in der laufenden Woche aus, um eS dem Hause hierdurch zu ermöglichen, die Special- berathung des Etats bis Mittwoch, den 27. März auf alle Fälle zum Abschluß zu bringen. An letztgenanntem Tage soll dann der Antrag Kanitz zur Berathung kommen, höchst wahrscheinlich wird dieselbe auch noch die Sitzung vom
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für be* folgenden Tag erscheinenden Stummer bis Dorrn. 10 Uhr.
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Hirrigen in dem Solmser Hof.
Zu diesen Vorträgen werden hierdurch alle Mitglieder de» landwirthschaftltchen Vereins und alle Viehzüchter ein* geladen.
Die Herren Bürgermeister der genannten und benachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken. An diejenigen Gemeinden, in welchen Zuchtoereine errichtet werden, wird zur Bestreitung der hierdurch entstehenden Kosten ein Beitrag von fünfzig Mark aus der landwirthschaftlichen Bezirksvereinskaffe ausgezahlt werden.
Die Herren Bürgermeister, welche wünschen, daß derartige Vorträge auch in ihren Gemeinden abgehalten werden, wollen dies mittheilen.
Gießen, den 5. März 1895.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Carl Jost.
int der beste
■Zusatz.
Lahr t Baden, det 1793. leprämllrtDreidiil^
BikNkljäbriger AdonnementspreiAr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerloha.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
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-chutstrahe M.7.
Fernsprecher 51.
Darmstadt, 17. März. Das Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin und der kleinen Prinzessin ist auch heute durchaus normal.
Berlin, 17. März. Die Berathungen der Reichstags- Commission für die Tabaksteuer-Vor läge haben mit der Ablehnung deS das Prinzip der Fabrikatsteuer enthaltenden § 4 deS Regierungsenrwurses einen ominösen Anfang genommen. Man kann natürlich durchaus noch nicht von einem Scheitern bet Vorlage sprechen, besonders da von verschiedenen Seiten in der Commission Anträge zum Ersatz für die gefallene Bestimmung vorbereitet werden. Immerhin erscheint aber das Schicksal der Tabaksteuer-Vorlage angesichts dieser ihr ungünstigen erstmaligen Abstimmung der Commission recht ungewiß- zunächst bleibt freilich die Weiter-
28. März in Anspruch nehmen.
— Der Vorstand der Centrumsfractio n des Reichstages hat dem Vernehmen nach den angeregten Vermittlungsvorschlag in der Frage der Stellungnahme des Reichstages zur bevorstehenden Bismarckfeier endgiltig abgelehnt. Der Vorschlag lautete bekanntlich dahin, daß das Centrum einen vom Präsidenten im Plenum zu stellenden Antrag, ihm die Ermächtigung zur Beglückwünschung des Fürsten Bismarck Namens deS Hauses zu ertheilen, stillschweigend passiren lassen sollte. Falls also dieser Vermittelungsantrag vom Centrum wirklich zurückgewiesen worden sein sollte, so könnte demnach auch von keiner offiziellen Ehrung des Schöpfers des deutschen Einheitsstaates seitens des Reichsparlamentes mehr die Rede sein.
— Freiherr v. Schorlemer-Alst, früher einer der hervorragendsten Führer der Centrumspartei, ist am Sonntag Mittag gestorben. Burghard Freiherr v. Schorlemer-Alst war am 21. October 1825 auf Schloß HerringS- Hausen bei Lippstadt geboren, und betrat zunächst die militärische Laufbahn. Nachdem er 12 Jahre als Offizier in verschiedenen Reiterregimentern gedient hatte, quittirte er den Dienst, um sich ganz der Bewirthschaftung seines Gutes Alst bei Burgsteinfurt zu widmen. Später entwickelte er jedoch auch eine eifrige politische Thätigkeit im Jntereffe der katholischen Kirche und der clericalen Partei, und als er dann die parlamentarische Laufbahn betrat, gehörte er bald zu den einflußreichsten und schlagfertigsten Rednern der neuen Centrumspartei. Seit 1870 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses als Vertreter für Münster-CoeSfeld, seit 1873 auch Mitglied des Reichstages als Vertreter des Wahl- kreises Steinfurt-Ahaus, welches Mandat er indeffen infolge tiefgehender Meinungsverschiedenheiten mit anderen CentrumS- sührern 1885 niederlegte. Der Verstorbene gehörte auch dem preußischen Landes - Oekonomie-Collegium, sowie dem Staatsrathe an.
Schmalkalden, 18. März. Bei der heutigen Reichs- tags-Stichwahl erhielt Huhn (Soc.) 6766, Jskraut (Antis. Agr.) 9845 Stimmen. Demnach ist Jskraut gewählt. (Bei der ersten Wahl am 28. Februar fielen auf den socialdemokratischen Candidaten rund 5400, den freisinnigen 3400, den nationalliberalen 3200 und den anti» semitisch-conservativen 3800.)Sr-
Deutscher Reichstag.
63. Sitzung. Montag, den 18. März 1895.
Berlin, 18. März. Die Justiz-Commission des
i Reichstages nahm § 61 der Novelle zur Strafproceßordnung I in folgender Fassung an: „Der Zeugeneid lautet, daß der I Zeuge nach bestem Wissen und Gewiffen die reine Wahrheit ! gesagt, nichts verschwiegen und nichts hinzugefügt hat." ; Ferner wurde § 63 angenommen: „Der Eid wird mittelst ' Nachsprechens oder Ablesens der die EideSnorm enthaltenden , Formel geleistet- bei gleichzeitiger Vereidigung mehrerer 1 Zeugen hat der Richter die EideSnorm mit der EingangS- formel: „Sie schwören bei Gott dem Allmächtigen und All- wiffenden" vorzusprechen." Bei § 65 betr. die Vereidigung
Bekanntmachung.
Herr LandwirthschaftSlehrer Dr. von Peter zu Friedberg wird über die Errichtung von Stammzuchtvereinen durch die Gemeinden nach den Vorschlägen des Herrn Oeconomie- rath» Müller zu Darmstadt Vorträge halten:
1) Sonntag den 24. März 1895, Nachmittags 3 Uhr zu Eberstadt in dem Saale des Beigeordneten Gör lach.
2) Dienstag den 26. März 1895, Nachmittags 3 Uhr zu Bellersheim in dem Nalhhause.
3) Donnerstag den 28. März 1895, Abends 8 Uhr zu Lang-Göns in dem Saale des Herrn Wirths Konr.
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Alle Annoncen-vureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Münzen in Aussicht genommen.
Berlin, 18. März. Die „Berl. Corresp." meldet: Nach Bestimmungen des Kaisers sollen am 1- April dsS. IS. zur Feier deS 80. Geburtstages des Fürsten Bismarck die Reichs- und Staatsgebäude geflaggt werden.
Berlin, 18. März. Der Bundesrath hat tn seiner heutigen Satzung den Gesetzentwurf wegen Abänderung de« BranntweinsteuergesetzeS vom 24. Juni 1887 angenommen. DaS Gesetz soll am 1. October b„ I. in Kraft treten.
Berlin, 18. März. Das Staatsministerium ist heute Mittag 2 Uhr zu einer Sitzung im ReichStagsgebäude zusammengetreten. .. t
Berlin, 18. März. Der „Reichsanzeiger meldet: In
Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, im Ausnahme deS Montag».
Die Gießener PamikienSkätler «erden dem Anzeiger »Schrnilich dreimal drigelegt.
Gießener Anzeiger
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der Zeugen im Vorverfahren, wurde der bisherige Wortlaut beibehalten.
Berlin, 18. März. Der hiesigen brasilianischen Gesandtschaft sind folgende Telegramme aus Rio de Janeiro zugegangen. Die Insubordinationen der Zöglinge der Militär sch ule in Rio de Janeiro gegen den Comman- kanten der Schule haben die Regierung zu Gegenmaßregeln genöthigt. Viele der Zöglinge sind entlassen, andere gänzlich aus den Reihen der Armee gestrichen worden und ein Theil derselben befindet sich in Festungshaft. Die Armee hat sich vollkommen correct verhalten und die öffentliche Meinung steht durchaus auf Setten der Regierung. Die Ordnung ist wiederhergestellt. Ansammlungen in den Straßen find ohne Anwendung von Gewalt zerstreut worden.
FriedrichSroh, 18. März. Der Besuch deS Kaiser» beim Fürsten Bismarck ist für den Monat März au- gekündigt. ' Der Tag des Besuches ist noch nicht festgesetzt.
Münster i. W., 18. März. Der Kaiser hat bet Familie des verstorbenen Freiherrn v. Schorlemer-Alst ein Beileidstelegramm in den huldvollsten Ausdrücke« übersandt. Auch Cardinal Krementz hat condolirt. Die Beisetzung der Leiche findet am Donnerstag Vormittag in Leer in Westfalen statt.
Bellinzona, 18. März. Der Kriegscommissär Conte- stabile ist mit Hinterlaffung eines DeficttS von mindesten» 30000 Fr. flüchtig.
Bayonne, 18. März. Nach brieflichen Mittheilunge« aus Madrid vom 17. März dauert die Erregung der Offiziere gegen die P r e f s e fort. In vergangener Nacht ließen mehrere Zeitungen ihre Geschäftsräume durch bewaffnete Leute bewachen. Im Laufe deS Tages bewachte die Polizei die Zeitungsbureaus. ES kam indeß kein Zwischenfall vor.
London, 18. März. Hier wurden heute 1800 Pfund Sterling in 100 - Pfund - Banknoten gestohlen. Dieselben tragen die Nummern 17583—17600 einschließlich und find vom 7. April 1894 batirt.
Madrid, 17. März. Der Ministerrath ist übereingekommen, seine Entlassung zu nehmen. Ministerpräsident Sagasta begab sich nach dem Palais, um der Königin Regentin die Entlastung des gesammten Cabinets zu überreichen, welche angenommen wurde. Die KönigiwRegentin wird morgen mit den Präsidenten der Kammern und mehreren politischen Persönlichkeiten conferiren. Als Grund für die Demission des Cabinets werden die Zwistigkeiten zwischen den Offizieren der Garnison und einigen Journalen angegeben. Sagasta soll entschlosten sein, nicht wieder in daS Mtnisterium etnzn- treten. Der Vorsitz wird wahrscheinlich dem Marschall Martinez Campos angeboten werden.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 18. März. Beim Kaiserpaar findet morgen Abend ein größeres Diner statt, wozu die Mitglieder be» StaatSraths geloben finb.
Berlin, 18. März. Wte die „Voff. Ztg." mtttheilt, ist tn dem Befinden deS Prinzen Joachim eine bemerkens- werthe Aenderung nicht eingetreten. Die Nacht von gestern hat der Prinz etwa» weniger unruhiger verbracht, als die Nacht vom Samstag auf Sonntag. Die Besorgmste, welche an die Krankheit des Prinzen geknüpft worden find, sind noch nicht gehoben, jedoch sind die Schmerzen in der Bauchhöhle geringer und treten seltener auf.
Berlin, 18. März. Die „Nordd. Allg. Ztg. Weibt: Die in letzter Zeit wiederholt aufgetauchten Nachrichten über etne angebliche auch in diesem Frühjahre in Aussicht genommene Reise der Majestäten und der kaiserlichen Kinder
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...teilt in der
Abbazia sind erfunden.
Berlin, 18. März. Der preußische Finanzmtn ster vr. Miquel ist, wie die „Poft" erfährt, an einem Anfalle von Grippe erkrankt und an daS Haus gefesselt.
Berlin 18. März. Wie verlautet, hat der Kaiser in Betreff der Ehrung d-s Fürsten BiSmnrck Prägung von
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tlflsse (= Quarta), Be- Itärdlenst. Scheibend demlelürreinleeb ihulanfang, Unterkunft * Die Dlrertioa.
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4) Sonntag den 7. April l. I., Nachmittags 3 Uhr zu entwickelung der Dinge in der Comm-ssion einfach abzuwarten. Sich in dem Saale des Herrn Heyland. ~ ------- nnrfl
5) Sonntag den 14. April l. I., Nachmittags 3 Uhr
zu Laugd in dem Saale des Herrn Bürgermeisters.
6) Sonnlag den 21. April, Nachmittags 3 Uhr zu
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