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20.1.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 17

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chießener Anzeiger erscheint täglich, mft Ausnahme deS Montags.

Die Gießener AamikieuSkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigtlegt.

1895

Zweites Blatt. Sonntag den 20. Januar

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

vierteljähriger Avonnenrentspreisi 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Kedactiori, Expedition und Druckerei:

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Amts- und Airzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den I f&Tarff Alle Lnnoncm-Bureaux deS In. und Auslandes nehm«

folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. | ^UUllUmVlUUCf, Anzeigen für den .Gießener Anzeiger" entgegen.

2lmtiid?cr Cheil.

Gießen, den 18. Januar 1895.

DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Demnächst wird Ihnen gelegentlich ein Exemplar der zu dem 16. Verbandsfest Hessischer Freiwilliger Feuerwehren verfaßten Festschrift unentgeltlich zugehen. Sie wollen solche dem Hauptmann Ihrer Feuerwehr mit dem Auftrage be« händigen, auch den übrigen Mitgliedern der Feuerwehr die Durchsicht zu gestatten. Weitere Exemplare können von unserer Schreibstube zu 20 Pfg. das Stück noch bezogen werden.

v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums.

Das Comite für Abhaltung des Alzeyer Fett- und Zuchtviehmarkts beabsichtigt mit dem am 8. Mai 1895 statt« findenden Markte eine Verloosung von Zuchtthieren, land« wirthschaftlichen Geräthen und Gebrauchsgegenständen zu ver- binden. Die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung ist seitens des Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr als 10 000 Loose zu 1 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 45°/0 des Brutto­erlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinn­gegenständen zu verwenden sind.

Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist gestattet. Gießen, den 17. Januar 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

Musketier Wilhelm Pfeiff der 6. Compagnie Infan­terie-Regiments Graf Barfuß (4. Westfälischen) Nr. 17, geboren 29 Juli 1871 zu Beltershain, Kreis Gießen, gegen den der Desertionsprozeß eröffnet worden ist, wirv auf­gefordert, spätestens in dem auf:

Dienstag, den 14. Mai 1895, Vormittags 9 Uhr

nach dem Militär-Gerichtslocal (Miliärarresthaus), Zimmer Nr. 14, zu Metz anberaumten Termine sich einzuftnden, mit der Warnung, daß im Falle des Ausbleibens nach Schluß

Feuilleton.

Wochkndriese ans der Residenz.

(Originalbericht desGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 17. Januar.

8ew Sroßherzogl. Hoftheater. Eröffnung des Caruevals. Aus den Coocertsäleu.

Ein frischer Zug macht sich im Theaterleben unserer Stadt bemerkbar, seitdem die Feiertage mit ihrem Trubel vergangen sind. Nicht nur das Publikum nimmt, wie die hiesigen Tagesblätter übereinstimmend constatiren, einen viel regeren Anihetl an dem Gebotenen, so daß volle, ja sogar ruSverkaufte Häuser nicht zu den Seltenheiten gehören, ionderv auch die Theaterleitung selbst weiß durch außer­ordentliche Anstrengungen, die sie macht, diese günstige Stimmung andauernd zu erhalten. Erft neulich berichtete ich Ihnen von einer Novität, die hier zur Aufführung kam, von dem Siems'schen Ballet:Das Leben in der Hoch- >aison", das sich fortwährend als Kassenmagnet ersten Ranges oewährt. Heute kann ich zwei neue htnzusügen, eine auf oem Gebiete der Oper und eine auf dem des Lustspiels, die ms beide die letzte Woche brachte. Am vergangenen Sonntag zi»g des Berliner Compontsten Fritz Hummel einactige OperMara" vor einem sehr zahlreichen Publikum über msere Bühne. Ich muß gestehen, der Eindruck, den ich im crsten Augenblicke nach dem Schluß von dem Werke hatte, n>or trotz der prächtigen Musik kein angenehmer. Die Wir­kling, welche das Libretto auf den Hörer hervorbrtngt, ist zu schauerlich und düster, als daß man sofort die mufikaltiche Schönheit voll und ganz würdigen könne. Axel Delmar, der das Textbuch verfaßte, verlangt Nerven von seinem Publikum: Er behandelt die Auslieferungsscene deS Tscher- kcssenEddin", der die Tochter seines FeindeS geheirathet, den Vater derselben aber später bei einem Kampf gelvdtet

der Untersuchung, derselbe für fahnenflüchtig erklärt und zu einer Geldstrafe von 150 bis 3000 ,Mark verurtheilt werden wird.

Metz, den 16. Januar 1895.

Königliches Gericht der 33. Division.

Bekanntmachung, betreffend die Ergänzungswahl des Vorstandes der israeliti­schen Reltgionsgemeinde Gießen.

Bei der am 18. d. Mts. vorgenommenen Wahl ist Herr Nathan Stamm zum Mitglied des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde dahier wiedergewählt worden.

Es wird dies mit dem Anfügen öffentlich bekannt ge­macht, daß während dreier Tage, nämlich am 21., 22. und 23. d. Mts., das Wahlprotocoll mit allen Anlagen auf dem Büreau des 1. Vorstehers, Herrn Commerzienrath S. Heichel­heim dahier, offen gelegt sein wird und daß während der unerstrecklichen Frist dieser drei Tage die Stimmberechtigten, sowie der Gewählte von dem Wahlprotokoll und dessen An lagen Einsicht nehmen und Einwendungen gegen die Wahl oder gegen den Gewählten, bezw. auch eine Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschlusses bei Großh. Kreisamt Gießen vorbringen können.

Gießen, den 18. Januar 1895.

Der vom Großh. Kreisamt Gießen ernannte Wahlcommiffär: ________________________Hach._______________________

Gefunden: 2 Ringe, 2 Taschenmesser, 1 Peitsche, 1 brauner Schleier, 2 Weckbeutel.

Zugelaufen: 1 Hund.

Gießen, den 19. Januar 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Aus dem Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeisterei Gießen

für das Eiatsjahr 1893/94.

Der soeben erschienene Veiwaltungsbertcht der Stadt Gießen für das Jahr 1893/94 gedenkt in seinem allgemeinen Tdeile zunächst des für unsere Stadt mie für das ganze Hkssenlanb gleich froden Ereignipes der Verlobung Seiner Königlichen Hoheit des Großh erzogs mit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Victoria Melita von Sachsen-Coburg-Gotha. Der freu­digen Antheilnahme und den aufrichtigen Segenswünschen der Stadt an diesem Ereigniß wurde eb-nso in der Sitzung der Stadt- verordneten-Versammlung vom 11. Januar 1894, wie durch Glück­wunsch-Depeschen an die Hohen Veltobten Ausdruck gegeben. Des Weiteren hat auch Gießen gerne sich betheiligt an einer gemeinsamen,

hat. Wohl hatMara", sein Weib, den verhängnißvollen Schuß gehört und ahnt, was vorgefallen, doch als der Gatte zurückkommt, verfolgt von den Angehörigen des feindlichen Stammes, bleibt die Liebe in ihr Siegerin, sie verbirgt ihn vor seinen Verfolgern und schwört, daß er nicht anwesend sei. Doch alsDjul", Maras Bruder, sich, um der Blut­rache zu genügen, an Maras Kind rächen will, entdeckt sich Eddin" und wird von den Wüthenden ergriffen, um nach der Sitte des Landes durch einen Sturz vom Felsen herab in die Tiefe getödtet zu werden. Schon wird er dahin ab­geführt, da wirft er noch einen Blick auf sein Weib, und dies ergreift, um dem Gatten den grauenvollen Tod zu er­sparen, dessen dastehende Flinte und streckt ihn durch eine wohlgezielte Kugel nieder aus Liebe! Wirksam ist der Stoff, das ist wahr anziehend und befriedigend ist er sicher nicht. Indessen gibt er dem Componisten Gelegen­heit zur Entfaltung gewaltiger musikalischer Effecte. Schon der Anfang ist voll dramatischer Accente, der colossal auf­regende Gang der Handlung bewirkt dann eine allmählig immer mehr anwachsende Leidenschaftlichkeit in der Musik, die ihren Höhepunkt erreicht in der Scene, woEddin" zum Felsplateau abgeführt wird. Der Eindruck, den das Werk auf das allerdings durch Makcagni und seine Anhänger an starke Effecte gewöhnte Publikum machte, war überwältigend, der Erfolg Dank der vorzüglichen Besetzung der Hauptrollen (Mara" . . . Frl. Borchers,Eddin" undDjul" ... Herren Bär und Stury) durchschlagend. Ich allerdings muß gestehen, daß mich HumperdinksHänsel und Grethel" für drei solcher realistischer Einacter entschädigen würde.

Auf dem Gebiete des Lustspiels brachte uns der vergangene Freitag Fulda's DretacierDie Kameraden", der ebenfalls von einem sehr zahlreichen Publikum mit starkem Beifall ausgenommen ward. Weitere hervorragende Kunftgenüffe stellt die Hostheaterdirection für die nächste Zett in Aussicht. Mitte Februar wird ein zwei Abende umfaffendes Gastspiel der Signorino Prevesti (als

zur Ergänzung des Großherzogltchen Silberschatze s bestimmten Hoch zeiisgabe der fünf größten Städte des Landes.

Am 30. November 1893 war eS der Stadt vergönnt gewes«, anläßlich der Einweihung der Johannesktrche unseren neuen Landesherrn zum ersten Male als solchen in Gießen zu begrüßen. Noch besonders beglückwünscht wird in dem Bericht die evange­lische Gemeinde zum Bezug ihres neuen formvollendeten Gottes­hauses.

Die Zusammensetzung der Stadtverordneten-Versamm- lung hat in dem Berichtsjahre keinerlei Veränderung erfahren; fi« hat mit Unterbrechung durch vierwöchentltche Ferien von Mitte August bis Mitte September in 28 Sitzungen 608 Gegenstände verhandelt (gegenüber 35 S tzungen und 729 Gegenständen im Vor« jabre). Der stärkste Besuch einer Sitzung hat bestanden aus de« Oderbürgermeister, den beiden Beigem dneten und 21 Stadtverord­neten, der schwächste aus dem Oberbürgermeister, einem Beigeordneten und 15 Stadtverordneten, im Durchschnitt hoben an einer Sitzung tbeilgenommen 19 Stadtverordnete; ein Stadtverordneter Hal an 27 Sitzungen, im Durchschnitt jeder Stadtverordneter an 20 Sitzungen theilgenommen.

Die städtischen Deputationen und Commissionen waren beschäftigt wie folgt:

Baudeputatton, Commission für das Feuerlösch­wesen und Friedhofs-Commission in 36 Sitzungen mit 424 Gegenständen. Ftnanzdeputation in 14 Sitzungen mit 42 Gegenständen. Deputation für das städt. Gas- und Wasserwerk in 18Sitzungen mit 103Gegenständen. Juristische Commission in 8 Sitzungen mit 33 Gegenständen. Schlacht!- baus-Commtssion in 2 Sitzungen mit 6 Gegenständen. Landwtrthschaftltche Commission in 12 Sitzungen mit 36 Gegenständen. Schuldeputation in 4 Sitzungen mit 7 Gegenständen. Commission zur Prüfung von Gesuchen um Erlaubniß zum Branntwein-Ausschank und -Klein­handel in 22 Sitzungen mit 49 Gegenständen. Deputation für die Märkte in einer Sitzung mit 3 Gegenständen. Vor­schlags-Commission in 5 Sitzungen mit 11 Gegenständen. Armendeputatton in 25 Sitzungen mit 1565 Gegenständen. Der Schulvorstand in 4 Sitzungen mit 19 Gegenständen. Das Curatortum der höheren und erweiterten Mädchen­schule in 5 Sitzungen mit 18 Gegenständen.

Die Deputation zur Unterzeichnung von Urkunden, sowie diejenige für das Einquartterungswesen hielten keine Sitzungen ab. Den Vorsitz in sämmtlichen Deputationen (mit Ausnahme der Commission zur Prüfung von WirthsckaftSconcessionen und der Unterzeichnung von Urkunden) führte der Oberbürgermeister. Die Zahl der S tzungen, wieder verhandelten Gegenstände hat etwas abgenommen, nur die Gas- und Wasserwerks-Deputatton und die landwtrthschaftltche Commission haben mehr Sitzungen abgehalte« und mehr Gegenstände verbandelt als im Vorjahre.

Die Annahme eines besoldeten juristischen Hilfs­arbeiters für die Bürgermeisterei in der Person des Herr» Gertchisasirssor Glässtng hat einen unerwarteten Abschluß durch anderwette Verwendung deS Genannten im Staatsdienst gesunden und eS ist damit an die Stadtv^rordneten-Versammlung die Sorge für eine geeignete und bauernde Unterstützung des Oberbürgermeisters von Neuem herangetreten, ohne daß diese Aufgabe bisheran eine befriedigende Lösung erfahren bätte,

Das unterm 3 Juni 1893 von Großb. Ministerium genehmigte Gewerbegericht für den Gemeindebezirk der Stadt Gießen begann

ITraviata" undDinorah") stattfinden, dann wird Ende Februar der berühmte Dresdener Baritonist Karl Scheide­mantel singen, im Schauspiel steht noch im Lause deS Winters ein längerer Besuch Ernst Possart's bevor. Also Genüsse in Hülle und Fülle.

Mittlerweile hat nun Gott Jocus seinen Einzug in unsere Residenz gehalten. Vergangenen Samstag Abend eröffnete die Darmstädter Carneval-Gesellschaft die Tage seines Regimentes durch eine sehr animirt verlaufene Herren- und Damenfitzung in vielversprechender Weise. Be­sonders die Eingangsscene verdiente wirklich rückhaltlose An­erkennung: DerDämon" erschien bet den Klängen der Ouvertüre zu RubinsteinsDämon" und drohte den ganzen Carnevalsrummel zu Schanden zu machen, der bei den schlechten Zeiten ganz und gar nicht angebracht sei. Da trat ihm Gott Jocus entgegen, er brachte ein Mittel, das die Pläne des Bösen wirksam vernichtete: nämlich 11 riesige Heilserum- Dosen. Als man diese öffnete, fanden sich darin die Mit­glieder des Elfer-Comites, die bedeutende Vorbereitungen für den Abend getroffen hatten. Ihre Vorträge über Darmstädter locale Dinge, wie electrische Straßenbahn, Regensteiner Wurst- proceß, ständige Feuerwache, Museumsneubau, Nachtschutzleute u. s. w. boten Witz und Humor in Fülle und sorgten dafür, daß die Macht des Dämons bald gebrochen war, Gott Jocus dagegen einen glänzenden Sieg feierte.

In den Concertsäle n herrscht jetzt auch wieder frisch pulstrendes Leben. Vergangenen Dienstag hielt die Großh. Hofmusik ihr viertes Concert unter Assistenz des Frl. Lina Manch arg es aus Frankfurt a. M., welche noch in letzter Stunde für die verhinderte Frau Röhr-Brajnin eingetreten war. Am Mittwoch hielt dle'Pianistin Mabel Seyton einen Clavierabend imHotel zur Traube" und am 23. d. M. wird Kammersänger Emil Götze ein Concert im städtischen Saalbau veranstalten.