Ausgabe 
19.12.1895 Zweites Blatt
 
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Arr. 298 Zweites Blatt. Donnerstag den 19. December

T*fr chie-ni-r Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Dir Gießener Ia«ilie»ßtLiier werde, dem Anzeiger wöchentlich dreimal drigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

vierteltLhrtg« >6o*,(mt*Uyt<U I 2 Mark 20 Psg. mit vringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg.

«edaction, Expedition und Druckerei:

-chalgratze Ar.7. Fernsprecher 51.

Aints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Hrattsöeitage: Gießener Aamikienbtätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, fofgenben Tag erscheinenden Nummer bi» Senn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux de» In« und Auslande» nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2. Reinhard Wagner, Maurermeister zu Großen« Buseck, zum Ersatzmann deS Vertrauensmann» au» dem Kreise der Arbeitgeber an Stelle de» Heinrich Motz I. zu Großen-Buseck,

3. Heinrich Linker, Buchhalter zu Giünberg, zum Vertrauensmann auö dem Kreise der Arbeitnehmer an Stelle de» Heinrich Möser zu Grünberg,

4. Heinrich Wolf, Stadtdiener zu Grünberg, zum Ersatzmann de» Vertrauensmann» au» dem Kreise der Arbeitnehmer an Stelle de» Heinrich Linker zu Grünberg

2ltätlicher Theil.

Gießen, den 17. December 1895.

Vetr.. Den Nachlaß de» am^-I^-1892 im Gouverne- 61 April

ment Samara verstorbenen August Wagebauer.

Da» «roßherzogliche Kreisamt Gieße» au die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche mit der Erledigung unserer Verfügung vom 26. v. Mt». (Gießener Anzeiger Nr. 279) »och im Rückstände sind, wollen binnen 8 Tagen die rück- fländigen Berichte erstatten.

v. Gageru.

Bekanntmachung, betreffend die zu veranstaltenden Erhebungen für den dies­jährigen Jahresbericht de» FabriktnspectorS für den AufstchtS« bezirk II.

Die rubrictrten Erhebungen sollen abweichend von dem bisherigen Verfahren in der Weise bewirkt werden, daß für jeden der Aufsicht unterliegenden Gewerbe« betrieb von dem Gewerbeuuteruehmer selbst ein besonderer Fragebogen auSgesüllt wird.

Dieser Fragebogen wird in den nächsten Tagen den Gew erb eunt ernehmeru von den OrtSpolizei- behörden zur Ausfüllung übermittelt werden.

Wir weisen die Gewerbeunternehmer hierdurch daraus hin, daß sie nach § 139b Abs. 5 der Ge« Werbeordnung verpslichtet sind, die gewünschten statistischen Angaben innerhalb der vorgeschriebenen Frist und in der vorgeschrtebenen Form zu machen, widrigenfalls sie im Unterlassungsfälle nach § 149 Abs. 1 Nr. 7 der Gewerbeordnung strafbar sein würden. Da die OrtSpoltzeibehvrden von un» angewiesen sind, bis zum L Januar 1896 die ausgefüllten Fragebogen w'eder einzuienden, so wird rechtzeitige Ausfüllung Seiten» der Unternehmer erwartet.

Soweit Fragebogen für Betriebe auözusüllen find, welche nur zu gewissen Zeiten de» Jahres betrieben

werden, sind die für die Zeit des Betrieb» solcher Anlagen im Jahre 1895 gültigen Arbetterzahlen in dieselben etnzutragen Gewerbeunternehmer, deren Betrieb der Aufsicht de» Fabrik-JnspectorS unterstellt ist und die keinen Frage« bogen zugeftellt erhalten, wollen solchen bet ihrer Polizei­behörde reclamiren.

Gießen, den 14. December 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

» v. Gagern.__

Gießen, den 14. December 1895.

Betr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grohh. Bürgermeistereien und Polizei­behörden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unser heutige» Ihnen besonder» zugehendes Amtsblatt ohne Nummer machen wir Sie auf vorstehende Bekanntmachung noch ausdrücklich aufmerksam.

v. Ga a ern.

Gießen, den 16. Decemder 1895.

Betr.: Die Ausführung de» Gesetze» vom 10. September 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien der Land« gemeinden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unser Ausfchretben vom 14. No« vember 1893 Amtsblatt Nr. 10 sehen wir der Ein­sendung der in rubr. Betreff erwachsenen UeberwachungSbogrn bezw. der Ihnen obliegenden Berichterstattung, im Falle In Ihrer Gemeinde solche Kinder nicht verpflegt worden sind, bi» zum 10. Januar k. I entgegen.

v Gao - rn.

x Bekanntmachung,

betreffend die Ausführung de» Invalidität»« und Alter»« Versicherung» Gesetze».

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß: 1. Wilhelm Gerhardt, Maurer zu Hungen, zum Vertrauensmann au» dem Kreise der Arbeitnehmer an Stelle deS Leonhard Falk zu Hungen,

ernannt worden ist.

Gießen, den 16. December 1895. Großherzogltche» KretSamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen auS Anlaß der Darmstädter Pferdemärkte in 1896.

Auf Nachsuchen de» LandeSpferdezuchtverein» im Groh« herzogthum Hessen wurde demselben durch Verfügung de» Grohh. Ministerium» de» Innern und der Justiz vom 10. December 1895 gestattet, daß im Frühjahr und Herbst k. I. an noch zu bestimmenden Tagen je ein Aohlen- und Pferdemartt zu Darmstadt abgehalttn wird und mit dielen beiden Märkten Verloofungen, vornehmlich von Fohlen und Pferdegeschirren, landwirthfchaftlichen Geräthschaften und sonstigen Gegenständen nach dem vorgelegten BerloosungS« plane verbunden werden sollen.

Diesem Plane gemäß find bet jeder dieser Verloosungen höchsten» 40 000 Loose zu 1 Mark da» Stück auszugeben und 70 pCt. de» Bruttoerlvse» au» dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden.

Zugleich wurde der Vertrieb der Loose im Großherzog- thum gestattet.

Gießen, den 17. December 1895.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. December. Kaiser Wilhelm hat allen patriotisch gesinnten Deutschen zum bevorstehenden Feste der Liebe und Versöhnung eine freudige Ueberraschung bereitet,

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Feuilleton.

Eine Würfelpartie auf Leben und Tod.

Historisches Genrebild von V. Jllgen.

(Nachdruck verboten.)

ES war ein dunkler Augustabend deS Jahre» 1717. Hinge um die starke TÜrkenfestung Belgrad, bald näher den äußersten BertheidigungSwerken, bald entfernter von denselben, flammten zahlreiche Wachtfeuer auf, jede» derselben von einer Soldatengruppe umgeben, deren einzelne Mitglieder thetl» »« Boden schliefen, theil» sich miteinander unterhielten. Die Keuer markirten die Position, welche Prinz Eugen von Savoyen, dertblt Ritter", mit seiner Armee vor Belgrad etnge* nommen hatte, um diesen wichtigen festen Platz den Türken zu entreißen, mit denen Kaiser Karl VI. von Oesterreich seit dem Jahre 1715 abermals im Kriege stand. Aber kein Heller Gesang, jedoch auch kein wüste» Lärmen, wie es da- «al» vom Lagerleben der Truppen eigentlich unzertrennlich «ar, durchhallte die Luft; meist wurde die Unterhaltung der Soldaten an den einzelnen Wachtfeuern nur gedämpften Tone» geführt, während von lautem Fluchen, Schwören oder von lärmenden Zwtschengesprächen nicht» zu vernehmen war. Prinz Eugen, der kaiserliche Feldherr, hielt eben strenge ManneSzuch:, namentlich waren ihm die wilden Lagerscenen jener Zeit ein Gräuel, während er im Uebrigen, wo e» nur anging, besten» für seine Soldaten sorgte. Da» wußten die« selben natürlich auch ganz genau, sie vergötterten denKleinen", wie Prinz Eugen mit Vorliebe von den Truppen im Gespräche unter sich genannt wurde, sörmlich und selten genug tarn eS daher vor, daß seinen zur Ausrechterhaltung der DtSc'plin, gegen da» Marodtren u. s. w. gerichteten Befehlen zuwtder- gehaudelt wurde.

Au einem Feuer, da» an der äußersten rechten Flanke der österreichischen BelagerungSlinien im Süden der Feste aufflammte, saßen oder lagen mehrere Soldaten in der Uni­form de» Regiment». Ihre Unterhaltung wurde ziemlich lebhaft geführt, wie die gerötheten Gesichter und die leb­haften Gestikulationen der Soldaten bekundeten, offenbar

machten sich in dem Gespräche irgend welche Meinung»« Verschiedenheiten geltend.

,Gottesweiter noch einmal," rief jetzt einer der Strei­tenden mit halblauter Stimme aus, mit der geballten Rechten in die innere Fläche der linken Hand schlagend,ich will wenigstens wieder an ordentlich Stück Fleiich sehen! Wa», haben wir nit schon lang genug ein elendiglich Futter hinunterwürgen müffen, al» wären wir eine Bande Heiducken und nit ordentliche KriegSleut?» halt i nimmer au», i muß schau'n, daß t^'mal w'eder wa» Gute- auftreib, werd mt schon nit derw'schen laffen!"

Der unzufriedene Soldat, welcher im deutschböhmischen Dialect gesprochen hatte, stieß seinen Nachbar zur Rechten mit dem Ellbogen kräftig an und fuhr fort:

WaS meinst, Nazi, Landsmann, würd un» a gute Fleischkost nicht wieder rett gut thun? Komm, geh mit, 'S ist weiter kein' Gefahr dabei, der Herr Corporal revdtrt heut Abend nimmer, von Euch andern weiß t schon, daß Ihr ni$ auSplauschen würdet, und die Poften würden mich am wenigsten gentren."

Der mit dem vertraulichenNazi" (Ignaz) Angeredete, ein derber, untersetzter Bursche in schon stark abgetragener Uniform, erwiderte in derselben Mundart, finster in da» Feuer starrend:

Recht hast, Hauser, wir müffen hier halt a Hundeleben führen, schon zwei Täg' n x wie a magere Krautsupp'n, dann noch a SiÜck MaiSbrod und Speck i geh mit, wenn Du a Streif machen willst."

®ut," meinte der andere, zufrieden vor fich hinnickend, i denk, daß e» bei den verflixten Bauern schon noch wa» aufzutreiben gibt, derKleine" braucht nit alle» zu wiffen, werden un» schon selber helfen."

Kameraden," sagte da von der anderen Sette des Feuer» her ein schon älterer Soldat warnenden Tone» zn den beiden,macht keine dummen Stretche, wißt ja, daß Ihr Eure Haut zu Markte tragt! Hat doch unser gnä digfter Herr Generalfeldmarschall erst extra den Tages­befehl erlaffen, in welchem er allen, dte betm Marodtren erwischt werden, den gerechten Lohn mit Pulver und Blei

verspricht oder habt Ihr vielleicht vergeffen, daß vor« gestern der lange Unteroffizter Savont vom Regiment Hoch« meister infolge kriegsgerichtlichen Urtheil» erschossen worden ist, weil er betm Marodtren adgefaßt wurde? Ich rath' Dtr wirklich gut, Hauser, und desgleichen Dir, Ignaz Polltnger Ihr wollt eine Dummheit begehen, dte Euch sehr leicht eine Kugel vor den Kopf eintragen kann. Daß bei un» die Vorräthe knapp geworden sind, geb ich zu, aber jeder von un» weiß doch, daß derKleine" größere Fouragirungen verboten hat, weil wir jeden Tag darauf ge« faßt sein müffen, daß da» heranziehende türkische Eriatzheer unter Köprilt Pascha vor unseren Linien erscheint. Schließ­lich weiß ich ganz genau, daß bei Seiner Hoheit dem Prinzen, unserem gnädigsten Feldmarschall, selber und den Herren OlfizterS seiner Umgebung zur Zeit Schmalhans Küchenmeister ist, da werden- wir Soldaten wohl auch ein paar Lage bei schmaler Kost auShalien können."

Dem Hauser schien indeffen diese einfache Logik nicht zu behagen, er warf dem freundlichen Warner, deffen Ge« fichtSzüge unverkennbar den norddeutschen Typu» auf« wiesen, einen unmuthigen Blick zu und entgegnete mürrischen Tone»:

Brauch von Dtr keine guten Lehren anzunrhmen, Brandenburger, weiß schon selber ganz gut, was t zu thun hab! Also, wie ist'» mit Dir, Nazi," wandte er fich noch­mal- an seinen engeren LandSmann au» Böhmen,wie schaut- hast Du halt noch Sourag, mit mir zu gehen, oder ist Dir die Sache wieder leid geworden, he?"

G'wiß nit'" antwortete der stämmige Bursche bestimmt, kannst auf mich zählen, Hauser, so a Hetz' mach' i noch immer mit, eS müht' schon gar schlimm zugeh'n, wenn wir verwischt werden sollten."

DerBrandenburger" begnügte fich, statt aller weiteren Gegenworte dte Achseln zu zucken, und da auch dte zwei oder drei anderen Soldaten der Gruppen keine Lust be­zeugten, die begonnene Debatte noch weiter zu spinnen, so wurde e» still in dem kleinen Kreise. Bald erschollen dann in der Richtung vom Zelte de» Höchftcommandtrenden her dte langgezogenen Klänge der Retraite, welchen ein drei