Beschluß nicht gefaßt/ eS wurde von der Mehrheit der Redner die Ansicht vertreten, daß die freiw. Feuerwehren weder für Anerkennung noch Belohnung arbeiteten, ihr Wirken sei lediglich auf Ausübung der Menschenliebe gerichtet/ ganz außerordentliche Leistungen aber würden jedenfalls von den Behörden öffentlich anerkannt. — lieber Punkt 3 der Tagesordnung: „Wie soll daS Verhalten einer freiw. Feuerwehr auf dem Brandplatz sein, wo sie mit Pflicht- Feuerwehren gemeinschaftlich Brände bekämpfen muß", referirte der Vorsitzende. Er empfahl in jedem Falle, wo die Rivalität sich besonders bemerkbar mache, daß sich die freiw. Feuerwehren nicht in Auseinandersetzungen einlassen sollten. In der Discussion wurde besonders das Fehlen einer Dienst- Anweisung für Pflichtfeuerwehren erwähnt, andererseits aber auch darauf hingewtesen, daß sowohl der Bürgermeister wie der Vertreter des KreisamtS ausschlaggebend seien, falls Differenzen zwischen den Commandanten der freiwilligen und denjenigen der Pflichtfeuerwehr entstehen sollten. — lieber den folgenden Punkt der Tagesordnung: „Welche Erfahrungen wurden bisher mit dem die Vergütung bet Brandhtlfe betreffenden Artikel 17 des neuen Löschgesetzes gemacht?" refertrt ebenfalls Herr Feller. Derselbe bemerkte, daß der Paragraph zu Mißständen Anlaß gegeben, weil bet Brandhtlfe nach auswärts nur für eine bestimmte Anzahl von Mannschaften Vergütung gewährt würde/ ihm sei eS sympathischer, wenn keine Vergütung gewährt würde, denn eine Belohnung liege nicht im Sinne der freiw. Feuerwehren. Herr Amtmann Dr. Wallau bemerkte hierzu, daß man bei Festsetzung von Vergütungen nur die Pflichtfeuerwehren im Auge gehabt habe/ er würde eS begrüßen, wenn die Feuerwehren das, was sie vergütet erhielten, nicht unter die Mitglieder vertheilren, sondern im allgemeinen Jntereffe der Corps verwendeten (die Feuerwehr zu Nidda verwendet, wie Herr Vetzberger bemerkte, die Gelder zur Vervollständigung der Geräthe). Die letztere Art der Verwendung bezeichneten auch die folgenden Redner (Damm-Friedberg und Kurtz-Alsfeld) als ihnen sympathisch. Herr Feller erklärte schließlich, die Frage dem Großh. KreiSamt zu unterbreiten und dahin zu wirken, daß vorhandene Mängel abgestellt werden. — Punkt 5, betreffend die Verwendung von Strafgeldern für Versäumniffe bei Bränden, wurde zurückgestellt und empfohlen, denselben dem nächsten hessischen Feuerwehrtag zu unterbreiten. UebrigenS bemerkte Herr Kreisamtmann Dr. Wallau, daß die erkannten Strafgelder recht minimale Erträge ergeben. — In Betreff deS Antrags Butzbach über a) das Verhalten der Spritzen im Winter, b) die Beleuchtung des Brandplatzes wurde, nachdem die Versammlung die diesbezüglichen Vorschläge des Referenten entgegengenommen, empfohlen, durch Veröffentlichung geeigneter Mittel, welche daS Einfrieren der Spritzen verhüten und eingefrorene Spritzen rasch gebrauchsfähig machen, in den Kreisblättern den Wehren an die Hand zu gehen. Was die Beleuchtung betrifft, so wurde den Magnefiumfackeln vor den Petroleum- und Pechfackeln der Vorzug gegeben. — Der Referent über den folgenden Punkt (Herr Feller): „Welchen Werth und Bedeutung hat das Abhalten von Kreisfeuerwehrtagen für die Entwickelung des Löschwesens, insbesondere für unsere Provinz" betonte, daß namentlich durch dieselben die Bürgermeister für die Errichtung freiw. Feuerwehren erwärmt werden könnten/ es müsse etwas geschehen, denn Oberhessen sei noch weit zurück. Die folgenden Redner sprachen sich für besondere Versammlungen der Bürgermeister und Commandanten aus / es soll bei Großh. Provinzialdirection dahin gewirkt werden, daß derartige Versammlungen mindestens alle drei Jahre stattfinden. — Dem Antrag auf Aufstellung einer Statistik der hessischen Feuerwehren in Zeiträumen von je 5 zu 5 Jahren wurde zugeftimmt, desgl. dem Antrag auf Einführung einheitlicher Gradabzeichen für Befehlshaber und Führer auf dem Verordnungswege. — Heber das Verhalten der Feuerwehr bei einem Brande gegenüber electrischer Lichtleitungen gab Herr Damm-Friedberg in Berücksichtigung der zunehmenden Verwendung des electrischen Lichts einige werthvolle Winke, dabei die Gefahr hervorhebend, welche z. B. einem Schlauchführer droht, der mit einem Wasserstrahl die Leitung trifft, vor allem müßten aber Vorkehrungen getroffen werden, welche die rasche Entladung der Leitung bei einem in Brand gerathenen Gebäude ermöglichen. Die Frage wird dem Vorsitzenden zur weiteren Behandlung überwiesen. — Als Verbandsvertreter für die Provinz Ober- heffen wurden die Herren Feller-Lollar und V etzber g er- Nidda, obwohl beide von ihrer Wiederwahl abzusehen baten, einstimmig wiedergewählt. Die Versammlung übte scharfe Kritik an der Geschäftsführung des Vorsitzenden des Landesverbandes und sprach die Erwartung aus, daß die wieder- gewählten oberhessischen Verbandsvertreter gegen eine Wiederwahl des Landesvorsitzenden wirken würden. — lieber die Wehr, welche den nächsten oberhesstschen Derbandstag zu übernehmen hat, soll im nächsten Jahr abgeftimmt werden/ gemeldet hatten sich Nidda und Bad-Nauheim. — Der Vorsitzende schloß hierauf die Verhandlungen mit einem Hoch aus den Protector des Verbandes, Se. Kgl. Hoheit den Großherzog. Das hierauf abgesandte Begrüßungstelegramm wurde von Sr. Kgl. Hoheit durch ein Danktelegramm er* wiedert, welches gegen 6 Uhr auf dem Festplatz eintraf.
W. Sommerfest des Kaufmännischen Vereins. Am Sonntag feierten unsere Kaufleute ihr Sommerfest im Schloß-Hotel zu Braunfels, zu welchem Zweck man von hier aus Musik mit nach dort genommen hatte. Das Wetter war überaus günstig, wenn auch gegen 5 Uhr ein schwacher Regen fiel, so ließ sich hierdurch die aus ca. 100 Personen bestehende Gesellschaft in ihrem Vergnügen nicht stören. Abends wurde tüchtig getanzt, und um 10 Uhr brach die ganze Gesellschaft in langem Zuge, die Musik an der Spitze, zur nahen Station auf, um von dort aus die Heimkehr anzutreten.
t. Schützeuvereiu. Gestern Abend tagte im Schützen- hauS eine General-Versammlung des Schützen- Vereins, um darüber zu beratheu, in welcher Weise man
sich beim Festzug der Turnerschaft betheiligen soll. Wir können nur so viel verrathen, daß die Versammlung beschloß, sich am Zug in glanzvoller Weise zu betheiligen. — Ferner wurden wegen deS Wormser Schießens Beschlüsse gefaßt.
* * Die Wauderversammlnug des Oberhesstschen Bienenzüchter-Vereins, welche laut Beschluß der vorjährigen Versammlung in diesem Jahre in Nidda stattfinden sollte, wird in Nidda nicht abgehalten, sondern nach Meldung der „Darmft. Ztg." mit der großen landwirthschaftlichen Hauptausstellung zu Gießen verbunden werden. Um den Verein schadlos zu halten, werden demselben 1000 bis 1500 Loose der landwirthschaftlichen Ausstellung übergeben und von demselben vertrieben werden, deren Erlös theilweise zur Beschaffung von zur Verloosung bestimmten Gegenständen aus dem Bereiche der Imkerei wird verwendet werden, wie auch der entsprechende Thetl deS Reingewinns dem Verein zufallen wird.
* * Selbstmord-Versuch. Gestern Abend gegen 9 Uhr fand ein Arbeiter im hiesigen Stadtwalde einen Schneidergesellen mit einer Schußwunde im Kopfe vor. Der Verletzte war bei Besinnung und vermochte den Weg zur Klinik in Begleitung eines Schutzmannes zu Fuß zurück- zulegen. Er gab an, daß er sich wegen eines unglücklichen Liebesverhältniffes habe erschießen wollen. Nach Aussage der Aerzte steckt die Revolverkugel noch im Kopfe und ist die Möglichkeit vorhanden, daß der Selbstmordcandidat am Leben erhalten bleibt.
* * Zu Ohnmacht gefallen. Am Seltersweg stürzte gestern Nachmittag eine Frau ohnmächtig zusammen. Eine vorübergehende Schwester erkannte dieselbe als eine Kranke aus der Klinik, die einen Ausgang unternommen hatte und ließ sie mittelst Chaise wieder zur Klinik bringen.
* * Ernannt wurden am 11. Juni die Gefangenwärter an der Zellenstrasanstalt Butzbach Heinrich Berner, Johann Heinrich Köderer und Johann Konrad zu Gefangeu- aufseheru an dieser Anstalt mit Wirkung vom 23. bezw. 24. Juni 1895 an.
♦ * Das Präsidium der „Hasfia" macht bekannt, daß im Hinblick auf die nöthig werdenden baulichen Vorarbeiten bei der Festhalle die Anmeldelisten am 20. Juni geschlossen werden. Nach diesem Termin kann für die betreffenden Veteranen auf Platzsicherung beim großen Festbankett in der Festhalle nicht mehr mit Bestimmtheit gerechnet werden. Aus 8 Bezirken haben sich allein schon 1000 Mann zum Festesten angemeldet — 37 Bezirke gehören zum Verbände.
* * Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt sind: An der Volksschule zu Darmstadt sechs mit evangel. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen mit einem Anfangsgehalte von je 1350 Mk. Eine Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Kastel, Kreis Mainz, mit einem AnfangSgehalt von 1200 Mk. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kostheim, Kr. Mainz, mit einem nach dem Dienstalter fich^bemeffenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1500 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Langsdorf, Kr. Gießen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organiftendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu SolmS-Braunfels steht daS Präsentationsrecht zu derselben zu.
* * Zu Amerika verstorbene Hessen. New-York-City: Dr. Georg C. Stiebeltng, 64 Jahre alt, aus Gedern/ Jaeob W. Windecker, 53 Jahre alt, aus Butzbach; Magdalena Sauer geb. Sachs, 63 Jahre alt, aus Alzey/ Christian Theodor Bickel, 46 Jahre alt, aus Bensheim. Crestline, O.: Philipp Bauer, 69 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. New- Athens, Jll.: Wilhelm Stahl, 64 Jahre alt, aus Griesheim. New-Orleans, La.: Margaretha Wiegand geb. Reis, 67 Jahre alt, auS Hessen-Darmstadt. Town Rhine, Wis.: John Eckelmann, 68 Jahre alt, auS Guntersblum. Trenton, N. I.: Valentin Bechtel, 71 Jahre alt, auS Worms.
* * lieber amerikanische Fleischwaarea berichtet die „Deutsche Fleischerzeitung": Diese Maaren sind äußerst milde gesalzen, so daß eher von Conservieren als von Pökeln die Rede sein kann. Nun ist dem genannten Fachblatt die Mittheilung geworden, daß, um diese Fleischwaaren sicher vor dem Verderben zu schützen, die Amerikaner ein sehr sicheres, aber auch höchst gefährliches ConservierungSmittel, nämlich Arsenik, anwenden. Wenn dieses Mittel auch nur in denkbar kleinsten Dosen zur Anwendung kommt, so können die Folgen doch für Manchen verhängnißvoll werden. Mit Recht wird gewünscht, daß das Reichs - Gesundheitsamt sein Augenmerk darauf richte, mit welchen Stoffen die amerikanischen Fleischwaaren conservirt werden.
- n. Großeu-Liudeu, 17. Juni. Die Berufs- und Gewerbezählung hat ergeben, daß die hiesige Gemeinde 1533 Einwohner hat, das ist im Vergleich mit der letzten Volkszählung eine Zunahme von 107 Personen.
E. Echzell', 14. Juni. Gestern fand dahier eine Versammlung der Herren KreiSräthe von Friedberg und Büdingen mit ihren Bürgermeistern, deren Gemeinden von der Bahnlinie Friedb erg—Nidda durchschnitten werden, statt. Die Pläne dieser Linie sind fertig- gestellt und liegen zur Einsicht auf den Rathhäusern offen. Das Beitragsverhältniß der Gemeinde Dornassenheim, welches schwierig war, ist nun auch befriedigend geordnet. Als Rechner für die Geländeerwerbungskosten wurde auf Vorschlag des Herrn Kreisrath K lt et sch - Büdingen Herr W. Reitz von hier ernannt, welcher für seine Bemühungen eine einmalige Remuneration von 500 Mk. erhalten wird. Die übrigen Arbeiten gehen ebenfalls rasch voran, wir hoffen mit Sicherheit, daß wir die Bahn bis zum Herbste 1896 benutzen können, da das Terrain durch die Wetterau keine Bauschwierigkeiten bietet.
A AuS dem Ohmthal, 14. Juni. Bei den gegenwärtig stattfindenden HeugraS-Versteigerungen ist der Preis
für das Heugras fast um die Hälfte billiger wie im vorigen Jahre. Dabei gibt es mehr als das Doppelte des vor- jährigen Quantums. Gaaz besonders reichen Ertrag liefern die Feldwiesen, auf denen man sonst gewöhnlich weniger Heu als in den Grundwiesen machen konnte. Die Qualität deS Heues ist ebenfalls eine recht gute, nur dürfte das Wetter etwas beffer sein. Nachts ist essempfindlich kalt, so daß an exponirten Stellen Kartoffeln, Bohnen und Gurken thatsäch- lich erfroren sind. Diese Kälterückschläge im Juni find eine öfters wiederkehrende Erscheinung.
c? Groß - Eichen (Kr. Schotten), 17. Juni. Den Bundesfesten des „Ohrn-LurndathalSänger- b u n d e S" scheint Jupiter Pluvius, der alte Festderderber, nicht besonders günstig gestimmt zu sein/ denn fast stets begleitet er sie mit seinem feuchten Segen. So auch das gestern dahier abgehaltene 5. Bundesfest. Regnerisches und dazu empfindlich kaltes Wetter beeinfluffen ein Fest stets sehr ungünstig, wie auch gestern ersichtlich. Die sehr geräumigen Wirthschafts- hallen auf dem recht hübsch hergerichteten Festplatz blieben fast zur Hälfte leer. Der Festzug, welcher der Einweihung der Fahne vorausging, zählte 13 Bundes- und andere Ge- sangvereme. In bekannter Ordnung durchzog er die festlich geputzten Ortsstraßen. Auf dem Festplatz angekommen, fand nach BegrüßungS- und Festrede die Einweihung der neuen Fahne unter den üblichen Formalitäten statt. Dann ertönten die Gesänge der einzelnen Gesangvereine, worunter manche ganz nette Leistungen boten. Hiernach kam der Tanz zu seinem Recht, von dem bei den Klängen der recht guten Capelle Köhler bald fleißig Gebrauch gemacht wurde, bis leider ein durchweichendes Regenwetter gegen 6 Uhr demselben ein zu frühes Ende bereitete. Die Vereine, denen daS böse Wetter den heiteren Muth nicht genommen, rückten zur Heimkehr ab und die Feftgäfte suchten ein schützendes Dach im Festort, da es bald durch die Leinentüchter der Wirthschaftshallen hindurchregnete. Nach dem Regen ent» wickelte sich bald wieder ein festliches Treiben auf dem Festplatz, das auch anhielt, bis der Tag graute, aber Jupiter pluvius hatte doch manchen Festgast zu Hause gebannt und manchen frühzeitig heimgeschickt.
Von der Bergstraße, 16. Juni. Die Kirschenernte ist im vyllen Gange und bringt den Orten Seeheim, AlSbach und Zwingenberg hübsche Einnahmen. Das Pfund wird gegenwärtig mit 10—12 Pfg. bezahlt.
Vermischter.
* Frankfurt a. M., 17. Juni. Thurmeinsturz im Zoolo gischen Garten. Erschrecken Sie nicht, verehrte Leser, es ist nichts passirt, kein Unglück, aber der Zoologische Garten wird am nächsten Samstag der Schauplatz eines großartigen Sommerfestes sein — wenn es dem Himmel gefällt, bis dahin es wieder Sommer werden und nicht regnen zu lassen. Das reichhaltige Programm, an dessen Vorbereitung ein besonderer Festausschuß schon seit Wochen arbeitet, bietet Aussicht auf sehr gute Unterhaltung. Doppel-Concert zweier tüchtiger Capellen von halb 5 Uhr an bis Mitternacht, am Abend spielen sogar vier Capellen. Illumination mit Tausenden von farbigen Ballons, Gläsern und offenen Lämpchen. Ein Feuerwerk, das mit dem Bombardement der Burgruine anfängt, durch welches die Gebäude scheinbar in Brand gesetzt werden, darauf soll eine Explosion im Thurm diesen zum Einsturz bringen, wonach zur Beruhigung der geängstigten Zuschauer die ganze Burg mit ihrer Umgebung in bengalischer Beleuchtung wieder erscheinen wird. — Am Bärenzwinger gibt eS eine oberbayrische Gebirgsschänke mit Wurftelbraterei und Bockmusik / vorn im Wäldchen einen Bal champetre und für die Liebhaber schöner Sachen und Sächelchen eine Tombola, in der man kaum anders kann, als etwas Nützliches gewinnen.
* Den Gipfel bet Findigkeit in der Einführung von Steuern hat wohl die Stadtgemeinde Mühlheim a. Rhein . erklommen. Dort ist ein von dem Bezirksausschuß genehmigtes Ortsstatut erlassen, das es unternimmt, für Balkone und Erker, welche in die Luftsäule über der Straße hineinragen, eine Gebühr zu erheben. Auf Grund dieses Ortsftatuts wurden die EigenthÜmer eines Hauses nach der straßenwärtS erfolgten Anbringung von zwei Balkonen und einem Erker mit einer Abgabe von 1236 Mk. belastet. Dagegen wendeten sich die EigenthÜmer nach fruchtlosem Einspruch mit der Klage. Der Bezirksausschuß zu Köln wleS sie ab / auf die Revision der Kläger sprach aber der zweite Senat des Ober- Verwaltungsgerichts unter Aufhebung der Vorentscheidung erstere von der eingeforderten Abgabe frei.
* Bielefeld, 15. Juni. Der Arbeiter Wilhelm Schlottmann, der am 19. November 1894 vom Bielefelder Schwurgericht zum Tode verurtheilt wurde, weil' er Mitte Juli im Stadtpark eine ledige Frauensperson ermordete, ist heute früh durch den Scharfrichter Reindel aus Magdeburg hingerichtet worden.
♦ Breslau, 14. Juni. Am gestrigen Nachmittag um 6 Uhr fand das Mafsenbegräbniß der Opfer des Grubenunglücks von Antonienhütte statt. 17 uniformirte Belegschaften Waren auß ganz Oberschlesien mit 16 Fahnen zu der Bestattungsfeier erschienen, an der sich Gesang-, Kriegerund Turnvereine beteiligten. Fürst Hatzseldt ließ durch den Landrath von der Goltz einen prachtvollen- Kranz niederlegen. Das Begräbniß erfolgte auf Kosten deS Grubenbesitzers Grafen Henckel von Donnersmarck. Es wird mit Aufbietung aller Kräfte gearbeitet, um die noch vermißten elf Bergleute zu Tage zu fördern.
* Militärische Eisenbahnen. Während die Reserven eingezogen sind, in der Zeit vom Juli bis zum 'September, wo die Ausgedienten entlassen werden, wird die Eisenbahn- brigade eine große Hebung vornehmen, bei der alle drei Regimenter betheiligt fein sollen. Die Brigade wird eine schmalspurige Feldbahn vom Schießplätze Jüterbogk nach Magdeburg bauen. Dabei kommen auch große Brückenbauteu vor, und zwar nach dem System des Hauptmanns Lübbecke


