höre» dem seit Jahre» bestehenden berüchtigten Geheimbunde ' „Maladetta" an.
Srujfel, 16. März. Die socialistische Arbeiter- Partei hat heute Plocate angeheftet, in welchen die Ar« : beiter zu hartnäckigem Widerstand gegen die Regierung und deren reaktionäre» Gemeinde-Wahlgesetz ousgefordert werden.
Madrid, 16. März. Privatoachrichten auS Cuba zufolge hätten die Insurgenten eine provisorische Regierung ernannt. Ein Mitglied derselben ist beauftragt, von den Mächten die Anerkennung als kriegführende Partei zu ! verlangen.
Madrid, 16. März. Eine Gesellschaft von dreihundert Offizieren drang in der vergangenen Nacht in die Geschäftsräume der Zeitung „Globo", wo sie alles durcheinander warfen und den Dirrctor und zwei Redacteure verwundeten. Die Offiziere begaben sich dann in die Druckerei der Zeitung „Resumen", wo sie die Unordnungen erneuerten. Da eS der Polizei nicht gelang, Ruhe zu schaffen, mußte der Militär«Gouverneur eingreifen, um die Ruhe her- zuftellen.
Rio de Janeiro, 16. März. Gestern brach in der hiesigen Milttärschule eine Meuterei au», die aber bald durch i herbeigerufeneS Militär unterdrückt wurde. Die Schule, welche gegen 800 Kadetten und Studenten zählt, wurde bis zum Mai geschloffen. Die Meuterei ist eine Folge politischer Jntriguen gegen die Regierung. ES wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
Shanghai, 16. März. Der Generalissimus der chinesischen Armee, Sung Tsching, ist vom Pferde gestürzt und sofort tobt geblieben.
Hiroshima, 16. März. Nach amtlicher Bekanntmachung sind in Kaiptng, Futschou und Peitaho japanische Der- waltungsbehörden eingesetzt worden. — Unter der bet Jingkan gewonnenen Beute befinden fich ein Kanonenboot, zwei Dampfer, hundert Dschunken und viele Borräthe und Munition.
Nenoste Nacheschten.
Wolff» telegraphische» Correspondenz-Bureau.
Pari«, 17. März. In einer gestern anläßlich des Jahrestages der Commune stattgehabten Versammlung stellte ein Redner den Antrag auf Aufhebung der stehenden Heere und sprach sich deS Weiteren über den deutschen SocialismuS lobend aus. LloviS HugueS, welcher den Vorsitz führte, erklärte, er würde einen Antrag auf Aufhebung der stehenden Heere, sowie die Germanisirung der socialen Idee nicht zulaffen, so lange Deutschland Elsaß im Besitze habe. Dem „Solei!" zufolge fügte HugueS hinzu, er habe mit den deutschen Socialtsten, welche eine schändliche Comödte spielten, endgilttg gebrochen.
Depeschen de» Bureau „Herold".
Berlin, 17. März. Wie die „Poft" vernimmt, st-.ht eS jetzt fest, daß die feierliche Eröffnung des Nord- Ostfee-CanalS am 19. Juni stattfinden soll. Am Tage zuvor werden der Kaiser und die zur Feier der Schlußstein- legung erschienenen Fürstlichkeiten und geladenen Gäste an dem Feste der Stadt Hamburg theilnehmen, das in einer Beleuchtung der Elbufer seine Krönung erhalten wird. Die erste Durchfahrt der kaiserlichen Schiffe wird in Rendsburg unterbrochen werden, um dort größere Truppenvorstcllungen eutgegenzunehmen. Nach dem Auslaufen der Schiffe aus dem Canal wird der Kaiser NamenS des BundeSrathS ersucht werden, die Schlußstetnlegung zu vollziehen. ES folgen dann Feste auf der „Hohenzollern" und dem „König Wilhelm", zu welchen die Offiziere aller im Kieler Hafen einlaufenden Geschwader Einladungen erhalten.
Münster f. W.. 17. März. DaS Befinden deS Frei- Herrn von Schor le mer-Alst ist hoffnungslos.
Wien. 17. März. AuS Abazz ta wird gemeldet, daß die deutsche Kaiser samtlte am 3. April dortselbft eintrifft.
Loudon, 17. März. ES strtken bis jetzt in England über 300,000 Schuhmachergesellen.
H. Mainz, 18. März. Der Einbrecher Dunkel wurde wegen 26 Einbrüchen zu 10 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust nebst Zulässigkeit der Polizeiaufsicht verurtheilt- die Ehefrau Dunkels erhielt wegen Hehlerei anderthalb Jahre Zuchthaus.
H. Berlin, 18. März. Auf den Gräbern der Märzgefallenen wurden heute etwa hundert Kränze niedergelegt. Die Polizei entfernte einige aufreizende Inschriften auf Schleifen.
II. Petersburg, 18. März. Der deutsche Botschafter, General Werder, verläßt seinen Posten- als Nachfolger deffelben wird Graf Herbert Bismarck genannt, drffen Ernennung am 1. April erfolgen dürfte.
CocaU» und Lrovinzielles,
Sieben, den 18. März 1895.
•* Bon der Uuiverfität. Profeffor Dr. Reisch le hat einen Ruf für systematlsche und praktische Theologie, sowie zur Mitversehung de» akademischen Gottesdienstes nach Göttingen erhalten und angenommen. ES ist noch nicht entschieden, ob er schon zum Sommer- oder erst zum Winter- semcster übersiedeln wird, da eS fraglich ist, ob alsbald ein Nachfolger zu gewinnen sein w'rd.
Turnfest 1895. Zu Ehren de» geschäftsführenden AuSschuffeS des MmelrheinkretfeS, welcher zum Zwecke der mit den hiesigen Ausschußmitgliedern ic. vorzunehmenden Programmfeststrllung hier eingetroffen, hatten die beiden Turnvereine am Samstag Abend einen CowmerS in der Turnhalle veranstaltet. Derselbe verlief unter Reden, Musik und declamatorischen Vorträgen recht gemüthlich. Die Ausschußvertreter wurden vom 1. Sprecher deS Turnverein» Gießen.Namen» der hiesigen Turner begrüßt; hierbei hob
Herr Herbert de« guten Stand de» TurnwesenS in Gieße« hervor. —Herr Kreisverrreter Rothermel dankte für den ihm bereiteten Empfang, wieS auf die noch zu leistende» Arbeiten für daS Turnfest hin und sprach die Hoffnung auS, daß Turnerfchaft wie Bürgerschaft einig seien, damit da» Fest gelinge- er feierte daS kommende Mittelrheinische Turnfest mit einem lebhaft aufgenommenen „Gut Herl". — H^rr Helm, der den Vorsitz führte, erwiderte, daß fowohl die Turner, wie die Bürger Gießen» Alles aufbieten würden, caS Fest zu einem der Sache würdigen zu gestalten, der Festarbeit sei Gießen gewachsen, eS sei auch bisher nicht müßig gewesen. — Herr KreiSturnwart Heidecker bezeichnet eS als guten Geist der Gießener für die Turusache, daß sie zum vierten Male daS Fest übernommen, er freue sich, daß Alles in gutem Geleise sei, aber die kommende Arbeit fei noch da» Wichtigste, um daS Fest zu einem ächt vo^kSthümlichen zu gestalten- Gießen sei die Stadt, die daS Turnen von der frühesten Zeit an gepflegt, Gießen hätte früher viele erste Turner aufzuweisen gehabt, er wünsche, daß daS Turnfest Ansporn gebe zu weiterer Pflege.
Befihvechsel. DaS HauS Seltersweg 44 (neben Hotel Prinz Karl), bisher dem Rentner Jean Dietz gehörig, ging für den Preis von 68000 Mark am SamSlag in den Besitz deS Hutfabrikanten W. Schuchard über. Der neue Besitzer wird zwei Läden errichten lasten und nach dorthin sein Geschäft verlegen.
•• Jagdverpachtnngeo. Die am SamStag in Krofdorf verpachteten Jagden erzielten folgende JabreSpachten: die Wlßmarer Waldjagd, verpachtet auf 9 Jahre (früher 500 Mk.) pachtete Herr Carl Schwan für 1400 Mk. Die Launsbacher Jagd erstand Herr Oberförster von Spiegel für den seitherigen Preis von 400 Mk. Pachtdauer 6 Jahre. Die Odeuhausener Jagd (früherer PachrpreiS 250 Mk.) erwarb Herr Carl Buderus für 690 Mk. Pachtdauer 6 Jahre. Die Dudenhofener Jagd, Pachtdauer 9 Jahre, pachtete Herr Dr. Mettenheimer für den Preis von 250 Mk. Der letzte Pachtpreis war in gleicher Höhe.
** Bertrieb einer „BiSmarck Mappe" durch einen Reifende«. Durch die Amelang'sche SortimentS-Buchhandlung In Berlin geht uns folgende Mitthellung zu: In hohen Kreisen, sowie unter den Professoren und Studierenden der Berliner Hochschulen werden durch einen Reisenden, angeblich zum Besten der Unterftützungskafle der Studierenden an der Universität Berlin, Bestellungen auf eine Sellmer'sche BiSmarck-Mappe gesammelt, für welche der Preis von 15 Mark gefordert wird. Wir erklären hiermit, daß jede Buchhandlung in der Lage ist, dieselbe für 9 Mk. zu liefern. Die von unS eingefehene Liste der Besteller weist bereits eine Reihe bekannter, zum Thetl klangvoller Namen auf, so daß das Unternehmen voraussichtlich bald größeren Umfang annehmen wird, um somehr, da der Reifende beabsichtigt, daS Werk auch außerhalb der Reichshauptstadt anzubieten. Um einer Uebervortheilung deS Publikums rechtzeitig vorzu- beugen, werden die Zeitungen um Abdruck dieser Erklärung ersucht. _____
as. Alten Buseck, 15. März. Heute Abend um 7>/iUhr konnte man zwei große Schwärme Kraniche sehen, welche schreiend in nördlicher Richtung unser Dors passirten, gewiß ein sicherer Vorbote deS so lange ersehnten LenzeS.
Bad-Nauheim, 15. März. In der Sitzung des ComiteS für Einrichtung einer höheren Knabenschule am 11. März wurde Dr. I. Klotz, derzeit Lehrer an einem Knabeninstitut in Marnheim a. d. Hardt, als Director gewählt. Die Schule wird am 1. Mai eröffnet werden können.
Diebnrg, 15. März. Unter der Zahl der zum Militärdienste auSgemusterten Burschen — daS MufterungSgeschäst begann heute — befinden sich auch etwa 15 Insassen des hiesigen Arbeitshauses, die leider schon frühzeitig auf abschüssige Bahnen gelangten.
A Mainz, 17. März. In Anwesenheit der Spitzen der Bchöroen sand heute Vormittag die Einweihung der neuen evangelischen GarnisonSktrche durch den Militär-Oder- Pfarrer Consistorialrath Hofprediger Dr. Frommel von Berlin statt. Zu der Feier, während welcher die Fahnen der hiesigen Truppentheile am Altar enthüllt Aufstellung gefunden hatten, waren durch die Commandantur von jeder Compagnie, Batterie u. f. w. Deputationen beordert. Der liturgische Theil der Einweihung wurde von den Liturgirn- sängern der evangelischen Kirchengemeinde und die Kirchenmusik von einer Militärcapelle auSgeführt. Die neue Garni- sonSkirche bildet einen Theil der ehemaligen Altmünsterabtei, die bis vor wenigen Jahren als Militärlazarcth gedient hat und nunmehr durch größere Umbauten wieder zu einer Kirche umgewandelt ist. — Ein verfrühter Aprilscherz. Einen riesigen Bären hat sich daS Depeschenbureau „Herold" von irgend einem Mainzer Witzbold gestern ausbinden laffen. Dasselbe telegraphirte nämlich in die Welt hinein, die bekannte Schiffswerft von Ruthof in Kastel habe von der japanischen Regierung den Auftrag erhalten, die Oberleitung zur Hebung der in den verschiedenen Häsen gesunkenen und erbeuteten chinesischen Kriegsschiffe zu Übernehmen. Diese wichtige Nachricht war durch den Zusatz noch intereffant gemacht worden, daß genannte Firma den Auftrag erhalten habe, nach deutschem Muster mehrere staatliche Sch'ffswerften in Japan einzurichten und daß die diesbezüglichen Verhandlungen durch die japanische Gesandtschaft in Berlin geführt würden. An dieser ganzen Mittheilung ist kein wahre» Wort und entpuppt sich dieselbe hier alsbald zur allgemeinen Heiterkeit als eine fette Ente, die, wie schon oben bemerkt, irgend ein W tzbold hat auffliegen lösten. — Die hiesige CentrumSpartei hat für die kommende Woche eine Versammlung anberaumt, zu welcher u. A. die Frage der Verstaatlichung der Hessischen Ludwig»bahn aus der Tagesordnung steht. Reserent über den Gegenstand ist der Landtag»- abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Schmitt von hier.
vermischtes.
' Gera. An der Amt hör'scheu höhere« Handelsschule wurde am 11. und 12. März, noch der voraus- gegangenen schriftlichen Reifeprüfung, das mündliche Eramen abgehalten. Die an demselben betheiligten Abiturienten erhielten sämmtlich das Reiiezeugniß, mit dem gleichzeitig die Qualifikation für den einjährig freiwilligen Militärdienst verbunden ist.
• Manche». 16. März. Gestern hat ein 24jährige« Student auS Niederbayern: in einem Hause am Jsarplatze auf seine Cousine urb Geliebte vier Schüsse abgefeuert, die sämmtlich lrafen. DiS Mädchen ist schwer verletzt, jedoch nicht ledenSqesährlich. Der Thäter wurde verhaftet. Ursache der That Eifersucht.
* 2tu Wölfe» »orgeworfe«. Au» der russischen Bezirksstadt Njenzin kommen baaisträubende Berichte Über das Auftauchen ganzer Rudel von Wölfen, denen viele Mensche« und Thiere zum Opfer fielen. Ein Rudel verfolgte im Felde einen Bauernschlitten, in welchem der EigenthÜmer fich mit seiner Frau und einem kleinen Kinde befand. Al» der Bauer sah, daß von einem Entkommen keine Rede sei» konnte, kam er auf den scheußlichen Gedanken, da» Kind de» Wölfen zuzuwerfen, in der Voraussetzung, die Bestien würde« sich eine Zeit lang mit diesem Opfer beschäftigen, während er mit der Frau aus dem Schlitten entkommen könnte. Die Frau weigerte sich, daraus einzugehen, und schließlich warf der Mann sie sammt dem Rinbc au» dem Schlitten. Nu» aber hatten die Wo fe da» Gespann im Auge und bemerkte« nicht daS HerauSwerfen der Frau und de» Kinde», sondern setzten dem Gelpann nach, daS schließlich sammt seinem Herr« ihnen als Beute verfiel, während die Frau mit de« Kinde mühsam aber glück!'ch nach Hause gelangte. (?)
S ch i sss N ach rich ten.
Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten •et.I Loo» und I. M. Schulhof.
Bremen, 16. Mär». (Per transatlantischen Telegraph.,! Der Schnelldampser Saale, Capk. F. Keßler, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heut« 7 Uyr Morgen- wohlbehalten i» Newyork angekommen.
— Der Postdampfer .Rbynland' der .Red Star Linie' t» Antwerpen ist laut Telegramm am 15. März wohlbehalten in Newyork angekommen.
Barometerstand.
witte^ttngsattsfichten
am 18. März Mittag« 12 Uhr (WettnbäuSchen in der Südanlage).
Thermometer: min. — 31 R., max. + 811 R.
Hygrometer: Trecken und schön.
■ eeeiteeft Di« pmrkttrN 8tate tel Ut varmnererfeala |»t freu bd »erhergtheude» Tage« a
AirchlichcAnzeigen der evang. (Rcmcinbc.
Montag den 18. März, Äb.ndtz 8 Ubr: Bidetstuude i« Confirmandensaal der Johanne-kirche. Ma>ku» Cap IS. von Vers 53 an: Die Hoheit de» leidenden Herrn in seinem Schweigen u«ß Reden; Verleugnung des PetruS. Pfarrer Dr. Naumann.
Mittwoch den 2'. Mär,, Abend» 6 Uhr: IV. PasftonSandacht in der JohanneSkirche: Pfarrer Dr. Naumann
Die 3 letzten Pasftonsandachten werden in der JohamreSkirch« gehalten.
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