Ausgabe 
19.2.1895 Zweites Blatt
 
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1895

Dienstag den 19. Februar

Nr. 42 Zweites Blatt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Amts» und Anzeigeblatt für den Krew Gieren.

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Durch die Poft bezöge« 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener >emirten6(äUcr werden dem Anzeiger Lvöchmtlich dreimal beigelegt.

Der

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Spitlplae der verei»igtn> KranKfurtn rtadttheat»

vveimha«».

Dienstag den 19. Februar: Barbier von Sevilla. Hierauf: Der Teufel im Pensionat. Mittwoch den 20. Februar geschlogeu. Donnerstag den 21.get.ru«: Enoch »-den. hieraus: Wertder. Freitag den 22. Februar geschlossen. SamStag dm 23. Februar. Hänsel und Gretel. Hierauf: Fortuna« Lied. .Sonntag dm 24. Februar, Nachmittags 3'/, Uhr. Verschwender. «mW 7 Uhr: Carmen. Montag den 25. Februar geschlossm. DimStag dm 26. Februar: Barbier von Bagdad.

Sch«rshktel-a«s»

DimStag dm 19 Februar: Obersteiger. Mittwoch de» 20. Februar: Halali'. Donnerstag den 21. Februar. CycluS deutscher Dramen, sechster Abend: Zopf und Schwert. Freitag den 22. Februar: Halali! Samstag den 23. Februar: Fraueni- kamps. CharleyS Tante. Sonntag den 24. Februar: Madame Sans-Gßne. Montag den 25. Februar: Cyclusdeutscher Dramen, siebenter Abend. Prinz von Homburg.

Sel>iss-nach pichte».

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agmtm Earl LooS und I. M. Schulhof.

Bremen, 16. Februar. (Per ttansaUanttschen Telegraph-j Der Schnelldampfer Saale, Eapt. F. Keßler, vom Norddeutschen Lloyd in Bremm, ist gestern 6 Uhr Morgens wohlbehalten in ^«gebru«. sP-r trausottouttschen WJM ».»*. in Newyork angekommm.

«Kratisbeikage: Gießener Jamilienbkätter

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bex folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borin. 10 Uhr.

Deutscher Reichstag.

39. Sitzung. SamStag, den 16. Februar 1895.

Fortsetzung der Berathung des Währungsantrages Friedberg u. Genoslen- . x, ker

Abg. Siegele (nU.) erklärt als überzeugter Anhänger der Goldwährung den Antrag nicht annehmen zu konnm.

Abg Leuschner (Rp.) tritt für den BimetalltSmuS ein und antwortet dem Abg. Schönlank, daß die Goldwährung nichts nütze, wenn die Arbeiter brodlos werden. =_ .. .__

Aba. Richter (ftf. Vg.): Das Uebergangsstudium von dem einen zu dem anderen Maßstabe würde zu den größten Ungerechtig- keitm führen, da der Gläubiger weniger zurückerhalten. würde, als er gegeben hat. Redner bezeichnet das Stnkm der Preise als Folge der zunehmenden Production der Exportländer.

Abg. Friedberg (ntl.): Die Regelung der Wahrungsfrage fei nicht nur von agrarischer, sondern auch von handelspolitischer Bedeutung. .... t It,

Staatssecretär Graf Posadowüky: Es sei nicht zu bezweifeln, daß der schwankende Werth deS Silbers große Unzuträglichkeilen mit sich bringe, worunter auch die Arbeiter zu leiden hätten. Selbst die Monometallisten erkennm dies an. Es sei eine Pflicht des Reichskanzlers gewesen, eine wohlwollende Prüfung in Aussicht zu stellm. Nach einem Schlußwort des Abg. v. Kardorft, worin dieser auSführt, daß die Geheimen - Räthe eine andere Politik in der WährungSsrage verfolgtm, als der Reichskanzler, sieht ft» Der Staatssecretär v. PosadowSky noch zu einer Antwort veranlaßt, in der er diesen Ausführungen entgegen tritt. Hierauf wird wieder in die Debatte etngetreten.

Abg. Meyer Halle (irs. Dg.) wendet sich gegen die Friedberg schm Aussührungm. Nach einem abermaligen Schlußwort deS Abg. Kar- dorff wird der Antrag Friedberg u. Gen. mit den Stimmen der Rechten, des Cmtrums und deS größerm ThetlS der Nationalltberalen angenommen.

Bericht d« Geschäftsordnungscommission über den Antrag Übt, bett, die DiSciplinargewalt des Prästdentm. In der Commission ist ein Beschluß nicht zu Stande gekommen. Hierzu liegt der Anttag Roeren u. Gen. vor, wonach die Ausschließung eines Mitgliedes für eine Sitzung zulässig sein soll.

Abg. Träger (fr. Dp.) referirt über die Verhandlungen der ^omusission^o^ren (Cmtr) erklärt, keinesfalls dürfe diese Frage mit der Immunität der Abgeordneten verknüpft werden. Es handele sich nun darum, eine Lücke in der Geschäftsordnung auszusüllen.

Abg. Singer (Soc.) bekämpft den Antrag Roerm und erklärt, der Zusammenhang der ganzen Sache mit dem Falle Liebknecht sei n'cht -bzuleugnen-ve^ow stM in Abrede, daß sein Wunsch nach schärferen Disciplinarbestimmungen durch einen gewissen staats- anwaltltchen Antrag veranlaßt worden sei. Durch die Annahme des Anttages Roeren erklärt sich der Präsident für befriedigt.

Abg. Pieschel (ntl.) äußert sich in ähnlichem Sinne.

Abg. Lenzmann (fr. Bp.) spricht sich Namens seiner Partei gegen den Antrag aus.

Abg. Bebel (Soc.) bestteitet die Nothwmdigkeit einer Ber- schärfung der DiSctplinargewalt. Nach einem Schlußwort des Präs. v. Levetzow wird der Antrag Roerm gegen die Stimmen der Soetaldemokraten und der Volkspartei angenommen.

Nächste Sitzung: Montag 2 Uhr. Etat-Berathung deS Reichs - amts des Innern und Post-Etat.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Februar. DieDeutsche Tagesztg." theilt mit, daß der Oberpräsident von Ostpreußen, Gr'af Stoll- berg, der bekanntlich für den ReichstagSwahlkrei« Lyck- Oletzko-Johannisburg candidirt, nunmehr erklärt habe, auf dem Boden deS Tivoli Programms der Couservativen zu stehen und für den Antrag Kanitz eintreten zu wollen. Die Deutsche Tageszeitung" fügt hinzu, daß dieser Programm- Gesinnungswechsel aber nicht hinreiche, um den Grafen als Candidaten genehm zu machen. Der Bund der Landwirthe werde nach wie vor an der Candidatur des Herrn v. Borke für den Wahlkreis Lück-Oletzko-JohanniSburg festhalten.

Berlin, 16. Februar. Das Diner, welches der Ober­präsident von Achenbach alljährlich für die Mitglieder des brandenburgischen Provinziallandtages veranstaltet, wird am SamStag den 23. d. M. stattfinden. Bekanntlich pflegt der Kaiser diesen Diners beizuwohnen und hat auch diesmal fein Erscheinen zugesagt.

Berlin, 16. Februar. Im p reußischen Landtage wurde heute der Etat des Ministeriums deS Innern berathen.

selben keine Mittheilungen mehr zu machen und schwebende Fragen selbst durch Decrete zu regeln.

vermischte».

* Frankfurt e. M., 12. Februar. Dem Borfitzenden der Steuer Veranlagungs-Commission für den Stadtkreis Frankfurt a. M. ging, wie dieF. N." mittheilen, am 26. Januar die Summe von 3000 Mk. von einem anonymen Einsender zu. In dem Begleitschreiben ersuchte letzterer, den Betrag als Ausgleich der Differenz der in den Steuer­jahren 1891 bis 1895 zu wenig gezahlten Ein­kommensteuer zu verrechnen. Diesem Begehren kann jedoch ohne Namensnennung nicht Folge gegeben werden.

* Saarbrücken, 1(L Februar. Der Wachtposten vor der neuen Jnfauterieka^rne wurde gegen Mitternacht von einem Wolfe im Nacken angepackt, doch verscheuchte er da» Raubthier. Der Soldat ist unverletzt.

A»»land.

Wien, 16. Februar. Infolge der anhaltenden Schnee- stürme ist der Verkehr auf der Nordwest- und Nordbahn vielfach gestört. In Ntederösterreich find zahlreiche Ortschaften eingeschneit. v

Brussel, 16. Februar. Heute Mittag wurden Hierselbst große rothe Maueranschläge angeheftet, worin die socialistische Partei gegen die Rekruten Aushebungen, die sogenannte Blut-Lotterie", protestirt und das Volk auffordert, seine Stimmzettel dazu zu benutzen, die Armee abzuschaffen, welche jährlich mehr als 60 Millionen Francs koste.

Paris, 16. Februar. Wie hiesige Blätter mittheilen, hat der Kr iegSmin i st er an die Commandeure sämmtlicher Armeecorps Befehl ergehen laffen, die Instructionen und den Dienst nick' auf eine die Gesundheit schädliche Weise zu be­treiben. Tie Untersuchung gegen Diejenigen, welche den Tod von zwei Soldaten im 2. Armee-Corps verschulden, dauert fort. Man hofft die Schuldigen zu entdecken und streng zu bestrafen.

Washington, 16. Februar. Angesichts der feindlichen | Haltung des Congresses hat Cleveland beschloffen, dem-

^mitteten

Solche gut ausgebildeten Krystalle findet man am häufigsten im Schnee und im Rauhfroft, der sich, wenn nach strenger Kälte Nebel eintritt, an Zweigen und Mauern bildet oder mitunter in langen, silberglänzenden Fäden von den Zweigen der Bäume und Büsche herabhängt. Betrachtet man den weißlichen Reif mit einer Lupe, so erkennt man lauter dünne, regelmäßige EtSkrystalle, die, aus der atmosphärischen Lust entstanden, in so mannigfaltige und phantastische Formen gezaubert sind, daß sie jeder Beschreibung spotten, die aber auch so zart find, daß sie bei der leisesten Berührung durch einen unvorsichtigen Hauch in Thautropfen verwandelt werden. -

Ein prächtiger Anblick bietet sich auch dem Auge dar, wenn man die bei ruhiger Luft fallenden einzelnen, großen Schneeflocken auf einem dunklen Tuche, z. B. dem Rockärmel auffängt. Regelmäßige sechSstrahltge Schneefterne zeigen sich dem erstaunten Blicke. Alle ihre Strahlen schneiden sich unter einem Winkel von 60 Grad, und jeder Nebenstrahl bildet genau den gleichen Winkel mit dem Hauptstrahl, von welchem er ausgegangen ist.

Sind schon diese Eiskrhstalle des Schnees und der Reifes in der Mannigfaltigkeit ihrer Entstehung und in dem Retch- thum ihrer Formen gar lieblich anzuschauen, so ist dies noch viel mehr der Fall bei den Eisbildungen an unseren Fenster­scheiben, welche wir mit Recht alsEisblumen" bezeichnen. Welch herrlichen Anblick bieten diese dar mit der eigenthümlich gerundeten Form ihrer Krystallisattonen, die oft viel mehr an pflanzliche Gebilde, an dünne Bäumchen, an Palmblätter und Farrnkrautwedel als an Krystallgruppen erinnern! Da entstehen, auf das Eis hingehaucht, in bunter Variation Fäden und Ranken, Blättchen und Bäumchen, Garben und Sterne.

Die erste Bedingung für die Bildung von wirklich schönen Eisblumen ist das Vorhandensein einer dünnen, continuirlichen Wasserschicht am Fensterglase und daS langsame Gefrieren derselben. Solch eine Wafferschicht entsteht dann, wenn in

Der Frost rls Zauberer.

Von Dr. Hans Froehlich.

(Nachdruck verboten.)

Zahlreich und mannigfach sind die wunderbaren Schön­heiten, welche die Natur uns im Sommer darbietet. Aber auch im Winter, wenn alles Leben erstarrt scheint, gibt es gar Vieles, waS daS Auge erfreut. Hierzu gehören vor Allem die krtzstallenen Brücken, welche der Frost über Flüffe und Seen baut, und die lieblichen Eisblumen, welche an unseren Fenstern wachsen. All diese gefrorenen Massen, oft plötzlich in einer einzigen Nacht hervorgezaubert, schließen ein gut Stück de- geheimnißvollen Lebens und Webens der Natur in sich, und eS verlohnt sich daher wohl der Mühe, ihr Werden, Wachsen und Vergehen einmal genauer zu beob­achten.

Während die meisten Flüssigkeiten, wenn sie ihre Wärme verlieren, an Menge abnehmen, dehnt sich das Wasser merk­würdigerweise um Vu seines Volumen- aus und wird somit im EtSzustande umfangreicher und leichter''als im flüssigen. Daher kommt eS, daß Eis eine schwimmende Decke auf unfern Flüssen, Seen und Weihern bildet und daß Eisberge so hoch über der Oberfläche deS Meeres hervorragen- daher kommt es auch, daß Gläser, Fässer und selbst Felsen durch das in ihnen gefrierende, sich auSdehnende Wasser zersprengt werden. Aber noch eine andere Eigentümlichkeit tritt beim Gefrieren des WasserS ein. Bekanntlich ordnen sich die kleinsten Theilchen (Moleküle) gewisser Substanzen, wenn sie auS dem flüssigen Zustande in den festen übergehen, zu gesetzmäßig geometrischen Figuren, welche man Krystalle nennt. So bildet der Berg- kryftall sechsseitige Prismen und Säulen. Auch das EiS rrhstallisirt ebenfalls in hexagonalen Prismen, obgleich es dem Ange als eine glasartige, feste Masse erscheint.

dem betreffendem Raume eine reichliche Menge von Wasser- dunst enthalten ist, der sich an den erkalteten Fensterscheiben zu Wasser verdichtet. Dieser Wasserdunst wird zum größten Theil von der AthmungSlust der anwesenden Personen, zum geringeren Theil von den Speisen, Blumentöpfen und der­gleichen geliefert. Daher sind die EiSblumen an den Fenstern unbewohnter Zimmer meist schlecht ausgebildet. Auch kommt dem Fenftereise von diesem Dunste umsomehr zu gute, je weniger die Zimmerlust durch relativ trockene Außenlust ersetzt wird. Aus diesem Grunde find in den Küchen die EiSblumen nur schlecht entwickelt, weil eben dort zwar für reichliche Bildung von Wasserdampf, zugleich aber auch für sehr aus­gedehnte Ventilation gesorgt zu sein pflegt.

Wie Jeder schon beobachtet haben wird, entspringen die EiSblumen hauptsächlich an den Rändern der Fensterscheiben. ES ist dies dieselbe Erscheinung, wie sie beim Gefrieren größerer Waflermassen zu Tage tritt, wo sich das EiS auch zuerst an den Ufern bildet. Dies geschieht zunächst nach dem allgemeinen Gesetze, daß sich alle Krystalle gern an festen Körpern ansetzen. So pflegt man ja auch z. B. beim CandtS- zucker durch Einführung von Fäden die Krystallbildung zu befördern. ,

Bei den EiSblumen kommt noch der Umstand hinzu, daß sich das Wasser, dem Gesetze der Schwere zufolge, nach dem unteren Thetle der Scheibe zieht und daß daher dort die Wasierschtcht dicker und dichter wird. Außerdem steht auch, da warme Luft stets nach oben steigt, die obere Hälfte des Fensters, und ebenso die obere Hälfte jeder Scheibe mit wärmerer Lust mehr in Berührung als die untere. Wenn daher die Kälte draußen nur gerade hinreicht, etwas Eis an den Fenstern zu bilden, so bleiben die oberen Scheiben etsfret, während die unteren fast ganz überfroren find. AuS dem­selben Grunde geht auch das Austhauen durch Ofenwarme stets von oben nach unten vor sich.

(Schluß folgt.)