Ausgabe 
18.12.1895 Zweites Blatt
 
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Kola a. Nh., 14. December. Ja der vergangenen Nacht üb er sie len drei erwachsene Söhne ihren im Bett liegenden alten Vater, brachten ihm mehrere tödtliche Der- letzungen bet, raubten ihm einen größeren Geldbetrag und entflohen dann. Einer der Verbrecher wurde alsbald er­griffen und tu da- Gefängniß gebracht, wo man thn heute Morgen erhängt vorfand. Der Tod muß bereit- vor einigen Stunden eingetreten sein. J ££

Ergebnisse der Bolttzahluog Dem 2 December. Kreuz­nach 10,411 (+ 1325), Lahr 11,080 (-j- 271), Rheydt 30,111 (4- 3181), Dtrschau 11,689 ( 214), M. Gladbach 53,430 (+ 3808), Mühlhausen i. Th. 30,078 (+ 2540), Celle 19,399 (4- 498), Dortmund 111 276 (-j- 21,613), Bremen 141,937, Itzehoe 13,917 (4- 1436), Emmerich 10,019 (4- 397), Stettin 140,277, Altona 148,811 (-j- 4562), Bromberg 46,303 (4- 5177), Potsdam 58,324 (-j- 4199), Pankow (Berl. Vorort) 11,828 (4-4836), Pforzheim 33,324 (4~ 3337), Amberg 20,232 (4- 557), Straubing 15,414 (4- 1559), Duisburg 70,156 (4- 10,856), Marburg 16 033 (4- 1676), Münster 56,946 (4- 7602), Würzburg 67,677 (4- 6645), Hof 27,307 (4- 2852), Creseld 107,266 (4- 1895), Bamberg 38,904 (3089), Königsberg 171,640 (+ 9974), Colmar 32,838 (4- 2439), Fürth 46,443 (4- 3237), Minden 22,698 (4- 2100), Oberhausen 30 167 (4- 4911), Hameln 16,481 (-j- 2600), Hildesheim 38,874 (4- 5393), Landsberg a. W. 31,661 (4- 3596) Hamburg (Stadt) 622,745 (4- 49,547), Herford 21,608 (4- 2303), Breslau 372,687 (4- 37,500), Erfurt 78,118 (4- 5758), Braunschweig 114,686 (4- 13,639).

Eine warnende Belehrung für Personen, die mit Wechseln arbeiten und mit den Wechselstempelmarken nicht genau Bescheid wtffen, dürfte folgendes Vorkommniß ent­halten: Eine Berliner Firma hatte einen Wechsel in Zah. lung bekommen, auf welchem die Stempelmarke fehlte. Dies war um so weniger wunderbar, als der Aussteller ein kleiner Gewerbetreibender war und solche häufig den Stempel bezahlen, ohne selbst die Marke zu kasfiren. Natürlich be­sorgte die Firma sofort die Nachftempelung des Wechsels in der üblichen Weise oben am Rande. Der Wechsel mußte zu Protest gehen, bei welcher Gelegenheit durch Handschrtften- Vergleichung festgestellt wurde, daß erst die Firma den Stempel besorgt hatte. Der SteuerfiScuS, der hiervon be­nachrichtigt wurde, legte dem Aussteller sowohl als dem In­haber des Wechsels als Strafe den fünfzigfachen Betrag der Steuer auf. Die von der Firma hiergegen eingelegte Revision betonte, daß die Firma ihre Schuldigkeit gethan, den Wechsel sofort nach Eingang gestempelt und den

Stempel kasfirt habe. Dieser Einwand wurde jedoch verworfen und die Strafe unter der Begründung auf- recht erhalten, daß in dem Geregten Falle die Marke Himer das letzte Giro zu setzen gewesen wäre, und sofort kenntlich zu machen, daß der Vordermann das Aufkleben einer Marke unterlaffen hatte. Trotzdem die Firma tu gutem Glauben gehandelt, sei sie zu bestrafen, weil zweifellos eine Der- schleterung des effectiven ThatbestandeS oorliege.

* ergötzliche Mißdeutung hat kürzlich ein Schreiben vom Generalcommando in der Lüneburger Haide er­fahren. Ein Bauernsohn hatte sich zur Einstellung bei der Garde gemeldet. Nach einigen Tagen erhält er Antwort. Als er den Brief gesehen, fragt er zagend seinen Vater: Vadder, kannst Du mi, wenn ick na'r Garde kome, woll noch 100 Daler mehr mitgäven, denn daS Gewehr mut ick mi sülpst köpen."WiS den Brief mal her, Junge," sagte der Vater, setzte seine Brille auf, las auch und sagte dann:Ja, et iS richtig, da steit et, bat mag aber bi de Garde woll nich anners gähn." Die Behörde hatte in dem Brief zum Schluß geschrieben:Eine Gewähr für Ein­stellung kann nicht geleistet werden."

* Die voruehme Welt in London hat sich aufs Thee- rauchen verlegt. ES werden dort in gewiffen Läden sogar schon im Großen hergestellte Thee-Cigaretten verkauft. Besonders sind eS die Damen, die dieser neuen Leidenschaft fröhnen, die freilich von weniger Bemittelten nicht leicht mit­gemacht werden kann. Der Reiz gar mancher Genüsse be­steht ja hauptsächlich darin, daß sie wegen ihres hohen Preises nicht leicht zugänglich find. Natürlich wird Paris, das sich keine Thorheit entgehen läßt, schnell London nachahmen. Aechten chinesischen Thee rauchen, und bestes Kölnisches Wasser trinken, werden nun die beiden vornehmsten Genüsse sein. Kölnisches Wasser hat wenigstens den Vortheil, sehr reinen Weingeist zu enthalten. Die Damen können es sich ver- schaffen, ohne in den Verdacht desstillen SuffS" zu ge- rathen. Natürlich kann Niemand Kölnisches Wasser, daS zu achtundachtzig Hundertsteln auS Weingeist besteht, rein trinken. Es wird tropfenweise auf Zucker genommen und mit Wasser verdünnt.

Citeratur unb Itanft.

Verlag von Emil Roth in Gießen. »DeutscheSage« i« ihrer «ntstehnng ««d Fortbildung u«d poetische« ««»- gestalt««^ von Dr. Jacob Nover

Band I.: Faust. Till Eulenspiegel. Der ewige Jude und Wilhelm Trll. Mit 4 Titelbildern. Kl. 8°.

Band II.: Nibelungensagen. Gralsage und Parsifal. Lohengrin.

-Uitt v Ütclb. 80.

Jeder Band ca. 26 Dogen mir Titelbildern. Preis pro Band- carton Mk. 2.50, in elecr. Leinenband Mk. 3.

_ .. Die zwei BändeDeutsche Sagen" behandeln die anziehendsten Stoffe für das deutsche Dolksgemülh. Wer oerliesi sich nicht gern in die Siegfrieds- und Nibelungensage? Wer lauscht nicht auf bei der Sage vom ewigen Juden? Wem lach! nicht da« Herz bei den Spässen der komischen Volktzfigur Till Eulenspiegel? und wer wird nicht erschüttert in der Sage vom hell'gen Gral, die einen der tief- finnigsten Ueberlieferunasfioffe aus der christlichen Urzeit behandelt? Und so könnten wir weiter fi tgen; allein es genügt, auf eine Lecture hinzuweisen, welche im höchsten Grade geeignet ist, für die Veredlung des Volksgemüthtz eine höchst fruchtbare Nahrung darzubieten. Die Behandlung der Sagen in den vorliegenden Bänden gewährt dem Leser zugleich einen Einblick in ihre Entstehung und allmäblige dichterische Ausgestaltung, wobei die neuesten Forschungen überall zur Verwerthung gelangt find. Jedermann, der es liebt, au6 dem immer frischen Born der deutschen Sagenwelt Lust und Liebe für die Betbätigung der edleren nationalen und menschheillichen Ziele zu schöpfen, der möge nur immer zu diesen Bänden greifen, Jung und Alt dürfte sich gleichmäßig daran erbauen. Wir empfehlen dar Werk, das auch äußerlich in einem zierlichen Kleide erscheint, noch ganz besonders als paffendes Festgeschenk.

- Mütterchen» HttfStrvppe«. Eine hübsche Geschichte und Anleitung, wie Knaben und Mädchen im Haushalte helfen können. Von Tony Schumacher. Stuttgart, Verlag von Leop u. Müller. 156 Seiten. Preis eleg. geb. Mk 2 50. - ES ist mit «yreuben zu begrüßen, daß bei Abfaffung der für Kinder befiintmten Unterhaltunasdücher das Augenmerk j tzt weniger darauf gerichtet Phantasie zu .eizen, als den Verstand zu bilden und in den Kleinen Lust und Liebe zu pr.cttscher Tätigkeit zu wecken, die Geist und Körper frisch erhält und In der Entwickelung fördert. In pädagogischen Kreisen ist dieser Grundsatz Gegenstand lebhafter münd­licher und schriftlicher Erörterungen gewesen, namentlich ist wieder­holt darauf hingewiesen worden, ein wie überaus wichtiger Factor in der rationellen Erziehung des Kinde« die Beschäftigung im HauS- Halle ist, und die Schulbehörden einer ganzen Anzahl von größeren Städten haben daraufhin bekanntlich besondere Stunden in den Lehr­plan eingefügt, in denen Knaben zu Handferttgkeitsarbeiten angeleitet werden und Mädchen die nothwendigsten Arbeiten im Haushalte practisch lernen. Dieses pädagogische P incip liegt auch vorliegendem Werkchen zu Grunde. Sümmtliche Arbeiten, zu denen Knaben und Mädchen im Haushalte herangezogen werden können, sind darin aus­führlich behandelt, und zwar ist, um den trockenen Lehrton zu ver­meiden der gelammte Stoff sehr geschickt in die Form einer äußerst spannenden Erzählung gebracht, welche den nach Abwechselung strebenden Geist des Kindes nicht ermüdet und seinen Nachahmungs­trieb weckt und zur Betbätigung anregt. Dies,« eminent praktischen k er/tlc8 roef?en Ist ^s Buch einer fr.undlichen Aufnahme oon Seiten der Eltern sicher und wird wegen seines interessanten und spannenden Inhalts ohne Zweifel bald ein Lieblingsbuch der Kinder werden. Wir können eS mit gutem Gewissen allen aufs Wärmste empfehlen, welche ihren Kleinen ein zugleich nützliches und schöne« Geschenk machen wollen. Getreu dem Grundsätze, daß für Kinder da« Beste gerade gut genug ist, ist auch die Ausstattung des Buche« sehr ge biegen und geschmackvoll.

Bitte.

an seinem Theile mitjuroirfen, die zunehmende, so vielfach beklagte Rohheit unter der Heranwachsenden Jugend zu bekämpfen, durch die Pflege des Mitleid« mit der stummen Creatur zur Veredelung des kindlichen Gemüths beb jutraßen unb bie ebenso massenhaften wie furchtbaren Mißdandlungen hilfloser Tbiere allmählich zu beseitigen, gibt ber Berliner Thierschutz-Verein jährlich ein Heraus, dem er durch reichen Inhalt, künstlerische Ausstattung unb billigen Preis bie weiteste Verbreitung zu sichern sucht.

Die großen Opfer, welche ber Verein biefem Unternehmen bringt, finb, wie jablrekbe Zuschriften von Geistlichen unb Lehrern bezeugen, nicht vergeblich gewesen: DaS Büchlein hat den beabsichtigten Erfolg unb stiftet vielen Segen.

Tiotz beS billigen, weit unter ben Selbstkosten angesetzten Preises (5 Pfg.) »erben aber so viele Gesuche um unentgeltliche Ueberlassung bes Kalenbers gestellt, daß ber Verein mit seinen beschränkten Mitteln außer Stanbc ist, alle zu befrie- b'gen- 6c6r häufig schreiben Lehrer, eS feien arme Kinber in ber Schule, welche fdbft bie fünf Pfg. nicht bezahlen können, unb die bas Büchlein boch so gerne halten; es sei boch hart, btefe armen Kinber her auSgehen zu lassen.

Hier ist guten Menschen eine Gelegenheit gegeben, mit einer geringen Summe armen Jhnbcrn eine Freube für baß ganze Jahr zu machen unb segensreich auf bie jungen Gemüther zu wirken. Wer diese Gelegenheit benützen w ll, möge uns gütigst mittheilen, wie viele Exemplare bes Kalenbers wir auf feine Kosten an «anz arme Echulkinber vertheilen lass n dürfen

Möge unser Appell an bie Hochherzigkeit Jener, welche im Stanbc finb, mit- iU m c an btr Machen Hebung unserer armen Mitmenschen, unb besonberS ber in Noth unb Ebnb aufwachsenben Kinber, nicht vergeblich fein.

, Zuschriften unb Beiträge nimmt entgegen die Geschäftsstelle bes Berliner Thierfchutz-Verein«: H. Betinger, Berlin SW., Königgrätzerstr. 108.

Der Vorstand des Berliner Thierschutz-Vereins

(zur Bekämpfung ber Maffenthierquälereien im Deutschen Reich) Professor »er«er «chuch, I. Vorfitzenber.

RegierungSrath Dr. «chanze, II. Vorfitzender. H Stringer, Telegraphen- Jnspector a. D., Geschäftsleiter Herman« Stenz, VersicherungSbeamter,

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