Ausgabe 
18.12.1895 Erstes Blatt
 
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Pasfiren, davon geben nachfolgende Beispiele einen klaren Beweis. Der Butlerhändler Andrea- Lind von Greben» dain war vorgestern (rote gewöhnlich jede Woche) auf seiner Batter-Einkauss-Tour in Lanzenhain, Herbstein u. s. w. Lind war mit seinem Gefährt auf der KreiSftraße Ilbes­hausenGrebenhain vollständig im Schnee versunken. Glück- l verweise war seine Frau bei ihm und hatten beide andert­halb Stunden vollständig zu thun, bis sie sich und ihr Pferd au- dem Schnee herau-gearbeitet hatten. Der Wagen mit Eiern und Butter mußte im Stiche, bezw. im Schnee ge- laffen werden. Nur mit großer Mühe gelang es erst am nächsten Tage und unter Zuhilfe mehrerer Arbeiter, die Butter und Eier aus dem Schnee herauSzugraben. An ein HerauSschoffen des WageoS war jedoch nicht zu denken, so daß derselbe heute noch festsitzt. Der Geschäftsreisende A dami vom Hause Pfeifer u. Dtller in Horchheim b. WorwS wollte gestern Abend von Ilbeshausen die Tour nach Greben« Hain mittelst einspännigem ChaiSchen zurücklegen. Um daS Ziel jedoch zu erreichen, mußten ihm noch unterwegs drei Bferde zur Vorspann, sowie noch verschiedene Mannschaften, mit allerlei HaudwerkSzeugen versehen, zum Fortkommen be« htlflich sein. Daß die durch den heftigen Schneefall der letzten Tage hervorgerufenen Verkehrsstörungen ganz bedeutende find, geht auS nachfolgendem, von geschätzter Seite U'iS zugegangenen Schreiben hervor: In der Nacht vom 12. auf den 13. er. trat starker Schneefall ein, der dem hohen Vogelsberg mit einem Male ein winterliches Gepräge verliehen hat. Der Schnee liegt V/2 Fuß hoch, wo ihn der Wind nicht zusammengeweht hat. An diesen Stellen liegt er selbst auf derStaatSstraße von Freiensteinau nach^Grebenhain so dick, daß sogar Schlitten auf das Feld ausbtegen müssen. Wagen mußten gestern Abend theilS umkehren, theils aus- spaunen und die Gefährte im Stich lasten, theils sind sie nur mit starkem Vorspann vorwärts gekommen. So hat die

kleine, zweisitzige Poft von Freiensteinau nach Grebenhain gestern Abend drei Pferde gehabt und mußte doch 1/a Stunde vor Grebenham in Nteder«MooS bleiben, um erst heute Morgen weiter zu fahren. Ein mit 82 Gentner beladener ©rannt» wetnwagen aus Lauterbach hatte sieben Pferde. Die Post von Freiensteinau nach Steinau hat den Anschluß an den Zug ver­fehlt. Die Post von Hintersteinau nach Neustadt ist nur bis Werzell gekommen. Heute bietet die Chaussee ein buntes Bild. Fast eingeschneite Wagen, ein Faß, ein Schließkorb find abgeladen worden, um die Fracht leichter zu machen und liegen auf der Chaussee.

nn. Darmstadt, 16. December. Vor der hiesigen Straf­kammer gelangte gestern ein Act grenzenloser Rohheit zur Verhandlung. Es ist nichts Seltenes, daß Brüder sich gegenseitig feind find, daß aber ein Bruder dem anderen mit einem stehenden Messer drei Sticke beibringt, wovon zwei die Lunge durchbohrten und so den Gestochenen an den Rand des Grabes brachten und deren Folgen sich noch heute bemerkbar machen, das dürfte doch in unserer jetzigen Zett zu den Selten­heiten gehören. Die beiden Brüder Peter und Philipp Zeh­fuß aus Groß-Hausen bei Bensheim lebten wegen eines an­geblichen Darlehens von 400 Mk., das der Letztere dem Ersteren gemacht und nicht zurückerhalten hoben will, in Streit und Feindschaft. Gelegentlich der Ernte dieses Jahres ließ Philipp Zehfuß, der mit seinem Bruder unter einem Dache wohnt, angeblich da- Schenerthor offen und wurde von dem Peter Z. hierüber zur Rede gestellt und geschimpft. Jetzt kehrte wieder der alte Groll wegen des Darlehens in dem Philipp Z. zurück. Er warf feinem Bruder Unvorsichtig­keit vor. ES kam hierbei zu Thärlichkeiten, in deren Ver­lauf der Philipp Z. mit feinem Taschenmesser dem Bruder Peter drei Stiche in die Brust beibrachte. Der Ge­stochene eilte dem Thater noch auf die Straße nach, brach aber infolge Blutverlustes hier zusammen. Als der Philipp

Zebfuß sah, was er angestellt hatte, klagte er fick selbst beim Bürgermeister an und bat, derselbe möge den Förster rufen, daß er ihn (den Phil. Zehfuß) todtschieße. Heute versucht er die Sache möglichst von sich abzuwälzen und iuckt die That als Nothroehr htnzustellen. Staatsanwalt Hofmann schildert in trefflichen Worten die rohe That und beantragte, den Angeklagten wegen der schweren Körperverletzung, die er seinem Bruder zugefügt hat, in eine Gesängnißstrafc »on 1 Jahr und 6 Monaten Gefängniß zu verurtheiien. D--r Dertheidiger, Rechtsanwalt Schödler, beantragte Freisprrck. vg seines Clienten, da derselbe zur Zeit der That fick in einem nicht zurechnungsfähigen Zustande befunden habe. Das Gericht setzte die Verkündigung des Urtheils auf nächsten Donnerstag fest.

verkehr, Lanv. nnö volk-wirthschaf!

Gietzm, 17. December. Marktbericht. Aut dem heutigen Wockenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0.90-0,95, Hühnneier pr. St. 7-8 2 ©t. 00 4, Enteneier pr. St 00 H, Gänse-

eter pr.St 0000H, Käse pr. ©t. 4-8 ,A, Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter 18 Linsen pr. Liter 28 H, Tauben pr. Paar X 0,70 bis 0,80, Hühner pr. Stück 1,00 bis 1,20, Hahnen pr. S-ück X 0,751,00, Enten pr. Stück X 1,602,10, Gänse pr. Piund X 0 44-0 54, Ochsenfleisch pr. Pfd. 72-76 H, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 66-68 3», Schweinefleisch pr. Pfd. 56 bis 68 H, Sckweine- fleifch, gesalzen, pr. Pfd. 72 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 60-64 H Hammelfleisch pr. Pfd. 60-70 Kartoffeln pr. 100 Kilo 4.60 bis 0,00 X, Weißkraut pr. Stück 8-16 H, Zwiebeln pr. Gentner X 3,004,00, Milck pr, Liter 16-20 H

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Mittwoch den 29 Ian. 1896,

Nachmittag« 2 Ubr,

soll auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Martin Lämmer in Gießen an nachstehender Hofraithe gehörige ideelle Hälfte:

Flur I Nr 4*/io 231 qm in der Neustadt

öffentlich meistbietend versteigert werden

Gießen, den 17. December 1895.

Großh. Ortsgericht Gießen- ___________I. A-: Bogt. 10500

Bekanntmachung.

Mittwoch, 18. d. M., von Vormittags 9 Uhr ab und folgende Tage werden im Hofe des Bürger- metstereigebäudes, Gartenftraße 2, Christbäumcheu zum Preise von 10, 20, 30, 40 und 50 Psg. pro Stück, so lange der Vorrath reicht, ausgegeben. iWtz WM

Gießen, den 16. December 1895. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. __________Gnauth._____10503

BetanrMMchung.

Wir bringen hierdurch zur öffent­lichen Kenntniß, daß die erledigte Stelle des Oetroiiuspeetors der Stadl Gießen auf Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 28. v. Mts. dem Steuerausseher und Finanzaspirantcn 1. Kategorie Ludwig Maser zu Friedberg übertragen und daß der Gedachte heute in seinen Dienst eingesührt worden ist.

Gießen, den 16. December 1895.

Großh. Bürgermeisterei Gießen. _________Gnauth._____10502

Versteigerung.

Moutag de« 28. December, Nachmittags 2 Uhr, versteigere im Pfandlocal, Seltersweg 11, gegen Baarzahlung:

1 Theke, 1 Secretär, 2 EiSschränke, 1 Decimalwaoge, SophaS, Kleider­schränke. Commode, Regulateure, ein großer Spiegel mit Goldrahme und ö Bilder (Aquarell).

Gießen, den 17. December 1895. 10477 Mulch, Vollziehungsbeamter. Jagd und Fischerei-

Verpachtung.

Freitag d 10. Januar 1896, Nachmittags 21/2 Uhr, werden im Deutschen Haus" zu Alsfeld die Jagden in den alleinfiscalischen und gemeinschaftlichen Waldungen der Oberförstereien Maulbach und Wahlen, sowie die Fischerei in der Joßgleenbach in der Oberförsterei Wahlen auf weitere 12 Jahre öffent­lich verpachtet.

Bewerber, deren Qualification nicht notorisch vorliegt, wollen sich hierüber innerhalb 14 Tagen bei dem Unter­zeichneten genügend ausweisen.

Maulbach, den 14. December 1895. I.

Großherzogl. Oberförsterei Maulbach. Ruths. 10483

Gr.ObttheWt Eisenbahnen

Wir bringen hiermit zur Kenntn ß des Publikums, daß zur Erleichterung des diesjährigen WeihnachtS - Verkehrs die Güliigkeitsdauer der am 23. d. M und den folgenden Tagen geUften gewöhn­lichen Rückfahrkarten von sonst kürzerer Geltungsdauer bis zum 2. Januar k- I. einschließlich verlängert wird- Die Rück­fahrt muß zur Wahrung der Frist am 2. Januar k. I angetreten sein.

Diese Maßnahme ist sowohl auf den Binnenverkehr als auch auf den bireden Verkehr mit Stationen der Oberhessischen Bahnen ausgedehnt worden.

Gießen, den 13. December 1895.

10478_________________Gr Direktion-

ML SchlllchtzMS.

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