Ausgabe 
17.11.1895 Drittes Blatt
 
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Agra«, 14. November. Die nicht nach Agra« ge­hörigen relegtrteu Studenten wurden gestern zur Polizei gerufen, dort mit Zwangspässen versehen und auf­gefordert, binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen, mit der Weisung, sich in ihre Heimath zu begeben und sich dort bet den Behörden zu melden. Jedenfalls dürfen sie für eine unbestimmte Zeit nicht nach Agram.

Pari«. 14. November. In der heutigen Rammet» fitzung verlas der Justtzrninister den Gesetzentwurf, der einem Deputaten die gleichzeitige Stellung als Director eines FinanziostitutS untersagt. Diejenigen Deputirten, die hierdurch betroffen werden, sollen acht Tage nach Annahme dieses Gesetzentwurfs ihre Entscheidung treffen, also entweder daö Mandat als Deputirter oder ihre Directorenstellen aufgeben.

Pari», 14. November. Obschon die Lage der Börse sich bedeutend gebessert und die Course wieder normal werden, greift die gesummte unabhängige Presse die hohe Finanzwelt in heftigen Artikeln an. Paul Cassaignac und Drumont verlangen, daß man nicht mehr eine Intervention Rothschilds zulaflen solle, um die Börse vor dem Rrach zu retten, son­dern daß die Polizei intervenire, um solchen Börsen- Manöver», die nicht- weniger als gesetzlich seien, ein Ende zu machen.

Toulon, 14. November. Drei Panzerschiffe deS activen MittelmeergeschwaderS geriethen in letzter Nacht, als sie auf der Rhede von Saltnes ankern wollten, auf Grund und f djeiterten infolge dessen. Zwei fitzen noch fest, während eins bereits wieder flott gemacht werden konnte.

Mailand. 14. November. Die ZeitungPerseveranza" meldet, das Ministerium fei fest entschlossen, in der orien­talischen Politik Italien Hand in Hand mit England gchen zu lassen und jeden Versuch von irgend einer Seite, Änderungen in der Türkei herbeizuführen, zurückzuweisen. Die gestern von den Botschaftern in London auS Konstantinopel e ngetroffenen Depeschen bezeichnen die Lage in der Türkei als andauernd sehr verwickelt. Trotzdem scheint man für den Frieden Europa« nichts zu fürchten, da sämmtliche Groß» machte einig find und wahrscheinlich in den türkischen Ge» wässern gemeinsam eine Flottendemonstration veranstalten werden, bet welcher der dienftälteste Admiral den Oberbefehl übernehmen wird.

Der Krieg von 1870,71,

geschildert durch Ausschnitte «u8 Zeitung« - Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.)

17. November.

LeS Errue«, vor Beifort, 16. November. Heute früh machten drei Bataillone mit sechs Geschützen einen Ausfall aus Belfort gegen Bessoncourt. Der Feind wurde mit Verlust von 200 Tobten und Verwundeten und 68 Ge­fangenen zurückgewtefen. v TreSkow.

ES kann kaum etwas Komischere« geben al« die fran» zöfischen Zeitungen seit demSiege bei Orleans". In der einen Spalte rufen sie einander zu: Mäßigen wir unsere Freude, lassen wir un« nicht zu weit hinreißen, bleiben wir besonnen u. s. w., und auf der zweiten Spalte lügen sie über die Größe der französischen Erfolge baß Blaue vom Himmel herab. Als ob solche Münchhaufiaden auch von Mäßigung und Besonnenheit zeugen würden! Am komischsten liest sich das Bedauern, welches dieCorrespondence" in Tour« darüber äußert, daß gerade Bayern waren, die so schwer heimgesucht wurden. ist zu bedauern, daß statt dieser Truppen, die gegen unß kein Gefühl der Feindschaft hegen, wir bei dieser Gelegenheit kein preußischeß Corpß vor unß hatten. Die Tapferkeit, welche die bayerische Armee bewies, macht sie mit Recht zu Brüdern derjenigen Soldaten, von welchen sie besiegt wurden. Aber ist nicht beklagenß- werth, daß Politische Berechnungen, die ihnen fremd find, die Bayern dahin bringen, daß ste gegen unß einen Ver- nichtungßkrieg fortfetzen, der niemalß ihr Wunsch war und von dem fie keinen Vortheil ziehen können?" DieCorre- spondence" empfiehlt hierauf die Loire-Armee und befonderß die jungen Mobilgarden derselben der Bewunderung Europas.

18. November.

General Trochu hält sich ruhig, er scheint den er­warteten Ausfall in der Thal bis zur letzten Ratte verzögern zu wollen, die hoffentlich bald verspeist sein wird, nachdem fo ziemlich alles andere Gethier, selbst die Bären und die übrigen wilden Thiere der zoologischen Gärten dem Appetit der Pariser bereits zum Opfer gefallen find. Weiß er noch nichts vorn Rückzüge TannS?

Versailles, 18. November. Der Königin Augusta in Eobleoz. Der Großherzog von Mecklenburg hat gestern den Feind auf feine ganze Linie bei Drenx zurückgeworfen. General-Adjutant v. TreSkow, der gegenwärtig die 17. Division commanbirt, mit geringem Verlust Dreux genommen. Biele Gefangene gemacht. Verfolgung in ber Richtung nach Le Mans. Wilhelm.

Die Verhandlungen in Versailles zwischen den deutschen Staaten find glücklich beendet- die neuen Verträge werden in den allernächsten Tagen unterzeichnet. Aus Grund der allerdings wesentlich veränderten vorddeutschen BundeS- verfaffung wurde ein BuubeSverhälmiß geschaffen, in welches auch Bayern eingezogen wird.

General AurelleS de Paladine ist mit der eigentlichen Loire-Armee in der Gegend von Orleans stehen geblieben. DaS erfuhr man bei Gelegenheit eines kühnen Reiterstückchens. Unsere Eavallerte wollte fich nicht bei dem Verluste der beiden bayerischen Reservegeschütze beruhigen, die am 10. mit einer vom rechten Wege abgekommenen bayerischen MunitionS- colonne dem Feinde in die Hände gefallen waren. Schnell entschlossen fetzten sich einige Schwadronen in Marsch und jagten der Loire-Armee die beiden genommenen Reserve­kanonen kurz vor Orleans wieder ab. Die Thatsache kann somit zur Beruhigung aller Derjenigen dienen, die in jenem

Begebuiß eine Beschimpfung der deutsche» Waffenehre hatten erblicken wollen.

CocaUs und prwittsicö^,

6ti«berg, 14. November. Alljährlich findet hier vier Wochen nach dem GalluSwarkt der fog.kleine Gall» markt" statt, der io der Regel zu den belebtesten unserer Jahrmärkte zählt. Heute war derselbe jedoch nur spärlich resucht, indem laut kreisamtlicher Bekanntmachung bis auf Weiteres die Abhaltung von Biehmärkten innerhalb deS Kreises Gießen verboten ist, da tn mehreren Gemarkungen die Maul» und Klauenseuche auSgebrochen ist. Auch auf dem Krammarkt, der auf dem Marktplatz inmitten der Stabt abgehalten würbe, waren im Verhältnis zu früheren Jahren nur wenige DerkaufSstände aufgeschlagen. Darmst. Ztg.

Allendorf a. d, Lda., 13. November. Der heutige N i ck e l - m a r k t" hat wieder einmal in vollem Maaße feine Zugkraft erwiesen, obgleich der Viehmarkt wegen Seuchengefahr amtlich verboten »ar. Infolge des im gestrigenGießener Anzeiger" veröffentlichen Ver­botes waren zwar aus dem Kreise Gießen keine Verkäufer und Käufer erschienen, aber auS anderen, besonder« preußischen Orten wollte man noch vielfach mit Vieh zum vermeintlichen Markt ziehen. Auf dem Krämermarkte herrschte ein sehr regeS Treiben und die Verkäufer müffen hier gute Geschäfte gemacht haben, die jedoch nach eventuellem Viehverkauf jedenfalls noch bedeutender ausgefallen waren.

n. Reichelsheim i. d. W., 15. November. Gestern Abend entstand hier Großfeuer, durch welches eine Wagner­werkstatt und eine mit dieser zusammenhängende Scheuer eingeäschert wurden. Den vereinten Kräften der hiesigen und herbeigeeilten Nachbarwehren gelang, ein weitereß fußbreiten deS Feuerß zu verhindern. Die EntstehungS- Ursache ist wahrscheinlich Unvorsichtigkeit und nicht Brand­stiftung.

Freinseen, 11. November. Bei der heute dahier statt- gehabten Wahl eines Kreißtagß-Abgeordneten wurde der seit­herige Abgeordnete, Herr Rechner Ritter zu Laubach, ein­stimmig wiedergewählt. Herr Ritter vertritt den hiesigen Bezirk bereits seit 30 Jahren, zuerst im Bezirkßrath, sodann im Kreistag.

Merlan, 11. November. Auf dem am Sonntag 10. November in der WirthschaftHörle" zu Merlau statt gefundenen Sängertage wurde Burg-Gmünden als nächst- jähriger Festort deS Ohm-Lumdathal-Sängerbunbe« bestimmt.

Lanbach, 14. November. Eine schnelle Justiz erreichte ben auf ber Wanderung begriffenen Gärtnergehilfen B. auß Marburg. Auf einem Rundgange zu hiesigen Gärtnern war derselbe am Dienßtag auch in die Wohnung beß Hof- gaitnerß M. hier gekommen, wo er nach abgehaltener Küchen- Jnspection ein Stück Seife unb einen Regenschirm vergaß stehen zu (affen. Nachdem man das Fehlen der betreffenden Gegenstände am Abend bemerkt, begab sich am Mittwoch Morgen die hiesige Gendarmerie auf Suche und entdeckte den Burschen in der Herberge zu Grünberg. Heute, am Donnerstag, wurde der Betreffende von dem hiesigen Schöffengericht bereit« zu 14 Tagen Gesängniß verurtheilt.

-k- Stockheim, 14. November. Die Campagne in unserer Zuckerfabrik wird voraussichtlich in der ersten December woche ihr Ende erreichen. Diese« hat seinen Grund darin, daß die Rübenproducenten durchschnittlich weniger anbauten, als in früheren Jahren. Da« Jahr 1894 mit feinen großen Massen, aber sehr mäßigen Preisen, hat ernüchternd gewirkt. Wer eine Rübenactie besaß unb einen Morgen Rüben zu bauen hatte, pflegte bei den guten Dividenden gerne zwei und drei Morgen zu bauen und das mußte eine lieber« Production zur Folge haben, ähnlich wie in der Schweine­zucht erging, von welcher auß der Wetterau kürzlich Nähereß berichtet wurde. Unsere Rübenbauern machten dieseß Jahr nicht mehr Rüben hinaus alß fie grabe mußten, wodurch die Ueberprobuction verhinbert wirb. Weiter kommt aber noch dazu, daß der Rohzucker wesentlich bessere Preise hat, alß im Vorjahre, wo man kaum auf die Kosten kam. Soviel sich bis jetzt überblicken läßt, werden unsere Rübenbauern, da die Rüben einen sehr hohen Zuckergehalt besitzen, auf 80 biß 90 Pfg. pro Gentner kommen, wobei fie schon wieder bestehen können.

B. Berstadt, 15. November. Von unserer Zuckerfabrik ist ganz ruhig geworden- die Berfuchßbrunnen, welche ge­graben wurden, sind daher wohl nicht mehr nöthig, und können für einen anderen Zweck Verwendung finden. Die in den Novemberwochen niedergegangene reichliche Feuch­tigkeit hat ausgezeichnet auf Felder und Wiesen gewirkt. Die Herbstsaaten gehen sehr schön auf, und daß Ungeziefer wird kräftig niedergehalten. Der heutige Tag mit feinem Hellen Sonnenschein und seiner milden Witterung ift für die Wetterlage biß zum 12. December von hervorragender Be- leutung, denn man nimmt unter diesen Aussichten an, daß wir vor dem 12. December keinen Frost mit Schnee er­halten werden. Unsere kleinen Landwirthe in der Um­gegend fangen an, die billigen Schweinefleischpreise in ver­nünftiger Weise zum Selbstschlachten ihrer Thiere anzuwenden, wie im Sommer 1893 bei dem Rindvieh auch geschah. Dadurch erzielen die Leute selbst einen besseren drei«, al« wenn sie ihre Thiere an die Metzger abgeben und ihre Mitbürger welche kaufen, erhalten ebenfalls gute« Fleisch -u recht annehmbaren Preisen. Diese« Verfahren kann btn kleinen Landwirthen recht wohl empfohlen werden. Der Heuhandel au« dem Vogelsberge und der Wetterau nach Frankfurt belebt sich feit einiger Zeit wieder, fast jeden Tag sieht man hochbeladene Wagen nach Frankfurt fahren. Da der Schweinebraten billig geworden, kann der Gänse­braten nicht theuer bleiben. Die größeren Geflügelhändler kaufen jetzt Parthieen von Gänsen zusammen, unb zahlen 50 b:ß 52 Pfg. für da« Pfund Schlachtgewicht. Bi« die Braten t» die Städte gelangen, kommt natürlich noch ein

erheblicher Procentsatz dazu, denn der Händler will auch etw«4 verdienen.

Mainz. 13. November. Durch einen Experten wurde gestern feftg stellt, daß an dem zu d'w eingestürzten Haufe gehörigen Brandgiebel neue Sprünge und Riffe evt standen sind, so daß man in aller Balve den Einsturz der Mauer erwartet. E« kann jetzt wohl kaum mehr einem Zweifel unterliegen, daß Fehler in der Keller Gonftruchon de« Hause« den Einsturz herbeigeführt haben. Da« Schienen gewöibe de« untern Keller« konnte die darauf ruhende Last nicht tragen, insbesondere fehlte auch in den Kellern der in den Bauplänen vorgesehene Stützpfeiler, welcher die Schor», steine tragen sollte.

A Mainz, 15. November. Zn den bevorstehendeA Erganzungswahlev für die hiesige Stadtverordneten- Versammlung tst unter den seither in der Stadtverordneten- Versammlung vertretenen Parteien, ausschließlich der Social­demokraten, eine Verständigung erzielt worden, wonach die vier Parteien, das Gentrum, die Demokraten, die Deutsch- freisinnigen unb bie Nationalllberalen gemeinsame Ganbibaten aufstellen. Die Zahl der Ganbibaten, bie jebe einzelne Partei erhalt, richtet sich nach dem seitherigen Stimmenverhältniß in der Stadtverordneten Versammlung. Die nunmehr gegen die vier Parteien allein in den Wahlkampf tretenden Social, bemotraten, die eS abgelehnt haben, fich der Verständigung anzuschließen, erhoffen, trotz der starken Gegnerschaft, Sieger zu werden, wobei sie darauf bauen, daß die starke Zunahme, welche die Wählerschaft erfahren, ihrer Partei zum größte« Th il zu Gute komme. Ob sich diese Hoffnung bewährt, wird dte Zukunft lehren. Anläßlich ber Katastrophe be* am verflossenen SamStag erfolgten HauSeinstnrzeS ist zwischen ber Bürgermeisterei unb dem Kreisamt eine Gon- trooerfe entstanden, über deren Verlauf man gespannt sei» darf. Zur Rechtfertigung der verspäteten RäumungSarbeite» hat nämlich der erste Bürgermeisterei-Beigeordnete Dr. Schmitt in ber Stadtverordneten-Versammlung erklärt, al« er auf der UnglückSftelle angekommen, habe da« Rreiflamt bie er- forderlichen Anordnungen bereit« getroffen gehabt, fo daß für die Bürgermeisterei nicht« mehr zu thpn übrig geblieben fei. In einer an die Stadtverordneten Versammlung gerich­teten Zuschrift erklärt nun das KreiSamt diese Angaben für unrichtig und verwahrt sich entschieden dagegen, der Bürger meistere! bei ihren Anordnungen irgendwie hinderlich im Wege gestanden zu haben. Beigeordneter Dr. Schmitt gab zu Protocoll, in der nächsten Stadtverordneten Sitzung auf diese Erklärung reagiren zu wollen.

R. Ans Rheinhessen, 15. November. 1895er Herbst refultote. En solches Neid- und Freudjahr, wie es da« 1895 er ist, hatten wir seit Menschengedenken nicht. Wr möchten daher den frbl. Lesern be«Gießener« Anzeiger«" einiges darüber mittheilen. Ein Neidjahr ist 1895 für un* Winzer um deswillen, weil mancher Rebberg fast nicht« trug, während andere, wenige Meter davon liegende Wingerte einen halben bi« breiuiertel Herbst befcheerten. Ein Freuojahr ist 1895 au« dem Grunde, weil da« gewachsene Tröpfleiu zu den besten Jahrgängen de« Jahrhundert« gerechnet werden muß. Die TraubenblÜthe verlief ziemlich rasch unb regel - mäßig, wa« bewirkte, daß bie sich btlbcnben Beeren regel­mäßig mit einander vorwärts gingen. Sie wurden gleich­mäßig zeitig und da die Beeren nicht sehr dicht saßen, reifte» sie gleichmäßig durch. Die« ist einer der Hauptgründe dafür, daß der 1895 er edler und schwerer wird, al« der 1893 er. In letzterem Jahrgange stecken die Trauben dicht und fest ineinander, fie konnten daher bei weitem nicht fo durchreifen, wie Im Sommer und Herbste 1895. Die zaffelligen Beeren deS 1895 er« konnten von allen Seiten durch die Sonnen­strahlen destillirt werden. Der 1893 er Kochmonat August litt an übergroßer Nässe, welche für bie sonstigen lanbwtrth- schaftltchen Eulturpflanzen, insbesondere für Kartoffeln unb Futterstoffe von unbezahlbarem Vortheile war, ben Traube» brachte sie weniger Nutzen. Die Monate September und October deS Jahres 1895 waren den Trauben ebenfalls günstiger als diejenigen deS Jahres 1893. Die mäßigen Niederschläge im October diese« Jahre« waren sehr geeignet, die Trauben dünnhäutig und brüchig zu machen, sie zu wasche« und von allem Unrathe zu reinigen, ohne daß die Traube« zerplatzten. Da« Herbsten ging sehr gut von statten, ist aber noch nicht ganz beendigt. Doch hängt nicht mehr viel draußen. Wa« noch am Stocke hängt, ist gesund und gibt einen groß­artigen Wein. Nachdem der Most in die Fässer gebracht war, gab e« eine treffliche Gährung, bie aber noch nicht vorüber ist. Der sogenannteFederweiße" oberRauscher" hat schon Manchem einen heißen Kopf gemacht, denn er geht scharf in'S Blut und tobt in den Adern. Die Preise find sehr occeptabel. Anfangs hielten die Leute etwas hoch, weil der Stoff ein sehr werthvoller ist. Später wichen die Preise etwas zurück. Wir wollen einige Preise hier folgen lassen: In Bingen zahlte man 30 bis 45 Mk. für 30 Liter rauben Most - die tn der Nähe von Bingen liegenden Weinorte Grolsheim, Gensingen und Dromersheim erzielten, da fie keine fo feine Lagen haben, 20 bi« 21 Mk., Büdesheim, welches bessere Producte zeitigt, erhielt 25 bis 30 Mk. Sehr hohe Preise wurden in den berühmten Weinorten Nierstein unb Oppenheim gezahlt, deren Marken tn der ganzen Welt rfannt sind. Die Trauben zeigten dort 95 bis 110 Grad Zucker nach der Oechsle'schen Moftwage bei sehr geringem Säuregehalt, nämlich 6 pro Mille. Man zahlte tn diese« Gemarkungen 60 Mk. für 64 Liter rauhen Most. In der Umgegend von Oppenheim liegen die Weinorte Dienheim, Ludwigshöhe unb Daldeim, welche je nach Lage unb Qualität 25 bis 45 Mark für bie Atche 64 Liter rauhen Most erzielten. Zu Hochheim am Main verkaufte man bte Traube« pfunbmeife; es wurde bis zu 40 Pfg. pro Pfund Auslese gegeben.

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