Ausgabe 
17.10.1895 Erstes Blatt
 
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begleichen wolle. Der Provinzial-AuSschuß wies die Klage ab, da eS sich nicht um Unterstützun., sondern nur um eine vorlagSweise Uebernahme wieder ersetzt werdender Schuld- posten handelt. Die Kosten trägt die Gemeinte Kohden. Der letzte Gegenstand der öffentlichen Verhandlung betraf eine Beschwerde deS Conrad Lotz II. zu Hatn - Gründau wegen Abgabe von Berechtigungsholz. Lotz und seine Schwiegereltern Schultheiß bewohnen gemeinschaftlich eine Hofraithe. Sie wollen jedoch den früher geführten gemein­samen Haushalt ausgegeben haben, und da nun jede Familie aus eigene Rechnung koche, und sonach eigenen Haushalt führe, glaubte Lotz Anspruch auf Berechtigungsholz zu haben, welches nach dem Localstatut Denjenigen verabfolgt werde, welche eigenen Hausstand und eigene Feuerung besitzen. Der KretSauSschuß deS KreiseS Büdingen entschied zu Gunsten des Lotz, doch hat der OrtSvorstand zu Hatn-GrÜndau gegen das betreffende KreiSauSschußerkenntniß Beschwerde an den ProvtnzialauSschuß verfolgt. Die Gemeinde Hain - Gründau war in der Verhandlung durch Rechtsanwalt Hirschhorn, Conrad Lotz durch Rechtsanwalt Grünewald vertreten. D'irch die Zeugenvernehmung wurde festgestellt, daß Lotz mit seiner zahlreichen Familie und seinen Schwiegereltern in einem Häuschen zusammen wohnen, daß die Eitern in einer Kammer schlafen und effen, daß die jungen Leute in de 7 vorderen Stube, woselbst auch Frau Lotz und einige Kinder schlafen, ihr Essen einnehmen, und daß die Speisen, wenn auch für jede Familie besonders, doch auf einer und derselben Feuerstätte zubereitet werden und zwar im Sommer auf dem Herd, welcher nur ein Feuerloch besitze, und im Winter in der Stube im Ofen, der Stube und Kammer zu gleicher Zeit heizt. Der Provinzial-AuSschuß hat hiernach das Erkenntniß deS KreiSausschuffeS zu Büdingen aufgehoben und den Lotz mit seinem Anspruch abgewiesen, da derselbe eine eigne Feuerstätte nicht besitzt. Lotz hat die Kosten der beiden Instanzen zu tragen.

P. Die israelitische ReligionS Gemeinde beabsichtigt, hinter ih er an der Süd-Anlage gelegenen Synagoge ein Ge- meindehauS zu erbauen. DaS Gebäude, hauptsächlich für Schulzwecke bestimmt, kommt mit der Front an die längs der Wiefeck noch auszubauenden Lonystraße zu stehen.

* * Die Recrnten für das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm trafen gestern und heute hier ein.

* * Professor Carl Hansen ans Kopenhagen, der Meister deS HypnoriSmuS, wird am Donnerstag Abend im Caf6 Leib einen seiner hochintereffantcn Vorträge, verbunden mit hyp­notischen Experimenten, halten. (Siehe Inserat.)

P.** Die Hofraithe des verstorbenen Kürschnermeisters August SchutheiS sollte gestern Nachmittag vor dem OrtSgericht meistbietend versteigert werden. Von den Erben hatten sich die beiden Söhne deS Schultheis eingefunden, außerdem waren 8 bis 10 Rcflectamen auf daS am SelterS- weg gelegene Besttzthum anwesend. DaS erste Gebot lautete auf 15,000 Mk., worauf einer der Erben, der aus Amerika zurückgekehrte Ferdinand Schultheis, als zweiter Bieter 20,000 Mk. bot. 20,000 Mk. zum ersten, 20,000 Mk. zum zweiten, 20,000 Mk. zum Wer beschreibt aber die er­staunten Gesichter sämmtlicher Anwesenden, als der Letzt- bietende hierauf noch 2000 Mk. mehr bot. Er erhielt den Zuschlag vorbehaltlich der Genehmigung seiner Geschwister. Selbst die Beamten des OrtSgerichts konnten sich des Lächelns nicht erwehren. ES kommt gewiß selten vor, daß bei einer Versteigerung sich Jemand selber Überbietet.

* * J. Wie wir vernehmen, ging die bislang stille Ge­sellschaft Lahnkalk- und Marmor-Industrie Aug. Gabriel jr. zu Gießen, nachdem die stillen Theilnehmer anS dem Geschäft ausgetreten, in den alleinigen Besitz des Herrn August Gabriel Hierselbst Über und wird daS Werk von demselben bedeutend vergrößert werden. Vorerst ist die Anlage einer Marmorschnetderei und Polireinrichtung geplant, um auS dem Rohmaterial, welches bisher nur zu Kalk gebrannt wurde, Marmorplatten und Werksteine für architectontsche Zwecke im Großen fabriciren zu können. Wie geeignet dieses Roh­material sich hierzu erweist, haben die auf der Gewerbe- Ausstellung zu Alsfeld und auf der Landwirthschaftlichen Ausstellung dahier ausgestellt gewesenen Probestücke genugsam bewiesen.

* * Der Gießener Cigarrendieb und Einbrecher Pütz vor Gericht. Gestern wurde die Vernehmung in der Strafsache gegen Johann Peter Pütz und Genoffen wegen Dieb­stahls Angeklagten vor der Darmstädter Strafkammer zu Ende geführt. Die der Hehlerei Bezichtigten geben zwar zu, Sachen bekommen zu haben, von Dtebstählen wollen sie aber nicht« gewußt Haden. Mit der Frohnhöser band Pütz ein Derhältniß an, der Hock und Brandscheid war der Herr zu fein. Die Zungenfertigkeit der auf der Anklagebank sitzenden Damen läßt nichts zu wünschen übrig. ES wurde zur Vernehmung der Zeugen geschritten. Wegen drs ersten Diebstahls bei A. Ackermann in Gießen, an dem Pütz keinen The l haben will, scheint Zimmermann sehr belastet zu sein. Als dieser einmal von den in Gießen gestohlenen Cigarren verkaufen wollte, kam gerade ein Schutzmann. Dies ver­anlaßte den Zimmermann, sich zu entfernen. Ein Mann, dem Zimmermann Cigarren anbot, sagte ihm inS Gesicht, diese seien gestohlen, ihm vertraue doch Niemand solche an. Der Wirth Jost von Mainz kaufte dem Pütz, der damals unter dem Namen Kreuz G.schäfte machte, Cigarren ab, da­runter sollen sichEl Diploma" befunden haben, welche Sorte in Gießen gestohlen worden war. Bei Jost verkehrte Pütz öfter« mit der Frohnhöser, und zwar wie Braut und Bräutigam. Der zweite Diebstahl bei Ackermann, bei welchem Über 8000 Cigarren fortgeschafft wurden, hing zweifellos mit dem ersten zusammen. Der Bestohlene ist davon über- zeugt, daß mehrere Personen babci tbätig waren. Ein wichtiger Zeuge ist der Kaufmann Ernst Streng tu Mainz. Dieser hatte den Pütz in einer Wirthschast kennen gelernt, ein Cigarrengeschäst auf eigene Rechnung eröffnet und von Pütz Cigarren bezogen. Eine» Tages stand in der Zeitung, daß Cigarren, besondersEl Diploma", gestohlen worden

feien. TagS darauf erschien Pütz in seinem Laden und ent sernte zwei Kistchen dieser Sorte au» dem Erker. Als er mit Pütz Geschäfte machte, habe er nicht daran gedacht, daß die Waare gestohlen sei. Er habe acht bis zehn Mille Cigarren bezogen, davon habe dieser wieder etwa vier Mille geholt. Später habe er Verdacht geschöpft, daß die Cigarren gestohlen feien; da Pütz damals sehr nobel auftrat, habe selbst die Polizei nicht geglaubt, daß Pütz ein Dieb sei. Laut des verlesenen Vertrags hat Pütz als Cigarren­fabrikant Joseph Kreuz von Aachen dem Streng Cigarren in Commission gegeben. Etwa zehn bis zwölf Tage nach Eröffnung des Geschäfts brachte die Katharine Frohnhöser lose Cigarren, die mit einem weißen Tuche zu­gedeckt waren. Pütz erklärt, diese Cigarren habe er in Bingen gestohlen gehabt. Der Zeuge Streng weiß anzu- geben, daßKreuz" sehr nobel auftrat, er spendete einmal einige Flaschen Champagner, auch stürzte er einmal seine Kasse, daß die Goldstücke nur so herumflogen. Auf Vorhalt gab Streng zu, demKreuz" noch etwas schuldig zu sein. Er habe einmal gehört, daßKreuz" wegen Majestätsbe­leidigung sechs Monate Gefängniß abzumachen habe, dies habe er der Polizei mttgetheilt. Auf Vorhalt des Staat»- anwaltS strengte Streng fein Gedächtniß an und theilte mit, daß öfters Cigarren in leere Kistchen umgepackt wurden. Derselbe hatte bei Pütz viele alte Münzen gesehen. Mitte Januar hat ihm der alte Frohnhöser von einigen Dieb­stählen des Pütz Mittheilung gemacht, so in Gießen, Kaisers­lautern und Paderborn. Frohnhöser entgegnete daraus aus­weichend. Streng wurde nicht beeidigt.

+ Lich, 15. October. Heute besuchte ein hiesiger Präparandenschüler einen Kameraden aus seinem Zim­mer, bei welcher Gelegenheit derselbe einen Revolver an­der Tasche zog und aus den Tisch legte. Der andere nahm die Waffe neugierig in die Hand, woraus sich dieselbe sofort entlud, und die Kugel dem EigenthÜmer in den Leib ging. DaS Geschoß konnte hier nicht entfernt werden, und mußte deshalb der Verletzte in die Klinik nach Gießen verbracht werden. Derselbe wird von seinen Lehrern als ein äußerst braver und tüchtiger Schüler bezeichnet, und wird deshalb um« fornehr wegen dieses unglückseligen Zufalls allgemein bedauert.

P. Lich, 16. October. Am 12. dss. MtS. fand zu Wernigerode a. H., wo der junge Sproffe auch das Licht der Welt erblickte, die Taufe deS erstgeborenen Sohnes des Erbprinzen zu SolmS-Lich statt. Der Prinz erhielt den Namen Philipp Hermann Otto. Die Taushandlung fand in der Schloßkirche statt. Die Pathen waren Gräfin Eberhard Stollberg, die beiden Großväter des Kindes, der Fürst zu SolmS-Lich und der Graf Stollberg- Wernigerode, Graf Constantin Stollberg, Prinz Reuß VI. und Gräfin Lynar. Nach der Taufe fand Galatafel von 30 Gedecken im Schlöffe statt.

Kirchgöns bei Butzbach, 14. October. Die hiesige Gegend befindet fich seit einigen Tagen in nicht geringer Auf­regung. In den zwischen den Orten Nieder-Kleen, Ober- Kleen und KirchgönS gelegenen Waldungen treibt fich ein steckbrieflich verfolgter seitheriger ZuchthauSinsaffe herum. Während sich dieser Mensch am Tage ziemlich versteckt hält, läßt er fich zur Nachtzeit hie und da blicken. Derselbe steht auch im Verdacht, den vorige Woche im Schulhause zu Ober-Kleen verübten Einbruch begangen zu haben. Seitens der Gendarmerie aus Butzbach und dem preußischen Groß- Rechtenbach sind die in Betracht kommenden Wälder schon zu wiederholten Malen durchsucht worden, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Im Jntereffe der öffentlichen Sicherheit wäre es zu wünschen, wenn man des gesuchten Menschen bald habhaft werden könnte, damit unsere Gegend aus ihrer begreiflichen Aufregung herauskomme. Darmft. T. Anz.

Ruppertenrod, 15. October. Sicherem Vernehmen zufolge soll mit dem 1. Januar k. I. eine umfaffende Aenderung des hiesigen Postwesens vorgenommen werden,- daS seit mehr als dreißig Jahren bestehende Post- Verwaltungsamt soll in eine Postagentur umgewandelt werden. Wer die prächtige Lage unseres Orte-, seinen verhältntß- mäßig sehr starken Verkehr und seine Bedeutung als Ausgangs­station der Reisenden (Kaufleute) in den Vogelsberg kennt, der weiß auch, daß Ruppertenrod ein Centralpunkt des ganzen Vogelsbergs genannt werden muß. Wie man hört, soll in durch genannte Veränderung erzielten Ersparniffen die Veranlaffung zu der Umwandlung liegen. ES wäre aber sehr zu bedauern, wenn um deswillen in einem Hauptpunkt des Vogelsbergs wie Ruppertenrod ein Verkehrsrückschritt, als solcher muß doch wohl die Umwandlung einer Post­verwaltung in eine Postagentur angesehen werden, herbei- geführt würde.

Maulbach, 15. October. Am vorgestrigen Sonntag wurde tn unserer Kirche die neuerbaute Orgel feierlich einge weiht. Bei dem Festgottesdienft durch den OrtS- geistlichen wurde die neue Orgel der Festgemeinde zum ersten Mal zu Gehör gebracht und befriedigte allgemein. Die Orgel ist ein einfaches, aber vorzüglich gebautes Werk der rühmlichst bekannten Orgelbaufirma Gebr. Bernhardt in Gambach.

§ Vomghoheren Vogelsberg, 14. October. Die Korn- saat ist hier beendet und wird mit dem Säen des Weizen» begonnen, ebenso mit dem Dreschen deS Ge­treide». Man sieht selbst in den kleineren Orten oft zwei bis drei Dampf - Dreschmaschinen in Thätigkeit. Im Ganzen wird jedoch die Dampf - Dreschmaschine dies Jahr etwas weniger benutzt, indem die Frucht dürr und sehr gut nach HauS gebracht worden ist und da» Drehen der Hand- Maschinen und da» Göpeln spielend leicht geht, während voriges Jahr jeder Landwirth seine Frucht zur Dampf- Dreschmaschine bringen mußte, da dieselbe naß und ver- wachsen war. Die Witterung ist gegenwärtig sehr günstig und geeignet, da» Wachsen des KornS zu fördern, denn da» zuletzt gesäte Korn konnte infolge der unlängst herrschenden Trockenheit nicht keimen und sich entwickeln.

Landwirthschastliche Winke und Kathschlage.

A V«s Cbrrbeffen, im Cctober.

Der .Gießener Anzeiger* brachte tn Nr. 191, erste» Blatt, eine Mtitdetlung, nach welcher auch die diesjährige Getreideernte leider wieder ctntm vollständigen Verregnen auSgeietzl gew-sen. Ueber daS lange Draußensitzentasten deS Halmgctreide» wa» in Ltaikerrburg, Rhein besten und anderen Gegenden ganz un­bekannt ist hat derGießener Anzeiger"4 fich schon vor fünf oder mehr Jahren geäußert; e» hat aber "nichts geholfen und wird auch nicht» helfen. Unsere biederen Oderhesten find daran gewöhnt, ihre Früchte im Felde zu lasten, man redet fich ein: DaS Getreide muß erst sechs Wochen draußen sitzen und aufc ziehen, sonst taugt «S nichts und an dieser Ansicht hält man fest, obgleich der Beweis vorn Gegentheil längst dadurch erbracht ist, daß bei weitern die meisten übrigen Gegenden, welche Halmzetreide bauat, gar nichts vom Sitzenlasten wissen und mitunter doch viel bessere Fruchlsorten erzeugen, alS wir in Oderhesten. DaS «ufi.tzen in Hausen und Pupp.n ist aller Wahrscheinlichkeit nach dadurch ent­standen, daß man vor hundert und mehr Jahren in Oderhesten u» genügende Scheuerräume hatte, welche die erzeugten Halmfrüchte nicht alle fassen konnten. Man fuhr daher nur so viel ein, alS die Scheuern faffen konnten und drosch die eingefahrenen Vorräihe während der Regentage au». Hierdurch gab eS Platz für die noch draußen befindlichen Vorräthe, die bann später eingelhan wurden.

Einen Vortheil hat daS Draußensitzenlaffen immerhin, nämlich eS schwitzt und brennt nicht, wie eS der Fall ist, wenn die Früchte sogleich nach dem Binden aufgeladen und in der Scheuer adgesetzl und eingebracht würden. DaS Schwitzen und Brennen geschieht besonders bann, wenn die Getreibehalmen noch etwas feucht, alfo nicht ordentlich auSgetrocknet sinb. Der Vortheil wirb mitunter sehr empfinblich baburch beeinträchtigt, baß bie Körner burch da» lange Draußenlasten ihre Helle, klare Farbe verlieren ober aus ben Puppen sogar vollstänbig keimen. Der Fardenverlust brückt bie Qualität schon sehr bebenklich, baS Auswachsen unb Keimm der Körner macht die Früchte, besonber» bie Gerste, unverkäusiich.

Rian kommt herum immer wieber daraus zurück- Bauer, nimm deinen Wagen mit auf den Fruchtacker, labe bie gebundenen Garben sogleich auf unb bringe sie unter Dach, baS ist vortheilhaster alS baS lange Sitzmlasten. Letztere» ist auch bei bem Stürzen ber Stoppeln äußerst lästig, bcnn ber Pflug muß um bie Stoppeln herumzackern; es bleiben Str.ckm ganz un» gepflügt liegen, man muß später wieber auf bie Aecker fahren, um bie liegengebliebenen Reste zu zackern, unb endlich muß man die Garben zweimal in bie Hände nehmen, einmal beim Puppensetzm unb bann beim Wagenlaben, waS alles wegfällt, wenn ba» Verladen unb Heimfahren sogleich nach bem Garbendinben erfolgt.

Das Trocknen ber geschnittenen Früchte ist bei anhaltenbew Regenwetter bei weitem nicht so schwierig, als in unserer Provinz angenommen wirb. Wie es zu geschehen hat, würbe in biefer Zeitung genau beschrieben: Man binbct bie Frucht in kleine Bündel unb stellt Letztere, bie Köpfe nach unten, in Reihm. ES gibt tn Deutschlanb Gegenben (z B. bei Heibelberg, in Oberbayern u. a. O ), wo eS im Sommer fast täglich regnet, man bringt bie Halmfrüchte und bas Dörrfutter aber boch mdb Hause. Letzteres wirb auf sog. Harfen ober Kleereitern getrocknet, ein Verfahren, welche» ebenfalls an dieser Stelle schon geschildert worben ist.

Es bleibt nun noch Einiges übet ben Vorschlag zu sagen. Man solle die Aussaat um 4 bis 6 Wochen später beginnen, al» e» seither geschehen ist; die Ernte würbe bann, anstatt in ber Mitte beS Monats Juli, am Enbe bes Monats August zu beginnen beben, zu welcher Zeit auf bestänbiges, trockenes Wetter zu rechnen sei.

Daß letztere Annahme nicht zutrifft, beweist ba» Jahr 1894 sehr beutlich, benn wir hatten in ber Nacht vorn 2. zum 3. Sep­tember o. I. ein Gewitter, welchem Regenwetter bi» zum 12 September nachfolgte. Hätte nun Ende August die Getreideernte begonnen, so wäre sie mit ber Grummet- unb Obsternte zusammengefallen. Kein Bauer wäre im Stande gewesen, diese Arbeiten zu bewältigm. Kar­toffel-, Dickwurz- unb Zuckerrübenernte wär« dazu gekommen; die Herbstsaatbestellung wäre einfach ausgefallen.

Angenommen, letztere sei nun boch noch zu erzwingm, so steht eine hundertjährige Erfahrung für bie Wahrheit ein Eine frühe Wintersaat ist einer späten stets vorzuziehen. Die Ge- treibepflänzchen bestocken sich noch vor bem Winter bester unb ver mögen ben Unbilbrn bes Frostes besser zu wiberstehen. Man spart baburch auch an Saatfruch'. Allzufrüh soll man, besonberS auf warmen, kräftigen Lagen, nicht säen, weil bie Pflänzchen zu mastig unb weichlich werben unb sich überwachsen.

Dies bezieht fich auf daS Wintergetretde. Die Sommer- faal gedeiht aber auch am besten, je früher sie oorgenommen wird, nur solche Pflanzen sinb hiervon auszunehmen, welche burch Nacht­fröste im Frühjahre leiben wärbm. Während warme, kräftige Aecker im Herbste zuletzt bestellt werben, besät man sie im Frühjahre zuerst. Daher säen bie Bauern im Ried, wo eine Braugerste prima Qualität gezogen wirb, biese Gerste schon im Februar, wenn der Boden kaum eisfrei geworben ist. Würbe sie später, etwa anfangs Mai gesät, so käme sie gar nicht zum Schoflen unb wenn boch, später in der heißen, trockenen Zeit nicht zum Blühen.

Beim Hafer würben ähnliche Erscheinungm auftreten, unser warmes, trockenes Klima leibet solche Spästaaten nicht, flnbet» liegen die Dinge in Gebtrgsg genden: im Bogelsberge und im Oben« roalbe. Dort ist bie Luft, ber vielen Laubwaldungen wegen, feuchter unb ozonreicher, blt Sommerfrüchte gebeiben also auch Im Spät­jahre bester, schossen unb blühen leichter, alS in ber heißen, trockenen Ebene. Will Jemand einen Versuch mit Spätsaaten auf kleiner Fläche machen, so kann das nicht schaben. Probirt geht über ftubirt. Vielleicht gelingt ber Versuch bei ben seit einigen Jahren herrschende» excessiven Witterungserscheinungen vielleicht auch nichts Viel versprechen wir uns nicht bavon.

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen.

41. Woche. Vom 6. October bis 12. October 1896 Einwohnerzahl: angenommen zu 22 400 (incl. 1600 Marrn Militä ). Sterblichkeit»,iffer: 13,92, nach Abzug von 3 OrtSfrembm 6,96»/*.

Kinder

Anm. Die tn Klammern gesetzten Ziffern gebe» an, wie Dieb t«' Todesfälle tn der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

E» starben an:

Zusammen:

Erwachsene:

tm

vom

1. Lebensjahr:

2.-16. Iah':

Altersschwäche

1 (1)

1 (1)

Herzletben

1 (1)

1 (1)

Diphtherttis

1 (1)

1 (0

Krämpfen

1

1

Atrophie

1

1

Unbekannte Krankh. 1

1

Summa: 6 (3)

2 (2)

3

1 (1)

TLirchttche Anzeigen -erevang.Genielnde.

Donnerstag ben 17. October, Abend» 8 Uhr, im Turnsaal der Stadtknabenschule: Vii»elst«nde. Pfarrer Schlosser. (Brief de» Jacobu». Eap. 1, Ver» 19).

Man frage seinen Arzt Myrrholtn S^tie"^ btster al» die gewöhnliche Tolletteseifen zur OMunbbett»» und Schön- heitSpflege der Haut ist!" Die Patnit-Mrrrholin Seife ist in alle» guten Parfümerie unb Droguen-Gefchäften, sowie in bm Apotheken x. » 60 Psg. erhältlich unb muß jede» Stück bie Patent-Nummer 63 592 tragen. 6238