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Samstag den 17. August____
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Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das 2. Bataillon des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 auf der Schafweide bei Wißmar Mittwoch den 21. l. Mts., Nachmittags, eine Schießübung mit scharfen Patronen abhält.
Die Schutzlinie läuft vom Bogen _ der Lahn her in nordwestlicher Richtung gegen den Krofdorfer Forst und wird daher vor Betreten des gefährdeten Feldes und Waldes und der durch dieselben führenden Wege innerhalb 4000 Meter nordwestlich der Schafweide, fowie der von Wißmar nach Crumbach, Kirchvers und Salzböden direct führenden Waldwege und vor Passiven der Straße Wißmar—Ruttershaufen von Nachmittags 4 Uhr ab gewarnt.
Gietzen, den 15. August 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gietzen.
I. V.: Dr. Melior.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 15. August. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sind gestern Abend von einem Ausfluge nach Metz, den Ällerhöchstdieselben zur Besichtigung der Schlachtfelder, der FortS auf der Ostsette und des hessischen LandeSdenkmals incognito unternommen hatten, nach Jagdschloß Wolfsgarten zurückgekehrt. Im Gefolge der Allerhöchsten Herrschaften hatte sich General- adjutant Generallieutenant Wernher befunden. — Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben befohlen, daß zur Erinnerung an die Thätigkeit der Großherzogltch Hessischen Truppentheile im Jahre 1870/71, insbesondere in der Schlacht von Gravelotte, eine Feier deS 18. August durch eine Parade zu Fuß der gesummten hiesigen Garnison stattzufinden hat. Dieselbe wird Sonntag Vormittags 7 Uhr auf dem Paradeplatz abgehalten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden Allerhöchstselbst die Parade abnehmen.
Berlin, 15. August. Kaiser Wilhelm ist von seinem sommerlichen Ausfluge nach England wieder im Neuen Palais bet Potsdam eingetroffen, woselbst er bis zum Beginne seiner Manöverreisen voraussichtlich residtren wird. Der jüngste Besuch des erlauchten Monarchen in England war gleich seiner vorangegangenen schwedischen Reise im Allgemeinen der Erholung gewidmet, wenigstens sind hierbei bestimmte politische Zwecke ganz sicher nicht verfolgt worden. Bedauerlicher Weise gab der diesmalige Aufenthalt des kaiser
lichen Herrn aus englischem Bo^en groben Londoner Blättern Anlaß, sich anmaßend, ja unziemlich über Deutschland und den Kaiser selbst zu äugeru, welche Unverschämtheiten indeffen fast von der gelammten deutschen Preffe kräftig zurückgewiesen worden find. Inzwischen hat man auch von Berliner osficiöser Seite aus ganz gehörig den betreffenden Londoner Zeitungen den Text gelesen und ihr anmaßendes Auftreten in die gebührenden Schranken zurückgewiesen, wie dies durch den bekannten Abwehr-Artikel in der „Nordd. Allg. Ztg." geschehen ist. Eine Rückwirkung auf das ausgezeichnete osficielle Verhältniß zwilchen Deutschland und England wird aber diese Preßfehde ketnenfallS hervorbrtngen.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Fulda, 15. August. Zu der am 21. d. M. beginnenden Bischofs'Conferenz find angemeldet: Der Cardinal- Erzbischos von Köln, der den Vorsitz sührt, der Feldprobst Aßmann, die Bischöfe von Ermeland, Hildesheim, Culm, Limburg, Mainz, Münster, Paderborn und Trier. Die Erzbischöfe von Posen und Freiburg, der Fürstbischof von BreSlau und der Bischof von Osnabrück lassen fich vertreten. Die Conferenz dauert zwei Tage. Die Tagesordnung wird streng geheim gehalten.
Metz, 15. August. Heute fand auf den westlichen Schlachtfeldern, von St. Privat, Gravelotte, Vionville und MarS la Tour die Schmückung der Gräber durch sämmtliche deutschen Vereine aus Metz statt. Morgen früh macht die gesammte Metzer Garnison bei Vionville eine große Gefechtsübung, nach derselben findet vor dem Commandeur des 16. Armeecorps, General Grasen Haeseler, Parade statt.
Peurith, 15. August. Der Kaiser ist heute Nachmittag in Begleitung des Earl cf Lonsdale mittelst Sonderzuges nach Leith abgereist, woselbst fich der Kaiser an Bord der „Hohenzollern" begibt, um mit derselben die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Vor der Abreise beschenkte der Kaiser den Constabler von Westmoreland und Cumberland mit einer goldenen Uhr und Kette und drückte demselben seine Befriedigung aus über die gute Aufrechterhaltung der Ordnung während der Zeit des Besuches.
Washington, 14. August. Der amerikanische Consul in Tientsin telegraphirte, daß in Tschifu und Tientsin die Cholera ausgebrochen sei.
Depeschen deS Bureau .Herold*.
Berlin, 15. August. Der „Post" wird aus Wilhelms- Hafen telegraphirt, daß dem commandirenden Admiral Knorr der Orden der französischen Ehrenlegion verliehen worden ist.
Berlin, 15. August. Die „Vosfische Zeitung" widmet
der Eroberung von Metz einen Leitartikel, in welchem sie u. A. sagt, sie erkenne daran, daß Metz uns wieder- gegegeben ist, daS gerechte Walten der Vorsehung. Das Blatt erinnert an den Ausspruch Moktkes, daß Metz hunderttausend Mann werth sei. und meint, daß gegen muthwillige Angriffe, welche wir in Zukunft noch von Frankreich erfahren könnten, Metz ein überaus werthvoller Punkt sei.
Raffel, 15. August. Der Kaiser trifft am Montag Abend aus Wtlhelmshöhe ein und verbleibt daselbst eine Woche lang. Die Kaiserin kommt am Sonntag nicht nach Berlin zur Grundsteinlegung deS Kaiser-Wilhelm Denkmals, sondern verbleibt vorläufig in Wilhelmshöhe.
München, 15. August. Im Saale der „Alhambra" veranstaltete gestern die hiesige socialdemokratische Arbeiterpartei eine Gedenkfeier für Friedrich Engels. Die Feier wurde durch ein Sieb deS Arbeiter-Sängerbundes eingeleitet, worauf Herr Administrator Cohn, welcher Engels persönlich kannte, die Festrede hielt, in welcher er die Verdienste deS Verstorbenen hervorhob. An der Feier beteiligten sich etwa 300 Personen.
BreSlan, 15. August. Wie der „Breslauer Generalanzeiger" meldet, wurde gestern Abend Hierselbst aus Ver- anlasiung der Warschauer Polizei ein Nihilist Namens Casprzak verhaftet. Bei der gleichzeitig stattgefundenen Haussuchung wurde eine große Menge Schriftstücke beschag- nahmt. Der Verhaftete ist im Jahre 1887 auS dem Ge- fängnttz zu Posen ausgebrochen, ohne daß es bisher gelungen war, seiner habhaft zu werden.
Opladen, 15. August. Die Leiche des bei dem vorgestrigen Eisenbahnunglück umgekommenen Locomotiv- führerS ist gräßlich verstümmelt unter den Trümmern hervorgezogen worden. Die AufräumungSarbeiten dauern fort. Der Verkehr wird über ein Geleise aufrecht erhalten. Fünf Geleise find zerstört. Gestern war ein großer Theil der Strecke mit allerlei Wagentheilen bedeckt. Ein kurz nach dem Unfall die Strecke passirender Personenzug wurde durch Landleute, welche mit Tüchern schwenkten, gewarnt und konnte rechtzeitig zum Stehen gebracht werden. Die Paffagiere des Zuges mußten zu Fuß den Weg bis Opladen zurücklegen. Beim Eintreten der Katastrophe vorgestern Abend hatte der Elberfelder Personenzug gerade die Unfallstätte verlaffen.
Pari-, 15. August. Die socialtsttschen Blätter greifen die Regierung aufs Heftigste an, indem sie die Be- hauptung aufstellen, der Martnemtnister habe Befehl gegeben, von dem Solde der einfachen Matrosen Abzüge zu machen, um die Bezüge der Offiziere erhöhen zu können, ohne den Etat steigern zu müsien. Die Blätter fordern energisch Auskunft über diese Vorkommnisse.
Belgrad, 15. August. „Male Novine" meldet aus angeblich rusfischer Quelle, daß Rußland schon in der nächsten
Feriilleton.
Mein Mann.
Studie von Scholastika Schnurcks.
(Fortsetzung.)
Es war noch völlig dunkel, aber ich hatte die beiden Spiegelkerzen angezündet, welche das Schlafzimmer genügend erhellten. Das Nebenzimmer war freilich ohne Licht, und als er sich dort ctwas erholen wollte, stieß er sich am Tisch und kehrte scheltend zurück. Ich machte ihn bescheiden darauf aufmerksam, er könnte ja seine Nachtkerze anzünden und mitnehmen. Dies schien ihm cinzuleuchten; er zündete sie an, setzte sie zwischen die beiden anderen Kerzen auf den Waschtisch und ging wieder ohne Licht in das andere Zimmer, wo er sich diesmal nicht stieß, sondern auf den Hund trat. Das arme Thier brach in ein herzzerreißendes Geheul aus. Aber wider Erwarten fand mein Gestrenger jetzt das Gesuchte, und die Zeit bis zum Frühstück verlief ohne weitere merkwürdige Vorfälle. Das Frühstück selbst bleibt sich eigentlich immer gleich, das heißt, seiner Substanz'nach ist es ewig wechselnd. Schenke ich ihm Thee ein, so sagt er: „Du könntest auch mal wieder Caeao kochen!" Thue ich letzteres, so heißt es: „Thee bekommt mir besser!" Habe ich keine frischen Eier im Hause, so möchte er ein Ei zum Thee haben- fehlt es an Arae, so wünscht er diesen- ist alles vorräthig, so verzichtet er auf Alles.
Nach dem Frühstück raucht er eine Cigarre oder auch eine Cigarette. Als ritterlicher Ehemann weiß er die Erlaubniß, daß er in* allen Zimmern rauchen darf, wohl zu würdigen. Jedesmal holt er in dankbarer Rücksichtnahme einen Aschenbecher herbei, mit welchem seine rechte Hand graciös spielt, während die linke im Eifer des Gesprächs die Asche an einer Stuhllehne abstreift und auf den Teppich streut. Ueberhaupt,
was so ein Dichter im Eifer des Gesprächs leistet, darüber ließen sich faustdicke Bücher schreiben. Und was das Schlimmste ist, es ist so furchtbar gewagt, ihn dabei zu unterbrechen oder auf irgend etwas Nöthiges aufmerksam zu machen. Jedesmal geht uns der Ofen aus, wenn mein Mann in's Plaudern gerät, weil ich nicht aufstehen darf, darnach zu sehen oder dem Mädchen zu klingeln. Aber das ist noch das Wenigste. Ich muß zum Beispiel auch geduldig zusehen, wie er m t der Cigarre ein Loch in meine schönste Tischdecke brennt. Mache ich ihn schüchtern darauf aufmerksam, so braust er entweder auf oder er wird noch gar zärtlich, was einen noch mehr ärgert, und sagt: „Aber liebes Kind, wenn wir in Ruhe ein vernünftiges Wort sprechen, so ist das doch viel mehr werth als alle Tischdecken der Welt!" Notabene sprechen wir nie zusammen, denn er läßt nuch überhaupt nicht zu Worte kommen, sondern redet immer allein. Ich glaube, wenn ich einen seiner häuslichen Vorträge mit der Nachricht stören müßte, daß eben in unserem Hause Feuer ausgebrochen wäre, er würde höchstens ärgerlich sagen: „Ach was, hör nur weiter, wir sind ja versichert!"
Eine solche, meist übrigens recht interessante Unterhaltung beschließt gewöhnlich unser Frühstück- dann geht der Mann auf sein Arbeitszimmer und die Frau auf den Markt. Und was hat eine Schriftstellersfrau nicht alles auf dem Marktgang zu besorgen! Da heißt es die Augen offen halten, um überall bam t in's volle Menschenleben einzugreifen und die etwa verwerthbaren Momente daraus zu packen und festzuhalten. Denn der Mann will nicht nur körperliche Nahrung, sondern auch Motive für seine geistige Thätigkeit, und darin kann ihm die verständnißvolle Gattin sehr viel Stoff liefern. Der ist ja die Hauptsache, und es muß nachher eine Kleinigkeit für ihn sein, das Gegebene ein wenig zu ordnen und für die Leserwelt zurechtzustutzen.
Habe ich ihm Alles erzählt, was ich unterwegs gesammelt
habe, so legt er sich in seinen Triumphstuhl, um es rauchend zu verarbeiten, und ich begebe mich in die Küche, um das Mittagessen zu bereiten.
Was das Kochen betrifft, so muß ich gestehen, daß ich in dieser Hinsicht noch mehr Glück als Verstand habe, und bei meinen vorzüglichen Geisteskräften will das wirklich was heißen! Ich hatte mich allerdings auf das Schlimmste gefaßt gemacht und so konnte ich kaum eine arge Enttäuschung erfahren. Aber hier muß ich auch wirklich einmal meinen Mann loben, der es rührend dankbar anerkennt, wenn ich ihm eine Speise nach seinem Geschmack mit Liebe zubereite. Und meistens gelingt mir das, obgleich das Gegentheil auch seine Vorthetle hat. Wenn nämlich ein Gericht mißräth, was doch in den besten Familien vorkommen kann, so machen wir einfach eine Humoreske daraus, deren Erlös hinreicht, Hunderte von Leckerbissen für unsere Tafel zu beschaffen. So denke ich noch mit Entzücken an mein erstes M ßgeschick in der hohen Kochkunst. Es handelte sich um die Verfertigung gewisser kleiner Kuchen, die mir ebenso sehr durch Einfachheit der Zubereitung wie durch Wohlfeilheit irnponirten und mich sehr zu einem Versuch reizten. Dieser mißlang - ich wetteiferte mit meiner Küchenfee durch alle erdenklichen Mittel, dem Teig noch aufzuhelfen und ihn genießbar zu machen. Das Mädchen meinte schließlich, nun würden es Fricandellen- ich kam auf die Idee, doch lieber Waldbeerenpfannkuchen daraus zu machen und mischte die Beeren darunter. Zuletzt boten wir dem Hunde eine Probe davon an- der aber zog den Schwanz ein und verkroch sich unter den Herd. — Als ich meinem Manne nachher den ganzen Vorgang erzählte, amüfirte er sich königlich darüber und schlug vor, wir wollten diese Küchelchen in Zukunft „Freudenküchelchen" nennen, denn noch nie hätte ihm ein Gebäck solche Freude gemacht.
(Schluß folgt.)


