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17.2.1895 Zweites Blatt
 
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Drr chi,hener Anzeiger rrfdjcint täglich, wit Ausnahme beS Montags.

Die Gießener A.mitienvrälter werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.

Zweites Blatt. Sonntag den 17. Februar Uw5

Meßener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

8ierteljät)riger > ^ßonnimentspttUr 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohu.

Durch die Poft be-oga» 2 Mark 50 Pfg.

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Zlints- und 2lnzeigeblntt füp den Ttveis Gieren.

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Gratisbeilage: Hießener Jamitienbtätter.

Alle Annoncen.Bureaux de- In- unb Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtliche* Theil.

Bekanntmachung, da» Ersatzgeschäft pro 1895 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen de» Kreises Gießen für das Jabr 1895 findet an den nach­benannten Tagen statt und zwar:

I. Zu Gicßcn in dem Schulhause in der Schulstraße.

Mittwoch den 6. März, Vormittags von 8 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, und Großen-Buseck;

Donnerstag den 7. März, Vormittag von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1893 und 1894) und der Gemeinde Klein-Linden;

Freitag den 8. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1895) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinden Hattenrod und Heuchelheim- Samstag den 9. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reis­kirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck;

Montag den 11. März, Vormittags von 8 Uhr an:

Loosziehung.

II. Zu Lich im^ Rathhaussaale.

Dienstag den 12. März, Vormittags von 9 Uhr an.

Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Allendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf.Gill, Eber­stadt, Ettingshausen, Garbenteich und Großen-Linden;

Mittwoch den 13. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Grüningen, Hausen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf;

Donnerstag den 14. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenheim, Münster, Rieder-Bessingen, Ronnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Ober-Hörgern Rabertshausen und Rodheim;

Freitag den 15. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg.

Samstag den 16. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung.

in. Zu Grünberg im Gasthaus zum Rappen.

Montag den 18. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Belters­hain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Keffelbach, Lauter und Lindenstruth;

Di-nstag den 19. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen, Stangen­rod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain.

Mittwoch den 20. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung.

Besondere Vestimmnngen.

1) Zur Musterung haben sich, bei Meidung der gesetz­lichen Strafen, zu stellen:

Diejenigen, dem Großherzogthum Heffen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militär­pflichtigen, welche

a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil ihre Heimath oder ihren ständigen Wohn- sitz haben und sich nicht in einem andern Theile des Großherzogthums Heffen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) ange­gebenen Eigenschaften aufhalten;

b) in einer Gemeindetes Kreises Gießen sich als Dienst­boten, Haus« oder Wirthschaftsbeamte, Handlungs­diener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehr­burschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen;

e) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Heffen, noch in einem andern deutschen Staate Domicil be­sitzen oder sich aufhalten;

und im Jahre 1875 geboren sind;

ferner

Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1893 bezw. 1894 zur ückgestellt morden, oder nach ihrer gezogenen Num­mer disponibel geblieben, d. h. nicht ein­berufen worden sind.

Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Be­

rechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist.

2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiteu- oder drittenmale erscheinen, haben ihreLoosungtzscheine mitzubringen.

3) Wenn von einem Militärpflichtigen, oder für eine» solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter Zurück« ffellung in Anspruch genommen wird, so für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforder­lichen Nachweise und Zeugniffe vor dem zur Musterung an­beraumten Termine zu sorgen. Die Zeugniffe muffen amt­lich ausgestellt oder beglaubigt sein.

Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähig­keit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreifende Familrenangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Ersatz-Commission ein­zufinden.

Noch nicht eingereichte ZurückffellungSanfprüche sind bei der Grobherzoglichen Bürgermeisterei vorzubrmgm und die Verhandlungen baldigff unter allen um* ff «in den vor Beginn de» Grsatzgefchäfte» a« die Ersatz-Commission einzuscnden. Verspätete Gesuche haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung.

4) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar sind, z. B. Taubheit, Hart­hörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwäche u. s. w., so ist die» durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugniffe de» Arztcs, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers u. s. w. nachzuweisen. Das Vorhandensein von Epilepffe ist durch die eidliche Erklärung von mindesten» drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten.

5) An der Loosziehung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für Diejenigen, welche bei dem Aufrufe nicht anwesend sind, zieht ein Mitglied der Er­satz-Commission das Loos.

6) Die Großherzoglichen Bürgermeistereie» haben sämmtliche ihrer Gemeinde angehörige« oder in ihrer Gemeinde gestellungspstichtige« Militärpstichtige auf Grund der ihnen bereit» zugeganaenen Stammrollen zu der Musterung vorzuloden. Bemerkt wird hierbei, daß Mili» tärpstichtige, welche sich au-wäri» aufhalte«, zur Musterung nicht geladen werden dürfe«, da solche nur an ihrem Aufenthaltsort ge« stellungSpstichtig find.

Die Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordnete» haben mit den Militärpflichtigen ihrer Gemeinde im Muste-

Feuilleton.

Wochenbriefe ans der Residenz.

(Originalbericht desGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 15. Februar.

Frier von BiSmarcks 80. Geburtstag. Concert zum Beste» der Peufionskafle deutscher Jonrnalisteu und Schriftsteller. Vvm Großh. Hoftheater.

Einen Beschluß, der den freudigsten Beifall in den Herzen aller patriotisch gesinnten Bürger gefunden, har die Stadtverordneten Versammlung in geheimer Sitzung vom 7. d. M. gefaßt. In dieser Sitzung wurde über die Feier des 80. Geburtstages des Fürsten Bismarck, Ehren­bürgers unserer Stadt, berathen. Zu diesem Zwecke be­willigten die Stodtoäter die Summe von 2700 Mk. und bestimmten, daß der Tag festlich begangen, die Hausbesitzer ^ur Schmückung ihrer Häuser aufgefordert werden und die Schulen Festacte veranstalten möchten. Im städtischen Saalbau soll ein allgemeines Fest mit einfachem Essen arrangirt werden. Außerdem wurden zwei hiesige Künstler, Profrffer Hermann Müller und Maler A. Schlegel, beauftragt, zehn Aquarelle anzufertiqen, fünf derselben sollen bemerkenswerthe Punkte unserer Stadt darftellen und die anderen fünf schöne Punkte aus der Umgegend wiedergeben. Diese zehn Bilder werden zugleich mit einer künstlerisch aus­geführten Glückwunsch-Adresse dem greisen Fürsten durch eine Abordnung von drei Stadtverordneten in Friedrichsruh über­geben werden. Auch die nationalliberale Partei unserer Stadt veranstaltet am Sonntag den 31. März Nachmittags im städtischen Saalbau ein glänzendes Fest anläßlich des 80. Geburtstags des Alt-Reichskanzlers- indessen ift~ über deren einzelne Programmnummern noch nichts Näheres bekannt.

Das diesjährige Concert zum Besten der Münchener Penfionskaffe deutscher Journalisten und Schriftsteller fand am vergangenen Montag im städtischen Saalbau statt. Zu demselben war ein geradezu riesiger Apparat von Kunst- kräften aufgeboten worden. Drei unserer bewährtesten musikalischen Corporationen hatten ihre Kräfte in den Dienst der Wohlthätigkeit gestellt: Der Mustkverein unter Leitung des Hoscapellmeisters W. de Haan, der Mozartverein unter Leitung des Musikdirigenten Richard Senfs und der Instrumental Verein unter Leitung des Hofconcertmeisters W. Pelz. Außerdem wirkten als Solisten noch mit Frau Lili WolfSkehl, ein stets willlommener Gast im Concert- saale, Fräulein Marie Egli von unserer Hosbühne, Herr Hofmufiker Albert Diedrith und Herr Hosschauspieler Hugo Edward. Letzterer sprach einen etgenS für den Abend gedichteten, höchst wirlungsvollen Prolog, woran sich die Darbietungen der einzelnen Vereine anschloffen. Von denen des Musikvereins verdienten befcnberS die reizenden Liebeslieder" von I. BrahmS uneingeschränktes Lob.

Der Mozart-Verein entzückte die Hörer u. A. durch den Vortrag zweier stimmungsvoller Compositionen unseres unvergeßlichen Landsmannes Feldinand Büchler:Schlummer­lied" undWaldvögelein". Der Jnstrumentalverein leitete das Concert ein durch die vorzüglich gespielte Ouvertüre zu dem LiederspielHeimkehr aus der Fremde" von Mendels­sohn. Frau WolfSkehl spielte mit Herrn de Haan zwei Stücke von Schumann und die feuerigeTarantella" von Moszkowski mit vollendeter Meisterschast. Auch die übrigen Mitwirkenden boten nur ganz Vorzügliches, sodaß der künst­lerische Erfolg des Concertes febr bedeutend war. Leider stand der pecuniäre nicht völlig mit ihm im Einklang, denn der Besuch der hervorragenden Veranstaltung ließ recht viel zu wünschen übrig. Allerdings kann man sich darüber eben nicht sehr wundern, denn wir leben momentan in einer an künstlerischen Veranstaltungen jeglicher Natur so überreichen

Zeit, daß man sich manchmal sehr nach etwas Ruhe sehnt. Dabei sind die ersten Kreise der Stadt, besonders die Hof- gesellschast, die sonst niemals, besonders wenn auch noch die Kunst in den Dienst der Wohlthätigkeit gk stellt wird, fehlen, durch private Festltchkeiten überaus in Anspruch genommen. Erst im letzten Briefe berichtete ich Ihnen über den glänzend verlaufenen Ball der Darmstädter Schleppjagd-Gesellschaft. Heute könnte ich Ihnen schon wieder über zwei pompöse Veranstaltungen Privater schreiben, die beide von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog besucht waren, wenn mir nicht der Raum dasür mangelte.

Dazu war gerade die abgelaufene Woche wieder eine Festwoche im Großh. Hoftheater. Sie brachte an» vor allem die Premiere von Carl Niemanns Characterlustspiel: Wie die Alten hingen". Das Stück ist mehr oder mmder eine Fortsetzung des Hersch'chen LustspielsDie Anna-Ltese und stellt mit geistvoller Berücksichtigung der Sitten und Zeitumstände die Liebesgeschichte des Erbprinzen Gustav, des Sohnes des Fürsten Leopold von Deffau, und der Tochter des Brauherrn und Viertelsmeifters Christian Herr tn Dessau bar, die Aufführung des Lustspiels war ganz vorzüg­lich, besonders Herr Ober-Regiffeur W e r n e r erntete in der Rolle desAlten Deffauer" rauschende Triumphe. Am Sonntag gastirte der auch in Gießen wohlbekannte Opern- sänger F Rupp, vom Stadttheater in Metz, dahier auf Engagement und fand sowohl alsSylvia" in Leoncavallos Bajazzo" wie alsAlfio" in MascagnisCavalleria" die beifälligste Aufnahme beim Publikum und der Kritik, sodaß fein Engagement sicher sein dürste. Ferner sang am ver­gangenen Dienstag Signorina Prevosti die Titelrolle in Meyerbeers OperDinorah" und erntete für ihre virtuosen Leistungen den langandauernden Beifall des ausverkauften Hauses. Eingehender werde ich Ihnen noch über bie Dar­bietungen der Künstlerin am Schluffe ihres Gastspiels berichten.