Ausgabe 
16.6.1895 Erstes Blatt
 
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Telegramm anzunehmen ist, daß die Aufständischen sich bis zum Mittelpunkt der Insel wagen und daher strenge Maß- nahmen nolhwendtg seien.

Bukarest, 14. Juni. Eine holländische Gesellschaft zur Ausbeutung der rumänischen Petroleumquelle.n bat sich gebildet. Die Einrichtungen derRumänischen Pttroleumgesellschaft" find an dieUngarische Bank" in Budapest verkauf: worden.

Deutscher Tabakverein und Tabaksberufs­genoffenschaft.

Dresden, 12. Juni.

Gestern Nachmittag fand hier die Generalversammlung der Tabaksberufsgenossenschaft unter dem Vorsitze des Herrn F. L. Biermann-Bremen statt. Dieselbe beschäftigte sich zumeist mit internen Fragen, namentlich mit einer Revision des Gefahrentarifs. Von weiterem Jnteresie dürfte nur sein,'daß die Versammlung einen Antrag: die Vertheilung des Risikos im Vorwege auf die Beiträge zu den Unfall- versicherungsentschädigungen der Sectionen von 25 pCt. auf 50 PCt. zu erhöhen, einstimmig ablehnte, dagegen Veran­staltungen guthieß, um eine möglichst einheitliche Behandlung der Entscheidungen der einzelnen Unfallfachen dauernden Characters zu ermöglichen. Heute Vormittag hielt der Deutsche Tabakverein seine Jahreshaudptver- fammlung unter Vorsitz des Herrn Commerzienrathes Collenbusch-Dresden hier ab. Dieselbe war von Ver­tretern aus allen Theilen Deutschlands sehr gut besucht. Den Geschäftsbericht und die Abrechnung pro 1894 erstattete Herr SyndicuS S ch l o ß m ach er-Frankfurt a. M. In demselben hob derselbe besonders hervor, daß der Verein in einer ganz außerordentlichen Fühlung mit dem kaiserlichen Patentamt hinsichtlich der Waarenzetchenfrage gewesen sei. Auf Eiuzelnheiten in dieser Beziehung ging Dr. Landgraf- Stuttgart, der Geschäftsführer des Marken- und Musterschutz­vereins deutscher Tabaksindustriellen, ein. Seine Ausführungen über die Frage der Behandlung der sämmtlichen Tabaks­fabrikate als gleichartige Waaren veranlaßte Herrn W e i g a n g- Bautzen zu dem Anträge:Der Verein möge dem kaiserlichen Patentamt erklären, daß er nunmehr die sämmtlichen Fabrikate der Tabaksindustrie nicht mehr als gleichartige im Sinne des Waarenbezeichnungsgesetzes anzusehen wünscht, so daß also beispielsweise das von einem Fabrikanten für Cigaretten gewählte Zeichen nicht von einem Fabrikanten der Rauch- waarenindustrie nachgebildet werden dürfe." Nach längeren Erörterungen, in welchen Herr Dr. Landgraf die Noth- wendigkeit betonte, an der Hand der Thatsachen einen solchen Standpunkt zu begründen, wurde beschlossen, die Erledigung dieser Frage unter Zuziehung des Herrn Wetgang dem Antragsteller anheimzugeben. Sodann erstattete Herr Commerzienrath C o l l e n b u s ch-Dresden Bericht über die Thätigkeit des Vereins in der Steuerfrage, welche derselbe mit der Bemerkung schloß, daß der Kampf gegen die drohende Steuergefahr vom Deutschen Tabak-Verein mit größter Maßhaltung und Sach­lichkeit geführt, und dabei durch die Wucht der Thatsachen unterstützt worden sei, und daß man nun wohl hoffen dürfe, die mit allen gegen etwa 10 Stimmen erfolgte Ablehnung der Tabakssteuervorlage im Reichstag werde nun endlich für das Tabakgewerbe eine lange Zeit der Ruhe bringen, die demselben den Weg zu frischem Gedeihen im Interesse aller Betheiligten eröffne. Hieran schloß Herr Schöning-Flotow einen eingehenden Bericht über die Thätigkeit des VereinS- anSschuffes, welcher während der Dauer der CommissionS- verhandlungen und des Reichstages in lebhafter Fühlung mit maßgebenden Parlamentariern auS allen Parteien gewesen ist. Der Berichterstatter war der Meinung, daß der Verein alle Ursache habe, dem Reichstage für die dem Tabakgewerbe so günstige Erledigung der Steuerfrage Dank zu wtffen, welcher Anschauung die Versammlung beipflichtete. Auf Vor­schlag des Herrn Fliak-Frankfurt a. M. wurde ferner be- schloffen, dem Herrn Reichstagsabgeordneten Freese- Bremen ein BegrüßungS- und Danktelegramm zu senden, was auch sofort ausgeführt wurde. Zu Punkt 3 der Tages­ordnung: Stellungnahme zum Gesetzentwurf, betr. Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, erstattete Herr SyndicuS Schloßmacher das Referat, und Herr Landgraf- Stuttgart das Correferat, wobei sehr weit auseinander­gehende Anschauungen über diesen Punkt zu Tage traten. Es wurde aus diesem Grunde beschloffen, von Vereinswegen vorläufig eine bestimmte Stellung nicht einzunehmen, sondern in einer der nächsten Sitzungen des Gesammtvorstandes und der Abtheilungsvorstände auf den Gegenstand zurückzukommen. Auf Antrag deS Herrn C. Muhle ssn.-Hamburg auf Ein­fügung eines Paragraphen in daS Vereinsstatut, bezüglich der Ausschließung eines Mitgliedes aus dem Tabakveretn, wurde beschlossen, der Einfügung folgende Fassung zu geben: Der Ausschluß eines Mitgliedes aus dem Verein kann er­folgen, wenn dasselbe in Concurs geräth, oder der bürger­lichen Ehrenrechte verlustig erklärt wird, oder fick durch eine wissentliche Schädigung der gemeinsamen Interessen des deutschen Tabakgewerbes oder des deutschen TabakvereinS der Mitgliedschaft unwürdig macht. Der Ausschluß erfolgt tzurch Beschluß des Veretnsvorftandes." Nachdem sich noch die Herren Kranefuß, Bach und Böckelmann (Herford) über die Bekämpfung der Vorliebe der Raucher für helle Farben ausgesprochen, und die Versammelten den gehörten Anschauungen beigepflichtet, schloß die Versammlung mit der Vornahme von Wahlen.

Schwurgericht.

W. Gieße«, den 15. Juni 1895.

Heule Vormittag 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Herr LandgerichtSrath Hellwig, die Sitzung deS Geschworenen­gerichts. Zur Verhandlung kommt die Sache gegen Peter Rink auS Gießen wegen Brandstiftung. Die Anklage ver­tritt Herr Staatsanwalt Zimmermann. Die Verthei-

. digung führt Herr Rechtsanwalt Katz. Es sind 11 Zeugen j zu vernehmen. Der am 19. April 1860 geborene Ange- ! klagte ist der ihm zur Last gelegten Strafthat geständig, i Derselbe ist von 1886 bis 1894 auf dem Fernie'schen Braun­steinbergwerke bei Gießen, zuletzt als Oberknecht, beschäftigt gewesen und war mit dem Obersteiger Gibb, welcher eben­falls dort thätig ist, in fortwährende Differenzen gerathen und infolge davon will er seinen Dienst bei Fernie aufgegeben haben. Später war der Angeklagte bet der Gießener OmnibuS-Gesellschast bedienstet und benutzte nun einen freien Tag, nämlich den 2. April d. I., um sich Nachmittags erst Courage zu trinken und dann beim Dunkelwerden nach dem Fernie'schen Werke zu gehen und dort aus einer Hütte, nach­dem er deren Thür erbrochen, die tagsüber dem Verwalter Gibb als jeweiliger Aufenthaltsort diente, den Ofen rc. zu entfernen, dann häufte er in derselben zusammengesuchtes Papier rc. und steckte daffelbe in Brand, so daß dadurch die Hütte, in welcher sich 1 Pfund Schießpulver und eine Flasche Säure befand, total niederbrannte und ein Schaden von ca. 120 Mk. entstanden ist. Der aus Vergeßlichkeit In der Nähe des ThatorteS stehen gebliebene Spazierstock des An­geklagten wurde dessen Verräther. Die Anklage nimmt als Motiv der That an, daß Rink aus Rache gegen den Ver­walter Gibb, resp. aus Bosheit gegen diesen das Feuer an­gelegt habe. Angeklagter bestreitet dieses Motiv, kann aber einen anderen Grund nicht angeben, er gesteht aber zu, nicht betrunken gewesen zu sein, er habe wenigstens noch gerade gehen können. Angeklagter erkennt den auf dem Ge- richtStisch liegenden Stock als sein Eigenthum an, den er am Thatorte vergessen hatte. Nach Verlesung des Augenschein- protocolls wird dem Angeklagten Vorhalt gemacht, wie ge­fährlich sein von der Kletn-Ltndener Chaussee zurückgelegter Weg im Dunkeln war, ob er nicht von vornherein die Ab­sicht gehabt habe, das Häuschen von Gibb anzuzünden. An- geklagter bestreitet dies. Angeklagter gesteht zu, an dem Abend seinen Hut verloren zu haben, er weiß aber nicht wo. Die Geschworenen haben die an sie auf Grund des § 308 des R.-Str.-G. an sie gerichtete Schuldfrage wegen Brand- stiftung bejaht, dem Angeklagten aber mildernde Umstände zugebilligt. DaS Urtheil lautete auf 1 Jahr Gefängniß unter Anrechnung von 1 Monat der erlittenen Untersuchungs­haft. Zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte, welchen Antrag die Staatsanwaltschaft auf die Dauer von 3 Jahren gestellt hatte, fand der Gerichtshof keine Veranlassung.

CocaUs unb

Gieße«, den 15. Juni 1895.

* Schwurgericht. Für die kommende Woche find vom Vorsitzenden des Schwurgerichts außer dem am Montag bereits anstehenden Fall Sommer folgende Sachen zur Verhandlung anberaumt worden: Dienstag den 18. Juni Carl Plank, Gießen (Sittlichkeitsverbrechen)- Ankläger: Staatsanwalt Zimmermann, Vertheidiger: Rechtsanwalt Grünewald. Donnerstag den 20. Juni Johann Zinn, Brauerschwend (Meineid); Ankläger: Staatsanwalt Zimmer­mann- Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Rosenberg. Freitag den 21. Juni Conrad Hildebrand und fünf Genossen von Nieder-Wetsel (Sittlichkeitsverbrechen); Ankläger: Staats­anwalt Koch - Vertheidiger: Rechtsanwalt Grünewald und Rechtsanwalt Dr. Jung.

* * Vom Laudesgewerbeverei«. In welch hohem Maße Se. Königl. Hoh. unser Großherzog dem einheimischen Ge­werbestand und insbesondere dem Kunstgewerbe sein Interesse und seine Aufmerksamkeit zugewendet hat, ist erst neuerdings durch die Aussetzung von 8 Preisen im Betrage von zusammen 600 Mk. für gute Leistungen im Kunsthandwerk u. f. w. an Schüler gewerblicher Schulen in der deutlichsten Weise zu Tage getreten. Einen neuen Beweis für feine Theilnahme an den Bestrebungen des hessischen Gewerbewesens hat Se. Königl. Hoh. der Großherzog dadurch gegeben, daß er zahlendes Mitglied des Landesgewerbveretns und des Ortsgewerbvereins Darmstadt geworden ist.

* * Kuustverei«. Die Ausstellung im Thurmhaus am Brand hat in den letzten Tagen fünfzig neue Bilder erhalten- wtr beschränken uns für heute aus die Bemerkung, daß darunter viel Gutes und sehr Gutes enthalten ist, wenn uns auch einige Vertretermodernster" Auffassung und Malweise weniger befriedigen.

* MittelrheinischeS Turnfest. Der mit am meisten beschäftigte Ausschuß, der Musik- und Vergnügungs- Ausschuß, hat seine Thätigkeit fast vollendet und Alles wohl vorbereitet. Mit Ausnahme eines einzigen Vereins ist es gelungen, sämmtliche hiesigen Männer-Gesangvereine zu einem zu verschmelzen, der Herrn Franz Bauer zu seinem Festdirigenten ernannt und ein gewähltes Programm zusammengestellt hat. Da wir uns nun gerade auf musikalischem Gebiete befinden, berichten wir weiter, daß außer den Männerchorleistungen auch für die Gesänge bei der Fidelitas, die von der Allgemeinheit gesungen werden sollen, ausreichend gesorgt ist. Neben kernigen Turner- und Gesellschaftsliedern findet der Humor in harmloser, tote auch sathrischer Form sein Recht, und tummeln zu diesem Zweck die besten Ge- und Verlegenheitsdichter den Pegasus. Zwei stattliche Militärcapellen, die 115er und 116er, zu denen noch eine gute hiesige Civilcapelle kommt, sorgen ausreichend für Ohren­schmaus, letztere auch für die tanzlustigen Jungen und Alten. Doch nicht allein für das Ohr ist gesorgt- auch die anderen Sinne finden vollkommen beim Fest ihre Befriedigung. ES hieße jedoch aus der Schule plaudern, wollten wir uns hier zu weit in die Details vertiefen - es gtebt ja Genüsse, die lassen sich nicht schildern, die muß man miterleben, und zu diesen gehört und soll gehören daS Leben und Treiben auf dem Festplatz, in der Festhalle und auf dem Juxplatz. Gut Heil!

* * Gießener Radfahrverei«. Der morgen stattfindende Corso anläßlich deS 10jährigen Stiftungsfestes deS Gießener Radfahrvereins stellt sich auf der Südanlage mit der Spitze

Cafe Hettler" auf und bewegt sich durch SelterSweg, Kreuze Marktplatz, Schulstraße, Reuen Baue, Gartenstraße nachdem Festplatz am Schützenhaus.

* * Israelitische Eultu8verei«igu»g. Wie uns von zuver» lässiger Seite mitgetheilt wird, ist Herr Dr. Hirsch selb von der Großh. Regierung als Rabbiner der Culiusvereinigung der Provinz Oberhessen bestätigt worden.

* * Warnung. Die jetzt wieder herangekommene Zeit der Reife der Kirschen veranlaßt uns, dringend vor dem Ver­schlucken der Kirschkerne zu warnen, da erfahrungsgemäß all­jährlich Todesfälle Vorkommen, welche auf das Verschlucken von Kirschkernen zurückzuführen sind.

* * Die Starke der Garuifoueu der fünf größten hessischen Städte ist in einer von Großh. Ministerium veröffentlichttn Zusammenstellung wie folgt angegeben: Mainz 8160 Mann, Darmstadt 4960 Mann, Gießen 2180 Manu, WormS 640 Mann, Offenbach 620 Mann.

* * Das vierfache F. Wie der Turnvater Jahn sich die vier Eigenschaften der Turner, welche durch das vierfache F ausgedrückt werden, gedacht hat, geht aus einer Mittheilung hervor, die jetzt nach den Aufzeichnungen einer Jahn per­sönlich befreundeten Dame gewacht werden. Die Auslegung der vier WorteFrisch, Frei, Fröhlich, Fromm" lautet auS Jahns Munde folgendermaßen: Frisch nach dem Rechten und Erreichbaren streben, das Gute thun, das Bessere be­denken und das Beste wählen. Frei sich halten von der Leiden-chaft Drang, von des Vorurtheils Druck und deS Daseins Aengsten. Fröhlich die Gaben des Lebens genießen, nicht in Trauer vergehen über das Unvermeidliche, nicht in Schmerz erstarren, wenn die Schuldigkeit gethan ist und den höchsten Muth fassen, sich über das Mißliche der besten Sache erheben. Fromm die Pflicht erfüllen, leutselig unb volkltch, und zuletzt die letzte, den Heimgang. Dafür werden sie gesegnet sein mit Gesundheit des Leibes und der Seele, mit Zufriedenheit, so alle ReichthÜmer aufwiegt, mit er­quickendem Schlummer nach des Tages Last und bet des Lebens Müde durch sanftes Entschlafen.

* * Gartenbauausstellung in Darmstadt. Bei der am 27. d. M. ihren Anfang nehmenden Ausstellung des Gartenbauvereins zu Darmstadt sind auch eine An­zahl Ehren- und Geldpreise zur Prämiirung von Arbett vorgesehen, die von Gärtnerlehrlingen eingeschickt werden. Diese Arbeiten können in verschiedenen Bindereien, als Kränzen, Bouquets in natürlicher und künstlicher Form, Tafelaufsätzen rc., sowie in Gartenplänen bestehen. Die­selben müssen bis spätestens 23. Juni bei dem Präsidenten des AuSstellungscomitäs, Herrn Rentner H. Müller in Darmstadt, angemeldet und bis spätestens 26. Juni im Ausstellungslocal eingeliefert werden, und sind mit einer Beglaubigung von Seiten des betreffenden Lehrherrn, daß die Arbeit von dem Lehrling selbständig ausgeführt ist, zu versehen.

* *P.A. LS jährige Eriuneruugsfeier au das Jahr 1870 in Darmstadt. Zur Erleichterung eines regen Verkehrs unter den früheren Soldaten der einzelnen Truppentheile wird der Festplatz, ausgenommen die große Festhalle, in Appellpl-ätze getheilt. Die Appellplätze der Regimenter rc. find durch Plakate bezeichnet und nicht durch Spaliere be­grenzt. Jedem Appellplatz ist ein Thetl der zunächst stehenden Bierhallen zugewiesen. Wenn z. B. ein Artillerist vom Jahrgang 1884 seine Kameraden begrüßen will, so sucht er in den Nachmittagsstunden des 18. August den Appellplatz des Großh. Artillerie - Corps auf. Ebenso befinden fich auf besonderem Appellplatz die Veteranen des 1. Jäger Bataillons, ganz gleich, ob dieselbenHassia"-Mitglieder sind ober nicht. Jedem, der eine Festkarte besitzt, ist der Zutritt zu den Appellplätzen stets gestattet.

** Der Getreidemarkt. (Berichtswoche vom 7. bis 14. Juni.) Die Lage des Getreidemarktes war in der letzten Woche schwankender Tendenz, bald fest, bald weichend, weil zuweilen ein starkes Angebot, zumal an Weizen und Roggen, hervortrat, und dabei dennoch die Befürchtungen fortdauern, daß in Deutschland, Rußland, Oesterreich-Ungarn und Nordamerika die kommende Ernte wegen dünnen Be­standes nicht so gut wie die vorjährige ausfallen dürfte. Die (Steigerung deS Angebotes vor der Ernte kann daher nur dadurch erklärt werden, daß die Baisse Speculante« ver­zweifelte Anstrengungen machen, um die Preise zu drücken, oder daß thatsächlich noch viele Vorräthe vorhanden find. Bedeutende Preisrückgänge fanden übrigens nicht statt, sondern es wurden die Käufe nur unter Preisdruck mit etwas Nachlaß abgeschlossen. In Berlin und Leipzig wurden gekauft: Weizen per 20 Centner für 150 dis 164 Mk., Roggen für 130 bis 136 Mk., Gerste für 108 bis 160 Mk. und Hafer für 122 bis 148 Mk. je nach Qualität.

Münster, 14. Juni. Auf einem mit Heu beladenen Wagen des H. Scho mb er auS Ettingshausen saßen dessen Frau und dreijähriges Söhnchen. An einem kleinen Abhang stürzte der Wagen um; die Frau brach beide Beine, während das Kind mit bloßem Schrecken davonkam.

% Bad-Nauheim, 14. Juni. Nach einer soeben fertig gestellten amtlichen Zusammenstellung wurden in der Woche vom 7. bis zum 14. Juni 934 Kurfremde angemeldet. Hierzu 3707 Bestand am 7. Juni, ergtebt in Summa 4641 - davon waren am 14. Juni noch 2887 anwesend.

E. Echzell, 14. Juni. Die fiscalischen HeugraS- Versteigerungen in den Gemarkungen Berstadt, Bisses und Echzell haben befriedigende Preise gebracht, denn die Er­löse gingen 3040 Procent über die vorher vorgenommenen Taxattonen hinaus. Die Steigerer werden ihre Rechnung aber doch finden - denn das Futter steht prachtvoll und wird voraussichtlich mehr an Gewicht geben als angenommen worden ist. Man hat seit Jahren kein so gutes, reichliches HeugraS auf den Wiesen gesehen, rote im laufenden Frühjahr.

n. Stade«, 13. Juni. Bei der heute hier abgehaltenen HeugraSverfteigerung wurden irn Durchschnitt 17 Mk. fßr den Morgen gelöst. Der Durchschnittsertrag von einem