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Erstes Blatt.
Rt. 139
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren
Hratisöeitage: Gießener Kamilienötätter.
Abnahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.
Sonntag den 16. Juni
Bevölkerung verlegt, unmöglich, wenn es auch als zweifellos gelten kann, daß die Verhältnisie diese bevorzugte Stellung bedingen. Wer in unserem monarchischen Staatswesen als eine verläßliche Stütze betrachtet und dementsprechend berück- fichtigt sein will, der weiß, ohne die Möglichkeit einer An- zweiflung von sich geltend machen können, daß seine Treue und Ehrerbietung gegenüber dem Monarchen vollen inneren Werth besitzen und daß er die berechtigten eigenen Jntereffen den Jntereffen des Staates und der Gesammtheit unter» zuordnen versteht.
Berlin, 14. Juni. Der „Reichsanzeiger" schreibt zu der Ansprache des Fürsten Bismarck an den Central- ausschuß des Bundes der Landwirthe, in welcher unter Anderem von Ministern die Rede war, die am Amte „kleben" und sich nicht vom Ministerseffel trennen können, dieser Paffus sei mehrfach in der Presse aus den Staatsminister v. Bötticher bezogen worden. Diese Bezugnahme sei eine völlig irrige, denn als Herr v. Bötticher im Januar 1890 dem Fürsten Bismarck gegenüber den Wunsch aussprach, aus seinen Aemteru entlasten zu werden, habe der Fürst ihn im Dienst zurückgehalten. Auch später habe Bötticher wiederholt seine Entlassung erbeten, welche ihm jedoch nicht gewährt worden sei. Der „Reichsanzeiger" druckt gleichzeitig ein kaiserliches Handschreiben ab, datirt vom 29. März 1892, in welchem unter Ausdrücken der größten Anerkennung dem Herrn v. Bötticher die erbetene Entlastung nicht bewilligt wird.
Berlin, 14. Juni. Wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz werden nunmehr die beiden inhaftirten Anarchisten TöbS und Krebs angcklagt werden. Am Freitag haben in dieser Angelegenheit wieder mehrere Zeugen- Vernehmungen stattgefunden. ES handelt sich dabei um die thatsächliche Feststellung, ob die beiden Angeklagten im Besitz von Sprengstoffen gewesen find. TöbS soll übrigens bestreiten, überzeugter Anarchist zu sein. Er habe sich nur von der Soctaldemokratie ab und etwas nach links gewendet.
Berlin, 14. Juni. Nach dem bisherigen Gange der Verhandlungen des Abgeordnetenhauses wird in parlamentarischen Kreisen angenommen, daß die zweite Lesung der Stempelsteuer-Novelle am Dienstag nächster Woche zum Abschluß kommen wird. Am Mittwoch werden die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses wegen der Nord-Ostsee Canal- Feierlichkeiten unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzungen wird zunächst die Mellage-Jnterpellation auf die
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Tagesordnung gesetzt und sodann die Vorlage, betreffend die Central-Creditbank, zur Berathung kommen, welche voraussichtlich einer Commission überwiesen werden wird.
Berlin, 14. Juni. Der ehemalige Kanzler in Kamerun, Herr Leist, der durchUrtheil deS DiscipltnarhoseS aus dem Reichsdienst verabschiedet wurde, hat sich, den „N. Nachr." zufolge, als Rechtsanwalt hier niedergelaffen und gestern vor dem Oberverwaltungsgericht in einer erheblichen Streitsache plaidirt und ein obsiegendes Erkenntuiß erstritten.
Kriedrichsruh, 14. Juni. Fürst Bismarck hat infolge Unwohlseins bis auf Weiteres alle noch angemeldeten Empfänge abgelehnt.
Triest, 14. Juni. Aus Rovigo wird gemeldet, daß daselbst in einem Wohnhause, in welchem sich 200 Leidtragende zu einem Letchenbegängntß eingefuuden hatten, der Plafond ein stürzte. 14 Personen wurden getödtet, 27 schwer und 50 leicht verletzt.
Rom, 14. Juni. In vaticanischen Kreisen verlautet, der Papst werde in Erwiderung auf einen Paffus der Thronrede eine Kundgebung erlasien. Gelegentlich der 25jährige« Gedenkfeier der Einnahme Roms wird der Papst an die Mächte eine diplomatische Note richten, in welcher er gegen den Raub des Kirchenstaates protestirt- der Papst werde selbst eine Ansprache über dieses Thema halten.
Rom, 14. Juni. Der Procurtst der Banca Italia, sowie deffen 13jähriger Sohn wurden während eines Spazier- ganges bei Sassari von den Brüdern Marzettu ermordet. Das Motiv zu dieser Thal ist unbekannt.
Paris, 14. Juni. Der „Gaulots" meldet, der Zar werde den Präsidenten Faure zu den in einigen Monaten stattfindenden Krönungsfeierlichkeiten einladen. Das Blatt ist der Anficht, Faure werde die Einladung anuehmen.
Paris, 14. Juni. Die russische Regierung hat bei einer Schiffswerft in Havre ein großes Kriegsschiff von 8500 Pferdekräften bestellt. DaS Schiff wird groß- artig eingerichtet und Wohnung für eine kaiserliche Hoheit enthalten. Wahrscheinlich wird es ein russisches Admiralsschiff für den Großfürsten Alexis werden.
Madrid 14. Juni. Die Rebellen haben 20 Häufer in NuevitaS eingeäschert und zwei Europäer, worunter sich ein Italiener befindet, ermordet.
Madrid, 14. Juni. Gelegentlich der Truppen- sendungen nach Cuba fordern die Blätter die Regierung auf, dieselben zu beschleunigen, da nach einem officiellen
Wolff» telegraphisches Correfpondmz-Bureau.
Berlin, 14. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betr. die Ausführung des mit Oesterreich- Ungarn abgeschloffenen Zolltarifs vom 9. Juni 1895, das Gesetz betr. die Abänderung des Zuckersteuergesetzes vom 9. Juni 1895, das Gesetz über den Beistand bei Einziehung von Abgaben und die Vollstreckung der Ver' mögensstrafen vom 9. Juni 1895, das Gesetz betr. die kaiserlichen Schutztruppen für Südwestafrika und Kamerun »nd die Bekanntmachung betr. die Anzeigepfltcht für ■ Schweineseuche, Schweinepest und Rothlauf der Schweine.
Berlin, 14. Juni. Wie die „Post" hört, empfing heute der Ministerpräsident den Ministerialdirector des CultuSministeriums Bent sch zum Vortrage über Angelegen- , heiteu des Alexianerklöfters Mariaberg.
Berlin, 14. Juni. Der durch den gestrigen Brand nn Vtctoriaspeicher angerichtete Schaden an Maaren und Baulichkeiten wird aus 1,400,000 Mark beziffert. Die I Summe ist durch Versicherung' gedeckt. Die Entstehungsursache ist noch nicht ermittelt.
Leipzig, 14. Juni. Der 4. Strassenat des Reichsgerichts sprach sich dahin aus, daß die Aufforderung zum Boycotr als grober Unfug strafbar sei, wenn dadurch Beunruhigungen des Publikums entstehen. Es ist gleichgültig, daß der Boycott selbst straflos ist. Aus diesem 1 Grunde wurde die Freisprechung von Hartung und Genossen , i« Schweidnitz vom 19. Februar d. I. auf die eingelegte , Revision aufgehoben.
Budapest, 14. Juni. 900 Bäckergehilfen stellten j die Arbeit ein. Im Laufe der Nacht demonstrirten die ; Strikend en vor mehreren Bäckerläden - die Polizei sprengte | sie mit blanker Waffe auseinander und nahm mehrere Verhaftungen vor.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berit», 14. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." leitartikelt heute Abend über die in letzter Zeit in der Preffe vielfach erörterten Vorschläge zur Abänderung des Reichstags- wahlrechtS. Das osficiöse Blatt kommt zu nachfolgendem Schluß: In jedem Falle erscheint uns eine Umgestaltung deS Wahlrechts, welches das Schwergewicht aus der breiten Maffe wieder mehr in die politisch reiferen Schichten der
Gießener Anzeiger
Generat-Mnzeiger.
Der Anzeiger erscheint täglich, ont Lu-nahme deS Montag-.
Die Gießener IsurnttteuSkätter »erben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
zitternd unbestimmten, wie ihn eben ein armer, nachgeborener Sonnenstrahl nicht beffer zu geben vermag. DaS war aber gerade das Richtige. Seiner Bedeutung nach hatte das Bild eine so reclamenhafte Beleuchtung nicht uöthig, seine fkizzenhaste AuSsührung hätte eine solche nicht vertragen. Es war ein gar seltsames Bild. Schon hatte es den Rahmen eingebüßt, damit ein anderes damit geziert werde, hatte vielleicht auch nie einen solchen gehabt. Ohne Schutz den Sonnenstrahlen preisgegeben, war es vergilbt, Spinnen hatten ihr graues Gewebe, gleichsam als Schutz, darübergezogen und nur mit Mühe war es noch erkennbar.
Es stellte ein Mädchen dar, eine noch unaufgeblühte Mädchenknospe. Die Formen waren noch nicht entwickelt, aber das vergaß man, wenn man die blühende Gesichtsfarbe, die prachtvollen schwarzen Haare sah und vor allem die Augen. Räthselhafte Augen! Sie erinnerten an jene Alpenseen, deren durchsichtiges Wasser durch das Gestein deS Grundes tiefdunkel gefärbt wird. Und wie die Sage auf dem Grunde dieser Seen häufig einen Geist Hausen läßt, so weilte auch hier, in diesen Augen, ein Geist- aber es war kein finsterer Dämon, es war ein Geist des Lichtes, ein Frühlingskobold.
Lange stand ich da und betrachtete das Bild, dann schritt ich schnell, als fürchtete ich, es könne mir ein Anderer zuvorkowmen, durch die niedrige Thür in das düstere Innere des Ladens.
Ein häßliches, alteS Weib humpelte aus einer Ecke der Höhle auf mich zu und fragte mit schriller Stimme nach meinem Begehren. Der Handel war bald geschloffen, da ich den geforderten, offenbar zu hohen Preis ohne Widerstreben zahlte.
„Ja, ja, Euer Gnaden, ein hübsches Bild," krächzte der Drache, welcher diese Schätze hütete, „ein hübsches Bild, nicht wahr? O, der Antonio verstehtS, dies har er gemacht, als er noch nicht toll war."
Gern hätte ich über den Ursprung meines Bilde» etwas Näheres erfahren und fragte deßhalb.
„Wo wohnt der Maler?"
Feuilleton.
Ihre Auge».
Skizze von Jacques Jakoby.
(Nachdruck verboten.)
Auf dem goldenen Kreuze des ThurmeS der Peters- kirche spiegelte sich der letzte Strahl der Sommersonne- ich wandte meine Augen nicht zu diesen Höhen, ich versuchte es nicht, den Scheidebltck des Gluthenballes zu erhaschen, hatte mich doch dieser tagsüber genug gequält. Nach dem ältesten, winkeligsten Theile der ewigen Stadt wandte ich mich, um das Treiben des Volkes, das um diese Stunde am regsten ist, zu beobachten. Eines der Gäßchen daselbst, sein Name ist mir entfallen, kann geradezu als das Reich der Trödler bezeichnet werden- fast in jedem dritten Hause sieht man hinter den unteren Fenstern alte, wurmstichige Möbel, ver» blichene Kleider, Waffen, Kunstgegenstände zweifelhaften Werthes, Hausgeräthe und dergleichen mehr in buntem Gemisch zum Verkaufe ausliegen. Stets hat ein solcher Laden eine wunderbare Anziehungskraft auf mich ausgeübt, stundenlang kaun ich vor den kleinen blinden Fenstern stehen und die hinter denselben aufbewahrten Herrlichkeiten betrachten: es läßt sich viel dabei denken! Wie viele, wie verschiedene Htgeuthümer mögen diese Gegenstände gehabt haben! Wie mögen sie hierher gerathen sein? Diele sind gewiß zunächst von Reich zu Arm gewandert, viele als ltebgewordene Erbstücke unter Thronen verkauft worden, um Brod für die hmigernde Brut zu schaffen, viele haben gewiß eine an Abenteuern reiche Vergangenheit gehabt — es läßt sich viel dabei denken!
Als ich so meiner alten Liebhaberei fröhnte, fiel wein A»ge plötzlich auf ein Bild. Der allerletzte Sonnenstrahl — nicht auf Verlangen des geehrten Publikums, nein, aus eigenem, unwiderstehlichem Antrieb sicherlich — fiel auch in diese enge Gaffe, und zwar gerade aus das Bild. Er wars rt»eu goldigen Schimmer darauf, nicht einen solchen von der Gluth derer, die Tizian sich gestohlen, nein, einen diScreten,
„Nun, Ihr braucht nicht weit zur Audienz zu laufen, antwortete die Trödlerin, „droben in der Dachstube fitzt er. Eigentlich sollte ich ihn htnauSwerfen laffen, denn er zahlt schon seit lange keinen Scudo mehr- aber die Theresa von nebenan, die es ja verstehen muß — o, sie ist eine große Zauberin — sagt, er wirds nimmer lange mehr machen, il povero!“ „
„Führt mich hinauf!" hemmte ich ihren Wortschwall und drückte ihr eine Sllbermünze in die Hand.
Durch Berge von altem Gerümpel hindurch erreichte ich unter Führung dieses weiblichen Charons den Eingang zum Erebus, die zu den oberen Regionen führende Treppe, die in ungewisses Dunkel gehüllt war.
„Haltet Euch links, Herrchen, links. Rechts sind schon einige Löcher, der Pater Anselmo hat sich neulich beinahe den Fuß dort gebrochen!"
Endlich waren wir oben. Die Alte öffnete eine Thüre, die nur noch halb in den Angeln hing- ich trat ein.
Am Fenster saß ein junger Mann, blonde Locken, das Zeichen germanischen Ursprungs, umwallten seine hohe, von Gram gefurchte Stirn- seine Züge waren marmorweiß, nur auf den Wangen hoben sich scharf umgrenzte rothe Punkte ab, die sichere Spur von dem Kuffe des Todesengels. Seine linke Hand hielt Pinsel und Palette, mit der rechten hatte er träumerisch das Haupt gestützt, in seinen blauen Augen, die unablässig auf die Leinwand vor ihm hinstarrten, standen Thränen. , v
„Amonio!" fchrie ihm die Alte ins Ohr, „der Herr hier will Dich sprechen!"
Einen Augenblick sah der Künstler auf, warf einen flüchtigen Blick auf mich, dann sagte er leise, traurig das Haupt schüttelnd:
„Ich weiß, ich weiß, er will die Copie von Blancas Bild haben- aber ich kann eS nicht, weiß Gott, ich kann ihre Augen nicht malen. Das find nicht die Deinen, meine arme, kleine Blanca!"
(Schluß folgt.)


